Maren Hofius, Jan Wilkens, Hannes Hansen-Magnusson, Sassan Gholiagha, Den Schleier lichten? Kritische Normenforschung, Freiheit und Gleichberechtigung im Kontext des »Arabischen Frühlings« in:

ZIB Zeitschrift für Internationale Beziehungen, page 85 - 105

ZIB, Volume 21 (2014), Issue 2, ISSN: 0946-7165, ISSN online: 0946-7165, https://doi.org/10.5771/0946-7165-2014-2-85

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Maren Hofius/Jan Wilkens/Hannes Hansen-Magnusson/Sassan Gholiagha Den Schleier lichten? Kritische Normenforschung, Freiheit und Gleichberechtigung im Kontext des »Arabischen Frühlings« Eine Replik auf Engelkamp/Glaab/Renner, Ulbert und Deitelhoff/ Zimmermann Die Forderung nach »kritischer« Normenforschung in den IB durch Engelkamp et al. und Deitelhoff/Zimmermann aufgreifend, plädieren wir dafür, mithilfe eines kritisch-konstruktivistischen Forschungsprogramms über eine poststrukturalistische Perspektive hinauszugehen, die lediglich hegemoniale Strukturen hinterfragt. Normenforschung muss »kritisch« bleiben – hier stimmen wir mit den vorangegangenen Beiträgen in der ZIB überein. Gelingen kann dies jedoch nur, wenn beforschte Akteurinnen und Akteure vor einer normativen Bewertung der Forschenden zunächst für sich selbst sprechen können und ihren Artikulationen weder theoretisch noch methodologisch vorgegriffen wird. In Anlehnung an kritisch-konstruktivistische Forschung schlagen wir daher eine induktive Forschungsstrategie vor, die genau dies ermöglicht und dabei die doppelte Hermeneutik forschungspraktisch umsetzt. Gelingt dies, wird lokalen Akteurinnen und Akteuren agency zugestanden und sie sprechen für sich selbst. Dann erst ist (Normen-)Forschung kritisch. Empirisch illustriert der Artikel eine solche Forschungsstrategie anhand einer rekonstruktiven Analyse des meaning-in-use der Normen »Freiheit« und »Gleichberechtigung« anhand der Reaktionen auf die Protestaktionen von FEMEN in der WANA-Region. Einleitung1 In einem Interview mit der Zeitschrift ZEIT Campus argumentiert Michael Hardt, dass die Proteste, die wir in West-Asien und Nord-Afrika (WANA)2 aber auch in Teilen Europas 2011 erlebt haben, lokal verwurzelt seien (Hardt 2013: 27). Das sei es auch, was sie von den Protesten der GlobalisierungskritikerInnen Anfang des Jahrtausends unterscheide. Hardts Analyse mag zutreffend sein, das Lokale bleibt jedoch bei ihm undefiniert. Im Folgenden soll es unter anderem um eine genauere und vor allem kritischere Auseinandersetzung mit eben jenem Lokalen gehen. Da- 1. 1 Wir danken den beiden anonymen GutachterInnen der ZIB sowie der ZIB-Redaktion für die kritischen und hilfreichen Kommentare zur Überarbeitung. Die Verantwortung für diesen Artikel verbleibt selbstredend bei uns. 2 Der Begriff »Naher Osten« oder der im Englischen eher verwendete Begriff »Middle East« ist ein Produkt (post)kolonialer Diskurse. Je nach politischem und historischem Kontext wurde er in europäischen und amerikanischen Debatten immer wieder unterschiedlich verwendet. Auch wenn die »Praktik des Bezeichnens« inhärent problematisch verbleibt, wird der hier verwendete Begriff bevorzugt (vgl. Bilgin 2004; Adib-Moghaddam 2011: 172). Zeitschrift für Internationale Beziehungen 21. Jg. (2014) Heft 2, S. 85 – 105 85 bei, so argumentieren wir, kommt es vor allem darauf an, die agency lokaler Akteurinnen und Akteure offenzulegen, diese also selbst sprechen zu lassen, anstatt über sie zu sprechen. Die folgenden Zitate machen deutlich, um was es uns geht: »Nudity DOES NOT liberate me and I DO NOT need saving« (Foto-Eintrag einer Muslima unter dem Hashtag #MuslimaPride auf der »Muslim Women against FEMEN« Facebook-Seite, 4.4.2013). »So, sisters, (I prefer to talk to women anyway, even knowing that behind them are bearded men with knives). You say to us that you are against Femen, but we are here for you and for all of us, as women are the modern slaves and it’s never a question of colour of skin« (Inna Shevchenko 2013b, FEMEN Aktivistin, 8.4.2013). Die beiden Zitate stehen beispielhaft für einen Diskurs im Nachgang der vielbeachteten Protestaktionen von FEMEN in der WANA-Region, die aus unserer Sicht im besonderen Maße geeignet sind, das Puzzle deutlich zu machen, vor dem die Normenforschung spätestens seit dem »Arabischen Frühling« steht. Das Lokale bzw. die Subalterne3 spricht für sich selbst und – aus Sicht von manchen Beobachterinnen und Beobachtern überraschend – sagt nicht das Erwartete. Der hier vorliegende Beitrag schließt zugleich an die aktuelle Debatte in der ZIB an, die sich der Frage nach einer kritischen Normenforschung zuwendet. Auch hierbei spielt das Lokale eine entscheidende Rolle.4 Mit Blick auf die Beiträge von Stephan Engelkamp, Katharina Glaab und Judith Renner (2012; 2013) sowie Nicole Deitelhoff und Lisbeth Zimmermann (2013a) wollen wir uns im Folgenden mit einer zentralen Schwäche auseinandersetzen, die in beiden Beiträgen zutage tritt. Trotz des Anspruchs der kritischen Normenforschung fehlt den Beiträgen die nötige Selbstreflexion der eigenen theoretischen Linse. Während Engelkamp et al. in ihrem ersten Beitrag beinahe unhinterfragt das Lokale priorisieren und es so – vermutlich ungewollt – homogenisieren, schlagen Deitelhoff/Zimmerman implizit liberal-demokratische Standards der normativen Bewertung vor, die ihnen jedoch den nötigen kontextsensiblen Blick verwehren. Die Priorisierung des Lokalen zeigt sich bei Engelkamp et al. darin, dass marginalisierte lokale Wertbestände gegen- über globalen hegemonialen Wertbeständen, die von der konstruktivistischen Normforschung priorisiert werden, rekonstruiert und gestärkt werden sollen (Engelkamp et al. 2012: 115). Deitelhoff/Zimmermann kritisieren dies zu Recht, verweisen ihrerseits jedoch auf die Sozialisationsforschung (Deitelhoff/Zimmermann 2013a: 63, Fn. 3) ohne die Kritik, die daran geäußert wurde, aufzunehmen (Wiener 2004; Alkoby 2008; Howse/Teitel 2010). An diese Debatte anknüpfend, ist das Ziel dieses Beitrag, einen methodologischen Rahmen aufzuspannen, der den Blick auf das Lokale öffnet, ohne es zu homogenisieren und zudem ohne normative Vorannahmen in die Analyse einsteigt. 3 In der bisherigen Debatte wurden die Begriffe lokal und subaltern weitgehend synonym verwendet. Lokal bezeichnet im Kontext unseres Beitrags einen Diskursraum, während subaltern eine externe Zuschreibung derjenigen Akteurinnen und Akteure im lokalen Raum ist, die diesen füllen. 4 Hans-Martin Jaeger hat im Übrigen bereits 1996 im Rahmen der ZIB-Debatte darauf verwiesen, dass der Konstruktivismus die Beziehungen zwischen dem Globalen und dem Lokalen mehr Beachtung schenken muss (Jaeger 1996: 329). Forum 86 Wir argumentieren, dass Normenforschung kritisch ist, wenn Akteurinnen und Akteuren agency zugestanden wird. Konkret heißt dies, Akteurinnen und Akteuren vor einer normativen Bewertung zunächst für sich selbst sprechen zu lassen und ihren Artikulationen nicht normativ vorzugreifen, bevor in einem zweiten Schritt eine rekonstruktive Analyse des gesprochenen stattfindet. Kritisch ist eine solche kritische Normenforschung aus unserer Sicht in einem doppelten Sinn. Zunächst verhält sie sich kritisch gegenüber sozialkonstruktivistischer Normenforschung mit Annahmen über Linearität und Top-down-Prozessen der Normendiffusion (vgl. Risse et al. 1999). Kritische Normenforschung heißt für uns aber auch die kritische Positionierung gegenüber dem, was die untersuchten Akteurinnen und Akteure sagen. Eine normative Bewertung des Gesagten ist für uns integraler Bestandteil kritischer Normenforschung. Zweifelsohne war der Denkanstoß in den ZIB-Ausgaben von 2012 und 2013 ein zentraler Beitrag für die Weiterentwicklung der Normenforschung mit einer solchen explizit kritischen Agenda. Im Anschluss an bestehende Kritik gegenüber der Normenforschung, die mit Bezug auf den soziologischen Institutionalismus (Finnemore 1996: 324-347) insbesondere Fragen der zwischenstaatlichen Policy-Konvergenz beforscht, dabei jedoch sowohl Normengenese als auch eine generelle