Hannah Schmidt, Ulrike Krause, (Zu) Versorgende Geflüchtete? Analyse der sozialen Bedeutungen ökonomischer Praktiken von Geflüchteten in Uganda in:

SozW Soziale Welt, page 200 - 230

SozW, Volume 70 (2019), Issue 2, ISSN: 0038-6073, ISSN online: 0038-6073, https://doi.org/10.5771/0038-6073-2019-2-200

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Hannah Schmidt* und Ulrike Krause** (Zu) Versorgende Geflüchtete? Analyse der sozialen Bedeutungen ökonomischer Praktiken von Geflüchteten in Uganda1 Zusammenfassung: Wie setzen sich geflüchtete Menschen, die in restriktiven Verhältnissen in Aufnahmeländern im Globalen Süden leben, für wirtschaftliche Stabilität ein und welche sozialen Bedeutungen können ihren Praktiken beigemessen werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Beitrags und wird anhand qualitativer empirischer Forschung mit einem Mehrmethodenansatz in Uganda und einem Agency-Fokus nach Emirbayer und Mische untersucht. Der Beitrag zeigt, dass humanitäre Fördermaßnahmen in Uganda zwar auf die Unterstützung von Geflüchteten teils als wirtschaftliche Akteur*innen abzielen, aber dass die eigens mobilisierten Ressourcen von besonderer Bedeutung für die Menschen sind. Soziale Netzwerke sind ausschlaggebend sowohl für die Aufnahme ökonomischer Praktiken einzelner als auch die daraus folgende Übernahme sozialer und wirtschaftlicher Funktionen anderer Geflüchteter. Auf Grundlage dessen argumentieren wir, dass wirtschaftliche Praktiken unter Geflüchteten den Charakter relationaler Agency haben, indem sich diese durch ihre soziale Verwobenheit konstituieren und reproduzierend wirken. Stichworte: Geflüchtete; Agency; Ökonomische Praktiken; Soziale Netzwerke; Humanitärer Flüchtlingsschutz * Hannah Schmidt, Institut für Sozialwissenschaften, Universität Osnabrück, Seminarstraße 33, 49074 Osnabrück, E-Mail: haschmidt@uni-osnabrueck.de. ** Prof. Dr. Ulrike Krause, Universität Osnabrück, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, Seminarstr. 19 a/b, 49074 Osnabrück, E-Mail: ulrike.krause@uni-osnabrue ck.de. 1 Der Artikel beruht auf Ergebnissen des Forschungsprojekts Globaler Flüchtlingsschutz und lokales Flüchtlingsengagement, das am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien und am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück durchgeführt und von der Gerda Henkel Stiftung gefördert wird, bei der wir uns vielmals bedanken. Unser besonderer Dank gilt allen Geflüchteten und Mitarbeitenden in Uganda, die ihre Erlebnisse vertrauensvoll mit uns geteilt haben, sowie den Research Assistants für ihre Unterstützung. Zudem danken wir den anonymen Gutachter*innen und den Herausgeber*innen der Sozialen Welt für die konstruktiven Kommentare. SozW, 70 (2) 2019, 200 – 230 DOI: 10.5771/0038-6073-2019-2-200 Refugees as providers? Analysis of refugees’ economic practices and social meanings in Uganda Abstract: This article explores economic strategies which refugees employ in restrictive environments in host countries in the Global South and focuses on the social meanings of these practices. As a result, it is not humanitarian refugee protection and assistance at the core, but instead refugees’ own practices. Our analysis is based on qualitative empirical research with a multi-method approach in Uganda and an agency perspective following Emirbayer and Mische. The article demonstrates that although humanitarian measures aim to support refugees as economic actors, the resources refugees mobilize themselves are key for the people. Social networks are crucial for individuals to adopt economic practices as well as for other refugees to assume social and economic roles. Hence, we argue that economic practices in refugee situations have the character of relational agency by being constituted and reproduced through their social interdependence. Keywords: Refugees; Agency; Economic practices; Social networks; Humanitarian refugee protection Einleitung In Aufnahmeländern im Globalen Süden sind geflüchtete Menschen2 häufig mit prekären, gewaltgeprägten und limitierenden Bedingungen konfrontiert (Harrell- Bond 1986; Buckley-Zistel/Krause 2017). Rechtliche und politische Restriktionen können wirtschaftliche und soziale Folgen für die Menschen haben, was ihre Unterbringung in Camps in besonderer Deutlichkeit illustriert. Obwohl sie dort Zugang zu humanitären Leistungen erhalten, bleiben ihre Lebensverhältnisse zumeist von Gefahren und Herausforderungen geprägt (Jansen 2011; Turner 2010; Agier 2011). Vor diesem Hintergrund mag es zunächst plausibel erscheinen, dass Geflüchtete in humanitären und politischen Diskursen häufig als ‚vulnerable‘ und ‚zu versorgende‘ Gruppe oder als Empfänger*innen von Hilfsleistungen erfasst werden. Dies verdeckt allerdings ihre eigenen Fähigkeiten zum Umgang mit Problemen und kann zu ihrer Viktimisierung führen, wodurch ihre Agency, also ihr Handlungsvermögen, gar abgesprochen wird. Jüngst legen Forschende den Blick hingegen zunehmend auf die eigenen Handlungen von Geflüchteten und zeigen, dass sie sich Schwierigkeiten 1 2 Im Beitrag konzentrieren wir uns auf geflüchtete Menschen, die gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 in der Fassung des Protokolls von 1967 als Flüchtlinge gelten und aus dem Land ihrer Staatsbürgerschaft in ein anderes Land geflohen sind. Trotz Fokus auf Flüchtlinge verwenden wir im Beitrag primär den Begriff der/des Geflüchteten, um sprachsensibel vorzugehen. (Zu) Versorgende Geflüchtete? 