Content

Fabian Peters, David Gutmann, Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 in:

ZögU Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen, page 65 - 84

ZögU, Volume 43 (2020), Issue 1-2, ISSN: 0344-9777, ISSN online: 0344-9777, https://doi.org/10.5771/0344-9777-2020-1-2-65

Browse Volumes and Issues: ZögU Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen

Bibliographic information
PDF download Citation download Share
Fabian Peters und David Gutmann Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 Evangelische Kirche; Katholische Kirche; Kirchenmitglieder; Kirchensteuer; Projektion 2060 Aufbauend auf der Vorausberechnung der Kirchenmitglieder, welche die Verfasser des vorlie‐ genden Beitrags für die evangelische und katholische Kirche in Deutschland erstellt haben, wird für jede der 27 römisch-katholischen Diözesen und 20 evangelischen Landeskirchen die langfristige Entwicklung des Kirchensteueraufkommens bis zum Jahr 2060 projiziert. Das Kir‐ chensteueraufkommen der beiden großen Kirchen liegt 2060 nominal um 2 Prozent höher als 2017. Dies entspricht einem Rückgang der Kirchensteuerkaufkraft von 49 Prozent. In fünf Sze‐ narien wird der Einfluss von Änderungen steuerrechtlicher und ökonomischer Parameter sowie veränderter Mitgliederentwicklung auf die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Einleitung Das Kirchensteueraufkommen der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland belief sich im Jahr 2018 auf rd. 12,4 Mrd. Euro. 2009 lag es bei 9,3 Mrd. Euro. Damit hat es in den letzten zehn Jahren einen Anstieg um 34,2 Prozent erlebt (Kirchenamt der EKD 2019; Ver‐ band der Diözesen Deutschlands 2019 b; eigene Berechnung). Obwohl im gleichen Zeitraum die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen um 10,1 Prozent sanken (Kirchenamt der EKD 2019; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 2019; eigene Berechnung), sind die Kir‐ chensteuereinnahmen auch kaufkraftbereinigt um 8,0 Prozent gestiegen.1 Diese gegenläufigen Bewegungen lassen sich größtenteils mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutsch‐ land erklären. Denn als Zuschlag zur Einkommensteuer ist das Kirchensteueraufkommen stark mit der staatlichen Entwicklung verbunden. Mehr als 10 Jahre ununterbrochenes Wirtschafts‐ wachstum – wie sie in Deutschland zuletzt in den 1960er Jahren beobachtet wurden – haben sich nicht nur in staatlichen Steuerzuwächsen niedergeschlagen, sondern auch zu kirchlichen Mehreinnahmen geführt. Der dauerhafte Anstieg der Erwerbstätigenquote (Statistisches Bun‐ desamt 2017, S. 360) und überdurchschnittliche Lohn- und Gehaltssteigerungen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2019), die durch die kalte Progression teilweise in Steuer‐ mehreinnahmen umgewandelt wurden, führten unmittelbar zu steigenden Kirchensteuerauf‐ kommen. Der Einfluss kirchenspezifischer Faktoren auf das Kirchensteueraufkommen offen‐ I. 1 Eigene Berechnung auf Basis eines fiktiven Preisindex eines typischen kirchlichen Warenkorbs, der sich zu 70 Prozent gemäß Lohnsteigerungen, 20 Prozent gemäß der Baupreisentwicklung und 10 Prozent gemäß dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts zusammensetzt. Vgl. dazu die Erläuterungen in Kapitel IV.2. ZögU 43. Jg. 1-2/2020, DOI: 10.5771/0344-9777-2020-1-2-65 65 bart sich dadurch erst bei genauerer Überprüfung. Ein Vergleich der relativen Entwicklung des staatlichen und kirchlichen Steueraufkommens zeigt jedoch deutliche Unterschiede. So ist das Lohn- und veranlagte Einkommensteueraufkommen seit 2009 mit einem nominalen Anstieg von 66,2 Prozent beinahe doppelt so stark gestiegen wie das Kirchensteueraufkommen (Bun‐ desministerium der Finanzen 2017; Kirchenamt der EKD 2019; Verband der Diözesen Deutsch‐ lands 2019 b; eigene Berechnung). Da Kirchensteuern nur von Mitgliedern der steuererheben‐ den Religionsgemeinschaften erhoben werden, liegt es nahe, diese schwächere Entwicklung auf die hohen Kirchenaustritte der vergangenen Jahre zurückzuführen (Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 2019; Tabelle 6.1.25). Aber sowohl eine von der Gesamtbevölkerung abwei‐ chende Altersschichtung der steuerzahlenden Kirchenmitglieder als auch Änderungen im Ein‐ kommensteuerrecht, wie die deutliche Erhöhung des Kinderfreibetrags im Jahr 2010, können als Erklärungsansätze für die unterschiedliche Entwicklung zusätzlich herangezogen werden.2 Als größte Einnahmequelle ist die Kirchensteuer für die Finanzierung kirchlicher Aufgaben von maßgeblicher Bedeutung. Vor dem Hintergrund der projizierten Halbierung der Mitgliedszahlen bis 2060 (Gutmann/Peters 2020, S. 20) stellt sich die Frage, wie sich die in den vergangenen Jahren beobachtete Kirchensteuerentwicklung fortsetzt. Zur Beantwortung wird eine langfristi‐ ge Projektion des Kirchensteueraufkommens in Deutschland für jede der 27 römisch-katholi‐ schen Diözesen und 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland bis zum Jahr 2060 erstellt und untersucht, wie sich unterschiedliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedin‐ gungen auf die Ergebnisse auswirken würden. Der vorliegende Beitrag gibt zunächst in Kapitel II Informationen zum institutionellen Hinter‐ grund des Kirchensteuersystems in Deutschland sowie einen Forschungsüberblick bisheriger Studien zur Kirchensteuer und zur zukünftigen Entwicklung des Kirchensteueraufkommens. In Kapitel III werden Daten, Methodik und Beschränkungen des verwendeten Projektionsmodells beschrieben. Die Ergebnisse der Kirchensteuerprojektion werden in Kapitel IV vorgestellt. Da‐ ran anschließend verdeutlicht Kapitel V in mehreren Szenarien den Einfluss wesentlicher De‐ terminanten auf die Kirchensteuerentwicklung. Der Beitrag schließt in Kapitel VI mit einem Fazit. Institutioneller Hintergrund und Forschungsüberblick Kirchensteuersystem in Deutschland Die Mitgliedschaft in einer der evangelischen Landeskirchen oder römisch-katholischen Diöze‐ sen in Deutschland beginnt mit der Taufe und endet durch Tod oder Austritt. Mit der Mitglied‐ schaft in einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft und dem Wohnsitz bzw. gewöhnlichen Aufenthaltsort in deren Territorium geht in Deutschland die grundsätzliche Kirchensteuerpflicht II. 1. 2 Anders als bei der Berechnung der Einkommensteuer verkürzen Kinderfreibeträge gemäß § 51 a Abs. 2 und 2 a EStG stets die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Kirchensteuer. Zum Einfluss einer Anhebung des Kinderfreibetrags auf die Kirchensteuer sei verwiesen auf Peters/Gutmann (2019). Fabian Peters und David Gutmann 66 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 einher.3 Die Bundesländer regeln in Kirchensteuergesetzen die konkrete Ausgestaltung der Kir‐ chensteuer und eröffnen den Kirchen darin die Möglichkeit, die Kirchensteuer durch die staatli‐ che Finanzverwaltung zu erheben und an die Kirchen weiterzuleiten. Für diese Dienstleistung, von der alle Diözesen und Landeskirchen Gebrauch machen, entrichten sie eine Verwaltungs‐ kostenentschädigung an den Staat (Petersen 2017, S. 216). Bei der Ermittlung der Kirchensteu‐ erhöhe gelten die staatlichen steuerrechtlichen Vorschriften.4 Zunächst wird die staatliche Ein‐ kommensteuer des Kirchenmitglieds und damit die individuelle Lohn-, Einkommen- und Kapi‐ talertragsteuer herangezogen und von dieser ein Zuschlag als Kirchensteuer erhoben.5 Die Hö‐ he des Hebesatzes wird von den Kirchen im Rahmen des Kirchensteuergesetzes der jeweiligen Bundesländer festgesetzt und beträgt in Baden-Württemberg und Bayern 8 Prozent sowie im restlichen Bundesgebiet 9 Prozent.6 Während die Kirchenlohn- und Kircheneinkommensteuer von der Finanzverwaltung bzw. den Kirchensteuerämtern festgesetzt und erhoben wird, werden die Kapitalerträge in der Form einer Abgeltungsteuer anonym und (i.d.R.) abgeltend direkt an der Quelle besteuert (Petersen 2017, S. 55). Bisherige Entwicklung des Kirchensteueraufkommens Bei der Entwicklung des Kirchensteueraufkommens muss zwischen der Entwicklung der Kir‐ chenlohnsteuer, die im Jahr 2017 einen Anteil von 73,0 Prozent des Gesamtkirchensteuerauf‐ kommens ausmachte, der Kircheneinkommensteuer (23,6 Prozent) und Kirchensteuer auf die Abgeltungsteuer (3,4 Prozent) unterschieden werden (Kirchenamt der EKD 2019; Verband der Diözesen Deutschlands 2019 b, eigene Berechnung). Die Kirchenlohnsteuer wird direkt von den Arbeitgebern an die Finanzämter abgeführt. Sie wird v.a. von der Anzahl der sozialversi‐ cherungspflichtig beschäftigten Kirchenmitglieder sowie der Entwicklung der Löhne und Ge‐ hälter beeinflusst und entwickelt sich weitestgehend dementsprechend. Dagegen ist die Ent‐ wicklung des Kircheneinkommensteueraufkommens von verschiedenen, dem Veranlagungsjahr vor- und nachgelagerten Faktoren abhängig und daher deutlich volatiler. Grundsätzlich lassen sich die Determinanten des Kirchensteueraufkommens in ökonomische, rechtliche, kirchenspe‐ zifische und demografische Einflüsse einteilen (Arndt 2009, S. 32).7 Die in der Einleitung be‐ schriebene Entwicklung des Kirchensteueraufkommens der deutschen Landeskirchen und Diö‐ zesen war zwischen 2009 und 2018 mit einem preisbereinigten Anstieg von 8,0 Prozent sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung getrieben. Wird der Betrachtungszeitraum auf 20 Jahre erweitert, ergibt sich zwischen 1999 und 2018 ein nominaler Anstieg von 41,1 Prozent, der allerdings preisbereinigt nahezu vollständig aufgezehrt wurde. Auf annähernd gleichblei‐ 2. 