Anne van Rießen, Stefanie Henke, Selbstbestimmte Teilhabe älterer Menschen durch ehrenamtliches Engagement: Chancen und Herausforderungen in:

BdW Blätter der Wohlfahrtspflege, page 173 - 176

BdW, Volume 167 (2020), Issue 5, ISSN: 0340-8574, ISSN online: 0340-8574, https://doi.org/10.5771/0340-8574-2020-5-173

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173 THEMA 5 | 2020Blätter der WohlfahrtspflegeDOI: 10.5771/0340-8574-2020-5-173 Selbstbestimmte Teilhabe älterer Menschen durch ehrenamtliches Engagement: Chancen und Herausforderungen PROF. DR. ANNE VAN RIESSEN Professorin für Methoden Sozialer Arbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf sowie Leiterin der Forschungsstelle für sozialraumorientierte Praxisforschung und -entwicklung und stellvertretende Leiterin des interdisziplinären Institutes für lebenswerte und umweltgerechte Stadtentwicklung. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Partizipation und Demokratisierung Sozialer Arbeit, Nutzer*innenforschung, Sozialraumbezogene Soziale Arbeit und interdisziplinäre Stadtentwicklung. anne.van_riessen@hs-duesseldorf.de https://soz-kult.hs-duesseldorf.de/ personen/vanrieszen STEFANIE HENKE Diplom-Pädagogin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt »Ehrenamt der Zukunft Selbstbestimmt teilhaben im Stadtteil« (EZuFöST) an der Hochschule Düsseldorf. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Nutzer*innen- und (digitale) Teilhabeforschung sowie Subjektivierungsprozesse, insbesondere im Medienhandeln. stefanie.henke@hs-duesseldorf.de https://soz-kult.hs-duesseldorf.de/ fspe Soziale Vielfalt schließt auch die Selbstbestimmung und Teilhabe Älterer ein. Nachfolgend wird erörtert, unter welchen Bedingungen ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe diese unterstützen kann. Dazu wird anhand der Ergebnisse des Projektes »Ehrenamt der Zukunft: Förderung der Selbstbestimmung und Teilhabe Älterer im Quartier« (EZuFöST) dargelegt, inwiefern sich eine konsequente Orientierung sowohl an den älteren Menschen als auch an den Ehrenamtlichen selber als entscheidende Bedingung für die zukünftige Ausrichtung ehrenamtlicher Nachbarschaftshilfe erweist. Ehrenamt der Zukunft – Förderung der Selbstbestimmung und Teilhabe Älterer im Quartier Die Forderung, Vielfalt zu gestalten, setzt Teilhabechancen aller gesellschaftlichen Gruppen voraus. Als Teilhabe wird im Folgenden nach Harry Fuchs (2009, S.20) der »gleichberechtigte Zugang zu und die Mitbestimmung über soziale Umweltbeziehungen nach den Wünschen einer Person zur persönlichen Daseinsentfaltung« verstanden. Gerade älteren Menschen ist es häufig aus unterschiedlichen Gründen – bspw. Immobilität, fehlende finanzielle Ressourcen, soziale Isolation – oft nicht mehr möglich, ihre nahräumlichen Teilhabewünsche zu realisieren (vgl. zur Relevanz des Nahraums van Rießen & Bleck 2020 i. E.). Verschiedene Träger der Wohlfahrtspflege organisieren daher ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen. In den vergangenen Jahren gelingt es jedoch immer seltener, ausreichend viele Menschen für diese Form zivilgesellschaftlichen Engagements zu gewinnen. Diese Problemlage fokussiert das Projekt EZuFöST, das der Caritasverband für die Stadt Köln e. V. in Kooperation mit der Hochschule Düsseldorf, gefördert durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, noch bis zum Frühjahr 2022 durchführt. Projektziel ist es, ein nachhaltiges und übertragbares Modell-Konzept zu entwickeln, das aufzeigt, wie auch zukünftig unter den veränderten gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen ein flexibles und zugleich