Umstrittenheit von Bedeutung außer Acht lässt5, schlagen Engelkamp et al. hierfür ein »[…] poststrukturalistisch inspiriertes, kritisches Forschungsprogramm vor […]« (Engelkamp et al. 2012: 101). Sie fordern hierbei die »Hinterfragung global hegemonialer Wertbestände«, die »Rekonstruktion alternativer Wissensbestände« und die »explizite […] Reflektion der eigenen Forschungspraxis« (Engelkamp et al. 2012: 101). Während die Replik von Nicole Deitelhoff und Lisbeth Zimmermann grundsätzlicher Natur ist und den Vorwurf einer ungenügend genauen Lektüre der Normenforschung der ersten Generation beinhaltetet (Deitelhoff/Zimmermann 2013a: 63-64), bemängeln sie zudem die schwache Trennschärfe der Begriffe »westlich« und »lokal«. Dies schließt auch den Vorwurf ein, die Forschung sei eurozentristisch und affirmativ bezüglich der untersuchten Normen.6 Im Hinblick auf die von Cornelia Ulbert (2012: 129) angemahnte Anschlussfähigkeit an bestehende Debatten ist unser Beitrag jedoch moderater in seiner Zielrichtung und greift zunächst nur einige der Kernproblematiken der Debatte zur »kritischen Normenforschung« auf. Wir argumentieren, dass ein Großteil der Debatte auf ein Kernthema konstruktivistischer Forschung verweist, nämlich die sogenannte »doppelte Hermeneutik« (Guzzini 2000; Jackson 2006). Als Programmatik, die sowohl Sprechen als auch Zuhören in fortwährender Interpretation verortet (Gadamer 1993: 219), wird dies in der bisherigen Debatte insbesondere durch den permanenten Verweis auf diese Aktivitäten deutlich: Im gegenseitigen Vorwurf des 5 Vgl. Wiener (2004; 2007a; 2007b; 2008; 2009; 2014); MacKenzie/Sesay (2012); Deitelhoff/Zimmermann (2013b); Welsh (2013). 6 Normen haben Antje Wiener folgend »[…] a structuring (regulative and constitutive) quality identified as standards or reference frames for behaviour, on the one hand, and a constructed (evaluative or practice-based) quality generated by socio-culturally embedded practices, on the other« (Wiener 2007b: 63). Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? ZIB 2/2014 87 Nichthörens und Nichtverstehens, der sich leitmotivisch in den Überschriften und in den Kernstellen der Diskussion über die angeblichen Gegensätze zwischen »lokal« und »westlich« wiederfindet, geht es unserer Auffassung nach zentral um agency7, nämlich einerseits der Forschenden wie auch andererseits der Beforschten. Der doppelten Hermeneutik folgend gestehen wir der Debatte zu, dass der Vorwurf ernst zu nehmen ist, dass Forschung auch immer Realitätspolitik sei und es zudem keine Forschung in den IB ohne Ich-Perspektive gäbe (vgl. Löwenheim 2010). Doch folgt daraus nicht zwingend, dass jegliche konstruktivistische Forschung sich der Komplizenschaft in der Aufrechterhaltung hegemonialer Strukturen schuldig macht. Vielmehr kann sie mit einer explizit politischen Haltung die Legitimität der Interpretation und Anwendung einer Norm im Kontext bewerten und so emanzipatorisch wirken. Wie wir im Folgenden zeigen, ist eine Unterscheidung »westlich« vs. »lokal« weder plausibel noch zielführend, da sich die Auseinandersetzung um Normbedeutungen als dynamischer Prozess darstellt, der sich innerhalb eines vieldimensionalen Raumes verschiedener Positionierungen entfaltet. Wir beziehen die Prämissen unserer Forschung aus einer kritisch-konstruktivistischen Haltung, die die Grundlagen der Wissensproduktion sowie des eigenen Standpunktes laufend hinterfragbar sieht.8 In den Internationalen Beziehungen ist dies mit Verweis auf die doppelte Hermeneutik diskutiert worden (Guzzini 2000; Jackson 2006) und auch in der postkolonialen Forschung haben Autorinnen und Autoren diese Position aufgenommen (Hobson 2004; 2012; Adib-Moghaddam 2011). Im folgenden Abschnitt setzen wir uns zunächst mit dem poststrukturalistisch-postkolonialen Paradigma auseinander, welches von Engelkamp et al. (2012) als möglicher Ansatz für kritische Normenforschung vorgeschlagen wurde. Unserer Ansicht nach antizipiert der Ansatz unter jedem Schleier hegemonialer Praktiken a priori »das wahre Lokale«, jedoch entgeht diesem dabei die Pluralität der Subalternen. Stattdessen führt unser Ansatz auf Grundlage kritisch-konstruktivistischer Forschung durch verschiedene hermeneutische Schleifen, in der sowohl die agency der Beforschten als auch der Forschenden berücksichtigt wird. Auf dieser Grundlage zeigen wir in Abschnitt 3 anhand einer ausführlichen Diskussion um den Gleichstellungsdiskurs im »Arabischen Frühling«, dass das »Lokale« mehr ist als das Gegenteil zum »Westen«. Unterschiedliche Positionierungen im Anschluss an FE- MEN-Proteste verdeutlichen das multivektorale Spannungsfeld des Diskurses, in dem vermeintlich progressive Forderungen unter Umständen eine Wirkung entfalten können, die letztlich gegenteilig zur ursprünglichen Intention verläuft. 7 Unter agency verstehen wir Prozesse sozialer Interaktion beruhend auf der kreativen Nutzung kontingenter kultureller Ressourcen (Jackson 2006: 267). Zentral für agency ist dabei, dass kulturelle Ressourcen einen Möglichkeitsraum an Handlungen schaffen, innerhalb dessen Handelnde aber keiner Pfadabhängigkeit oder externen Zwängen unterworfen sind (vgl. Giddens 1984). 8 Vgl. Onuf (1989); Kratochwil (1993); Price/Reus-Smit (1998); Fierke (2001). Forum 88 Der Schleier der Aufklärung oder verschleierte Aufklärung? Poststrukturalismus und postkoloniale Akteurinnen und Akteure Die von uns vorgeschlagene Weiterentwicklung der konstruktivistischen Normenforschung birgt ein selbstreflexives Potenzial, da nicht von einer universal angenommenen Gültigkeit internationaler Normen, sondern vielmehr von deren Umstrittenheit ausgegangen wird (Wiener 2004: 199; 2007a; Deitelhoff/Zimmermann 2013b: 1; Welsh 2013: 367-368). Positiv anzumerken ist, dass poststrukturalistisch inspirierte Ansätze des Postkolonialismus – wie etwa Edward Saids (1979) Arbeiten – eindringlich auf die nachhaltige Produktion rassistischer und repressiver Strukturen durch diskursive Praktiken hegemonialer Akteurinnen und Akteure hingewiesen haben. Sowohl in der auf Diffusion ausgerichteten Normenforschung als auch in der strukturorientierten postkolonialen Forschung wird aus unterschiedlichen Gründen jedoch die Subalterne gar nicht zu Wort kommen gelassen und die Möglichkeit ihrer agency nicht konzeptualisiert.9 Vor allem die Vorstellung des Transportes von Normen in »nichtwestliche« Regionen impliziert ein Nichtvorhandensein lokal bestehender Diskurse, in denen Bedeutungen von Menschenrechtsnormen wie Gleichberechtigung oder Freiheit bereits in historisch unterschiedlichen Kontexten debattiert wurden. Dieser Tropus, dass nun endlich ein Verständnis für jene Werte in den Ländern des »Arabischen Frühlings« angekommen sei, findet sich mit den Aufständen seit 2011 häufig in Leitartikeln deutschsprachiger Printmedien wieder, wie beispielsweise Titel wie »Warum die Demokratie ein schwieriges Exportgut ist« (Kornelius 2013) zeigen. Paradoxerweise leiden aber auch poststrukturalistische Ansätze unter ihrer Stärke der dekonstruierenden Offenlegung hegemonialer Praktiken. Auch wenn auf die Pluralität von Geschichtsschreibung sowie eine Diversität von Praktiken auf der Seite »des Anderen« hingewiesen wird, bleibt jedoch die Bedeutung von agency der Subalternen in Beziehung zu hegemonialen Akteurinnen und Akteuren unklar. Die unten aufgeführte Nachzeichnung des Diskurses als Reaktionen auf die Aktionen von FEMEN verschafft einen substantiellen Eindruck, wie durch die Rekonstruktion von Bedeutungszuschreibungen die Vielfalt der als subaltern wahrgenommenen und tatsächlich marginalisierten Akteurinnen und Akteure sowie deren Diversität an diskursiven Interventionen dargestellt und analysiert werden kann. Insbesondere wird deutlich, dass normative Kategorien nicht a priori festgelegt oder theoretisch antizipiert werden können, sondern durch diskursive Praktiken im lokalen Kontext entstehen und umgeformt werden. Der »meaning-in-use«-Ansatz (Weldes/Saco 1996: 373; Milliken 1999: 231; Wiener 2009: 176) begegnet hierbei dem Anspruch der Emanzipation, indem dieser erstens sowohl hegemonialen als auch subalternen Praktiken substantiell Beachtung schenkt und ihre Diversität aner- 2. 