3 Gemäß Art. 140 Grundgesetz i.V.m. Art. 137 Abs. 6 der Weimarer Reichsverfassung „sind Religionsgesell‐ schaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuer‐ listen nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.“. 4 Vgl. für weitergehende Informationen Petersen (2017, S. 11 ff.). In Bayern werden Kirchensteuern von eigenen Kirchensteuerämtern der Religionsgemeinschaften verwaltet. Vgl. Petersen (2017, S. 45). 5 Vgl. zur Festsetzung und Erhebung von Zuschlagsteuern § 51 a EStG. 6 Einzige Ausnahme ist die römisch-katholische Gemeinde Bad Wimpfen in Baden-Württemberg, die dem Bis‐ tum Mainz angehört. Hier gilt ein Hebesatz von 9 Prozent. Vgl. Petersen (2017, S. 19). 7 Eine ausführliche Zusammenstellung der Bestimmungsfaktoren des Kirchensteueraufkommens findet sich bei Arndt (2009, S. 30 ff.). Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 67 bende Kirchensteueraufkommen Anfang der 2000er-Jahre folgte ein Rückgang, der im Zusam‐ menhang mit der letzten größeren Einkommensteuerreform 2004/05 steht. Getrieben durch den in der jüngeren Vergangenheit beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung stieg das Kirchen‐ steueraufkommen bis 2018 nominal und auch preisbereinigt an. Einzig die Finanz- und Wirt‐ schaftskrise in den Jahren 2009/10 hat diese durchaus als zweites Wirtschaftswunder zu be‐ zeichnende Entwicklung geringfügig unterbrochen. Das Kirchensteueraufkommen ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich verteilt. Wäh‐ rend 40,1 bzw. 39,5 Prozent des gesamten Kirchensteueraufkommens von Diözesen und Lan‐ deskirchen vereinnahmt werden, die im Süden oder Westen gelegen sind, entfallen 14,8 Prozent auf im Norden und 5,6 Prozent auf im Osten gelegene Kirchen.8 Forschungsüberblick Über die Analyse und Entwicklung des Steueraufkommens der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland liegen vergleichsweise wenige Studien vor. Veröffentlichungen zum Thema Kirchensteuer behandeln schwerpunktmäßig Rechtsfragen der Kirchensteuer sowie in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Staat und Kirche (vgl. Hammer 2002, Marré/Jurina 2006, Hammer 2008, Zelinsky 2017). Auch Petersen (2017) fokussiert sich auf die rechtliche Betrachtung der Kirchensteuer, erweitert diese jedoch um Berechnungsbeispiele und weiterfüh‐ rende Fragen wie die Finanzierung der Kirchen in Europa, die kirchliche Leistungsfähigkeit in Abhängigkeit der gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklung oder den Kirchenaustritt. Ob die Kirchensteuer Einfluss auf das Austrittsverhalten von Kirchenmitgliedern hat, untersuchen Riegel u. a. (2019). Mit Einflussfaktoren der Kirchensteuerentwicklung befassen sich Arndt (2009), der eine Analy‐ se und Prognose des Kirchensteueraufkommens für das Folgejahr vorlegt, Hentze (2018) mit einer Schätzung des Kirchensteueraufkommens auf Basis der staatlichen Steuerschätzung bis 2023 sowie Peters/Gutmann (2019), die die Auswirkungen möglicher steuerrechtlicher An‐ passungen auf das Kirchensteueraufkommen berechnen. Sahgal u. a. (2019) haben im Rahmen einer Umfrage zur Religion in Westeuropa die Einstellung der Öffentlichkeit zu Kirchensteuern in mehreren westeuropäischen Ländern gemessen, in denen Kirchensteuern erhoben werden. Zur Einschätzung der langfristigen Entwicklung des Kirchensteueraufkommens liegen lediglich die Arbeiten von Raffelhüschen u. a. (2006), Benz/Hagist/Raffelhüschen (2011) und Benz/ Raffelhüschen (2013) vor. Diese beziehen sich allerdings nur auf die katholische Kirche und berücksichtigen keine wanderungsbedingten Wechselwirkungen zwischen den Diözesen. Dane‐ ben projizieren Calahorrano u. a. (2016) im Rahmen eines Forschungsprojekts im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen u. a. auch die gezahlte Kirchensteuer bis 2060, wobei deren Veröffentlichung lediglich den steuerlichen Effekt auf die Einkommensteuer quantifiziert, der durch den Abzug der Kirchensteuern als Sonderausgabe vom Gesamtbetrag der Einkünfte ent‐ steht. Da deren Berechnung unterstellt, dass der Anteil der Kirchensteuerpflichtigen an der Ge‐ 3. 8 Das entspricht im Wesentlichen auch der Verteilung der Kirchenmitglieder im Bundesgebiet. Ein tabellarischer Überblick über die regionale Zuordnung von (Erz-) Diözesen, Landeskirchen und Bundesländern ist diesem Artikel als Anhang beigefügt. Fabian Peters und David Gutmann 68 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 samtbevölkerung konstant bleibt (Calahorrano u. a. 2016, S. 79 f.), dieser aber nach Berechnun‐ gen von Gutmann/Peters (2020, S. 21) deutlich absinkt, müssen die Ergebnisse in Bezug auf das Kirchensteueraufkommen relativiert werden. Mit dem vorliegenden Beitrag wird erstmals für jede der 27 Diözesen und 20 Landeskirchen eine langfristige Projektion des Kirchensteueraufkommens bis zum Jahr 2060 vorgelegt. Diese berücksichtigt sowohl Wanderungsbewegungen zwischen den einzelnen Kirchen und aus dem Ausland als auch regionale wirtschaftliche und kirchenspezifische Parameter. Methodik Daten Datengrundlage für die vorliegende Kirchensteuerprojektion bildet die Sonderauswertung Kir‐ chensteuer der Lohn- und Einkommensteuerstatistik des Bundes für das Veranlagungsjahr 2014 (Statistisches Bundesamt 2018 b). In der Lohn- und Einkommensteuerstatistik werden Angaben zur Lohn- und Einkommensteuer durch das Statistische Bundesamt aufbereitet. Da es sich um eine Vollerhebung von Daten der Steuerfestsetzung handelt (Statistisches Bundesamt 2018 a), ist eine Hochrechnung, die zu statistischen Ungenauigkeiten führen kann, nicht notwendig. Im Rahmen einer Sonderauswertung werden durch das Statistische Bundesamt auch Informationen über kirchensteuerpflichtige Mitglieder der einzelnen Diözesen und Landeskirchen ermittelt. Insbesondere enthält die Sonderauswertung die alters- und geschlechtsspezifische Anzahl an Kirchensteuerzahlenden sowie deren durchschnittliche Kirchensteuerzahlung für die evangeli‐ schen Landeskirchen und römisch-katholischen (Erz-)Diözesen in Deutschland. Wirtschaftliche Rahmendaten zur bundeslandspezifischen Einkommens- und Arbeitnehmerent‐ wicklung stammen aus den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2019), Daten zur landeskirchen- und diözesanspezifischen Mitgliederentwicklung bis 2060 aus der Mitgliederprojektion für die Landeskirchen und Diöze‐ sen (Gutmann/Peters 2020). Modell Ausgangspunkt der Kirchensteuerprojektion ist der alters- und geschlechtsspezifische Aufbau der Kirchenmitglieder einer Diözese/Landeskirche i  im Jahr t .9 pi, t = pi, t, 0f ,…, pi, t, af ,…, pi, t, 100f , pi, t, 0m ,…, pi, t, am ,…, pi, t, 100m   (1) Dabei repräsentiert der Exponent f   die weiblichen und der Exponent m  die männlichen Kir‐ chenmitglieder. pi, t, a  beschreibt die Anzahl der Kirchenmitglieder der Diözese/Landeskirche i  III. 1. 2. 9 Zur Ermittlung des alters- und geschlechtsspezifischen Aufbaus der 20 Landeskirchen und 27 Diözesen in Deutschland zwischen 2017 und 2060 sei auf Gutmann/Peters (2020, S. 22 f.) verwiesen. Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 69 im Jahr t , die a  Jahre alt sind. Das maximal zu erreichende Alter beträgt 100 Jahre, sodass der Zeilenvektor 202 Einträge enthält.10 Die aus der Einkommensteuerstatistik gewonnene durchschnittliche alters- und geschlechtsspe‐ zifische Kirchensteuerzahlung tpi, t  sei entsprechend pi, t  aufgebaut. Sie wird zunächst um die Kirchensteuerzahlungen topi, t  von Hochsteuerzahlenden bereinigt, deren Steuerzahlung das Ge‐ samtprofil beeinflusst. topi, t  sei dabei ein 1x1-Vektor. Ist im alters- und geschlechtsspezifischen Verlauf des Kirchensteuerprofils eine Hochsteuerzahlung zu erkennen, wird zunächst ermittelt, ob diese bereits in den Steuerprofilen der Veranlagungsjahre 2010 und 2013 in denselben Ge‐ burtsjahrgängen zu erkennen ist. Ist dies nicht der Fall, wird angenommen, dass es sich um ho‐ he Kirchensteuerzahlungen aufgrund einmaliger Ereignisse wie bspw. bei Veräußerungsgewin‐ nen handelt (Petersen 2017, S. 185 ff.). Die Wahrscheinlichkeit solcher einmaliger Spitzen im Steuerprofil ist langfristig nicht lokalisierbar. Von deren grundsätzlichem Eintreffen ist aber auch in Folgejahren auszugehen. Diese werden daher für die Projektion entfernt und die einma‐ lige Steuerzahlung dauerhaft berücksichtigt. Wiederkehrende Spitzen in den Steuerprofilen der Veranlagungsjahre werden bis zum Erreichen der durchschnittlichen Lebenserwartung der ent‐ sprechenden Geburtsjahrgänge fortgeschrieben. Das verbleibende Steuerprofil wird Jahr für Jahr an die wirtschaftliche und steuerrechtliche Entwicklung angepasst. Dabei wird vereinfa‐ chend davon ausgegangen, dass der Bundesgesetzgeber langfristig die Eckwerte des Einkom‐ mensteuertarifs entsprechend der Einkommensentwicklung anpasst und dass es somit auf lange Sicht nicht zu Effekten durch die kalte Progression kommt.11 Deswegen wird die durchschnittli‐ che Kirchensteuerzahlung entsprechend der Lohnentwicklung dynamisiert. Bei älteren Kirchen‐ mitgliedern erfolgt die Dynamisierung entsprechend der Rentensteigerungen der gesetzlichen Rentenversicherung. Um konjunkturelle Schwankungen und regionale Spezifika zu berücksich‐ tigen, beinhaltet der Zeilenvektor wi , der entsprechend pi, t  aufgebaut sei, bei Kirchenmitglie‐ dern bis 65 Jahren den zwanzigjährigen bundeslandspezifischen Durchschnitt der Lohnwachs‐ tumsraten bzw. bei älteren Kirchenmitgliedern den zwanzigjährigen Schnitt der Rentensteige‐ rungen in der gesetzlichen Rentenversicherung. Liegt eine Diözese/Landeskirche in mehreren Bundesländern, wird ein nach Kirchenmitgliedern pro Bundesland gewichteter Schnitt verwen‐ det. Die Lohnwachstumsraten in den ostdeutschen Bundesländern nähern sich bis 2060 linear dem durchschnittlichen Westlohnniveau an.12 Zudem wird das Kirchensteuerprofil um den in‐ tergenerativen Effekt der vom Gesetzgeber bis 2040 sukzessive eingeführten nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften angepasst. Demgemäß wird die durchschnittliche Steuerzah‐ lung von Beziehern von Alterseinkünften kontinuierlich steigen, wohingegen die durchschnitt‐ 10 In beiden Geschlechtern die Altersjahre 0 bis 100. 11 Diese Vereinfachung basiert auf der Annahme, dass progressionsbedingte Steuermehreinnahmen aufgrund steigender Nominaleinkommen über einen längeren Zeitraum durch Steuerreformen nachgelassen werden. Vgl. Homburg (2015, S. 57). 12 Zwischen 1992 und 2017 lagen die Wachstumsraten der Bruttolöhne pro Arbeitnehmer (lt. Definition Löhne und Gehälter der Arbeiter, Angestellten, Beamten, Richter, Soldaten usw. vor Abzug der Lohnsteuer und der Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer sowie Sachleistungen, die den Arbeitnehmern unentgeltlich oder verbilligt zur Verfügung gestellt werden.) in den ostdeutschen Bundesländern mit Ausnahme von fünf Jahren (2001, 2003, 2006, 2007 und 2012) über den vergleichbaren Wachstumsraten der westdeutschen Bun‐ desländern. Nachdem der Abstand zwischen den Bruttolöhnen in Ostdeutschland zu denen in Westdeutsch‐ land im Jahr 1991 noch 9.202 Euro betragen hatte, verringert sich der Abstand seit 1994 (5.531 Euro) nur noch sehr langsam auf 4.913 Euro in 2017. Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2019). Fabian Peters und David Gutmann 70 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 liche Steuerzahlung von Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2025 kontinuierlich sinken wird. ngbt, t + 1  sei dabei entsprechend pi, t  aufgebaut und beschreibe die aufgrund der nachgela‐ gerten Besteuerung zu erwartende geschlechts- und altersspezifische relative Veränderung des Steuerprofils vom Jahr t  zum Jahr t + 1 .13 Somit ergibt sich tpi, t + 1 = tpi, t∗ 1 + wi ∗ngbt, t + 1 . (2) Zur Ermittlung der Anzahl der Kirchensteuerzahlenden tci, t  wird der ebenfalls aus der Einkom‐ mensteuerstatistik des Veranlagungsjahres 2014 gewonnene alters- und geschlechtsspezifische Anteil von Kirchensteuerzahlenden tcqi, 2014  an allen Kirchenmitgliedern zunächst ins Jahr 2017 fortgeschrieben, sodass tcqi, 2017 = tcqi, 2014∗ n2017 n2014   (3) Dabei beschreibe n2017  die bundeslandspezifische Anzahl an Arbeitnehmern im Jahr 2017, n2014  entsprechend die des Jahres 2014.14 Das alters- und geschlechtsspezifische Beschäftigungsniveau des Jahres 2017 wird über den Projektionszeitraum als konstant angenommen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass mögli‐ cherweise drohende Beschäftigungsverluste durch die Digitalisierung (Bonin/Gregory/Zierahn 2015), den durch den demografischen Wandel bedingten Engpass an Arbeitskräften kompensie‐ ren.15 Aufgrund der sukzessive eingeführten nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften verändert sich allerdings nicht nur die Höhe der alters- und geschlechtsspezifischen durch‐ schnittlichen Kirchensteuerzahlung, sondern auch der alters- und geschlechtsspezifische Anteil der Kirchensteuerzahlenden an allen Kirchenmitgliedern tci, t , sodass sich dieser ergibt als tci, t = tcqi, 2017∗ngbc2017, t∗pi, t  (4) tcqi, 2017 , ngbc2017, t  und tci, t  seien entsprechend pi, t  aufgebaut. ngbc2017, t  beschreibe die aufgrund der nachgelagerten Besteuerung zu erwartende geschlechts- und altersspezifische relative Ver‐ änderung der Steuerzahlenden vom Jahr 2017  zum Jahr t . Das Kirchensteueraufkommen taxi, t  der Diözese/Landeskirche i  im Jahr t  ergibt sich letztlich als Multiplikation der Anzahl der Kirchensteuerzahlenden tci, t  mit deren durchschnittlicher Kir‐ 13 Zum Einfluss der nachgelagerten Besteuerung auf das Steuerprofil und einer detaillierten Beschreibung des dafür verwendeten Mikrosimulationsmodells vgl. Gutmann/Peters/Raffelhüschen (2019). 14 Liegt eine Diözese/Landeskirche in mehreren Bundesländern, wird entsprechend der Ermittlung von wi  ein nach Kirchenmitgliedern pro Bundesland gewichteter Schnitt verwendet. 15 Die noch nicht abgeschlossene Diskussion über die Auswirkungen der Digitalisierung und den damit einher‐ gehenden tiefgreifenden Strukturwandel des Arbeitsmarkts, aber auch die dadurch entstehenden Chancen wurden vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung/Statistisches Bundesamt (2017, S. 31 ff.) umfassend aufgegriffen. Auswirkungen von steigenden Erwerbstätigenquoten so‐ wohl von Frauen als auch aufgrund von längerer Lebensarbeitszeit werden in Kapitel V gesondert untersucht. Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 71 chensteuerzahlung tpi, t . Hinzu kommen die im Steuerprofil identifizierte Hochkirchensteuer‐ zahlungen topi, t , sodass taxi, t = tci, t∗tpi, t + topi, t  (5) Um das Ergebnis für Landeskirchen/Diözesen zu operationalisieren wird im Startjahr der Pro‐ jektion tpi, 2017  mit der relativen Zuwachsrate des diözesan-/landeskirchenspezifischen Kirchen‐ steueraufkommens des Veranlagungsjahres 2014 zum kassenmäßigen Kirchensteueraufkom‐ men 2017 multipliziert. Das resultierende Steueraufkommen taxi, 2017  bezieht sich damit nicht auf das Veranlagungsjahr 2017, sondern auf das tatsächliche kassenmäßige Kirchensteuerauf‐ kommen der Diözese/Landeskirche i  nach Ausgleich durch das Kirchenlohnsteuerverrech‐ nungsverfahren und vor Abzug der staatlichen Verwaltungsgebühren.16 Da auf dem Territorium der Landeskirchen Hannover, Schaumburg-Lippe sowie der Evange‐ lisch-Lutherischen Kirche in Bayern Mitglieder der reformierten Kirche wohnhaft sind, erfolgt für diese Landeskirchen ein zusätzlicher Finanzausgleich zur Verteilung des Kirchensteuerauf‐ kommens.17 Für das niedersächsische Territorium der Landeskirchen Hannover und Schaum‐ burg-Lippe wird das auf diesem Gebiet vereinnahmte gesamte Kirchensteueraufkommen heran‐ gezogen und gemäß dem Anteil der je in Niedersachsen wohnenden Kirchenmitglieder auf die drei Landeskirchen verteilt, sodass sich für die reformierte Kirche folgendes ergibt: taxref, t = p̅ref, t p̅ref, t + p̅H, t + p̅SL, t∗ taxH, t, o + taxSL, t, o   (6) Dabei sei p̅ref, t  die Anzahl der Mitglieder der reformierte Kirche im Jahr t , die in Niedersachsen wohnhaft sind und taxref, t  das Steueraufkommen der reformierten Kirche im Jahr t . taxH, t, o  (taxSL, t, o ) beschreibe das ursprünglich auf dem Territorium der Landeskirche Hannover (Schaumburg-Lippe) im Jahr t  errechnete Steueraufkommen. Für das Kirchensteueraufkommen der Landeskirchen Hannover (H ) und Schaumburg-Lippe (SL ) nach dem niedersächsischen Fi‐ nanzausgleich wird entsprechend verfahren. Zum Kirchensteueraufkommen der reformierten Kirche werden darüber hinaus pauschal 0,5 Prozent des Kirchensteueraufkommens der bayeri‐ schen Landeskirche übertragen.18 16 Vgl. für ausführliche Informationen zum Kirchenlohnsteuer-Verrechnungsverfahren zwischen den Diözesen bzw. Landeskirchen Petersen (2017, S. 203 f.). 