201 und Restriktionen keinesfalls passiv unterwerfen und lediglich auf humanitäre Hilfe warten. Vielmehr setzen sie sich für ihre Lebensverhältnisse ein, engagieren sich ökonomisch, schaffen ein für sie wertvolles Heim und gehen gegen Gewalt vor (Omata 2017 2016; Krause/Schmidt 2018 a). An diesem Forschungstrend, der nicht vorrangig äußere Einflüsse auf und Zuschreibungen von Geflüchteten eruiert, sondern sie selbst und ihr Handeln in den Mittelpunkt rückt, knüpfen wir in diesem Beitrag an. Konkret untersuchen wir anhand qualitativer empirischer Forschung in Uganda wirtschaftliche Praktiken von Geflüchteten trotz und wegen ihrer schwierigen Rahmenbedingungen. Wirtschaftliche Praktiken erfassen wir generell als jene, die zur Einkommensgenerierung oder Subsistenz der Menschen beitragen, wie etwa formelle und informelle Anstellungen, Etablierung eigenständiger Unternehmen (z.B. Friseursalons, Restaurants), Aufrechterhaltung des Lebensunterhalts (z.B. Sparen) und Gründung ökonomischer Netzwerke zum Handel mit Gütern. Im Aufsatz geht es uns jedoch nicht um eine reine Systematisierung von Strategien zur Einkommensgenerierung (vgl. Alloush et al. 2017) oder die Identifikation von ökonomischem Mehrwert für Geflüchtete oder Aufnahmegesellschaften und -staaten (vgl. Alix-Garcia et al. 2018; Gengo et al. 2018). Stattdessen reflektieren wir die sozialen Bedeutungen dieser Praktiken von und für Geflüchtete. Wir fragen daher sowohl welche ökonomischen Ressourcen Geflüchtete eigenständig mobilisieren, als auch welchen sozialen Wert die Handlungen haben, wie sie sozial verwoben sind und letztlich auch für den Schutz der Menschen wirken. Damit möchten wir nicht im neoliberalen Sinn zur Verantwortungsübertragung auf Geflüchtete beitragen (vgl. Easton-Calabria/Omata 2018; Krause/Schmidt 2019), sondern ihrer Handlungsmacht trotz und wegen der schwierigen Verhältnisse Rechnung tragen, zu denen nicht zuletzt auch die humanitären Strukturen selbst beitragen. Unsere Untersuchung beruht auf empirischen Befunden mit geflüchteten Menschen, die im Aufnahmelager Kyaka II und in der Hauptstadt Kampala in Uganda leben. Durch eine Agency-Perspektive nach Emirbayer und Mische (1998) konzentrieren wir uns auf eigene Narrative, Problematisierungen und ökonomische Praktiken der Menschen und verstehen politische und humanitäre Rahmen primär als Teil des strukturellen Kontexts. Im dieser Einleitung folgenden zweiten Teil des Artikels fassen wir relevante wissenschaftliche Debatten zusammen und erläutern unsere empirische Forschung in Uganda. Im dritten Teil gehen wir auf die lokalen Bedingungen für Geflüchtete in Uganda ein und legen dar, dass Flüchtlingsschutz und -politiken zwar an einer Akteur*innenperspektive anknüpfen und auf die Förderung der Selbstständigkeit von Geflüchteten abzielen, aber auch limitierend auf sie wirken können. Zusätzlich zu diesen Limitierungen eruieren wir im vierten Teil wirtschaftliche Probleme der Menschen und wie sie diese bewältigen. Es zeigt sich, dass sie überaus diverse ökonomische Praktiken nutzen, für die soziale Netzwerke eine wichtige eigene Ressource darstellen. Die Praktiken konstituieren sich aus einem komplexen Zusammenspiel vergangener Erfahrungen, zukunftsgerichteter 202 Hannah Schmidt/Ulrike Krause Handlungen und Bewältigung aktueller Hindernisse. Dass diese Praktiken also nicht nur rein ökonomischen Zwecken dienen, sondern sozial eingebettet sind, vertiefen wir im fünften Teil. Als relationale Agency gedeutet wirken individuelle ökonomische Praktiken in und durch ihre soziale Verwobenheit. Sie nehmen nicht nur für die zunächst handelnden Geflüchteten, sondern auch für andere bedeutende Rollen ein, indem die Handelnden als Expert*innen ihrer Situationen wie auch Risikoauffänger*innen agieren. Sie federn Notfälle ab und stellen ideelle und physische Infrastrukturen bereit, die andere in ihrem Handeln unterstützen. Indem sie sich somit zu gegenseitigen ‚Katalysatoren‘ von Einkommensgenerierung entwickeln können, offenbaren sich Geflüchtete als unverzichtbare Akteur*innen des Flüchtlingsschutzes, für den bislang eigentlich politische und humanitäre Organisationen verantwortlich sind. Forschungsstand und -ansatz Obgleich Forschende zumeist einen Blick auf Probleme und Vulnerabilitäten von Geflüchteten