9 Dies ist eine Hauptkritik verschiedener postkolonialer Ansätze an Edward Saids (1979) Werk »Orientalismus« (vgl. Al-Azm 1981; Halliday 1993: 150; Adib-Moghaddam 2011: 14). Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? ZIB 2/2014 89 kennt. Zweitens werden durch eine induktive und reflexive Vorgehensweise aufklärerische Tendenzen vermieden. Der prozessuale Charakter diskursiver Räume und die doppelte Hermeneutik Unserer Ansicht nach reproduziert der Verweis auf hegemoniale Strukturen, die als Folge von Normentwicklungen entstanden sind und nun durch die Forschenden offengelegt werden sollen, eine dichotome Forschungslogik. In dieser Logik werden Gegensatzpaare von stark-schwach oder auch oben-unten betont und reproduziert, da der Ansatzpunkt, Hegemonien offenlegen zu wollen, nicht nur die Machtfrage stellt, sondern sie auch als Forschungsheuristik zentral verortet. Würde diese Frage zu einem späteren Zeitpunkt gestellt, beispielsweise in Form eines kontrafaktischen »Was wäre, wenn…?«, könnte neben der Dekonstruktion hegemonialer Strukturen und der Analyse von Prozessen der Norminterpretation eine abschließende Bewertung eingeführt werden.10 Auf diese Weise kann der Fehlschluss einer einfachen Hermeneutik vermieden werden, welche jeweils nur eine von zwei Schleifen betont. Entweder wird die Interaktion zwischen Beforschten und ihrer Umgebung vernachlässigt, indem ex ante Kategorien der Bewertung festgelegt werden. Dies können beispielsweise »Klasse« oder »Funktionalität« sein (vgl. Jackson 2006: 270) oder aber »Hegemonie«, wie in der jüngsten Debatte um kritische Normenforschung. Die Folge davon wäre, dass die agency der Beforschten keinen Raum erhält. Oder aber die Forschenden machen sich zum Ziel, ein möglichst passendes Bild von Bedeutungsgebrauch der Beforschten zu erlangen (vgl. Jackson 2006: 270), wodurch die agency der Forschenden auf der Strecke bleibt. Mit Berücksichtigung der »doppelten Hermeneutik« (Giddens 1986; Guzzini 2000; Jackson 2006) kann es gelingen, der intersubjektiven Qualität von Normen gerecht zu werden. Dies erfordert unserer Meinung nach den Rückgriff auf die rekonstruktive Analyse von normativen Bedeutungszuschreibungen durch Akteurinnen und Akteure. Dabei gilt es, diese in einem spezifischen Kontext offenzulegen. Die Hinterfragung ihrer Entstehungsgeschichte sowie die Frage, wie die Akteurinnen und Akteure ihre Handlungen vor dem Hintergrund ihres Erfahrungsschatzes zum Ausdruck bringen, rückt somit in den analytischen Vordergrund. Durch diesen Ansatz von »structures of ›meaning-in-use‹« (Weldes/Saco 1996: 373; Milliken 1999: 231; Wiener 2009: 176) fokussieren wir uns im Vergleich zu den vorangegangenen Beiträgen in der ZIB stärker auf die Wichtigkeit der Interaktion und Bedeutungszuschreibung im lokalen Kontext; was hier als lokal bezeichnet wird, bedeutet unserer Meinung nach die durch Zeit und Raum bedingte Situation, die sich nicht durch geographische Grenzziehungen, sondern durch diskursive Arenen mit bestimmten Praktiken auszeichnet. Diese Praktiken beinhalten soziale Anerkennung und kulturelle Validierung von Normen, sind also umfassender als der legalis- 2.1. 10 Zur methodologischen Diskussion vgl. Kruse (2014) und die Beiträge in Franke/Roos (2013). Forum 90 tische Fokus auf formale Validität (Wiener 2008: 202). Auch Doreen Masseys (1993) Konzept des »progressive sense of place« ist hier aufschlussreich, da es aufzeigt, wie das Bewusstsein über die multiplen Verbindungen des Orts mit der weiteren Welt durch die Interaktionen von Individuen die Differenzierung des Lokalen und Globalen verschwimmen lässt bzw. aufbricht.11 Lokal können hier also auch diskursive Interventionen von Muslimas sein, die sich zwar nicht in der WANA- Region aufhalten, sich aber mit dem »Arabischen Frühling« verbunden fühlen und vor diesem Hintergrund über die Stellung der Frau transnational debattieren. Aufbauend auf diesem ersten Zirkel kartieren wir einen Diskursraum (vgl. Jackson 2006: 273; Holzscheiter 2014: 144) und werden damit der doppelten Hermeneutik gerecht. Wir zeigen, dass hier nicht vermeintlich »westliche« »lokalen« diskursiven Interventionen gegenüberstehen und eine hegemoniale Binärstruktur schaffen. Vielmehr lassen sich eine Vielzahl von Positionen herausarbeiten, die sich teilweise aufeinander beziehen und bisweilen hegemoniale claims haben, sich aber auch einer kontrafaktischen Hinterfragung unterziehen lassen müssen. Wir schlagen daher vor, die Verwendung von Normen in ihrer jeweiligen konkreten Anwendung zu rekonstruieren und illustrieren diesen Ansatz anhand der FEMEN-Aktionen im Kontext des »Arabischen Frühlings«. Ein zentrales Merkmal der hiermit verbunden Pluralität von Ereignissen ist die teils stark konfliktive Auseinandersetzung zwischen Individuen und Gruppen über die jeweilige Bedeutung einer Norm. Die diskursiven Interventionen verschiedener Akteurinnen und Akteure, insbesondere muslimischer Aktivistinnen, sollen als spezifischer Fall aufgezeigt werden, der das komplexe normative Verhältnis unter den Einwänden darstellt. Zugleich soll anhand des Beispiels die Schwierigkeit der agency der Betrachtenden problematisiert werden. »Nach« dem Kolonialen: sprechen und sprechen lassen Mit der von Engelkamp et al. (2012) angestrebten »Demystifizierung« der Subalternen besteht die Notwendigkeit, die komplexe Beziehung zwischen »Westen« und »Nicht-Westen« sowie das entsprechende Verhältnis zu Hegemonie12 und Sub- 2.2. 11 Vgl. hier auch Deitelhoff/Zimmermanns (2013a: 67) Verweis auf den von Robertson (1995) geprägten Begriff der »Glokalität«. 12 Eine umfassende Darstellung des Begriffs ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Jedoch wird »Hegemonie« zunächst als eine von Dominanz und Macht sowie Subalternität gekennzeichnete Beziehung zwischen Akteurinnen und Akteuren oder Entitäten verstanden. Die Form der Hegemonie kann dabei einerseits in materieller Natur verstanden werden, wie z.B. in marxistisch-leninistischen Ansätzen. Insbesondere aber Antonio Gramscis (1971) Arbeiten erweiterten die Bedeutung auf die ideell-normative Ebene (guerra di posizione) und verwiesen auf ein komplexeres Verständnis, das über einfache Dominanz hinausgeht. (Post-)strukturalistische Autorinnen und Autoren (u.a. Bourdieu, Foucault, Laclau, Mouffe) entwickelten dabei grundlegende Annahmen zu Hegemonie durch Rationalisierungsprozesse sowie diskursive Konstruktionen von Realität und Wahrheit. Kritisch zu beleuchten bleibt, inwiefern diese Ansätze eurozentrische Perspektiven durch binäre Unterscheidungen »(vor-)moderner« sozialer Ordnungen reifizieren. Vor allem be- Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? ZIB 2/2014 91 alterner in ein klareres Licht zu setzen. Die dichotomen Vorstellungen, wie sie vor allem in kulturrealistischen sowie essentialistischen Ansätzen, in denen Kultur als feste Konstante eine unüberwindbare Grenzen darstellt, halten zweifellos keiner substantiellen empirischen Untersuchung stand. Jedoch suggeriert eine leichtfertige Verquickung von »westlichen« als hegemoniale und »nicht-westlichen« als subalterne Praktiken eine Dichotomie, welche den Blick auf die komplexere soziale Interaktion verschleiert, in der hegemoniale und entsprechend marginale Strukturen konstruiert werden.13 Dies deutet erstens auf ein komplexeres Verständnis von Hegemonie und Subalterner hin (Chalcraft/Noorani 2007: 5), da hier dominante und unterdrückte Interpretationen über angeblich feststehende kulturelle Grenzen hinweg entstanden sind. In diesem Kontext ist die Möglichkeit, marginalisierten Gruppen eine Vielfalt von Normativität zuzugestehen, unabdingbar. Vor allem ist aber der jeweilige Diskursraum zu berücksichtigen, der durch konstante Veränderungen auch die Möglichkeiten bestehender hegemonialer Beziehungen umformt. Der Subalternen kann en bloc nicht a priori