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Elke Berger, Christoph Reichebner, Astrid Eriksen, Matthias Kretzler, Matthias Offermanns, Robin Heber, Clemens Krause, Reinhard Busse, Das Projekt „Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD)“ in:

G&S Gesundheits- und Sozialpolitik, page 11 - 12

GuS, Volume 74 (2020), Issue 4-5, ISSN: 1611-5821, ISSN online: 1611-5821, https://doi.org/10.5771/1611-5821-2020-4-5-11

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11 THEMA 4-5/2020G+SDOI: 10.5771/1611-5821-2020-4-5-11 Das Projekt „Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD)“* ELKE BERGER ET AL. Elke Berger, MPH, Christoph Reichebner, M. Sc., und Astrid Eriksen, M. Sc., sind wissenschaftliche Mitarbeiter*innen am Fachgebiet Management im Gesundheitswesen (MiG) an der TU Berlin Matthias Kretzler, MHMM, ist Referent Krankenhaus und Innovationen beim BKK Dachverband e. V., Berlin Dr. Matthias Offermanns ist Senior Research Manager beim Deutschen Krankenhausinstitut e. V., Düsseldorf Robin Heber, M. Sc., ist Junior Research Manager beim Deutschen Krankenhausinstitut e. V., Düsseldorf Clemens Krause, M. A., ist Mitarbeiter am Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung Prof. Dr. med. Reinhard Busse, MPH FFPH, ist Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen (MiG) an der TU Berlin Vor dem Hintergrund einer starken Dezentralisierung, geringer Spezialisierung und international überdurchschnittlicher Bettenkapazitäten in der deutschen Krankenhauslandschaft stehen die umfassenden Reformen des dänischen Krankenhaussektors seit einigen Jahren im Fokus gesundheitspolitischer Diskussionen. Im vorliegenden Artikel wird das Innovationsfondsprojekt „Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD)“ vorgestellt, welches sich diesem Thema widmet. Dabei soll erstmals in der Tiefe analysiert werden, welche Prozesse in Dänemark vollzogen wurden und, ob und wie sich Teile dessen auf Deutschland übertragen lassen. Im partizipativ ausgerichteten Projekt wird ein Methoden-Mix aus qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden verwendet, um abschließend Handlungsempfehlungen für die notwendige Reformierung der deutschen Krankenhauslandschaft zu generieren. 1. Hintergrund und Projektziele Die deutsche Krankenhauslandschaft ist geprägt von einem dezentralen Leistungsangebot, geringer Spezialisierung und international überdurchschnittlichen Bettenkapazitäten. In der Fachöffentlichkeit werden Ursachen und Auswirkungen dieser Strukturen für Qualität und Wirtschaftlichkeit der Krankenhausversorgung kontrovers diskutiert. Unterschiedlichen Einschätzungen zum Trotz besteht Konsens zum Reformbedarf in der Krankenhausversorgung hierzulande. In anderen europäischen Ländern, in denen es am Ende des 20. Jahrhunderts ähnliche Ausgangsbedingungen gab, wurde in den vergangenen Jahren damit begonnen, stationäre Strukturen und ihre Planung stärker an der Qualität der Leistungserbringung auszurichten und diese entsprechend umzustrukturieren. Dabei ist – nicht nur in Deutschland und Europa – insbesondere Dänemark ins Interesse von Wissenschaftler*innen und politischen Entscheidungsträger*innen geraten. Denn dort wird die stationäre Versorgung seit Anfang der 2000er Jahre in einem fortlaufenden Prozess komplett neu strukturiert. So wurden u. a. sogenannte Superkrankenhäuser neu errichtet, viele kleinere Standorte geschlossen und insgesamt die Zahl der Krankenhausstandorte mit Notaufnahmen halbiert. Um herauszufinden, wie genau dieser Prozess vonstattengehen konnte und um von den Entwicklungen aus dem Nachbar- * Der Artikel ist im Rahmen des vom Innovationsfonds geförderten Projekts „Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD)“ entstanden. (FKZ: 01VSF18044) GuS_4-5_2020_Buch.indb 11 09.10.20 13:07 12 THEMA G+S 4-5/2020 Aus diesem Grund ist mit den folgenden Akteuren jeweils ein Workshop geplant: ■ Vertreter*innen von Krankenhausgesellschaften und Krankenhausträgerverbänden, ■ Vertreter*innen von Krankenkassenverbänden, ■ Vertreter*innen verschiedener Krankenhäuser unterschiedlicher Trägerschaft, Größe und regionaler Lage, ■ Vertreter*innen von Ärzteschaft und medizinischen Professionen und Vertreter*innen der Krankenpflege, ■ Vertreter*innen aus (Gesundheits-)Politik und Landeskrankenhausplanung, ■ Vertreter von Bürger*innen- und Patient*inneninteressen, ■ internationale Expert*innen. Die Auswahl und Rekrutierung der jeweiligen Akteure erfolgten auf Basis der bestehenden Netzwerke des Konsortiums. Bei den Workshops handelt es sich um moderierte Diskussionsrunden (auch Fokusgruppen genannt), die dem zusätzlichen Erkenntnisgewinn dienen und vor allen Dingen darauf abzielen, relevante Hürden bei der Übertragbarkeit aus Sicht verschiedener Stakeholder zu sammeln, zu visualisieren und abschließend mit den Teilnehmern zu gewichten. Auf Basis des im Arbeitspaket 1 erarbeiteten Kriterienkatalogs sollen den relevanten gesundheitspolitischen Akteuren abschließend elementare Umsetzungshinweise und Handlungsalternativen zur Verbesserung der stationären Versorgung in Deutschland aufgezeigt werden. 