in Ländern im Globalen Süden legen, reflektieren sie seit langem auch unterschiedliche Facetten von Handlungsmacht (z.B. Harrell-Bond 1986; Kibreab 1993; Richmond 1993). Hier reihen wir diesen Beitrag ein. Wir gehen nicht davon aus, dass sich Vulnerabilitäten und Agency gegenseitig ausschließen, sondern dass sie sich auch bedingen können. Demnach bedarf eine Analyse von Handlungsmacht Geflüchteter auch die Berücksichtigung von Herausforderungen und umgebenden Strukturen wie humanitäre Maßnahmen, rechtliche Regelungen und politischer Bedingungen. Dies reflektieren wir in unserem Beitrag. Zunächst nehmen wir aber relevante wissenschaftliche Diskussionsstränge in den Blick, wobei wir die Komplexität der Debatten selbstverständlich nicht vollumfassend abdecken können. Debatten über humanitäre Förderung und eigene ökonomische Praktiken Der humanitäre Flüchtlingsschutz ist verankert in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 mit dem Protokoll von 1967, die den ‚Flüchtling‘ definiert, seine Rechte listet und Unterzeichnerstaaten in die Pflicht nimmt. Die juristische Definition ist stets im Kontext humanitärer Trends und politischer Interessen zu sehen, da der ‚Flüchtling‘ keine legalistisch neutrale Kategorie offenbart. Vielmehr erfahren die als solche definierten und kategorisierten Menschen externe Zuschreibungen und Identitätsmerkmale, die mit materiellen Folgen einhergehen und analytisch im Prozess von Labelling erfasst werden können (Zetter 2007). Während Aufnahmestaaten nicht selten Gefahrenbilder zur Abwehr von Schutzsuchenden nutzen (Scheel/Squire 2014: 194-196), legen humanitäre Institutionen den Fokus zumeist auf Vulnerabilität von Geflüchteten, um ihre Arbeit durch die Hilfsbedürftigkeit der Menschen zu legitimieren. In der Folge erscheinen Geflüchtete als „stille Opfer“ 2 2.1 (Zu) Versorgende Geflüchtete? 203 (übers. d. Verf., Rajaram 2002: 248) oder auch als passive, hilflose ‚recipients‘ und ‚beneficiaries‘ (Harrell-Bond 1986: 8-13). Die zugeschriebene Hilfsbedürftigkeit trägt zu einer Opferbetrachtung bei und vernachlässigt die Handlungsfähigkeiten der Menschen. Dies materialisiert sich auch in der Art der Bereitstellung von humanitären Leistungen, auf die Geflüchtete häufig angewiesen bleiben (vgl. Krause/ Schmidt 2018 b). Diese Kritik an Abhängigkeiten wurde auch von dem Hohen Kommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) erkannt und unter anderem mit operativen Ansätzen wie Self-Reliance und Livelihood begegnet (UNHCR 2005, 2014). Der vermeintliche Fokus auf Potenziale von Geflüchteten steht im Kern der Fusion von humanitärem Flüchtlingsschutz und Entwicklungszusammenarbeit, die bereits seit den 1960er Jahren angestrebt wird (Gorman 1986; Betts et al. 2017: Kap. 2; Krause 2013). Unter dem Leitsatz der ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ (krit. Büschel 2014) sind diverse Programme und Ansätze entstanden, die sich auf Geflüchtete als ‚Gewinn‘ anstatt als ‚Last‘ primär in wirtschaftlicher Hinsicht konzentrieren und zur effizienten Bereitstellung von Unterstützungsleistungen beitragen sollen (vgl. Krause/Schmidt 2019). Darin scheinen Geflüchtete nicht mehr als ‚passive Hilfsempfänger*innen‘, sondern als ‚geschäftige Akteur*innen‘ begriffen zu werden, etwa als „Agenten für Entwicklung“ (übers. d. Verf., UNHCR 2005: Book 1 13). Diese Sicht auf Fähigkeiten und Potenziale geflüchteter Menschen erfährt jüngst Aufwind auch in Policies zum Flüchtlingsschutz (Easton-Calabria/Omata 2018; Krause/ Schmidt 2019). „To build self-reliance of refugees“ ist wesentliches Ziel der New Yorker Erklärung für Flüchtlinge und Migrant*innen von 2016 und somit zentrale Säule des darauf aufbauenden Global Compact for Refugees von 2018 (UNGA 2016; UNHCR 2018 b). Trotz der Sicht auf Geflüchtete als Akteur*innen offenbaren sich – wie wir im Beitrag anhand der Forschung in Uganda erörtern – weitreichende Probleme. Über solche humanitären Fördermaßnahmen hinaus verweisen Forschende seit den 1980er Jahren auch auf eigene Handlungsfähigkeiten von Geflüchteten in Aufnahmeländern. Jüngst nehmen diese Debatten zu und widmen sich etwa Bewältigungsstrategien von Geflüchteten zum Umgang mit Gewalterfahrungen in Aufnahmekontexten (Ensor 2014; Krause/Schmidt 2018 a), zur Schaffung eigener Repräsentanzstrukturen (Inhetveen 2010; Lecadet 2016) oder auch zur Formierung und Aufrechterhaltung eines für sie wertvollen Heims (Omata 2016; Doná 2015). Ein wichtiger Bereich dieser Debatten betrifft zweifelsohne, wie sich Geflüchtete mit Lebensgrundlagen auseinandersetzen und somit innovative ökonomische Praktiken in Lagern und Städten nutzen. Die besonderen Bedingungen für wirtschaftliches Handeln Geflüchteter wird teils als refugee economies konzeptualisiert, die sowohl Herausforderungen als auch Möglichkeiten des Wirtschaftens reflektieren (vgl. Betts et al. 2019; Betts et al. 