Legitimität zugesprochen werden. Vielmehr ist es die kritische Aufgabe von Forschenden, konterkarierende und dominierende normative Positionen in ihrer Pluralität zu bewerten. Zweitens zeigt das angeführte empirische Beispiel, inwieweit soziale Interaktion normative Bedeutungsstrukturen schafft und dass das Lokale auch immer im Globalen verstanden werden muss. Am Beispiel der Verbindung zwischen europäischen und islamischen Mehrheitsgesellschaften lassen sich nicht nur aktuell, sondern auch in verschiedenen historischen Episoden diskursive Interaktionen aufzeigen, in denen normative Vorstellungen geprägt wurden. Wir achten in der folgenden Analyse auf den Referenzrahmen der jeweiligen Artikulation sowie den Effekt, den dieser auf die Freiheit und gerechte Stellung der Frau – Gleichberechtigung – im Kontext hat. Durch die Analyse der Aushandlung dieser Normen durch unterschiedliche Akteursgruppen können wir feststellen, ob und vor allem wie FEMENs radikale Form des Feminismus tatsächlich Auswirkungen auf die Stellung der Frau im arabischen Raum hat. In einer zweiten hermeneutischen Schleife, die eine Kartierung der Diskursarena vornimmt, fragen wir, ob FE- MENs Handlungen zu einer stärkeren Selbstbestimmung und Freiheit der Frau führen, vielleicht gar zum Erstarken verschiedener Frauenbewegungen – seien sie liberal oder muslimisch, in der WANA-Region ansässig oder transnational aktiv. Oder macht der Vorwurf des Kolonialismus gegenüber FEMEN wiederum andere Formen der Unterdrückung der Frau möglich bzw. stärkt sie implizit? Wie sich herausstellt, ist es das paradoxerweise explizit nicht gewünschte Zusammenwirken der Handlungen verschiedenster Akteursgruppen, wie jene der »weißen« FeministInnen, der »IslamistInnen« als auch »politisch Liberaler«, die die Binärstrukturen von frei und nicht-frei reproduzieren und somit zwar im Namen greifen wir Hegemonie als nicht-feststehendes Produkt fortwährender sozialer Auseinandersetzungen, das in historischer und räumlicher Abhängigkeit sowohl von dominanten, aber auch von subalternen Akteurinnen und Akteuren verändert werden kann. 13 Exemplarisch hierfür sind Arshin Adib-Moghaddams (2011) Arbeiten zur Konstruktion des »Kampf der Kulturen«. Forum 92 von, aber nicht unbedingt im Interesse von Frauen sprechen.14 Keine/r dieser Akteurinnen und Akteure sorgt dafür, dass Frauen endgültig für sich selbst sprechen und entscheiden können, welche Bedeutung Freiheit und Gerechtigkeit für sie hat. Stattdessen reproduzieren sie ein binäres Bild – das des Orients und des Okzidents –, das es verhindert, Vorurteile abzubauen und sich für einen transnationalen Feminismus einzusetzen, der es betroffenen Frauen erlaubt, sich selbst zu repräsentieren. Im Folgenden geht es uns nicht darum, FEMENs Aktionen moralisch gutzuhei- ßen – ganz im Gegenteil. Wir sind der Auffassung, dass die Handlungen des sogenannten »weißen« Feminismus negative Folgen für arabische Frauen haben.15 Auf die Problematik des »Feminismus des Nordens« wies Chandra Talpade Mohanty bereits 1988 hin, als sie argumentierte, dass »die Produktion der unterdrückten Frau der sogenannten ›Dritten Welt‹ konstitutiv ist für die Produktion der emanzipierten westlichen Feministin« (Ismail 2013: 38).16 Auswirkungen dieser Art des Feminismus können aber nur sichtbar gemacht werden, wenn man sich die verschiedenen, widerstreitenden Argumente und ihre Wirkung im lokalen Kontext anschaut, so dass nachvollzogen werden kann, wie es dazu kommt, dass Frauen weiterhin unter der Unterdrückung ihrer Rechte leiden müssen. Es sind weder »westliche« Frauenbewegungen noch »IslamistInnen«, die alleinig die Freiheit und Gleichberechtigung der Frau in der WANA-Region unterminieren – vielmehr wird die dunkle Seite von Normen (vgl. Heller et al. 2012: 278) nicht einseitig, sondern im Wechselspiel über die Vision des jeweils Anderen konstituiert. Im Folgenden sollen die bisherigen theoretischen und methodologischen Überlegungen auf eine konkrete Situation übertragen werden. Hierbei wird anhand der Normen Freiheit und Gleichberechtigung aufgezeigt, wie eine von uns vorgeschlagene doppelte Hermeneutik und kritische Normenforschung empirisch umsetzbar ist. Dabei geht es um die von feministischen Akteurinnen und Akteuren im Kontext des »Arabischen Frühlings« artikulierten Bedeutungszuschreibungen und »Kontestation«17 dieser beiden Normen. Hier steht jedoch nicht eine einfache compliance auf formaler Ebene im Fokus, sondern es geht uns um die soziale Anerkennung und kulturelle Validierung dieser Normen. Daher haben wir vier Subjektpositionen ausgewählt, die in diesem Diskurs sprechen und anhand deren Äußerungen diese unterschiedlichen Bedeutungszuschreibungen besonders deutlich zutage treten. Ihre Aussagen sind in idealtypischer Weise geeignet zu zeigen, dass hier ein subalternes Spannungsfeld besteht und keinesfalls die Dichotomie zwischen dem Globalen und dem Lokalen aufrecht erhalten werden kann. Es geht hier also nicht um eine statis- 14 Wir verwenden die Bezeichnungen FeministInnen und IslamistInnen mit Binnenmajuskel, obwohl wir aufgrund unserer Empirie durchaus nur von Feministinnen und Islamisten sprechen könnten. 15 Die bewusste normative Bewertung, die dies darstellt, findet jedoch erst statt, nachdem wir die relevanten Akteurinnen und Akteure haben sprechen lassen. Dieses Vorgehen entspricht der in der Debatte angemahnten Selbstreflexion der Forschenden. 16 In diesem Zusammenhang ist auch auf die Frage von Lila Abu-Lughod »Do Muslim Woman Really Need Saving?« hinzuweisen (Abu-Lughod 2002: 378). 17 Siehe hierzu Wiener (2004: 199); Wiener/Puetter (2009: 2-3); Deitelhoff/Zimmermann (2013b: 1); Welsh (2013: 367-368). Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? ZIB 2/2014 93 tisch repräsentative Auswahl von Äußerungen, sondern um die Illustration der Pluralität der Subalternen sowie das entsprechend dynamische Verhältnis zu Hegemonie. Verhandeln von Freiheit und Gleichberechtigung im lokalen Raum: Der weibliche Körper als Projektionsfläche für Normkontestation »Religious dictatorship begins by enslaving women but a woman’s act of self-liberation is the first step toward destroying the sharia regime. Topless protests are the battle flags of women’s resistance, a symbol of a woman’s acquisition of rights over her own body! Femen declares 4 April the day of relentless topless jihad against Islamism! [...] This day will mark the beginning of a new, genuine Arab Spring, after which true freedom, freedom without mullahs and caliphs, will come to Tunisia! Long live the topless jihad against infidels! Our tits are deadlier than your stones!« (Shevchenko 2013a).18 Zunächst scheint sich der Vorwurf des Autorenteams Engelkamp et al. (2012) zu bestätigen, »westlich« generierte und weltweit als gültig angenommene Menschenrechtsnormen hätten eine repressive, imperialistische Seite. Unser Fall kann sogar als zugespitztes Beispiel gelesen werden. Während Engelkamp et al. (2012) erst die Versöhnungsnorm als hegemoniales Projekt »westlicher« Akteurinnen und Akteure entlarven müssen, sind in unserem Fall bereits das »westliche« Verständnis und damit die Stabilität der Freiheits- und Gleichberechtigungsnorm durch die Empörung muslimischer Aktivistinnen in Frage gestellt. Die Oben-ohne-Selbstportraits der Aktivistinnen Alia Al-Mahdy und Amina Sbouï sind nicht nur von IslamistInnen für ihre angebliche Mimikri »westlicher« Frauenbilder aufs Schärfste verurteilt worden. Auch die damit im Zusammenhang stehenden Aktionen der Frauenbewegung FEMEN wurden gerade für ihre »universelle Auferlegung der neo-kolonialen Agenda« von muslimischen Feministinnen kritisiert (Ahmed 2013). Anstatt diesen Vorfall jedoch als allgemeine Entlarvung hegemonial wirkender »westlicher« Strukturen zu sehen, sind wir der Auffassung, dass man zunächst auch im lokalen Kontext von einer heterogenen Normauslegung oder gar einer Normumstrittenheit ausgehen muss. Denn nimmt man die agency derjenigen ernst, die sich von FEMENs Normauslegung bevormundet, beleidigt oder nicht vertreten fühlen, erkennt man die sich zum Teil widerstreitenden diskursiven Interventionen der Betroffenen. Diese Kontestation wird jedoch nicht erst durch Aktionen von »westlichen« Akteurinnen und Akteuren ausgelöst. Sie steht mit ihnen über den Fall FE- MENs hinaus in einer dynamischen Beziehung – sei es durch Ablehnung, Zustimmung oder kreativer Adaptation (vgl. Acharya 2004) – und generiert zwar durch die spezifische Situiertheit des Wissensbestands andere Deutungsansprüche, schließt dabei aber nicht die komplexe Heterogenität in sich aus. So wie wir nicht von dem »Arabischen Frühling« ausgehen können, gibt es nicht die einheitliche Interpretation von Freiheit und Gleichberechtigung der Frau in der WANA-Region. 