verlässliches Ehrenamt ältere Menschen bei ihrer gesellschaftlichen Teilhabe unterstützen kann. Vor dieser Zielsetzung fokussiert das Projekt u. a. die Frage: Welchen subjektiven Nutzen schreiben Ehrenamtliche ihrem Engagement zu? Die Relevanz der Akteur*innen und des Sozialraums – das Forschungsdesign Dem realisierten Forschungsdesign liegen zwei zentrale Prämissen zugrunde: 174 THEMA 5 | 2020Blätter der Wohlfahrtspflege 1. Akteur*innenbezogenheit: Um das Feld »Ehrenamt zur Unterstützung der Teilhabe Älterer« als Gesamt-Bedingungsgefüge abbildbar zu machen, wurden mit Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen und älteren Menschen kontinuierlich alle relevanten Akteur*innengruppen in die Erhebung integriert. 2. Sozialraumorientierung: Da sozialraumspezifische Differenzen auch die Ausrichtung bedarfs- und nutzengerechter Ehrenamtsangebote sowie die Akquirierung von Ehrenamtler*innen mitbestimmen, wurde mit den Erhebungen ein konsequent sozialraumorientierter Ansatz realisiert. Als Forschungs- und Erprobungsfeld dienten die Nachbarschaftshilfen der Caritas und des Diakonischen Werkes Köln, Kölsch Hätz. Zunächst wurden, maximal kontrastierend, vier Kölsch-Hätz- Standorte als Erprobungseinrichtungen ausgewählt, um möglichst unterschiedliche sozialräumliche Merkmale in die Erhebung und die späteren Projekterprobungen einbeziehen zu können. Mittels qualitativer leitfadenbasierter Interviews wurden pro Standort jeweils 8 Personen (n=32) befragt. Die Stichprobe umfasste drei Akteur*innengruppen: Erstens ehrenamtliche Koordinator*innen (n=8), deren Aufgabe es ist, in einem Koordinator*innenteam älteren Nachbar*innen eine ehrenamtliche Begleitung des Besuchsdienstes zu vermitteln. Zweitens Vertreter*innen des Besuchsdienstes, also Menschen, die ältere Nachbar*innen begleiten, die Unterstützung wünschen (n=12) sowie drittens die älteren Menschen selbst (n=12). Die Perspektive der hauptamtlichen Fachkräfte, und damit der Sozialarbeiter*innen, wurde vorab in einer Gruppendiskussion (n=4) erhoben. Ausgewertet wurden die Transkripte der Leitfadeninterviews kategoriengeleitet mittels inhaltlich-strukturierender Inhaltsanalyse (Kuckartz 2018, S. 97–122). Differente Nutzenprofile zivilgesellschaftlichen Engagements – ein zentrales Ergebnis Als zentraler förderlicher Faktor für zivilgesellschaftliches Engagement zur Unterstützung der Teilhabe Älterer trat im Rahmen der Analyse der subjektive Nutzen hervor, den Ehrenamtliche ihrem Engagement zuschreiben. Mit Nutzen wird hier mit Gertrud Oelerich und Andreas Schaarschuch (2005) der Umstand bezeichnet, »dass die professionellen sozialen Dienstleistungen für die Nutzer*innen einen Gebrauchswert im Hinblick auf deren produktive Auseinandersetzungen mit den Aufgaben der Lebensführung, vor die sie sich gestellt sehen, aufweisen müssen« (vgl. für einen Überblick zum Nutzen van Rießen & Jepkens 2020). Das heißt also, dass die Nutzer*innenperspektive im Zusammenhang zivilgesellschaftlichen Engagements nicht beschränkt ist auf den Nutzen, den die Adressat*innen, also in diesem Untersuchungsfeld ältere Menschen, diesem zuschreiben, sondern dass auch die Ehrenamtlichen selbst in diesem Sinne als Nutzer*innen Sozialer Arbeit identifiziert werden und entsprechend in das später zu entwickelnde Modell für ein zukünftiges Ehrenamt integriert werden müssen. Der von den Interviewten dargestellte subjektive Nutzen ihres Engagements reichte von den alltagstrukturierenden Effekten der Aufgabe, über ein sich herausgefordert und gebraucht Fühlen, bis hin zu immer wieder berichteter Zufriedenheit und dem Entstehen echter Freundschaften