2017 b; Betts et al. 2017 a; Oka 2011; Werker 2007). Als Besonderheit der refugee economies gilt nicht nur, wie sich politische und rechtliche Restriktionen in Aufnahmeländern auf wirtschaftliches Handeln auswir- 204 Hannah Schmidt/Ulrike Krause ken, z.B. limitierte Arbeitsrechte, sondern auch wie fehlendes Recht auf Landbesitz die Möglichkeit des Krediterwerbs einschränkt (Jacobsen 2005; Kaiser 2006). Zudem gehen Studien auf räumlichen Begebenheiten ein, wie etwa in scheinbar isolierten Camps mit Mobilitätsbeschränkungen dennoch diverse Durchlässigkeiten im Handel bestehen (Omata/Kaplan 2013). Auch kontrastieren Studien Auswirkungen humanitärer Maßnahmen auf Einkommensstrategien Geflüchteter (Alloush et al. 2017). Diesbezüglich kann die Verfremdung oder der Verkauf humanitärer Güter nicht als Symptom von Abhängigkeit – wie die Idee des ‚dependency syndrome‘ nahelegen würde –, sondern als rationale ökonomische Strategie zur Nutzung verfügbarer Ressourcen gedeutet werden (Kibreab 1993), als Form von Unternehmerschaft (Kumsa 2006: 251) oder auch als Indiz für eine wiedererlangte Solidarität (Harrell-Bond 2004: 28). Doch nicht nur lokal begrenzte Praktiken spielen in wissenschaftlichen Debatten eine Rolle. Auch in Form von transnationalen Netzwerken handeln Geflüchtete wirtschaftlich und wirken unter anderem durch Remittances wieder zurück in nationale Märkte (Horst 2006; Jacobsen et al. 2014). So sind Geflüchtete wirtschaftsrelevante Akteur*innen sowohl unter Geflüchteten als auch für Aufnahmeländer. Denn sie vernetzen sich mit privatwirtschaftlichen Akteur*innen und tragen zur lokalen Wirtschaft bei (Omata/Kaplan 2013). Sie etablieren lokale Handelszentren (Oka 2011) und werden somit zur ökonomischen Ressource für umliegende Gemeinden, wie etwa Studien zum Flüchtlingslager Kakuma in Kenia herausstellen (Alix-Garcia et al. 2018; Gengo et al. 2018). Der hier angedeutete Vernetzungsgedanke ist zentraler Teil unsere Analyse. Wie Betts et. al. (2017 a) ausführen, sind Geflüchtete in refugee economies rationale Akteur*innen, die in lokal geschaffenen Marktstrukturen agieren. Dies geschieht oftmals an staatlichen Akteur*innen vorbei und in direkter Interaktion mit der Privatwirtschaft, wodurch sich Geflüchtete als nationale Wirtschaftsakteur*innen etablieren, teils bevor sie im Land rechtlich und politisch als Flüchtlinge anerkannt sind. Während unsere Daten ebenfalls belegen, dass sich Praktiken intersubjektiv reproduzieren, setzen Betts et al. einen Fokus auf den wirtschaftsimmanenten Wert der Praktiken, den wir mit einer sozialen Perspektive ergänzen. Denn wir möchten die ökonomischen Handlungen sozial kontextualisieren, Aufschluss über soziale Bedeutungen erhalten sowie Rollen individueller Bemühungen für die Handelnden wie auch ihre Wirkungen auf Dritte reflektieren. Theoretischer Ansatz und empirisches Vorgehen Theoretisch rahmen wir wirtschaftliche Praktiken und ihre sozialen Bedeutungen durch einen Fokus auf Handlungsmacht und -vermögen – also im Wesentlichen Agency. Wir folgen hierbei einem relationalen Verständnis von Agency, indem wir es als sozial und zeitlich eingebetteten Prozess nach Emirbayer und Mische (1998) verstehen. Akteur*innen sind in sozialen Beziehungen situiert und als solche in 2.2 (Zu) Versorgende Geflüchtete? 205 ständigem Austausch interdependent verbunden. Als „dialogischer Prozess“ (übers. d. Verf., Emirbayer/Mische 1998: 974) wird intersubjektive Bedeutung verhandelt; die Überprüfung des eigenen Handelns erfolgt in einem relationalen Verständnis weniger durch individuelle Reflexion, sondern ergibt sich aus und in dem Zusammenspiel mit anderen. Eine solche Rahmung ist gewinnbringend für unsere Analyse, da es die eigene Handlungsfähigkeit beleuchten kann, aber auch den Blick auf die (unintendierten) kollektiven Auswirkungen richtet. Somit können wir weitergehende soziale Bedeutungen von individuellen Praktiken aufzeigen. Agency ist also abhängig von der Kooperation, dem Verständnis (bzw. dem Willen zum Verstehen) und der Inkorporierung in das Handlungsschema des Gegenübers. In einer praxeologischen Lesart geschieht dies nicht nur diskursiv, sondern durch konkrete Praktiken, die als routinisierte Handlungsabfolgen sichtbar werden. Hierbei ist die zeitliche Komponente wesentlich, da sich Akteur*innen zwischen vergangenen Handlungsabläufen, gegenwärtigen Abwägungen und zukünftigen Vorstellungen bewegen. Durch das Zusammenspiel von Gewohnheiten, Vorstellungs- und Urteilsvermögen können Akteur*innen Strukturen als interaktive Antwort auf wechselnde Bedingungen reproduzieren und ändern. Erlernte Handlungsmuster und soziale Regeln der Vergangenheit prägen gegenwärtige Praktiken, die Akteur*innen durch normative Kompetenz abwägen, um angemessen zu handeln, und durch das projektive Element kreativ ausgestalten, um Erwartungen und Wünsche für die Zukunft zu verfolgen (Emirbayer/Mische 1998: 971). Folglich ist Agency stets im Kontext der zeitlichen Ausrichtung und sozialen Einbettung zu betrachten. Zur Beantwortung unserer Forschungsfrage ermöglicht diese Perspektive, die Heterogenität der ökonomischen Praktiken wie auch ihre sozialen Bedeutungen zu beleuchten. Sichtbar wird, dass diese kein ausschließliches Produkt humanitärer Maßnahmen und Politiken sind, sondern dass sie sich kontextuell aus vergangenen Handlungsmustern (wie verschiedener Erwerbsbiographien), aber auch aus der Zukunftsorientierung konstituieren. Wie Emirbayer und Mische (1998: 1009) betonen, kann dies produktiv wirken, da Akteur*innen auf Widerstände bei ihren gewohnten Praktiken stoßen und zu „Pionier*innen“ werden können, durch die sie Handlungskontexte eruieren und rekonstruieren. Dabei geht es nicht notwendigerweise nur um intendierte Wirkungen des Handelns. Stattdessen betonen Emirbayer und Mische (1998: 1008), dass Praktiken, die auf Transformation einer Situation abzielen, unintendiert reproduzierend wirken können. Unsere empirischen Daten belegen darüber hinaus, dass die wirtschaftlichen Praktiken der Menschen innovativen Charakter haben können, vor allem durch den Wegfall alter Routinen, der ihr Adaptieren notwendig macht. Durch das Kopieren von Praktiken anderer Akteur*innen kann sich dies in kollektiven Handlungsschemata äußern. Mit diesem theoretischen Hintergrund untersuchen wir empirische Daten zu ökonomischen Praktiken von Geflüchteten in Uganda als Teil des von der Gerda Hen- 206 Hannah Schmidt/Ulrike Krause kel Stiftung geförderten Forschungsprojekts Globaler Flüchtlingsschutz und lokales Flüchtlingsengagement. Ausmaß und Grenzen von Agency in gemeindebasierten NGOs von Flüchtlingen. Selbstverständlich ist es in wissenschaftlichen Aufsätzen wie diesem schwierig, die empirische Forschung in höchster Detailliertheit und Reflexion, jedoch auch in konkreter Kürze angemessen abzuhandeln. Im Folgenden fassen wir daher lediglich unser methodisches Vorgehen in Uganda zusammen und gehen auf vereinzelte, für die Forschung besonders relevante ethische Fragen ein. Durch einen qualitativen Mehrmethodenansatz in einer insgesamt siebenmonatigen Feldforschung wurden Daten mit Geflüchteten in Kampala und im Flüchtlingslager Kyaka II erhoben. Zusätzlich zu ethnografischen Beobachtungen3 in alltäglichen Gelegenheiten wie dem Handel auf Märkten oder der Herstellung gewisser Waren wie geflochtener Matten wurden mit Geflüchteten unter anderem leitfadengesteuerte Interviews, ero-epische Dialoge (EED)4 und Fokusgruppendiskussionen (FGD)5 geführt. Die Auswahl und Kontaktaufnahme erfolgte primär durch ein 3 Im Verlauf der Forschung haben wir verschiedene ethnografische Beobachtung verwendet, unter der Breidenstein et al. (2015: 71-80) generell das multisensorische Erfassen einer Situation mit der Identifizierung des „sozialen Sinns“ und der gleichzeitigen Möglichkeit der distanzierten Analyse fasst. Als Konsumentinnen auf Märkten haben wir bspw. das Marktgeschehen teilnehmend beobachtet, indem wir uns als Partizipierende „auf Augenhöhe“ bewegten (Breidenstein et al. 2015: 73). Zudem nutzten wir unsystematische Gelegenheitsbeobachtung (Breidenstein et al. 2015: 26-27; 72) des von uns erlebten Alltags während der Forschung, etwa wie die Lebensbedingungen der Menschen gestaltet sind. Wir suchten auch gezielt Orte auf, an denen Interaktionen von Geflüchteten und humanitären Akteur*innen bestanden, wie deren Büros oder Ausgabestellen von Hilfsgütern. Hier waren wir, anders als etwa in der Marktsituation, distanzierte Beobachterinnen, da uns die aktive Teilnahme nicht möglich war. Diese Beobachtungen haben wir in Feldnotizen festgehalten und für die anschließende Datenanalyse nachvollziehbar und verwertbar gemacht. 4 Ero-epische Dialoge (EED) haben nach Girtler (2001: 147-168) keinen „Zugzwang“ zur Teilnahme oder feste Fragenlisten für Gesprächspartner*innen, sondern stellen offene tiefgreifende Gespräche dar, in die sich Forschende mit ‚Feinfühligkeit‘ und Geduld einbringen (Girtler 2001: 149). Nach Dellwing und Prus (2012: 117) sind „diese Gespräche auf den ersten Blick nicht von normaler Alltagsunterhaltung [… unterscheidbar,] jedoch immer bereits mit den mitgebrachten und im Feld angepassten Konzepten und Erkenntnisinteressen der Forscher durchsetzt“. Die Intention liegt darin, dass sich Gesprächspartner*innen (d.h. Forschende und Teilnehmende) in einer ebenbürtigen Unterhaltung befinden und so eine vertrauensvolle Atmosphäre geschafft werden kann. Dies bedeutete für uns, dass Teilnehmende eigene Schwerpunkte in Gesprächen setzen konnten und dass Gespräche in Kontexten stattfanden, in denen sich die Menschen sicher fühlten, um frei zu sprechen. Während auch semistrukturierte Erhebungsmethoden wie die genutzten leitfadenorientierten Interviews Möglichkeiten zur Anpassung der Fragen durch die Interviewpartner*innen eröffnen (Misoch 2015: 65-71), sind EED von Grund auf offener angelegt, ohne vordefinierte Stimuli. 