17 Die reformierte Kirche ist die einzige Nichtterritorialkirche innerhalb der EKD. Ihre Mitglieder leben im ge‐ samten Bundesgebiet, überwiegend jedoch auf dem Territorium der Landeskirchen Hannover, Schaumburg- Lippe und Bayern. Die Kirchensteuerzahlungen werden in den Landeskirchen erfasst, wo diese ihren Wohn‐ sitz haben. Vgl. Statistisches Bundesamt (2018 a, S. 2). 18 Diesen Prozentsatz haben die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die reformierte Kirche miteinan‐ der vertraglich vereinbart. Fabian Peters und David Gutmann 72 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 Einschränkungen Die vorliegende Projektion bildet einen langfristigen Trend der zu erwartenden sowohl nomina‐ len als auch kaufkraftbereinigten Kirchensteuerentwicklung ab und kann als Tragfähigkeitsana‐ lyse kirchlicher Haushalte dienen. Dabei wird von einigen vereinfachenden bzw. nicht verifi‐ zierbaren Annahmen ausgegangen. So wird ein langfristiges Fortbestehen des derzeitigen Kir‐ chensteuersystems in Deutschland unterstellt. Die progressive Ausgestaltung des Kirchenein‐ kommensteuertarifs hat zur Folge, dass sehr wenige Kirchensteuerzahlende einen großen Bei‐ trag zum Kirchensteueraufkommen leisten.19 Auch bei diesen Hocheinkommensbeziehern wird von einem durchschnittlichen Austrittsverhalten ausgegangen, worauf eigene Auswertungen der Einkommensteuerstatistik hindeuten. Die Projektionsergebnisse bilden darüber hinaus we‐ der konjunkturelle noch steuerrechtsinduzierte Schwankungen ab, auf die das Kirchensteuer‐ aufkommen kurzfristig sehr elastisch reagiert. Der Projektion liegt für die wirtschaftlichen Rah‐ mengrößen ein zwanzigjähriger Betrachtungszeitraum zugrunde, der in etwa dem Verlauf eines kompletten Konjunkturzyklus entspricht. Da darüber hinaus davon ausgegangen wird, dass die Effekte der kalten Progression langfristig durch Einkommensteuerreformen ausgeglichen wer‐ den (Homburg 2015, S. 57), können in Einzeljahren deutliche Abweichungen zum tatsächlichen Steueraufkommen entstehen. Aufgrund der fehlenden Zuordnungsmöglichkeit von Kapitaler‐ tragsteuern, die abgeltend und anonym direkt an der Quelle erhoben werden, fehlen nicht er‐ klärte Kirchenkapitalertragsteuern im projizierten Kirchensteueraufkommen (Petersen 2017, S. 55 ff.). Zudem können Verzerrungen aufgrund des Kirchenlohnsteuer-Verrechnungsverfah‐ rens nicht abgebildet werden (Petersen 2017, S. 203 f.). Ergebnisse Kirchensteuerzahlende und Kirchensteuerprofil Von den 44,8 Mio. Kirchenmitgliedern zahlen 2017 21,8 Mio. Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirche tatsächlich Kirchensteuer (48,7 Prozent). Obwohl 53,8 Prozent aller Kir‐ chenmitglieder Frauen sind (24,1 Mio.), beträgt der Anteil der weiblichen Kirchensteuerzahlen‐ den 49,3 Prozent (10,7 Mio.). Wie Abbildung 1 zeigt, ist der altersspezifische Anteil der Kir‐ chensteuerzahlenden an allen altersgleichen Kirchenmitgliedern bei den Männern stets höher als bei den Frauen. In beiden Geschlechtern sind die meisten Kirchensteuerzahlenden zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr zu beobachten. Die höchsten altersspezifischen Anteile an Kir‐ chensteuerzahlenden erreichen sowohl Frauen (75,2 Prozent) als auch Männer (83,6 Prozent) mit 50 Jahren. 3. IV. 1. 19 Im Veranlagungsjahr 2014 wurden 12,6 Prozent des gesamten Kirchensteueraufkommens von lediglich 0,13 Prozent aller Kirchenmitglieder aufgebracht. Vgl. Statistisches Bundesamt (2018 b), eigene Berechnung. Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 73 Abb. 1: Alters- und geschlechtsspezifischer Aufbau der Kirchenmitglieder sowie der Kirchen‐ steuerzahlenden in Deutschland 2017 Quelle: Kirchenamt der EKD (2019), Verband der Diözesen Deutschlands (2019 a), Statisti‐ sches Bundesamt (2018 b), eigene Berechnung Durchschnittlich zahlt jeder der Kirchensteuerzahlenden 2017 543 Euro. Die durchschnittliche altersspezifische Kirchensteuerzahlung variiert je nach Lebensalter stark. Sie steigt mit dem Eintritt in das Berufsleben Anfang des dritten Lebensjahrzehnts von 70 Euro bis zum 45. Le‐ bensjahr auf 680 Euro stark an. Die im Durchschnitt höchsten Kirchensteuerzahlungen werden zwischen dem 45. und dem 60. Lebensjahr erreicht. Während die altersspezifische Kirchensteu‐ erzahlung bei Frauen und Männern ähnlich verläuft, sind die Kirchensteuerzahlungen bei Män‐ nern durchweg höher als bei Frauen. Hier machen sich höhere weibliche Teilzeitquoten als auch ein genereller Gender-Pay-Gap bemerkbar. Der in den vergangenen Jahren beobachtete Anstieg des Kirchensteueraufkommens ist zwar in erster Linie auf die konjunkturell bedingten Lohnund Gehaltssteigerungen zurückzuführen. Dieser konjunkturelle Effekt wird allerdings durch einen demografischen Effekt verstärkt: Die geburtenstarken Jahrgänge 1959 bis 1968 sind im Startjahr der Projektion zwischen 49 und 58 Jahre alt und damit in der Phase der durchschnitt‐ lich höchsten Kirchensteuerzahlung. Während das Kirchensteuerprofil in seiner Grundform be‐ stehen bleibt,20 werden die geburtenstarken Jahrgänge Mitte der 2020er Jahre beginnen in den 20 Die Abbildung eines Kirchensteuerprofils findet sich bei Peters/Gutmann (2019, S. 75) oder Riegel u. a. (2019, S. 181). Fabian Peters und David Gutmann 74 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 Ruhestand zu treten und damit auch die Phase der durchschnittlich höchsten Kirchensteuerzah‐ lung hinter sich lassen. Bundesweite Entwicklung Bundesweit wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder der evangelischen und katholischen Kir‐ che in Deutschland unter den getroffenen Annahmen bis zum Jahr 2060 in etwa halbieren (Gut‐ mann/Peters 2020, S. 20). Wird diese Mitgliederentwicklung auch für die Projektion der Kir‐ chensteuer unterstellt, so würde im gleichen Zeitraum das nominale Kirchensteueraufkommen nur leicht um 1,9 Prozent ansteigen. Ausgehend von einem gemeinsamen Kirchensteuerauf‐ kommen der beiden großen Kirchen im Basisjahr 2017 i.H.v. 11,9 Mrd. Euro würden die beiden Kirchen im Jahr 2060 rd. 12,1 Mrd. Euro Kirchensteuern einnehmen. Zwar sinkt mit dem Rückgang der Mitglieder auch die Zahl der Kirchensteuerzahlenden, jedoch steigt das durch‐ schnittliche individuelle nominale Kirchensteueraufkommen stetig an. Die Unterschiede zwi‐ schen den beiden Konfessionen sind dabei zu vernachlässigen (evang. +2,0 Prozent; kath. +1,9 Prozent). Ohne den Einfluss konjunktureller Schwankungen ist das nominale Kirchensteu‐ eraufkommen bis zum Jahr 2025, aufgrund der ansteigenden Abzugsfähigkeit von Altersvorsor‐ geaufwendungen und weil sich die geburtenstarken Jahrgänge weitestgehend noch in der Er‐ werbsphase befinden, rückläufig (-2,1 Prozent ggü. 2017).21 Da die durchschnittlichen Kirchen‐ steuerzahlungen im Rentenalter aufgrund des Alterseinkünftegesetzes ansteigen, sorgen die ge‐ burtenstarken Jahrgänge nach 2025 bis 2050 dafür, dass die Kirchensteuereinnahmen nominal ansteigen (+5,3 Prozent ggü. 2017). Während das staatliche Einkommensteueraufkommen ins‐ gesamt zurückgehen wird (Gutmann/Peters/Raffelhüschen 2019), führen v.a. Kirchenaustritte während der Erwerbsphase zu einem sinkenden Verhältnis von Kirchensteuerzahlenden in der Erwerbsphase zu Kirchensteuerzahlenden im Rentenalter. Verglichen mit der Gesamtbevölke‐ rung profitieren deshalb verhältnismäßig weniger erwerbstätige Kirchenmitglieder von der Ab‐ zugsfähigkeit der Altersvorsorgeaufwendungen. Demgegenüber stehen relativ mehr Bezieher von Alterseinkünften, die zukünftig höhere Steuerzahlungen leisten. Verstärkend kommt hinzu, dass die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge um das Jahr 2040 selbst in die Phase der höchs‐ ten Kirchensteuerzahlungen gelangen. Nach 2050, wenn die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach verstorben sein werden und deren Kinder in den Ruhestand eintreten, sinkt das Kir‐ chensteueraufkommen wieder deutlich ab. Die beschriebene Kirchensteuerentwicklung muss für die reale Betrachtung um die jährlichen Preissteigerungsraten angepasst werden. Aufgrund der Ausgabenstruktur kirchlicher Haushalte wird dabei nicht auf standardisierte Indizes Bezug genommen, sondern ein eigener Preisindex entwickelt. Die Basis bildet ein „kirchlicher Warenkorb“, der entsprechend der Struktur kirchli‐ cher Haushalts- und Wirtschaftspläne die Entwicklung der Personalkosten, der Baukosten so‐ 2. 