innerhalb der Koordinator*innengruppen. Es zeigte sich, dass die Ehrenamtlichen den Nutzen ihres Engagements nicht erschöpft sehen in der Sorge für andere, sondern dass freiwilliges Engagement sehr bewusst auch als Selbstsorge praktiziert wird (vgl. Jakob 1993). Eine befragte Person fasst diesen Aspekt wie folgt zusammen: »Die Hälfte erwarte ich für mich, dass ich mein Leben strukturiert habe, dass ich eine Aufgabe habe, nicht ganz ein nutzloses Wesen der Gemeinschaft bin und auch meine Erfolgserlebnisse habe. Das ist der 50 Prozent Teil für mich, den ich erwarte. Und dann freue ich mich eben auch, wenn ich irgendwelchen Leuten ein bisschen was das Leben erleichtern kann, das sind die anderen 50 Prozent.« Nachdem diese zentrale Kategorie in den empirischen Analysen identifiziert worden war, wurde diesbezüglich eine weitere Ausdifferenzierung und Subkategorisierung am Datenmaterial vorgenommen. Anschließend wurden die Befunde dann mittels einer Typenbildung im Sinne des von Kelle und Kluge (2010, S. 92) vorgeschlagenen vierstufigen Modells vorgenommen. So offenbarten sich zwei verschiedene Nutzenprofile, die anschließend mittels verschiedener Subtypen weiter ausdifferenziert wurden. In Bezug auf den dem eigenen Engagement zugeschriebenen Nutzen zeigten sich für beide Ehrenamtlichen- Gruppen – also sowohl die ehrenamtlichen Koordinator*innen als auch für die ehrenamtlichen Besucher*innen (mit unterschiedlicher Gewichtung) – die eigene Wertorientierung (, den Anspruchs, andere unterstützen zu wollen) sowie die soziale Struktur der ausgeübten Aufgabe als zentrale strukturierende Bedingung. Das altruistische Nutzenprofil der ehrenamtlichen Besucher*innen Bestimmend für die Beschreibung des Nutzens des eigenen Engagements im Besuchsdienst der Nachbarschaftshilfen »Professionelle Soziale Arbeit in der Nachbarschaftshilfe muss sich sowohl am Nutzen für die älteren Menschen selber, als auch an dem Nutzen für die ehrenamtlich Engagierten ausrichten, will sie langfristig weiterhin ausreichend viele Menschen ansprechen, die sich in diesem Kontext engagieren wollen.« 175 THEMA 5 | 2020Blätter der Wohlfahrtspflege die Unterstützung suchen). Darüber ergeben sich vielfältige Anerkennungsebenen. Die Aufgabe der Koordinator*innen hat mit der Zahl der erfolgten Vermittlungen und deren Nachhaltigkeit einen klaren Erfolgsindikator. Wesentlich ist dabei u. a. die, im Vergleich zu den ehrenamtlichen Besucher*innen, engere institutionelle Anbindung, insbesondere über die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Sozialarbeiter*innen. Auch die Gruppe der interviewten ehrenamtlichen Koordinator*innen differenziert sich in weitere Subtypen aus. So zeigte sich, dass die Koordinator*innen in Abhängigkeit davon, wie gut sie sich in ihr Koordinator*innenteam integriert sehen, mehr oder weniger Zugehörigkeit empfinden. Letztendlich kann der Nutzen dieses Profils in der Realisierung sozialer Teilhabe der Ehrenamtlichen selbst zusammengefasst werden. Setzt man den antizipierten Nutzen ihres Engagements mit dem realisierten Nutzen ins Verhältnis, so entsteht ein sehr kongruentes Bild. Die doppelseitige Nutzer*innenorientierung – ein erstes Fazit Die empirischen Ergebnisse machen deutlich, dass professionelle Soziale Arbeit in der Nachbarschaftshilfe sich sowohl an dem Nutzen der älteren Menschen selber, als aber auch an dem Nutzen der ehrenamtlich Engagierten ausrichten muss, will sie langfristig weiterhin ausreichend Menschen ansprechen, die sich in diesem Kontext engagieren wollen und können. Soziale Arbeit in der Nachbarschaftshilfe hat so die Aufgabe immer doppelseitig zu