3. Fazit und Ausblick Das unter dem Förderkennzeichen 01VSF18044 geförderte Projekt wird für zwei Jahre mit insgesamt ca. 796.000 € finanziert und befindet sich aktuell in seiner Abschlussphase. Im gesamten bisherigen Projektverlauf ist es sowohl auf deutscher als auch auf dänischer Seite auf ein großes Interesse und eine große Unterstützung gesto- ßen. Das und der partizipative Ansatz unter Einbindung aller relevanten Akteure wird darin münden, dass das Projekt wichtige und dabei nicht nur konkrete, sondern auch praktikable Handlungsempfehlungen für die notwendige Reformierung der Krankenhauslandschaft in Deutschland geben und so langfristig die Versorgung verbessern kann. Erste Ergebnisse aus den Arbeitspaketen 1 und 2 sind in diesem Heft nachzulesen. ■ die solch tiefgreifende Reformierungen ermöglicht haben. Dies erfolgt anhand von ausgewählten politikwissenschaftlichen Methoden, die den politischen Prozess explorativ und beschreibend analysieren, um so Erkenntnisse über die zentralen Vorgänge zu erlangen. Zusätzlich wird untersucht, ob und wie diese Prozesse von der medialen Berichterstattung beeinflusst worden sind. Dazu wird eine dänische Mediendatenbank (Infomedia) genutzt, die alle dänischen Medien seit mindestens Mitte der 90er Jahre umfasst. Die dort mithilfe einer systematischen Suche identifizierten relevanten Artikel werden sowohl quantitativ als auch qualitativ untersucht. Sowohl die Politikals auch die Medienanalyse greifen dabei auf Informationen zurück, die in insgesamt 17 Interviews mit dänischen Expert*innen im Sommer 2019 im Rahmen von zwei Forschungsreisen gewonnen werden konnten. Die Auswahl und Rekrutierung der Expert*innen aus Gesundheitspolitik, -wissenschaft und -praxis erfolgte mit Unterstützung des Kooperationspartners Healthcare DENMARK. Dabei handelt es sich um eine öffentlich-private Non- Profit-Partnerschaft, die im Auftrag der dänischen Regierung zur Weiterentwicklung des dänischen Gesundheitssystems und der Förderung von dessen internationaler Sichtbarkeit beiträgt. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und mittels strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) ausgewertet. Die Forschungsreisen dienten ebenfalls dazu, ein Netzwerk aus relevanten Akteuren in Dänemark aufzubauen. So wurde z. B. eine enge Zusammenarbeit mit dem dänischen Gesundheitsministerium, dem Emergency Medical Service (EMS) Kopenhagen sowie weiteren zentralen Akteuren in Dänemark ermöglicht. Im letzten Arbeitspaket, welches auf die Beantwortung der Frage der Übertragbarkeit auf Deutschland abzielt, wird zunächst durch Szenarioanalysen untersucht, wie sich eine Übernahme zentraler Aspekte aus Dänemark auf das Versorgungsgeschehen in Deutschland auswirken würde. Auf Basis der zuvor erlangten Erkenntnisse sollen insgesamt sieben Workshops mit deutschen sowie internationalen Expert*innen stattfinden. In diesen Workshops sollen die Reformen diskutiert und unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden, um Bedingungen und Auswirkungen sowie förderliche und hemmende Faktoren für eine Übertragbarkeit von Teilen der dänischen Reformen auf Deutschland zu ermitteln. land Dänemark zu lernen, hat sich unter der Leitung des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen (MiG) an der Technischen Universität Berlin ein breites Konsortium bestehend aus relevanten Akteuren im deutschen Gesundheitssystem gebildet. Dazu zählen der BKK Dachverband e. V., das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) und das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Versorgung (Zi). Gemeinsam sollen in dem seit März 2019 vom Innovationsfonds geförderten Versorgungsforschungsprojekt ”Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD)“ Impulse zur Weiterentwicklung der deutschen Krankenhauslandschaft generiert werden. Übergeordnetes Projektziel ist die Überprüfung, welche Teile der dänischen Reformen für die deutsche Krankenhausversorgung sinnvoll und übertragbar sind und welche inhaltlichen und praktischen Voraussetzungen für die Übertragung auf Deutschland geschaffen werden müssten, um die Versorgung langfristig zu verbessern. Zu diesem Zweck ist das Projekt in drei Arbeitspakete gegliedert: (1) Bestandsaufnahme der deutschen Krankenhauslandschaft und Vergleich mit dem „dänischen Modell“, (2) detaillierte Analyse der Reform in Dänemark und (3) Übertragbarkeit der dort gewonnenen Erkenntnisse auf Deutschland. 2. Methoden Um ein möglichst umfassendes Bild von den Entwicklungen in Dänemark und ihrer Übertragbarkeit zu bekommen, bedient sich das Projekt innerhalb dieser Arbeitspakete verschiedenster qualitativer und quantitativer Methoden. Im ersten Arbeitspaket, das dem Vergleich der beiden Länder dient, kommen überwiegend explorative Literatur- und Dokumentenreviews sowie deskriptive Sekundäranalysen frei zugänglicher Daten (u. a. statistisches Bundesamt, Danmark Statistik, OECD, Eurostat) zum Tragen. Ein erster Workshop mit Expert*innen aus Deutschland u. a. aus Krankenhausplanung und -praxis diente dazu, gemeinsam relevante Kriterien zum Vergleich der beiden Länder zu bestimmen. Im zweiten Arbeitspaket, in dem es um eine Tiefenanalyse der dänischen Reformen geht, kommen ebenfalls explorative Literatur- und Dokumentenanalysen zum Einsatz. Darüber hinaus findet eine umfassende Analyse der politischen Prozesse statt, GuS_4-5_2020_Buch.indb 12 09.10.20 13:07