3. 18 Inna Shevchenko ist eine der bekanntesten Aktivistinnen der FEMEN Bewegung. Forum 94 Wir zeichnen im Folgenden die Umstrittenheit von gesellschaftlichen Normen wie Freiheit und Gleichberechtigung anhand eines Diskursraumes nach. Dieser baut auf der Verbindung der als »westlich« wahrgenommenen19 Frauenbewegung FE- MEN mit zwei Aktivistinnen aus der WANA-Region – der ägyptischen Alia Al- Mahdy sowie der tunesischen Amina Sbouï (auch unter ihrem Pseudonym Amina Tyler bekannt) – auf und mündete durch deren Veröffentlichungen von Fotos im Internet, auf denen sie (halb-)nackt posieren, in einer breiten medialen Debatte mit teils scharfer Kritik. Zwecks analytischer Einordnung führen wir die verschiedenen Diskursstränge auf vier verschiedene Subjektivitäten zurück, die wir nach einer kurzen Fallbeschreibung unten weiter ausführen: jene Subjektivität muslimischer FeministInnen, säkularer FeministInnen, der »Liberalen« und schließlich die der »IslamistInnen«.20 Letztlich müssen wir aber darauf verweisen, dass diese nicht endgültig der eigentlichen Multiplizität von Artikulationen gerecht werden, da beispielsweise Alias und besonders Aminas eigene Positionierungen gegenüber FE- MEN die sogenannte undecidability, also Unentscheidbarkeit des Diskurses abbilden und Lücken in seiner Stringenz offenlegen.21 Amina, begründendes Mitglied FEMENs in Tunesien, warf der Organisation nach deren International Topless Jihad Day-Aktion in Paris Islamophobie vor und begründete ihren Austritt unter anderem mit den Worten: »These actions offended many Muslims and many of my friends. We must respect everyone’s religion« (zitiert in: Ben Hamadi 2013). Entgegen FEMENs pauschalisierender Zusammenführung des Islam mit Islamismus22 nahm sie somit eine differenzierte Position ein, in der sie sich nicht explizit gegen praktizierende Musliminnen und Muslime stellte, sondern sich für die Anerkennung differenter Religionen aussprach. Beide Frauen hatten mit FEMEN kooperiert und laut eigenen Aussagen den jeweils nationalen Ableger der FEMEN-Mutterorganisation gegründet. Zeitlich wie auch räumlich sind beide Frauen unabhängig voneinander aktiv geworden. Sie ver- 19 Hier sollte angemerkt werden, dass FEMEN zwar im arabischen Raum als »westlich« wahrgenommen, aber ironischerweise unter einigen FeministInnen aus Westeuropa als Eastern European group und mit »little understanding of ›occidental feminism‹« eingestuft wird (Tiwari 2013). 20 Als »IslamistIn« wird in diesem Kontext eine Person verstanden, die überzeugt ist, dass der Islam als Religion eine bestimmte gesellschaftliche Ordnung vorgibt, welche prioritär umzusetzen ist. Hierbei ist nicht nur die Vielfalt von Auslegungen, sondern auch die Differenzierung von »muslimisch sein« und »islamistisch sein« zu beachten (vgl. Volpi 2011: 1). 21 Hier müssen wir auch zu bedenken geben, dass eine endgültige Offenlegung der Diversität ohne ethnografische Feldforschung nicht möglich ist. Gayatri Spivaks Subalterne (1988) hat kein Bewusstsein für die ihr zustehende Freiheit und Gerechtigkeit, so dass sie weiterhin nicht zum politischen Subjekt im aufklärerischen Sinne erhoben werden kann. Beispielsweise hat eine bildungsferne und besitzlose Frau in der WANA-Region nur sehr beschränkte Mittel, sich mit ihrer Stimme in den transnationalen Diskurs über die häufig verwendeten social media wie Facebook einzubringen. Der Diskurs wird von privilegierten, mit ausreichend symbolischem Kapital ausgestatteten Muslimas geführt. 22 Vgl. z.B. ein Zitat der Brüsseler Niederlassung FEMENs: »The act of Amina showed the picture of the shariatization of countries of the ›Arab spring‹ that means religious torturing for women. This Act became the beginning of a global war between a woman and an Islamist theocracy, the riot of freedom from slavery« (FEMEN Brussels 2013). Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? ZIB 2/2014 95 eint aber die Praxis, ihre nackten Körper als Ausdruck des politischen Dissenses mit vorherrschenden Konventionen zur (Meinungs-)Freiheit und der sozialen Stellung der Frau zu nutzen. Wie Naqid Hamid (2013) in Bezug auf Amina in der pakistanischen Daily Times schreibt: »Using her body as a site for protest she has put many themes related to human life and existence in a difficult flux, including notions of freedom, modesty, sexuality, human rights, protest, empowerment, politics, morality and God as well« (Hamid 2013, unsere Hervorh.). Vor dem Hintergrund des »Arabischen Frühlings« stehen die Äußerungen beider Frauen also idealtypisch für die Kontroverse über den arabischen body politic – ihr Körper wird so zur Projektionsfläche der sozio-politischen Kontestation über die Bedeutungen unterschiedlicher, miteinander verbundener Normen im arabischen Raum (Mourad 2014: 64). Alia Al-Mahdy hatte sich im November 2011, kurz vor den ersten parlamentarischen Wahlen nach dem Sturz Mubaraks, bis auf ihre Spitzenstrümpfe und roten Ballerinas nackt fotografiert und das Foto auf ihrem Blog A Rebel’s Diary gepostet. Dort erläuterte die Atheistin, dass ihr Selbstportrait ihre Form des Protests gegen die Unterdrückung der Frau in Ägypten und das Foto »Schreie gegen eine Gesellschaft voller Gewalt, Rassismus, Sexismus, sexuelle Belästigung und Heuchelei« sei (The Telegraph, 22.11.2011). Es folgten 1,5 Millionen Aufrufe innerhalb einer Woche, eine Welle der Empörung, welche sich über das gesamte politische Spektrum – von IslamistInnen bis zu Liberalen – zog, sowie eine sich daran anschließende, über verschiedene social media-Plattformen geführte Kontroverse zwischen Gegnern und Unterstützern. Facebook war auch im Fall von Amina Sbuoï zentraler Gegenstand einer sich entflammenden Debatte über Meinungsfreiheit und Sexualität. Amina hatte zwei Fotos auf ihre FEMEN Tunisian Fanpage gestellt, bei denen sie jeweils die Schriftzüge »Mein Körper gehört mir und ist nicht die Quelle von irgendjemandes Ehre« bzw. »Fuck your morals« auf ihre blanke Brust geschrieben hatte. Nachdem auch sie starke mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen und, ähnlich wie Alia zwei Jahre zuvor, mehrere Todesdrohungen erhalten hatte, spitzte sich ihre Lage zu. Im Mai 2013 wurde sie von einem tunesischen Gericht wegen unzüchtigem Verhalten und Störung der Totenruhe schuldig gesprochen, nachdem sie das Wort »FEMEN« als Graffito auf die Friedhofsmauern der Oqba-Ibn-Nafaa Moschee in Kairouan als Protest gegen eine in der Nähe stattfindende Tagung einer militanten Salafistenvereinigung gesprüht hatte. Diese Verurteilung wie auch die frühere angebliche Zwangseinweisung Aminas in eine psychiatrische Anstalt nahm FEMEN derweil zum Anlass, ihre Solidarität mit Amina durch Ausrufen des International Topless Jjihad Day am 4. April 2013 in Form von Oben-ohne-Protestaktionen auszudrücken. Dem weltweiten FEMEN- Aufruf folgten zahlreiche Aktionen, bei denen FEMEN-Aktivistinnen barbusig und vor tunesischen Botschaften posierend Fotos von sich machten, um diese anschlie- ßend auf der FEMEN Facebook Fanpage zu veröffentlichen. Dabei kam es in Paris zur Verbrennung der schwarzen tauḥīd-Flagge mit dem Aufdruck des islamischen Glaubensbekenntnisses šahāda (»Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed Forum 96 ist sein Prophet«) sowie zu den Rufen »Amina ʾakbar, Amina ʾakbar«23 vor einer Moschee, teils begleitet von Nachahmungen der Gebetsstellung männlicher Islamgläubiger mit Turbanen aus Handtüchern sowie angeklebten Bärten. »Femen, bitte lasst uns in Ruhe!