agieren, damit sie überhaupt das Ziel unterstützen kann, die Teilhabewünsche ältere Menschen durch ehrenamtliche Unterstützung möglichst sicherzustellen. Einerseits muss sie so erstens die subjektiven Nutzenerwartungen der älteren Menschen als auch der ehrenamtlich Engagierten selbst kennen, um daraufhin zu prüfen, ob und wie sie diese in der Praxis institutionell unterstützen kann (vgl. zur Subjektorientierung van Rießen 2020; Jepkens, van Rießen & Streck 2020a). Dies ist jedoch nur möglich, indem sie die unterschiedlichen Nutzer*innengruppen konsequent und kontinuierlich partizipativ mit in die Entwicklung der Ausrichtung der Nachbarsozial isoliert. Sie üben ihr Ehrenamt aus, um soziale Kontakte und Anerkennung zu finden. Typus 3: Die pragmatisch Akzeptierenden Die Angehörigen dieses Subtypus sind dauerhaft krankgeschrieben und verfügen über viel freie Zeit. Gegenüber den von ihnen begleiteten Älteren nehmen sie eine pragmatische, fast schon durch professionelle Distanz geprägte, Haltung ein. Ihr ehrenamtliches Engagement lässt sich als Berufsersatz einordnen. Ebenso wie die Personen, die dem Subtypus zwei zugeordnet wurden, wünschen sie sich sozialen Anschluss und Anerkennung. Stellt man für die drei Subtypen dem mit dem Engagement antizipierten Nutzen dem erlebten Nutzen gegenüber so zeigt sich für die Subtypen 2 und 3 eine gewisse Diskrepanz im Hinblick auf die Intensität, die Anzahl der Sozialkontakte und die erfahrene Anerkennung. Sie antizipieren Sozialkontakte und Anerkennung, die aber nicht immer mit der Ausübung des Ehrenamts einhergehen. Das sozialintegrative Nutzenprofil der Koordinator*innen Das Nutzenprofil der Koordinator*innen ist ganz wesentlich durch die Realisierung des Wunsches, den eigenen sogenannten Ruhestand als aktive Lebensphase zu gestalten (vgl. Jakob, 1993; Benedetti, 2014) geprägt. Dabei spielt das Anliegen eine Rolle, den Alltag zeitlich wie inhaltlich zu strukturieren und sich (weiter) als aktives Mitglied der Gesellschaft fühlen zu können. Die koordinierende Tätigkeit ermöglicht zahlreiche Sozialkontakte (zu anderen Koordinator*innen, Hauptamtlichen der Nachbarschaftshilfe, den Ehrenamtlichen des Besuchsdienstes und den Nachbar*innen, ist die Beziehung zu und die Situation der begleiteten Person. Diese Faktoren bedingen unmittelbar den Erlebnisgehalt der übernommenen Aufgabe und stellen die alleinige Anerkennungsebene dieser Tätigkeit dar. Prägend für dieses Nutzenprofil ist nach Aussage der Befragten der Anspruch, »anderen zu helfen«. Dabei verschränkt sich hier, das Bestreben ältere Nachbar*innen zu unterstützen, mit dem positiven Gefühl, gebraucht zu werden. Das Altruistische Nutzenprofil differenzierte sich im Laufe der folgenden Schritte der Typenbildung weiter über das Merkmal der Erwerbstätigkeit in drei Subtypen aus, die im Folgenden kurz beschrieben werden. Typus 1: Die Zufriedenen Die diesem Subtypus zugeordneten Personen sind erwerbstätig oder studieren und verfügen über entsprechend wenig freie Zeit. Sie beschreiben ihr Engagement als inhaltlichen und sozialen Gegenpol ihrer Arbeitswelt und sehen es zuvorderst als Chance, neue, komplementäre Erfahrungen zu sammeln. Insgesamt bezeichnen sie sich als sehr zufrieden mit ihrem Engagement. Typus 2: Die Anschluss-Suchenden Die diesem Subtypus zugewiesenen Interviewpartner*innen sind verrentet bzw. pensioniert, verfügen über viel freie Zeit und beschreiben sich selbst als eher Abbildung 1: Altruistisches Nutzenprofil Quelle: Eigene Darstellung. 