21 „Die erhöhte Abzugsfähigkeit von Altersvorsorgeaufwendungen führt zu verringerten Bemessungsgrundlagen und folglich auch zu einer Reduzierung der durchschnittlichen Steuerzahlung bis zum Renteneintritt. Im Ver‐ anlagungsjahr 2025 können Altersvorsorgeaufwendungen in voller Höhe abgesetzt werden, sodass zu diesem Zeitpunkt die maximale steuerliche Entlastung erreicht ist und sich danach keine weitere Reduzierung mehr ergibt.“ Gutmann/Peters/Raffelhüschen (2019). Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 75 wie der Verbraucherpreise abbildet.22 Gemessen an dem zu diesem Zweck entwickelten Kir‐ chensteuerkraftindex 2017 (=100,0 Prozent) verfügen die beiden großen Kirchen in Deutsch‐ land im Jahr 2060 mit 49,2 Prozent nur noch über die Hälfte ihrer Kirchensteuerkraft aus dem Jahr 2017. Regionale Besonderheiten und konfessionelle Unterschiede Die Entwicklung des Kirchensteueraufkommens in den Diözesen und Landeskirchen ist stark von der regionalen Mitgliederentwicklung geprägt (Gutmann/Peters 2020). Dabei variiert die Zahl der Kirchenmitglieder im Startjahr 2017 regional stark. Damit zusammenhängend weicht auch die Höhe des Kirchensteueraufkommens der einzelnen Diözesen und Landeskirchen im Basisjahr zwischen 150 Euro und 360 Euro pro Mitglied bzw. zwischen 370 Euro und 730 Euro pro Kirchensteuer zahlender Person regional deutlich voneinander ab. Abb. 2: Kirchensteueraufkommen in Kirchensteuerkaufkraft 2017 Quelle: Kirchenamt der EKD (2019), Verband der Diözesen Deutschlands (2019 a), Statisti‐ sches Bundesamt, eigene Berechnung 3. 22 Die gewählte Gewichtung von 70 Prozent Bruttolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer, 20 Prozent Baupreise und 10 Prozent Verbraucherpreise wurde mit Verantwortlichen aus den Bereichen Statistik und Finanzen der Diözesen und Landeskirchen beraten und festgelegt. Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2019), Statistisches Bundesamt (2019 a), Statistisches Bundesamt (2019 b), eigene Berechnung. Da die diö‐ zesanen und landeskirchlichen Haushalts- und Wirtschaftspläne i.d.R die Personalaufwendungen der rechtlich selbständigen Kirchengemeinden und sonstigen Zuweisungsempfänger nicht enthalten, kann der in den Haus‐ halts- und Wirtschaftsplänen der Diözesen und Landeskirchen ausgewiesene Personalkostenanteil nicht ohne weiteres übernommen werden. Fabian Peters und David Gutmann 76 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 Die Kirchensteuerkraft 2060 gemessen am Basisjahr 2017 der einzelnen Diözesen und Landes‐ kirchen erstreckt sich von 27,9 Prozent bis 65,9 Prozent. Die in Abbildung 2 dargestellte regio‐ nale Auswertung offenbart für die im Osten gelegenen Diözesen und Landeskirchen, die ohne‐ hin bereits 2017 über die geringsten Kirchensteuereinnahmen verfügen, mit einer Kirchensteu‐ erkraft von 47,3 Prozent die relativ größten Verluste. Während sich die Diözesen und Landes‐ kirchen im Norden mit 48,5 Prozent und im Westen mit 48,1 Prozent in etwa gleich entwickeln, fallen die Verluste im Süden mit einer Kirchensteuerkraft von 50,5 Prozent im Jahr 2060 am geringsten aus. Bei der bundesweiten Entwicklung der Kirchensteuerkraft ergeben sich zwischen den beiden Konfessionen keine nennenswerten Unterschiede. In den Regionen unterscheiden sich die evan‐ gelischen und katholischen Ergebnisse allerdings teilweise erheblich. Vor allem die Diözesen im Norden und Osten der Republik verlieren vergleichsweise wenig Kirchensteuerkraft, wäh‐ rend die im gleichen Gebiet gelegenen Landeskirchen relativ die meiste Kirchensteuerkraft ein‐ büßen. Während die positivere Entwicklung bei den betroffenen Diözesen auf die migrationsbe‐ dingten Mitgliederzuwächse zurückzuführen ist, steht die negativere Entwicklung im Zusam‐ menhang mit der im Vergleich ungünstigeren evangelischen Altersstruktur.23 Szenarien Die Kirchensteuerentwicklung wird von ökonomischen, rechtlichen, kirchenspezifischen und demografischen Determinanten beeinflusst.24 Während die bis hierhin dargestellten Ergebnisse einen Trend der Kirchensteuerentwicklung unter der Annahme darstellen, dass die Entwicklung in der Vergangenheit auch für die Zukunft repräsentativ ist, wird in diesem Abschnitt unter‐ sucht, welche Auswirkung eine langfristige Veränderung einzelner Einflussfaktoren bewirken würde. Tabelle 1 stellt die veränderte Entwicklung der Kirchensteuerkraft bis zum Jahr 2060 in unterschiedlichen Szenarien dar. Es werden geänderte Annahmen zu steuerrechtlichen („Ohne nachgelagerte Besteuerung von Alterseinkünften“), konjunkturellen („Steigende Erwerbstäti‐ genquoten“, „Ewiges Wirtschaftswunder“) und kirchenspezifischen Einflussfaktoren („Säkula‐ risierung“, „Evangelisierung“) untersucht. Die einzelnen Szenarien werden in den folgenden Abschnitten detailliert beschrieben. V. 23 Die regional variierende Mitgliederentwicklung der Diözesen und Landeskirchen steht v.a. im Zusammen‐ hang mit unterschiedlichen Altersstrukturen im Ausgangsjahr 2017, Binnen- und Außenwanderungsströmen sowie sich unterscheidenden Tauf-, Ein- und Austrittsquoten. Vgl. Gutmann/Peters (2020). 24 Vgl. Kapitel II.2. sowie Arndt (2009, S. 30 ff.). Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 77 Tab. 1: Projektionsergebnisse in Szenarien in Prozent der Kirchensteuerkraft 2017 2017 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 2055 2060 Basisszenario 100% 95% 85% 79% 74% 70% 65% 60% 55% 49% Ohne nachgelager‐ te Besteuerung von Alterseinkünf‐ ten 100% 96% 88% 79% 72% 66% 61% 55% 49% 44% Steigende Er‐ werbstätigen-quo‐ ten von Frauen 100% 95% 86% 80% 75% 71% 67% 62% 57% 51% aufgrund län‐ gerer Lebensarbeitszeit 100% 95% 86% 80% 74% 70% 66% 61% 56% 50% insgesamt 100% 95% 87% 81% 76% 72% 68% 63% 58% 52% Ewiges Wirt‐ schafts-wunder 100% 95% 87% 81% 76% 73% 68% 63% 58% 53% Säkularisierung 100% 94% 85% 77% 70% 65% 58% 52% 45% 38% Evangelisierung 100% 95% 86% 80% 76% 73% 70% 66% 62% 57% Quelle: Kirchenamt der EKD (2019), Verband der Diözesen Deutschlands (2019 a), Statisti‐ sches Bundesamt, eigene Berechnung Ohne nachgelagerte Besteuerung von Alterseinkünften Die im Jahr 2005 verabschiedete und sukzessiv eingeführte nachgelagerte Besteuerung von Al‐ terseinkünften beeinflusst die Höhe des Einkommensteueraufkommens positiv. Zwar sinkt das Einkommensteueraufkommen aufgrund demografischer Effekte langfristig, die nachgelagerte Besteuerung wirkt diesem Trend allerdings entgegen (Gutmann/Peters/Raffelhüschen 2019). Ohne Berücksichtigung der nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften, würde das Kir‐ chensteueraufkommen zunächst ansteigen und im Jahr 2025 2,2 Prozentpunkte über dem Basis‐ szenario liegen. Zu diesem Zeitpunkt können im Rahmen der Übergangsregelung die Altersvor‐ sorgebeiträge in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Gleichzeitig befinden sich die geburtenstarken Jahrgänge 2025 gerade noch in der Erwerbsphase. Mit dem Eintritt dieser Ko‐ horten in den Ruhestand und dem zunehmenden Besteuerungsanteil der Renten, verkehrt sich dieser Effekt im weiteren Verlauf ins Negative, so dass die Kirchensteuereinnahmen im Jahr 2040 ohne Berücksichtigung der nachgelagerten Besteuerung 3,4 Prozentpunkte unter dem Ba‐ sisszenario liegen würden.25 Im Jahr 2060 beträgt die Kirchensteuerkraft im Szenario „Ohne nachgelagerte Besteuerung von Alterseinkünften“ 44,1 Prozent und liegt damit 5,0 Prozent‐ punkte unter dem Basisszenario. Da im Jahr 2060 die Kinder der heute geburtenstarken Jahr‐ 1. 