«24 – und sie25 sprechen doch »Nudity DOES NOT liberate me and I DO NOT need saving« (Foto-Eintrag einer Muslima unter dem Hashtag #MuslimaPride auf der »Muslim Women against FEMEN« Facebook-Seite, 4.4.2013). Die Gegenreaktionen auf die FEMEN Aktionen des International Topless Jihad Day folgten prompt, insbesondere von der Online-Bewegung Muslim Women against FEMEN, die FEMEN als »racist as well as evidence of colonial feminist rhetoric that portrays Arab/Muslim women as oppressed« entlarvten (Latif zitiert in: Nelson 2013). Auf ihrer Facebook-Seite stellen sie klar, dass »we are taking a stand to make our voices heard and reclaim our agency«, was bedeutet, dass die von FEMEN als subaltern angenommene muslimische Frau keineswegs sprachlos, sondern organisiert und in der Lage ist, sich im Gegensatz zu FEMENs »paternalistischer« Vertretung selbst zu repräsentieren. Wie eine in Birmingham ansässige Gruppe von Muslimas in einem Brief an FEMEN im April 2013 ironisch formuliert: »We understand that it’s really hard for a lot of you white colonial ›feminists‹ to believe, but – SHOCKER! – Muslim women and women of colour can come with their own autonomy, and fight back as well! And speak out for themselves! Who knew? We are proud Muslimahs, and we’re sick of your colonial, racist rubbish disguised as ›women’s liberation‹! BECAUSE we are fed up and tired of hearing from women of privilege, perpetuating the stereotype that Muslim women, women of colour and women from the Global South are submissive, helpless and in need of western ›progress‹. [...] So, next time you decide to take the crusade for global women’s liberation into your own hands, JUST REMEMBER that before FEMEN came along, there have been and will continue to be women all over the world dreaming and fighting for their own emancipation, and WE DON’T NEED YOU!« (Muslim Women against FEMEN 2013). Diese Kritik steht ganz im Sinne Gayatri Spivaks (1988: 92) berühmten Satz »White men are saving brown women from brown men« – nur dass hier weiße Männer mit weißen FeministInnen ersetzt werden. Das Problem FEMENs ist laut muslimischer AktivistInnen die verallgemeinernde Darstellung muslimischer Männer als unterdrückend und die implizite Annahme FEMENs zu wissen, wie sich Muslimas die Freiheit der Frau vorstellen. Entgegen der Befreiung der arabischen/ 3.1. 23 Dies war eine Anspielung und Verhöhnung der häufig verwendeten arabischen Formel allāhu ʾakbar, welche übersetzt »Gott ist (unvergleichlich) groß« bedeutet. 24 Diesen Ausspruch machte die tunesische Feministin und Parteichefin der sozialdemokratischen Al Dschumuhuri, Maya Jribi, in einem Interview mit Raniah Salloum (2013). 25 Es geht uns im Folgenden nicht um die Ontologisierung der von uns untersuchten Gruppen anhand vorab festgelegter Kategorien. Im Sinne eines induktiven Vorgehens entsteht die von uns vorgenommene Einteilung der Gruppen aus der rekonstruktiven Analyse der untersuchten Äußerungen heraus. Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? ZIB 2/2014 97 muslimischen Frau führt dies aber zu einer weiteren Verstummung dieser, weil FE- MEN eine künstliche Dichotomie der emanzipierten, mündigen Frau aus dem Westen vs. der unterdrückten muslimischen Frau kreiert. Sofia Ahmed (2013) führt diesen Gedanken sogar noch weiter und weist auf die Aufrechterhaltung eines perzipierten »Kampf der Kulturen« hin: »The overemphasis on the Muslim man’s perceived misogyny overshadows the complete lack of scrutiny of the West’s oppression against Muslim women. FEMEN’s reliance on the overused media tropes of the modern western values versus traditional Muslim values is creating a dichotomous representation of the ›self‹ (West) and ›other‹ (Muslims)« (Ahmed 2013). FEMENs Aktivität in der arabischen Welt könne nun durch das Erzählen der eigenen Geschichten als Gelegenheit genutzt werden, ein besseres Verständnis zwischen Muslimen und dem »Westen« herzustellen (Ahmed 2013). Ein sich daran anschließender, aber weniger radikal geführter Argumentationsstrang muslimischer FeministInnen fokussiert im Besonderen auf die Ablehnung jeglicher Art von Extremismus bzw. der Verdinglichung der Frau, weist aber explizit auf die Notwendigkeit hin, mit bestimmten Traditionen und Konventionen kontextsensibel umzugehen, um die normative soziale Ordnung nicht zu unterminieren. Während die Marokkanerin Sara El Bekri (2013) z.B. die erzwungene Verhüllung von Frauen durch Männer ablehnt, sieht sie die Aktionen von FEMEN und Amina als Verstoß gegen muslimische Konventionen des Respekts, des öffentlichen Anstands und Moral. Sie sei für freie Meinungsäußerung und Gleichberechtigung, könne aber die Art und Weise des FEMEN-Protests aus Identitätsgründen von Muslimen nicht unterstützen. Wiederum andere Feministinnen unterstützen offen Amina Tylers Recht auf Protest, schätzen aber FEMENs Taktiken des »Sextremismus« als kontraproduktiv ein. Nacktheit sei ein inakzeptables Mittel, um seine Rechte einzufordern. Sie wollen nicht mit ihrem Körper ihre Ziele erreichen, sondern ihre Rechte durch Respekt vor ihrem Intellekt erzielen (Schemm/Hadid 2013). Wie die demokratische Pro-Demokratie-Aktivistin Zineb Belmkaddem hämisch bemerkt: »Exposing the woman’s body... reinforces the image that objectifies women actually, no matter how FEMEN would like to think that the action frees them somehow [...]. I tell FEMEN, ›call me when exposing your breasts gets you to break the glass ceiling‹. And if it does, then it’s probably for the wrong reasons« (zitiert in: Schemm/Hadid 2013). Eine weitere dritte Subjektposition kann als politisch äußerst »liberal« oder »links«26, aber dennoch kritisch gegenüber den Aktionen von Alia und Amina gewertet werden. Dies mag auf den ersten Blick verwundern, unterstreicht aber nach Einschätzung Sara Mourads nur die Notwendigkeit »for a more nuanced understanding of the positions of liberals and seculars […] on issues related to gender and sexuality« (Mourad 2014: 69). Die allgemeine Stoßrichtung aller Reaktionen war eine Abwertung ihrer Handlungen als »bloß kulturell«, so dass diese nur sekundär zu vermeintlich drängende- 26 Wir übernehmen diese (Selbst-)Zuschreibungen aus den entsprechenden Diskursen. Forum 98 ren Projekten wie der politischen Revolution in Ägypten oder zur »schlechte[n] sozioökonomische[n] Lage, [der] Verfassung und [der] zunehmende[n] Gewalt« in Tunesien standen (Chaabane zitiert in: Gerlach 2013). »The liberation of women should not be added to the current agenda«, heißt es in einem Artikel der pan-arabischen Al-Quds al-Arabi im Fall Alias (zitiert in: Mourad 2014: 69). Feminismus und sexuelle Befreiung können demnach keine für sich allein stehenden Ziele sein. Die Verbannung ihrer Handlungen in die Kultursphäre – anstelle sie als politischen Akt zu begreifen – spielte jedoch auch IslamistInnen in die Hände, da man so Alias Aktion als reine Mimikri des Westens framen konnte (Mourad 2014: 70). In Bezug auf FEMEN hat die tunesische Feministin und Oppositionsführerin Maya Jribi auf dieses Dilemma in einem Interview mit Raniah Salloum (2013) von Spiegel Online hingewiesen. Indem man die Emanzipierung der Frau durch den »Oben-ohne-Dschihad« auf die Identitätsfrage bzw. einen »Kulturkampf« zwischen dem »Westen« und »Islam« reduziere, würden die jahrelangen Bemühungen tunesischer FrauenrechtlerInnen aufs Spiel gesetzt, diese Frage als ein soziales und politisches Thema zu fassen. Die dritte, liberale Position kann also auch als legitimierende Quelle für eine vierte islamistische Subjektivität fungieren, die sich klar gegen Amina und Alia positioniert hat. In beiden Fällen verachteten die Islamisten die Taten als Sittenverfall; Amina gab dem konservativen Kleriker Adel Almi sogar Anlass, in einer Talkshow ihre Hinrichtung durch Steinigung zu fordern. Da ihr Akt eine »Epidemie« auslösen