5 Bei Fokusgruppendiskussionen (FGD) tritt der*die Interviewende in den Hintergrund und dient vor allem dazu, die Interaktion unter den Teilnehmenden anzustoßen (Acocella 2012: 1127). Das Sprechen in einer Gruppe kann Nachteile bergen, etwa ungenügenden Raum für alle Mitglieder ihre Positionen auszudrücken (Hollander 2004: 610). Daher haben wir diese Diskussionen primär ergänzend zu anderen Erhebungsmethoden genutzt. Als vorteilhaft wird bei FGD bewertet, dass sie als „communicative spaces“ (Bergold/Thomas 2012: 7) erhöhte Par- (Zu) Versorgende Geflüchtete? 207 Schneeballprinzip (Diekmann 2007: 399-400), um eine vertraute Atmosphäre zu nutzen. Da vor allem das Flüchtlingslager ein begrenzt anonymer Ort ist, fanden Gespräche und Begegnungen oftmals in lokalen Clustern statt, die dorfähnliche Strukturen besitzen und abseits der Büros humanitärer Organisationen liegen, um Anonymität zu gewährleisten. Mitarbeitende humanitärer und Regierungsinstitutionen wurden in strukturierten und semi-strukturierten Interviews befragt. Konkret wurden in zwei Feldforschungsphasen Ende 2016 und Anfang 2017 Daten mit insgesamt 247 Geflüchteten in EEDs und 163 Geflüchteten in FGD sowie 11 Mitarbeitenden in Interviews erhoben. Vor, während und nach der Datenerhebung waren forschungsethische Aspekte stets wesentlich. Vor der Feldforschung durchlief das Projekt eine Ethikprüfung bei TASO Uganda und erhielt die Forschungserlaubnis des Uganda National Council for Science and Technology und des Office of the Prime Minister. Als forschungsleitendes Rahmenwerk haben wir die Ethical Guidelines for Good Research Practices des Oxforder Refugee Studies Centre (2007) herangezogen. Für unsere Forschung zentral sowie Grundlage unseres angewandten Forschungsansatzes mit der Methodenkomposition war es, mögliche Gefahren und Schäden für die in der Forschung Beteiligten zu berücksichtigen und minimieren (Krause 2017; Block et al. 2013). In der Forschung mit Geflüchteten (oder generell mit Teilnehmenden) können strukturelle Asymmetrien aufkommen, etwa indem Forschende alleinige Entscheidungsträger*innen darstellen, sich Geflüchtete zur Teilnahme verpflichtet fühlen (Ellis et al. 2007: 468-469), oder diese mit ihrer Asylprüfung verknüpfen. Diese Asymmetrien haben wir intensiv diskutiert und stets versucht, im Blick zu behalten. Während der Datenerhebung wurden alle Teilnehmenden über ihre Rechte und die Projektziele informiert, was als Grundlage der freiwilligen Teilnahme galt. Zudem war und ist es uns wichtig, nicht nur Agency von Geflüchteten zu untersuchen, sondern ihnen auch Raum zu geben, aktiv an der Forschung teilzuhaben. Dies bedeutet sowohl bei der Datenerhebung genügend Zeit zu lassen, damit die Menschen für sie wichtige Punkte ansprechen können, als auch ihnen Mitsprache in der Ausrichtung der Forschung zu geben und sie aktiv einzubinden, was unter anderem durch die Auswahl der Methoden angestrebt wurde sicherzustellen. Zu versorgende Geflüchtete? Humanitäre, rechtliche und politische Entwicklungen im Umgang mit Geflüchteten in Uganda Als Nachbarland der konfliktgeprägten Staaten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und des Südsudans ist Uganda seit langem ein wichtiges Aufnahme- 3 tizipation der Teilnehmenden ermöglichen. Ihre Interaktion kann neue Einblicke für die Forschung eröffnen, indem bspw. Teilnehmende Ansichten untereinander hinterfragen. Es können sich Gruppenidentitäten herauskristallisieren, indem Teilnehmende „images and beliefs of that social group“ (Acocella 2012: 1128) reflektieren. Dies war in unserer Forschung unter anderem der Fall bei FGD mit Mitgliedern von Unterstützungsgruppen und wirtschaftlichen Kooperativen. 208 Hannah Schmidt/Ulrike Krause land für viele Geflüchtete.6 Zur Zeit der Planung und Durchführung unserer Feldforschung 2016 und 2017 stieg die Zahl der Geflüchteten rasch von 568.414 Menschen im Juli 2016 auf 1,27 Millionen im März 2017 (UNHCR 2016, 2017). In der nördlichen und westlichen Grenzregion Ugandas sind seit den 1980er Jahren Aufnahmelager – sogenannte ‚refugee settlements‘7 – entstanden, die ankommenden Geflüchteten als ‚emergency situations‘ humanitäre Schutz- und Unterstützungsleistungen bieten. Solch kurzfristige Strukturen bleiben jedoch oft über die gedachte Temporarität weiterhin bestehen, denn die Zeitspanne vieler in Uganda lebender Geflüchteter beträgt weit über 20 Jahre und verdeutlicht das Phänomen der Langzeitsituation.8 Um diesem Problem zu begegnen, wurde in Uganda bereits in den 1990er Jahren die erste sogenannte Self-Reliance Strategie etabliert (UNHCR/OPM 2004). Der Ansatz steht in der Tradition des entwicklungsorientierten Flüchtlingsschutzes und geht einher mit einer Sicht auf Geflüchtete als Akteur*innen – primär im