25 Der Schnittpunkt liegt im Jahr 2031. Fabian Peters und David Gutmann 78 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 gänge sukzessive in die Phase des Ruhestands eintreten werden, ist dieser Abstand zu diesem Zeitpunkt bereits wieder abnehmend.26 Zwar nehmen die Kirchen bis 2031 aufgrund der nachgelagerten Besteuerung der Altersein‐ künfte weniger Kirchensteuern ein. Bis zum Projektionsende 2060 profitieren sie aber aufgrund der demografischen Konstellation von dieser weitreichenden Reform. Abb. 3: Effekt der nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften auf die Kirchensteuerkraft bis 2060 Quelle: Kirchenamt der EKD (2019), Verband der Diözesen Deutschlands (2019 a), Statisti‐ sches Bundesamt, eigene Berechnung Steigende Erwerbstätigenquoten Für die Projektion des Kirchensteueraufkommens wird im Basisszenario angenommen, dass die Beschäftigungsquoten des Jahres 2017 dauerhaft konstant bleiben.27 Zwischen 2007 und 2017 stieg der Anteil der erwerbstätigen Frauen im Alter zwischen 15 bis unter 65 Jahren von 63,1 Prozent auf 71,5 Prozent um 8,4 Prozentpunkte an, der Anteil der Männer stieg im gleichen Zeitraum von 74,5 Prozent auf 78,9 Prozent um 4,4 Prozentpunkte (Bundesagentur für Arbeit 2019, S. 6). Um die Finanzierung der Sozialversicherungen langfristig sicherzustellen, wird die Politik nicht umhinkommen das Renteneintrittsalter der steigenden Lebenserwartung anzupas‐ sen. Die langfristige Angleichung der Erwerbstätigenquote von Frauen an die der Männer, wie 2. 26 Nach den Berechnungen und unter den getroffenen Annahmen beläuft sich der Abstand im Jahr 2053 auf 5,4 Prozentpunkte. 27 Vgl. Kapitel III.2. Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 79 auch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit wirken positiv auf das Einkommensteueraufkom‐ men und damit auch auf das Kirchensteueraufkommen. Die Effekte gegenüber dem projizierten Basisszenario sind allerdings gering: Während ein An‐ stieg der Lebensarbeitszeit bis 2060 um fünf Jahre den Rückgang der Kirchensteuerkraft um 0,9 Prozentpunkte abmildert, sorgt die Angleichung der Erwerbstätigenquote von Frauen im‐ merhin für eine Entlastung von 1,9 Prozentpunkten. Im Zusammenspiel dieser beiden Szenarien ergibt sich 2060 eine Kirchensteuerkraft von 52,0 Prozent des Jahres 2017. Sie wäre damit 2060 2,9 Prozentpunkte höher als im Basisszenario. Ewiges Wirtschaftswunder Für das Basisszenario wurde ein zwanzigjähriger bundeslandspezifischer Durchschnitt der Lohnwachstumsraten bzw. bei älteren Kirchenmitgliedern ein zwanzigjähriger Schnitt der Ren‐ tensteigerungen in der gesetzlichen Rentenversicherung zugrunde gelegt.28 Dem liegt die An‐ nahme zugrunde, dass konjunkturelle Schwankungen innerhalb eines zwanzigjährigen Zyklus genauso ausgeglichen werden, wie auch durch die Anpassung der Eckwerte des Einkommen‐ steuertarifs die Effekte der kalten Progression. Diese langfristigen Steigerungsraten sind deut‐ lich geringer als die der vergangenen fünf Jahre, die von ununterbrochenem Wirtschaftswachs‐ tum getrieben waren. Wird für Lohn-, Gehalts- und Rentensteigerungen die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre zugrunde gelegt, so erhöht sich die Kirchensteuerkraft des Jahres 2060 von 49,2 Prozent im Basisszenario auf 52,7 Prozent. Obwohl die jährliche Wachstumsrate der Löhne und Gehälter für dieses Szenario von 1,7 Prozent auf 2,5 Prozent und die die der Renten von 1,6 Prozent auf 2,2 Prozent erhöht wird, ist der Effekt mit 3,4 Prozentpunkten relativ ge‐ ring. Dies liegt darin begründet, dass mit der Entwicklung der Einkommen nicht nur die nomi‐ nalen Kirchensteuereinnahmen ansteigen, sondern auch die Ausgaben der personalkosteninten‐ siven kirchlichen Haushalte.29 Säkularisierung und Evangelisierung Inwiefern ein veränderter Verlauf der Kirchenmitgliederentwicklung Auswirkungen auf die Kirchensteuereinnahmen hat, soll in einem Säkularisierungs- sowie in einem Evangelisierungs‐ szenario untersucht werden. Angesichts der deutlich gestiegenen Zahl von Kirchenaustritten in den vergangenen Jahren und der Erkenntnis, dass kirchenspezifische Faktoren einen stärkeren Einfluss auf die Entwicklung der Kirchenmitglieder haben, als demografische (Gutmann/Peters 2020, S. 27), haben Gutmann/Peters (2020, S. 28) ein Säkularisierungsszenario entworfen. Für dieses wird bis 2060 eine sukzessive Erhöhung der alters- und geschlechtsspezifischen Aus‐ trittswahrscheinlichkeit auf das doppelte Niveau des Jahres 2017 unterstellt. Gleichzeitig wird im selben Zeitraum eine dementsprechende Reduzierung der Eintrittswahrscheinlichkeit auf 50 3. 4. 28 Vgl. Kapitel III.2. 29 Vgl. den entwickelten Preisindex in Kapitel IV.2. Fabian Peters und David Gutmann 80 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 Prozent angenommen. Mit dem zusätzlichen Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen um 4,0 Millionen (8,9 Prozentpunkte) würde ein Rückgang der Kirchensteuerkraft um weitere 10,7 Prozentpunkte auf 38,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 einhergehen.30 Demgegenüber unterstellt ein Evangelisierungsszenario eine bis 2060 kontinuierlich ansteigen‐ de alters- und geschlechtsspezifische Eintrittswahrscheinlichkeit auf das doppelte Niveau des Jahres 2017 sowie eine sukzessive Verringerung der entsprechenden Austrittswahrscheinlich‐ keit um 50 Prozent im selben Zeitraum. Im Ergebnis würden 2060 3,1 Millionen mehr Men‐ schen (+6,9 Prozentpunkte) Mitglied einer der beiden Kirchen sein als im Basisszenario. Die Kirchensteuerkraft würde sich bis 2060 auf 57,4 Prozent reduzieren und damit um 8,2 Prozent‐ punkte weniger als im Basisszenario. Das Evangelisierungsszenario führt annahmegemäß zu weniger Austritten und in der Folge zu mehr Geburten und mehr Kindertaufen. Allerdings ent‐ faltet insbesondere ein Anstieg an Kindertaufen seine Wirkung auf das Kirchensteueraufkom‐ men erst mit einer Verzögerung von mehr als 20 Jahren. Bei dem 45-jährigen Projektionszeit‐ raum also erst ab dem Jahr 2037. Das erklärt, warum das Evangelisierungsszenario erst nach 2033 eine günstigere Entwicklung als insgesamt gestiegene Erwerbsquoten und erst nach 2036 eine günstigere Entwicklung als im Szenario „Ewiges Wirtschaftswunder“ aufweist. Aufgrund regional sehr unterschiedlicher Tauf-, Eintritts- und Austrittsquoten entfalten das Sä‐ kularisierungs- und das Evangelisierungsszenario auch eine unterschiedlich starke Wirkung. In Diözesen und Landeskirchen mit unterdurchschnittlicher Tauf- und Eintrittsquote und über‐ durchschnittlicher Austrittsquote wirken die Effekte besonderes stark. Fazit Das Kirchensteueraufkommen der beiden großen Kirchen wird 2060 nominal beinahe unverän‐ dert hoch sein. Um allerdings 2060 die kirchensteuerfinanzierte Personal-, Gebäude- und Ver‐ waltungsinfrastruktur des Jahres 2017 aufrechtzuerhalten, müssten die nominalen Kirchensteu‐ ereinnahmen beinahe doppelt so hoch sein. So sind die Kirchen 2060 mit einem Verlust von knapp der Hälfte der Kirchensteuerkaufkraft 2017 konfrontiert. Die gegenläufige Entwicklung der vergangenen zehn Jahre – steigende reale Kirchensteuereinnahmen bei sinkenden Mit‐ gliedszahlen – wird sich den Berechnungen zufolge nicht fortsetzen. Vielmehr war diese Ent‐ wicklung Folge gleich mehrerer, sich überlagernder Entwicklungen. So haben die Kirchen nicht nur von wirtschaftlich außergewöhnlich guten Zeiten und der kalten Progression profitiert, von deren dauerhaften Fortbestehen langfristig nicht auszugehen ist. Kirchensteuerkraftsteigernd wirkte sich auch die kontinuierliche Bewegung der geburtenstarken Jahrgänge in das Lebensal‐ ter der höchsten Kirchensteuerzahlungen aus. Die geburtenstarken Jahrgänge werden aber Mitte der 2020er Jahre beginnen, in den Ruhestand und damit lebensbiografisch in eine Phase gerin‐ gerer Kirchensteuerzahlungen einzutreten. Diese Entwicklung kann nicht durch nachrückende Jahrgänge ausgeglichen werden, da die folgenden gesamtgesellschaftlich ohnehin schon kleine‐ ren Jahrgänge in den beiden Kirchen aufgrund von Kirchenaustritten zahlenmäßig noch kleiner VI. 30 Dabei wird das Ausgabenniveau des Jahres 2017 zugrunde gelegt. Etwaige Reduzierungen der Personalaus‐ stattung zur laufenden Konsolidierung der Haushalts- bzw. Wirtschaftspläne wurden nicht berücksichtigt. Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 81 ausfallen. Da Kirchenmitglieder v.a. im dritten Lebensjahrzehnt und damit lebensbiografisch in einer Phase eher geringer individueller Kirchensteuerleistung aus der Kirche austreten, haben Kirchenaustritte zum Zeitpunkt des Vollzugs zunächst kaum spürbare Auswirkungen auf das Kirchensteueraufkommen. Im fortschreitenden zeitlichen Verlauf kumulieren sich die ausblei‐ benden Kirchensteuern jedoch und führen zu merklichen Mindereinnahmen. Etwas abge‐ schwächt wird der Kirchensteuerrückgang ab 2030 durch die vom Bundesgesetzgeber sukzes‐ siv eingeführte nachgelagerte Besteuerung von Alterseinkünften. Auch eine steigende Erwerbs‐ beteiligung von Frauen sowie eine steigende Lebensarbeitszeit wirken dem Rückgang der Kir‐ chensteuerkraft entgegen. Letztlich lässt sich das Ergebnis der Kirchensteuerprojektion so trivial wie treffend auf den Punkt bringen: Die Kirchensteuerkraft wird sich – unabhängig von der Ausgestaltung einzelner wirtschaftlicher und steuerrechtlicher Parameter – entsprechend der Mitgliederentwicklung in den beiden großen Kirchen entwickeln. Schrumpfen die Kirchen schneller, wird sich auch der Rückgang der Kirchensteuerkraft beschleunigen. Verläuft der Mitgliederrückgang langsamer, trifft das auch auf den Rückgang der Kirchensteuer zu. Abstract Fabian Peters, David Gutmann; Church tax development of the two major churches in Germa‐ ny. A projection to 2060. Catholic Church; Church Members; Church Tax; Projection 2060; Protestant Church This paper bases on the projection of church members, which the authors have developed for the Evangelical and Catholic Church in Germany, and projects the long-term development of church tax revenue for each of the 27 Roman Catholic dioceses and 20 Protestant regional churches in Germany until 2060. The church tax revenue of the two major churches will be 2 per cent higher in 2060 than in 2017 in nominal terms. However, this represents a 49 percent drop in the church tax revenue adjusted for price. The authors set up five different scenarios to discuss the influence of changes in tax and economic parameters as well as changed member development on their results. Literaturverzeichnis Arndt, Christian (2009), Analyse und Prognose des Kirchensteueraufkommens der EKD in Deutschland mit zeit‐ reihen- und panelökonometrischen Modellen, Zugl.: Hohenheim, Univ., Diss., 2008, Tübingen. Benz, Tobias, Christian Hagist und Bernd Raffelhüschen (2011), Projektion des Kirchensteueraufkommens und der Katholikenzahl im Erzbistum Köln, Studie im Auftrag des Erzbistums Köln, Freiburg. Benz, Tobias und Bernd Raffelhüschen (2013), Projektion des Kirchensteueraufkommens und der Katholikenzahl im Bistum Limburg, Studie im Auftrag des Bistums Limburg, Freiburg. Fabian Peters und David Gutmann 82 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 Bonin, Holger, Terry Gregory und Ulrich Zierahn (2015), Übertragung der Studie von Frey/Osborne (2013) auf Deutschland, http://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/Forschungsberichte/Forschungsberichte- Arbeitsmarkt/forschungsbericht-fb-455.html. Bundesagentur für Arbeit (2019), Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2018, Nürnberg. Bundesministerium der Finanzen (2017), Kassenmäßige Steuereinnahmen nach Steuerarten in den Kalenderjahren 2010 – 2016, Berlin. Calahorrano, Lena, Oliver Ehrentraut, Jan Limbers, Luca Rebeggiani, Sven Stöwhase und Martin Teuber (2016), Herausforderungen für das Steuerrecht durch die demografische Entwicklung in Deutschland, Analyse einer Problemstellung, Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen, Sankt Augustin–Frei‐ burg. Gutmann, David und Fabian Peters (2020), German Churches in Times of Demographic Change and Declining Affiliation: A Projection to 2060, in: Comparative Population Studies 45, S. 3–34. Gutmann, David, Fabian Peters und Bernd Raffelhüschen (2019), Einkommensteuer im Spiegel der nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften, in: Wirtschaftsdienst, 99. Jg., Heft 11, S. 777–783. Hammer, Felix (2002), Rechtsfragen der Kirchensteuer, Tübingen. Hammer, Felix (2008), Aspekte der Sachgerechtigkeit der Kirchensteuer, Ein Vergleich mit anderen Kirchenfinan‐ zierungsinstrumenten, in: Die öffentliche Verwaltung : DÖV : Zeitschrift für öffentliches Recht und Verwal‐ tungswissenschaft, 61. Jg., Heft 23, S. 975–982. Hentze, Tobias (2018), Kirchensteuereinnahmen trotzen dem Mitgliederschwund, IW-Kurzbericht 78/2018, http:// hdl.handle.net/10419/190817. Homburg, Stefan (2015), Allgemeine Steuerlehre, 7. Aufl., München. Kirchenamt der EKD (2019), Kirchenmitglieder, (Wieder-)Aufnahmen, Kasualien, Kirchenaustritte, Kirchensteu‐ ern und Kirchgeld von 1991 bis 2018, Aufbereitung für das Forschungszentrum Generationenverträge, Han‐ nover. Marré, Heiner und Josef Jurina (2006), Die Kirchenfinanzierung in Kirche und Staat der Gegenwart, 4. Aufl., Es‐ sen. Peters, Fabian und David Gutmann (2019), Endlich Entlastung für Familien!?, Der Einfluss einer Anhebung des Kinderfreibetrags auf die Kirchensteuer, in: Kirche und Recht, 25. Jg., Heft 1, S. 66–80. Petersen, Jens (2017), Kirchensteuer kompakt: Strukturierte Darstellung mit Berechnungsbeispielen, 3. Aufl., Wiesbaden. Raffelhüschen, Bernd, Dirk Mevis, Pascal Krimmer und Stefan Fetzer (2006), Langfristige Prognose des Kirchen‐ steueraufkommens für die katholische Kirche in Deutschland, Gutachten im Auftrag des Verbands der Diöze‐ sen Deutschlands (VDD), Freiburg. Riegel, Ulrich, David Gutmann, Fabian Peters und Tobias Faix (2019), Does Church Tax Matter? The Influence of Church Tax on Leaving the Church, in: International Journal of Practical Theology, 23. Jg., Heft 2, S. 168– 187. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Statistisches Bundesamt (2017), Für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik, Jahresgutachten 17/18, Wiesbaden. Sahgal, Neha, Alan Cooperman, Scott Gardner, Jonathan Evans, Ariana Monique Salazar, Kelsey Jo Starr, Patrick Moynihan und Martha McRoy (2019), In Western European Countries With Church Taxes, Support for the Tradition Remains Strong, Pew Research Center, Washington. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (2019), Kirchliches Handbuch, Statistisches Jahrbuch der Bistümer im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2019), Arbeitnehmerentgelt (Inland) 1991 bis 2018 (WZ 2008), Revision 2014, Berechnungsstand: August 2018/Februar 2019, Stuttgart. Statistisches Bundesamt (2017), Statistisches Jahrbuch Deutschland 2017, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2018 a), Methodenbeschreibung zur Sonderauswertung für die evangelische und die ka‐ tholische Kirche, Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2014, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2018 b), Sonderauswertung Kirchensteuer der Lohn- und Einkommensteuerstatistik für das Veranlagungsjahr 2014, Sonderauswertung für die evangelische und die katholische Kirche, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2019 a), Preisindizes für die Bauwirtschaft, Fachserie 17 Reihe 4, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2019 b), Verbraucherpreisindex für Deutschland, 1991-2018, Wiesbaden. Verband der Diözesen Deutschlands (2019 a), Katholiken, (Wieder-)Aufnahmen, Kasualien, Kirchenaustritte von 2012 bis 2018, Bonn. Verband der Diözesen Deutschlands (2019 b), Statistik der Kirchenlohnsteuer, Kircheneinkommensteuer und Ab‐ geltungsteuer, Bonn. Zelinsky, Edward A. (2017), Taxing the church, Religion, exemptions, entanglement, and the constitution, New York. Kirchensteuerentwicklung der beiden großen Kirchen in Deutschland. Eine Projektion bis 2060 ZögU 43. Jg. 1-2/2020 83 Danksagung Wir danken Dr. Natalie Laub und Michael Himmelsbach für die nützlichen Kommentare und Vorschläge, die das Manuskript verbessert haben. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben diese Forschungsarbeit finanziell unter‐ stützt. Anhang Regionale Zuordnung der (Erz-)Diözesen, evangelischen Landeskirchen und Bundesländer Region (Erz-)Diözese Evangelische Landeskirche Bundesland Nord Hamburg Hildesheim Osnabrück Offizialatsbezirk Oldenburg Braunschweig Bremen Hannover Nordkirche Oldenburg Reformierte Kirche Schaumburg-Lippe Bremen Hamburg Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen Schleswig-Holstein Ost Berlin Dresden-Meißen Görlitz Erfurt Magdeburg Anhalt Berlin-Brandenburg-schlesi‐ sche Oberlausitz Mitteldeutschland Sachsen Berlin Brandenburg Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen Süd Bamberg Eichstätt Speyer Würzburg Freiburg Rottenburg-Stuttgart München und Freising Augsburg Regensburg Passau Baden Bayern Pfalz Württemberg Baden-Württemberg Bayern Saarland Rheinland-Pfalz mit 50 Pro‐ zent West Köln Aachen Essen Limburg Münster ohne Offizialatsbe‐ zirk Oldenburg Trier Mainz Paderborn Fulda Hessen und Nassau Kurhessen Waldeck Lippe Rheinland Westfalen Hessen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz mit 50 Pro‐ zent Fabian Peters und David Gutmann 84 ZögU 43. Jg. 1-2/2020