und anderen Frauen »Ideen« geben könne, müsse man diesen Vorfall isolieren (zitiert in: Hamid 2013). Während diese radikalen Forderungen eher selten sind, ist das Muster dennoch wiederkehrend und für Frauenbewegungen gefährlich: IslamistenInnen diffamieren vermeintlich emanzipatorische Akte von muslimischen und/oder arabischen Frauen als »westlich« und diskreditieren sie somit vor anderen Gruppen, die sie als Form des Übergriffs fremder Werte begreifen. Unbeabsichtigt verstärkt die Verbindung von Amina und Alia mit der »westlich« Organisation FEMEN folglich die Instrumentalisierung des »West«-Bildes durch IslamistenInnen und nimmt ihnen so die agency, die sie zuvor eingefordert hatten. Der tragische Effekt ist, dass sie bestenfalls als »Agentinnen des Westens« wahrgenommen werden, nicht aber als Frauen, die eventuell Ideen des »westlichen« Feminismus aufgenommen, ihn aber für ihren Kontext aktualisiert oder zu eigen gemacht haben. Zusammenfassung und Ausblick Normenforschung muss kritisch sein und kritisch bleiben. Damit sich Forscherinnen und Forscher aber den Moment des Kritischen bewahren, reicht es nicht, vorhandene hegemoniale Strukturen aus einer poststrukturalistischen Perspektive heraus zu hinterfragen. Postkoloniale Ansätze leiden – so paradox dies auch klingen mag – unter ihrer Stärke der dekonstruierenden Offenlegung hegemonialer Praktiken. Alternativ hierzu bietet die von uns im Rahmen eines kritisch-konstruktivistischen Forschungsprogrammes vorgeschlagene induktive Strategie einer rekonstruk- 4. Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? ZIB 2/2014 99 tiven Analyse des meaning-in-use eine Möglichkeit, die doppelte Hermeneutik auch forschungspraktisch umzusetzen. Exemplarisch haben wir dies als eine mögliche Perspektive auf die Reaktionen auf die Protestaktionen von FEMEN aufgezeigt. An diesem Beispiel haben wir illustriert, dass die Reaktionen auf und Effekte von FEMEN-Aktionen unterschiedlich wirken und keine einheitliche, geschweige denn abschließende normative Bewertung erlauben.27 Viel zu dynamisch wird um den Hoheitsanspruch zur »richtigen« Auslegung und Umsetzung von Freiheit und Gleichberechtigung gestritten. Schaut man sich die Vielfalt der Subjektpositionen und Einwände näher an, so zeigt sich, dass der Imperialismusvorwurf seitens betroffener Frauen differenziert zu betrachten ist. Im Extremfall führt die Ablehnung »westlicher« Frauenbilder zu einer Legitimierung patriarchaler Strukturen und bewirkt so das Gegenteil der Ziele, die FEMEN verfolgt. Dies bedeutet eine Kolonialisierung der Frau durch die Hintertür – aber eben nicht durch FEMEN selbst, sondern in Beziehung dazu durch »IslamistInnen«. Aus Perspektive der Geschichte der WANA-Region lässt sich die Frage stellen, ob mit dem »Arabischen Frühling« das Ende des Postkolonialismus eingeleitet ist (Dabashi 2012). Eine substantielle Beurteilung ist an dieser Stelle und zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu bewältigen. Zudem bleibt es die Aufgabe kritischer Wissenschaft, hegemoniale Praktiken zu entlarven, die in diesem Kontext zweifellos weiterhin existieren. Es ist Foucault, der hier auf Prozesse der Etablierung von Hegemonie hingewiesen hat, jedoch auch richtigerweise auf die Fluidität von Macht und deren nicht-statischen Charakter (Foucault 1982: 789). Foucault bleibt jedoch eine Antwort auf die Frage schuldig, wann und wie sich Widerstand selbst als Hegemonie äußert und welche Indizien der Wissenschaft helfen, den Wandel der Subalternen im Kontext hegemonialer Strukturen theoretisch zu konzeptualisieren. Vor allem empirische Studien außerhalb der IB haben gezeigt, wie divers sich in Abhängigkeit von temporären und räumlichen Kontexten Hegemonie und Gegenhegemonie entwickeln können.28 Darüber hinaus bleibt ein inhärentes Problem vieler theoretischer Perspektiven der a priori-Charakter von normativen Vorstellungen, welche in den jeweiligen Theorien artikuliert werden. Wie im Beitrag aufgezeigt, besteht dies beispielhaft in poststrukturalistisch inspirierten Theorien des Postkolonialismus aufgrund des inhärent antizipierten Machtverhältnisses zwischen »Westen« und »Lokalem«. Dies wirft in theoretischer und methodologischer Hinsicht die Frage auf, wann Forschung Akteurinnen und Akteuren und Gesellschaften mit (post-)kolonialer Geschichte, wie jenen der WANA-Region, überhaupt die agency überlässt, diesen Abschnitt ihrer Geschichte wieder zu verlassen? Eine theoretische Linse, die bestimmte Gesellschaften jenseits des »westlichen« Kontexts lediglich in einem postkolonialen Kontext versteht, konstituiert ein hegemoniales Verhältnis 27 Diese Einschätzung gleicht jener Thomas Bauers, der die normative Ambiguität bereits 2011 am Beispiel »eine[r] andere[n] Geschichte des Islams« darzulegen versucht hat und auf dessen Buch Engelkamp et al. (2013: 114) verweisen. 28 Vgl. hierzu die Arbeiten von Scott (1985); Chalcraft/Noorani (2007); Khalili (2007); Bayat (2010); Tripp (2013). Forum 100 zwischen Forschung und Forschungsobjekt, da Wandel nur begrenzt möglich erscheint. Dies zeigt unserer Auffassung nach deutlich, dass das kritische Element in der Normenforschung nicht alleine durch die Wahl vermeintlich kritischer Ansätze, wie beispielsweise poststrukturalistisch informierte postkoloniale Ansätze, getan ist. Forschende selbst müssen das Moment der Selbstreflexion mit in die Forschung übertragen. Methodologisch hilfreich dabei ist die Verwendung eines Rahmens, welcher eine doppelte Hermeneutik beinhaltet. Theoretisch müssen Konzeptionen und Verwendungen von »westlich« und »lokal« sowohl in den eigenen theoretischen Ansätzen als auch in den Artikulationen der Akteurinnen und Akteure stets hinterfragt werden. Methodisch bieten vor allem rekonstruktive Ansätze eine Möglichkeit der kritischen Forschung. Schlussendlich verweist all das auf die Notwendigkeit, Akteurinnen und Akteure vor einer normativen Bewertung zunächst für sich selbst sprechen zu lassen und ihren Artikulationen weder theoretisch noch methodologisch vorzugreifen. Gelingt all dies, dann ist kritische (Normen-)Forschung möglich. Berechtigterweise stellt sich dann jedoch die Frage nach dem Mehrwert einer solchen kritischen Normenforschung für die IB.29 Während anderenorts ein »Ende der IB« diskutiert wird (Dunne et al. 2013), sehen wir gerade mit Blick auf die Ereignisse in der WANA Region, Konflikte wie den andauernden Bürgerkrieg in Syrien oder auch den Konflikt in der Ukraine eine besondere Notwendigkeit für theoretisch wie methodologisch reflexive Ansätze in den IB. Die Umstrittenheit von scheinbar sicher geglaubten grundlegenden Normen der internationalen Beziehungen wie Freiheit und Gleichheit treten vermehrt als massiv umstritten zutage. Der bisherige theoretische Rahmen, der in den letzten Jahren vor allem in den kritischkonstruktivistischen Arbeiten gelegt wurde, bedarf nun auch einer entsprechenden methodologischen Umsetzung. Hierzu hat der vorliegende Text versucht, einen Beitrag zu leisten. Zugleich haben wir mit Blick auf die bereits in der Einleitung angesprochenen Schwächen der bisherigen Beiträge der aktuellen ZIB-Debatte auf die Notwendigkeit eines methodologischen Rahmens hingewiesen, der sich einer doppelten Hermeneutik bedient. Ein solcher methodologischer Rahmen bedarf aber stets der kritischen Selbstreflexion des eigenen theoretischen Vorgehens. Auch hier haben wir im Anschluss an die bisherige Debatte gezeigt, wie eine solche Selbstreflexion vorgenommen und empirisch umgesetzt werden kann. Das von uns vorgeschlagene Vorgehen erlaubt Einblicke in Konflikte, die andernfalls verborgen bleiben, wenn Akteurinnen und Akteure in Forschungsarbeiten nicht selbst sprechen dürfen und können. Diese Einsicht ist zweifelsohne auch für andere Forschungsarbeiten innerhalb der IB von Bedeutung. 29 Wir danken dem/der GutachterIn der ZIB für den Hinweis auf diese wichtige Frage. Hofius/Wilkens/Hansen-Magnusson/Gholiagha: Den Schleier lichten? 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Abstract