wirtschaftlichen Sinne (für globale Entwicklungen, vgl. Krause/Schmidt 2019). So hat die Self-Reliance Strategie in Uganda unter anderem zum Ziel, Geflüchtete in einem eigenständigen Leben zu unterstützen und ihre Abhängigkeit von Hilfsleistungen zu reduzieren (UNHCR/OPM 2004). Zudem trat 2009 ein neuer Refugee Act in Kraft und löste eine restriktive Rechtsordnung ab. Dieser zielt auch darauf ab, in Aufnahmelagern die Selbstständigkeit von Geflüchteten zu fördern (Uganda 2006: Art. 44) und gewährt formal gewisse Rechte wie Bewegungsfreiheit und Arbeitserlaubnisse. Ferner wurde jüngst die sogenannte Refugee and Host Population Empowerment-Strategie (ReHoPE) verabschiedet, die am Selbstständigkeitsparadigma anknüpft und mit Resilienzförderung kombiniert (Government of Uganda 2017). Obwohl Geflüchtete in Uganda ein Recht auf Bewegungsfreiheit haben, werden sie formal in den Lagereinrichtungen untergebracht. Dort erhalten sie ein Stück Land, auf dem sie Ackerbau betreiben und Selbstständigkeit erreichen (sollen). Eines der Lager ist Kyaka II, in dem wir geforscht haben. Es befindet sich in ländlicher Umgebung recht zentral in Uganda, erstreckt sich auf einem Gebiet von über 80 km² und ist in neun Zonen und 26 Cluster mit dorfähnlichen Strukturen aufgeteilt. Kyaka II steht unter der Aufsicht des Office of the Prime Minister (OPM), der Regierung Ugandas und des UNHCR. Zudem stellen eine Reihe von NGOs ver- 6 Weitere Menschen sind aus Ruanda und Burundi, Eritrea, Somalia und Kenia nach Uganda geflohen (UNHCR 2016). 7 Obwohl sich diese settlements von zeltstrukturierten Lagern unterscheiden, bleiben Kerncharakteristika wie die isolierte Lage und die internen Strukturen bestehen, weswegen wir weiterhin von Lagern sprechen. 8 Die sogenannten protracted refugee situations gelten als Situationen, in denen mindestens 25.000 Flüchtlinge derselben Nationalität seit mindestens fünf Jahren in einem Asylland im Exil leben. Ende 2017 lebten zwei Drittel aller Flüchtlinge (13,4 Mio.) in solchen Situationen (UNHCR 2018 a: 22; s.a. UNHCR 2009; Milner 2014). (Zu) Versorgende Geflüchtete? 209 schiedene Schutz- und Unterstützungsleistungen bereit. Zur Zeit der Forschung lebten 24.647 Geflüchtete in Kyaka II (UNHCR 2017), wovon die meisten aus der DRK kommen. Ausgerichtet ist Kyaka II aber auf eine deutlich geringere Zahl von 17.000 Menschen (UNHCR 1985: Abs. 151). In Einklang mit internationalen Richtlinien werden im Lager Unterstützungsprogramme für Einkommensstrategien umgesetzt, wie Wirtschaftsinitiativen in den Bereichen Landwirtschaft, Tierzucht, Qualifizierung und Beschäftigung (siehe auch UNHCR 2005: Toolkit 35-44). Self- Reliance erfährt also eine starke Verzahnung mit Livelihood-Förderung, worunter UNHCR das Sichern von „grundlegenden Bedarfen des Lebens, wie Nahrung, Wasser, Schutz und Kleidung“ versteht (übers. d. Verf., UNHCR 2014: 7). Während die überwiegende Mehrheit der Geflüchteten in Uganda in Lagern lebt, haben sich viele für ein Leben in städtischen Gebieten entschieden. Im Mai 2017 lebten laut offiziellen Statistiken 96.650 Geflüchtete in der Hauptstadt Ugandas, Kampala, wo wir ebenfalls geforscht haben. Die meisten kommen aus der DRK und Somalia, weitere aus Ruanda, Burundi, Eritrea und Äthiopien (UNHCR 2017). Doch nicht nur der Schritt zum eigenständigen Leben in Städten, sondern auch die dortigen Lebensverhältnisse sind meist schwierig. Für die Niederlassung in Städten müssen Geflüchtete regulär einen Antrag auf Aufenthalt außerhalb der Lagern stellen, für den sie ihre Selbstversorgung nachzuweisen haben (Uganda 2006: Art. 44, Satz 42 und 43). Die Antragstellung ist aufwändig, weswegen sich Geflüchtete häufig dafür entscheiden, ohne Genehmigung in Städte zu ziehen. Gemeinhin werden humanitäre Maßnahmen primär in Lagern, nicht aber in Städten für dort selbstständig angesiedelte Geflüchtete bereitgestellt. Während unserer Forschung leisteten nur vereinzelte humanitäre Organisationen wie InterAid, Finnish Refugee Council und Jesuit Refugee Service punktuelle Maßnahmen in Kampala, etwa zur psychosozialen Versorgung oder beruflichen Weiterbildung. Dies bedeutet für Geflüchtete in Kampala wie auch in anderen Städten zumeist, dass sie auf sich selbst gestellt sind und ihre Bedürfnisse eigenständig befriedigen müssen. Dieses Ungleichgewicht der humanitären Maßnahmen in Lagern und nicht in Städten erweist sich einerseits als politisches Vehikel, Geflüchtete in den „für sie vorgesehenen Orten“, wie es im Refugee Act heißt (übers. d. Verf., Uganda 2006: Art. 44), unterzubringen und das sind Lager. Andererseits zeigt sich die Eingeschränktheit der Self-Reliance Strategie in Uganda. Denn es geht nicht um eine (voll-)umfängliche Unterstützung von Geflüchteten, eigenständig zu leben, was losgelöst von Lebensräumen oder Einkommensstrategie stattfinden müsste. Stattdessen wird am Lager als Ort und an