Abstract

This paper bases on the projection of church members, which the authors have developed for the Evangelical and Catholic Church in Germany, and projects the long-term development of church tax revenue for each of the 27 Roman Catholic dioceses and 20 Protestant regional churches in Germany until 2060. The church tax revenue of the two major churches will be 2 per cent higher in 2060 than in 2017 in nominal terms. However, this represents a 49 percent drop in the church tax revenue adjusted for price. The authors set up five different scenarios to discuss the influence of changes in tax and economic parameters as well as changed member development on their results.

Zusammenfassung

Aufbauend auf der Vorausberechnung der Kirchenmitglieder, welche die Verfasser des vorliegenden Beitrags für die evangelische und katholische Kirche in Deutschland erstellt haben, wird für jede der 27 römisch-katholischen Diözesen und 20 evangelischen Landeskirchen die langfristige Entwicklung des Kirchensteueraufkommens bis zum Jahr 2060 projiziert. Das Kirchensteueraufkommen der beiden großen Kirchen liegt 2060 nominal um 2 Prozent höher als 2017. Dies entspricht einem Rückgang der Kirchensteuerkaufkraft von 49 Prozent. In fünf Szenarien wird der Einfluss von Änderungen steuerrechtlicher und ökonomischer Parameter sowie veränderter Mitgliederentwicklung auf die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.

References
Arndt, Christian (2009), Analyse und Prognose des Kirchensteueraufkommens der EKD in Deutschland mit zeitreihen- und panelökonometrischen Modellen, Zugl.: Hohenheim, Univ., Diss., 2008, Tübingen.
Benz, Tobias, Christian Hagist und Bernd Raffelhüschen (2011), Projektion des Kirchensteueraufkommens und der Katholikenzahl im Erzbistum Köln, Studie im Auftrag des Erzbistums Köln, Freiburg.
Benz, Tobias und Bernd Raffelhüschen (2013), Projektion des Kirchensteueraufkommens und der Katholikenzahl im Bistum Limburg, Studie im Auftrag des Bistums Limburg, Freiburg.
Bonin, Holger, Terry Gregory und Ulrich Zierahn (2015), Übertragung der Studie von Frey/Osborne (2013) auf Deutschland, http://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/Forschungsberichte/Forschungsberichte- Arbeitsmarkt/forschungsbericht-fb-455.html.
Bundesagentur für Arbeit (2019), Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2018, Nürnberg. Bundesministerium der Finanzen (2017), Kassenmäßige Steuereinnahmen nach Steuerarten in den Kalenderjahren
2010 – 2016, Berlin.
Calahorrano, Lena, Oliver Ehrentraut, Jan Limbers, Luca Rebeggiani, Sven Stöwhase und Martin Teuber (2016), Herausforderungen für das Steuerrecht durch die demografische Entwicklung in Deutschland, Analyse einer Problemstellung, Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen, Sankt Augustin–Freiburg.
Gutmann, David und Fabian Peters (2020), German Churches in Times of Demographic Change and Declining Affiliation: A Projection to 2060, in: Comparative Population Studies 45, S. 3–34.
Gutmann, David, Fabian Peters und Bernd Raffelhüschen (2019), Einkommensteuer im Spiegel der nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften, in: Wirtschaftsdienst, 99. Jg., Heft 11, S. 777–783.
Hammer, Felix (2002), Rechtsfragen der Kirchensteuer, Tübingen.
Hammer, Felix (2008), Aspekte der Sachgerechtigkeit der Kirchensteuer, Ein Vergleich mit anderen Kirchenfinanzierungsinstrumenten, in: Die öffentliche Verwaltung : DÖV : Zeitschrift für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft, 61. Jg., Heft 23, S. 975–982.
Hentze, Tobias (2018), Kirchensteuereinnahmen trotzen dem Mitgliederschwund, IW-Kurzbericht 78/2018, http:// hdl.handle.net/10419/190817.
Homburg, Stefan (2015), Allgemeine Steuerlehre, 7. Aufl., München.
Kirchenamt der EKD (2019), Kirchenmitglieder, (Wieder-)Aufnahmen, Kasualien, Kirchenaustritte, Kirchensteuern und Kirchgeld von 1991 bis 2018, Aufbereitung für das Forschungszentrum Generationenverträge, Hannover.
Marré, Heiner und Josef Jurina (2006), Die Kirchenfinanzierung in Kirche und Staat der Gegenwart, 4. Aufl., Essen.
Peters, Fabian und David Gutmann (2019), Endlich Entlastung für Familien!?, Der Einfluss einer Anhebung des Kinderfreibetrags auf die Kirchensteuer, in: Kirche und Recht, 25. Jg., Heft 1, S. 66–80.
Petersen, Jens (2017), Kirchensteuer kompakt: Strukturierte Darstellung mit Berechnungsbeispielen, 3. Aufl., Wiesbaden.
Raffelhüschen, Bernd, Dirk Mevis, Pascal Krimmer und Stefan Fetzer (2006), Langfristige Prognose des Kirchensteueraufkommens für die katholische Kirche in Deutschland, Gutachten im Auftrag des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD), Freiburg.
Riegel, Ulrich, David Gutmann, Fabian Peters und Tobias Faix (2019), Does Church Tax Matter? The Influence of Church Tax on Leaving the Church, in: International Journal of Practical Theology, 23. Jg., Heft 2, S. 168– 187.
Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Statistisches Bundesamt (2017), Für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik, Jahresgutachten 17/18, Wiesbaden.
Sahgal, Neha, Alan Cooperman, Scott Gardner, Jonathan Evans, Ariana Monique Salazar, Kelsey Jo Starr, Patrick Moynihan und Martha McRoy (2019), In Western European Countries With Church Taxes, Support for the Tradition Remains Strong, Pew Research Center, Washington.
Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (2019), Kirchliches Handbuch, Statistisches Jahrbuch der Bistümer im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn.
Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2019), Arbeitnehmerentgelt (Inland) 1991 bis 2018 (WZ 2008), Revision 2014, Berechnungsstand: August 2018/Februar 2019, Stuttgart.
Statistisches Bundesamt (2017), Statistisches Jahrbuch Deutschland 2017, Wiesbaden.
Statistisches Bundesamt (2018 a), Methodenbeschreibung zur Sonderauswertung für die evangelische und die katholische Kirche, Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2014, Wiesbaden.
Statistisches Bundesamt (2018 b), Sonderauswertung Kirchensteuer der Lohn- und Einkommensteuerstatistik für das Veranlagungsjahr 2014, Sonderauswertung für die evangelische und die katholische Kirche, Wiesbaden.
Statistisches Bundesamt (2019 a), Preisindizes für die Bauwirtschaft, Fachserie 17 Reihe 4, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2019 b), Verbraucherpreisindex für Deutschland, 1991-2018, Wiesbaden.
Verband der Diözesen Deutschlands (2019 a), Katholiken, (Wieder-)Aufnahmen, Kasualien, Kirchenaustritte von 2012 bis 2018, Bonn.
Verband der Diözesen Deutschlands (2019 b), Statistik der Kirchenlohnsteuer, Kircheneinkommensteuer und Abgeltungsteuer, Bonn.
Zelinsky, Edward A. (2017), Taxing the church, Religion, exemptions, entanglement, and the constitution, New York.

Abstract

Journal for Public and Nonprofit Services is a multidisciplinary scientific journal. It provides information, discussions and documentations, and is furthermore the organ of the Federal Public Services - German Section of CEEP e. V.

The journal offers comprehensive information on the important area of public companies and provides a forum for practitioners and researchers. It is dedicated to federal, state, and local companies, mixed-economy companies, companies of trade unions, chambers, churches, political parties, foundations and associations, publicly committed companies, cooperative companies and, in particular, enterprises of the independent welfare work. The Journal is a forum for economic, political, and social scientists and legal scholars.

The publication of papers and short contributions are examined by a scientific anonymous review process that guarantees a consistently high quality of contributions.

Website: www.zoegu.nomos.de

Zusammenfassung

Die Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen – ZögU (Journal for Public and Nonprofit Services) ist eine disziplinübergreifende wissenschaftliche Fachzeitschrift. Sie versteht sich als Informations-, Diskussions- und Dokumentationsschrift und ist zugleich Organ des Bundesverbandes Öffentliche Dienstleistungen – Deutsche Sektion des CEEP e. V. Die ZögU bietet umfassende Informationen über das wichtige Gebiet der öffentlichen und gemeinwirtschaftlichen Unternehmen und bietet ein Forum für Praktiker und Wissenschaftler.

Sie widmet sich Unternehmen des Bundes, der Länder und der Gemeinden, gemischtwirtschaftlichen Unternehmen, Unternehmen der Gewerkschaften, Kammern, Kirchen, Parteien, Stiftungen und Verbände, öffentlich gebundenen Unternehmen, genossenschaftlichen Unternehmen und insbesondere auch Unternehmen der Freien Wohlfahrtspflege. Die Zeitschrift bietet ein Forum, das für Wirtschafts-, Politik-, Sozial- und Rechtswissenschaftler gleichermaßen interessant ist.

Über die Veröffentlichung von Abhandlungen sowie der wissenschaftlichen Kurzbeiträge wird in einem anonymisierten Begutachtungsverfahren entschieden, das eine gleichbleibend hohe Qualität der Beiträge sicher stellt.

Homepage: www.zoegu.nomos.de