Following the call for »critical norms research« by Engelkamp et al. and Deitelhoff/Zimmermann, we make the case for moving beyond a post-structuralist perspective, which merely questions hegemonic structures, by applying a research programme based on a critical-constructivist perspective. Norms research must remain »critical« - here we agree with the previous contributions in the ZIB. This, however, is only possible, if actors can speak for themselves before a normative judgement is made by the researcher. Based on the proposed critical-constructivist research frame, we suggest an inductive research strategy which follows the logic of a double hermeneutic. If this is carried out successfully, local actors receive agency and speak for themselves. Only then (norms) research is critical. This contribution empirically illustrates such a research strategy by reconstructing the »meaning-in-use« of the norms of »freedom« and »equality« on the basis of reactions to FEMEN protests in the WANA region.

Zusammenfassung

Die Forderung nach »kritischer« Normenforschung in den IB durch Engelkamp et al. und Deitelhoff/Zimmermann aufgreifend, plädieren wir dafür, mithilfe eines kritisch-konstruktivistischen Forschungsprogramms über eine poststrukturalistische Perspektive hinauszugehen, die lediglich hegemoniale Strukturen hinterfragt. Normenforschung muss »kritisch« bleiben - hier stimmen wir mit den vorangegangenen Beiträgen in der ZIB überein. Gelingen kann dies jedoch nur, wenn beforschte Akteurinnen und Akteure vor einer normativen Bewertung der Forschenden zunächst für sich selbst sprechen können und ihren Artikulationen weder theoretisch noch methodologisch vorgegriffen wird. In Anlehnung an kritisch-konstruktivistische Forschung schlagen wir daher eine induktive Forschungsstrategie vor, die genau dies ermöglicht und dabei die doppelte Hermeneutik forschungspraktisch umsetzt. Gelingt dies, wird lokalen Akteurinnen und Akteuren agency zugestanden und sie sprechen für sich selbst. Dann erst ist (Normen-)Forschung kritisch. Empirisch illustriert der Artikel eine solche Forschungsstrategie anhand einer rekonstruktiven Analyse des meaning-in-use der Normen »Freiheit« und »Gleichberechtigung« anhand der Reaktionen auf die Protestaktionen von FEMEN in der WANA-Region.

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Wiener, Antje/Puetter, Uwe 2009: The Quality of Norms is What Actors Make of It: Constructivist Research on Norms, in: Journal of International Law and International Relations 5: 1, 1-16. https://doi.org/10.1017/S0260210509008377

Abstract

Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB) is the flagship journal of the German International Relations community. According to a poll amongst German political scientists across various sub-fields conducted in 2009 it is also considered the best German-language journal in Political Science at large. ZIB publishes articles that make original as well as theoretically and methodically reflected contributions to the study of international relations. The thematic spectrum includes the entire range of IR, including IR theory, foreign policy analysis, international institutions, peace and conflict resolution, security policy, European integration, North-South relations, development policy, and international economic relations.

The high quality of articles that are published in ZIB is ensured through  double blind peer review. ZIB was the first journal in German Political Science to introduce such a process.

Since its founding in 1994 ZIB has greatly contributed to the professionalization of the German IR-community and can be considered a key source for thematic stimuli on theoretical, methodological and empirical levels at the edge of contemporary IR research.

Website: www.zib.nomos.de

Zusammenfassung

Die "Zeitschrift für Internationale Beziehungen" (ZIB) ist das zentrale Publikationsorgan der Sektion Internationale Politik der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW). Ihre Aufgabe ist es, aus unaufgefordert eingesandten Beiträgen in einem doppelt anonymisierten Begutachtungsverfahren die besten auszuwählen, um auf diese Weise die qualitativ avancierte, theoretisch und methodisch reflektierte IB-Forschung in Deutschland zu repräsentieren.

Seit ihrer Gründung 1994 hat die ZIB wesentlich zur Profilbildung der deutschen IB-Community beigetragen und wichtige inhaltliche Impulse gegeben. Lange fehlte es den Internationalen Beziehungen in Deutschland an einem Kommunikationsforum, das den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine mehr als nur punktuelle Zusammenführung der fachlichen Diskussion bieten konnte.

Durch ihr Format schließt die ZIB diese Lücke und schafft Raum für umfassende wissenschaftliche Kontroversen und vielfältigen Austausch. Idealtypisch umfasst jedes Heft drei Aufsätze, die einen originären, theoretisch und methodisch reflektierten Beitrag zur Disziplin Internationale Beziehungen leisten, sowie entweder die Rubrik Forum oder die Rubrik Symposium.

Homepage: www.zib.nomos.de