176 THEMA 5 | 2020Blätter der Wohlfahrtspflege Rießen, Anne & Jepkens, Katja (Hrsg.): Nutzen, Nicht-Nutzen und Nutzung Sozialer Arbeit. Theoretische Perspektiven und empirische Erkenntnisse subjektorientierter Forschungsperspektiven, Wiesbaden: Springer, S. 293-303. Jepkens, K., van Rießen, A. & Streck, R. (2020a): Auch Nutzer*innen spielen Theater. Wie Nutzer*innen Sozialer Arbeit ihre Rolle gestalten. In: Soziale Arbeit 03/2020, Berlin, S. 82-89. Jepkens, K.; van Rießen, A. & Streck, R. (2020b): Nutzung Sozialer Arbeit im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen. In: Soziale Arbeit, 02/2020, Berlin, S. 42-48.  Kelle, U. & Kluge, S. (2010): Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung (2. Auf.). Opladen: Leske + Budrich. Kuckartz, U. (2018): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Computerunterstützung (4. Aufl.). Weinheim und Basel: Beltz. Schaarschuch, A. & Oelerich, G. (2005): Theoretische Grundlagen und Perspektiven sozialpädagogischer Nutzerforschung. In: Oelerich, Gertrud & Schaarschuch, Andreas (Hrsg.): Soziale Dienstleistungen aus Nutzersicht. Zum Gebrauchswert Sozialer Arbeit. München und Basel: Reinhardt, S. 9 – 25. van Rießen, A. (2020): Subjekt- und Ressourcenorientierung. In: Wendt, Peter-Ulrich (Hrsg.): Soziale Arbeit in Schlüsselbegriffen, Weinheim und Basel: Beltz, S. 78-83. van Rießen, A. & Bleck, C. (im Erscheinen 2020): Nahraum. In: Kessl, Fabian & Reutlinger, Christian (Hrsg.): Sozialraum. Eine elementare Einführung, Wiesbaden: Springer. van Rießen, A. & Jepkens, K. (Hrsg.) (2020): Nutzen, Nicht-Nutzen und Nutzung Sozialer Arbeit. Theoretische Perspektiven und empirische Erkenntnisse subjektorientierter Forschungsperspektiven. Wiesbaden: Springer. Literatur Benedetti, S. (2014): Eine biographieanalytische Studie zur subjektiven Bedeutung gesellschaftlichen Engagements. Wiesbaden: Springer. Fuchs, H. (2009): Zur Reichweite sozialrechtlicher Rahmenbedingungen zur Selbstbestimmung und Teilhabe. In V. Garms-Ho-molová, E. von Kardorff, K. Theiss, A. Meschnig, & H. Fuchs (Hrsg.). Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Pflegebedarf. Konzepte und Methoden. Frankfurt a. M.: Mabuse, S. 19–35. Jakob, B. (1993): Zwischen Dienst und Selbstbezug. Eine biographieanalytische Untersuchung ehrenamtlichen Engagements. Opladen: Leske + Budrich. Jepkens, K. & van Rießen, A. (2020): Entwicklungen, Erweiterungen und übergreifende empirische Ergebnisse subjektorientierter Forschung – eine Zusammenfassung. In: van schaftshilfe einbezieht (vgl. zur Relevanz von Partizipation als Voraussetzung für gelingende Nutzungsprozesse u.a. Jepkens & van Rießen 2020, S. 300). Denn dadurch wird nicht nur der antizipierte Nutzen erfasst, sondern auch die nutzenstrukturierenden Bedingungen und damit die Frage, welche institutionellen Angebote einen Nutzen fördern und welche diesen limitieren. Damit geraten im Weiteren sowohl die institutionellen Barrieren und Begrenzungen eines (potentiellen) Nutzens in den Fokus, aber auch die Frage, welche Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, damit eine gelingende Nutzung für die Beteiligten erfolgen kann (vgl. Jepkens, van Rießen & Streck 2020b). Andererseits kann Soziale Arbeit im Kontext der Nachbarschaftshilfen aber auch darüber nachdenken, welche gesellschaftlichen Bedingungen und Strukturen dazu führen, dass die Nutzer*innengruppen einen spezifischen Nutzen antizipieren. Hierzu bedarf es selbstkritischer Kontextanalysen genauso wie eines Ernstnehmens der Perspektive der verschiedenen Nutzer*innengruppen auf die Nachbarschaftshilfen, um so die nachhaltige Teilhabe Älterer als realisierte Vielfalt zu gewährleisten. ■ Abbildung 2: Sozialintegratives Nutzenprofil Quelle: Eigene Darstellung.

