Sascha Hölig, Eine meinungsstarke Minderheit als Stimmungsbarometer?! Über die Persönlichkeitseigenschaften aktiver Twitterer in:

M&K Medien & Kommunikationswissenschaft , page 140 - 169

M&K Volume 66 (2018) Issue 2 Browse Volumes:  M&K Medien & Kommunikationswissenschaft
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Abstract

Today, Twitter has become a crucial source of information that journalists turn to. Likewise, politicians use this online news and social networking service to get a sense of how public opinion is developing. However, the true validity of opinions and issues distributed via Twitter is often overlooked. Any journalistic coverage inspired by a Twitter reality bears the risk of dissociation from the everyday life reality of the public. Hence, I ask to what extent a Twitter-based perceived public opinion trend truly conforms to the actual mood of the public. Focusing on socio-demographic characteristics, political attitudes and personal traits, I analyse how the characteristics of active Twitter users conform to the data from a representative survey of Internet users in Germany. The results suggest vital differences. Active Twitter users differ from the average Internet user in Germany with regard to their demographic, political and particularly their personal characteristics. Consequently, a Twitter-based mood board is likely to be influenced by potentially narcissistic personalities who are forceful extroverts with lesser anxieties than the average Internet user. I claim that any orientation based upon opinions and trends distributed via Twitter is likely to suggest a distorted reality that has little resemblance to the everyday life of the general public.

Zusammenfassung

Twitter ist für Journalisten zu einer wichtigen Informationsquelle geworden und findet auch unter Politikern Anklang als informelles Stimmungsbarometer öffentlicher Meinung. Dabei kann die Reflektion über die Aussagekraft der in dem Kurzmitteilungsdienst relevanten Themen und Meinungen schnell in den Hintergrund geraten. Das birgt die Gefahr, dass journalistische Berichterstattung, die durch dort abgebildete Wirklichkeiten inspiriert wurde, weit von der direkt erfahrbaren Lebenswelt der Bevölkerung entfernt ist. Es stellt sich daher die Frage, inwieweit das auf Twitter beobachtbare Stimmungsbild potenziell dem der Bevölkerung entsprechen kann. Indikatoren dafür können soziodemographische, politische und persönlichkeitsbezogene Merkmale sein. In der vorliegenden Studie werden Menschen, die sich regelmäßig privat auf Twitter äußern, untersucht und mit einer repräsentativen Stichprobe erwachsener Internetnutzer in Deutschland verglichen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich aktive Twitterer in demographischer, politischer und vor allem in Hinsicht der Persönlichkeitsmerkmale vom Durchschnitt der Internetnutzer unterscheiden. Das Stimmungsbild auf Twitter wird im Vergleich eher von Persönlichkeiten geprägt, die höhere Werte in der Tendenz zum Narzissmus aufweisen, die persönlichkeitsstärker, extrovertierter und weniger ängstlich sind. Eine Orientierung an den Meinungen und Trends auf Twitter kann daher verzerrte Relevanzrahmen und Stimmungsbilder suggerieren, welche mit denen der Gesamtbevölkerung nur wenig zu tun haben.