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund einer starken Dezentralisierung, geringer Spezialisierung und international überdurchschnittlicher Bettenkapazitäten der stationären Versorgung in Deutschland stehen die umfassenden Reformen des dänischen Krankenhaussektors seit einigen Jahren im Fokus gesundheitspolitischer Diskussionen. Der Beitrag stellt das Innovationsfondsprojekt „Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD)“ vor und analysiert, welche Prozesse in Dänemark vollzogen wurden und, ob und wie sich Teile auf Deutschland übertragen lassen.

References

Abstract

Gesundheits- und Sozialpolitik is an independent journal that informs about new developments in legislature and management regarding healthcare and social security. Insiders and scholars discuss recent reforms, rehash background information, develop case scenarios for legislature, describe ways and conflicts of management, and document jurisdiction in a comprised form.

The journal addresses corporations of all industries, human resources managers, organizations, administration bureaus, unions, and works committees.

Website: www.gus.nomos.de

Zusammenfassung

Die Zeitschrift berichtet als interessenpolitisch unabhängige Fachzeitschrift über neue Entwicklungen in Gesetzgebung und Management des Gesundheitswesens und der sozialen Sicherungssysteme. Insider und Wissenschaftler diskutieren aktuelle Reformen, bereiten Hintergrundinformationen auf, entwerfen Szenarien der Gesetzgebung, beschreiben Wege und Konflikte des Managements und dokumentieren die Rechtsprechung in komprimierter Form.

Die Zeitschrift "Gesundheits- und Sozialpolitik" wendet sich an Unternehmen aller Wirtschaftszweige, Personalverantwortliche, Verbände, Verwaltungsdienststellen, Gewerkschaften, Betriebsräte.

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