Zusammenfassung

Soziale Vielfalt schließt auch die Selbstbestimmung und Teilhabe Älterer ein. Nachfolgend wird erörtert, unter welchen Bedingungen ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe diese unterstützen kann. Dazu wird anhand der Ergebnisse des Projektes »Ehrenamt der Zukunft: Förderung der Selbstbestimmung und Teilhabe Älterer im Quartier« (EZuFöST) dargelegt, inwiefern sich eine konsequente Orientierung sowohl an den älteren Menschen als auch an den Ehrenamtlichen selber als entscheidende Bedingung für die zukünftige Ausrichtung ehrenamtlicher Nachbarschaftshilfe erweist.

References
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Fuchs, H. (2009): Zur Reichweite sozialrechtlicher Rahmenbedingungen zur Selbstbestimmung und Teilhabe. In V. Garms-Ho-molová, E. von Kardorff, K. Theiss, A. Meschnig, & H. Fuchs (Hrsg.). Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Pflegebedarf. Konzepte und Methoden. Frankfurt a. M.: Mabuse, S. 19–35.
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van Rießen, A. & Jepkens, K. (Hrsg.) (2020): Nutzen, Nicht-Nutzen und Nutzung Sozialer Arbeit. Theoretische Perspektiven und empirische Erkenntnisse subjektorientierter Forschungsperspektiven. Wiesbaden: Springer.

Abstract

Blätter der Wohlfahrtspflege informs about vital social and legal developments as well as standards in health and social services. It contains essential articles, model descriptions, and provides useful aids. It offers extensive information on orientation in all fields of social work as well as social services and facilities.

The journal addresses all professionals in the social services – social workers, social education workers, educators, scholars, head officials, executives, and chairmen of organizations.

Website: www.bdw.nomos.de

Zusammenfassung

Die Blätter der Wohlfahrtspflege berichten knapp und dennoch umfassend über wichtige gesellschaftliche, soziale und rechtliche Entwicklungen sowie über fachliche Standards im Sozial- und Gesundheitswesen. Neben grundlegenden Beiträgen stehen Modellbeschreibungen und Arbeitshilfen. Die umfangreichen Fachinformationen bieten Orientierung in allen Tätigkeitsfeldern Sozialer Arbeit sowie in sozialen Diensten und Einrichtungen.

Die Zeitschrift "Blätter der Wohlfahrtspflege" wendet sich an Fachkräfte im Sozialwesen – Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Erzieher, Wissenschaftler, Sozialpolitiker, Amtsleiter, Geschäftsführer, Vereinsvorstände.

Homepage: www.bdw.nomos.de