Agrarwirtschaft als Strategie festgehalten. Doch auch die Realisierung der humanitären Förderpraktiken im Lager bedarf kritischer Reflexion. Obwohl Uganda einen Rahmen bereitzustellen versucht, der wirtschaftliche Betätigungen von Geflüchteten erleichtert (Betts et al. 2019), bestehen formal Restriktionen wie begrenzte Bewegungsfreiheit und Arbeitserlaubnisse, die das Erreichen ökonomischer Selbstständigkeit erschweren. Auch die humanitäre 210 Hannah Schmidt/Ulrike Krause Ausrichtung auf Self-Reliance ist problematisch. Der Fokus auf Agrarwirtschaft wirkt negativ auf diejenigen, die diese nicht betreiben können oder wollen. Dies reiht sich in anhaltende Kritik ein über die geringe Größe und fehlende Fruchtbarkeit der bereitgestellten Flächen (Kaiser 2006: 612; Hunter 2009). Darüber hinaus zeigt der landwirtschaftliche Fokus, wie Projekte zur Förderung von Selbstständigkeit Geflüchteter in paternalistischen humanitären Strukturen kleben bleiben (vgl. Barnett 2011). Anstatt bestehende Fähigkeiten der Menschen zu begünstigen, setzen humanitäre und politische Institutionen externe Förderkriterien fest, durch die sie Aktivitäten von Geflüchteten messen und in gewünschten Bahnen halten können. So wird etwa die agrarbasierte Förderung als „forced farming“ kritisiert (Easton-Calabria 2015: 414), bei dem die ‚Selbstständigkeit‘ der Menschen auf eine ‚survivability‘ reduziert und die Menschen unabhängig ihrer Hintergründe als Bäuerinnen und Bauern abgebildet werden (Krause 2016). Trotz einer Möglichkeit für ökonomische Handlungsrahmen bleiben die Förderstrategien und Vorgaben zur konkreten Ausgestaltung von humanitären Organisationen ausschlaggebend, sodass eigene Praktiken von Geflüchteten vernachlässigt (oder gar ungewünscht) sind und ihr Status als Akteur*innen nur in gewissen Aktivitäten angerechnet wird. In ähnlicher Form zeigt sich dies am Beispiel von Gender Mainstreaming und (bevorzugten) Schutz- und Fördermaßnahmen für geflüchtete Frauen (vgl. Olivius 2014; Fiddian-Qasmiyeh 2010). In der Folge und mit Blick auf Wirtschaftlichkeit scheinen Geflüchtete nur mit externer Hilfe aktiv ‚gemacht‘ werden zu können und dies nur durch die Art der Einkommensgenerierung, die von den Institutionen vorgegeben sind (Krause/Schmidt 2018 b, 2019). Probleme und Ressourcen ökonomischer Praktiken von Geflüchteten Doch wie sehen die ökonomischen Verhältnisse von Geflüchteten in Kyaka II und Kampala aus? Im Folgenden beleuchten wir zunächst die ökonomischen Probleme und Praktiken der Menschen und eruieren dann die sozialen Bedeutungen des Wirtschaftens. Letzteres ist zentral, denn soziale Beziehungen fördern, erleichtern oder ermöglichen teils sogar wirtschaftliches Handeln. Gleichzeitig stärkt es auch soziale Beziehungen. Innerhalb dieser Interdependenzen identifizieren wir relationale Agency. Ökonomische Probleme und Praktiken von Geflüchteten Sowohl in Kyaka II als auch in Kampala betonten Geflüchtete, dass unzureichende Ressourcen und Möglichkeiten zur Einkommensgenerierung ein zentrales Problem für ihre Lebensverhältnisse darstellen. Fehlendes Kapital zeige sich neben limitierten Zukunftsaussichten bereits im Mangel an grundlegenden Sicherheiten wie Gesundheit und Ernährung. 4 4.1 (Zu) Versorgende Geflüchtete? 211 „Just being a refugee is being pushing back life. Like going back so many ages. I am now here thinking about what to eat, small and petty things of that nature.“9 Wie dieses Zitat andeutet, müssen alltägliche Routinen neu angeordnet werden, um mit den Herausforderungen im Exil umgehen zu können. Dies gilt für das Leben in Aufnahmelagern wie auch in Städten. Im Gegensatz zu Lagern erhalten Geflüchtete in Städten wie Kampala kaum bis keine Unterstützung durch humanitäre Organisationen. Viele Geflüchtete betonten, dass das Leben in Kampala generell schwierig sei. Zusätzlich zu Angst vor gewaltsamen Übergriffen, sexueller Belästigung, polizeilicher Willkür und Kriminalität beklagten viele wirtschaftliche Engpässe. Sie berichteten, dass sich die Arbeitssuche mühsam bis unmöglich gestalte, dass sie Diskriminierung erführen und grundlegende Kosten teilweise kaum tragen könnten. Erträge aus kleinen Geschäften genügten oftmals nicht, um ihre Lebenserhaltungskosten zu tragen,10 weswegen viele auf Schulden zurückgreifen müssten, um das Geschäft am Laufen zu halten: „Sometimes I lack money for food, [school] fees for my niece and rent. I have very little capital, so my business has failed to grow. Sometimes I have too many debts.“11 Auch andere Studien belegen weitläufige Probleme von Geflüchteten in Städten (u.a. Grabska 2006; Jaji 2009; Jacobsen et al. 2014). Die Gründe, dennoch in Kampala zu wohnen, sind zwar vielfältig, lassen sich aber vor allem auf den Wunsch nach einem freieren Leben zurückführen. Geflüchtete wollten bessere Bildungschancen und wirtschaftliche Möglichkeiten nutzen, aber auch ohne humanitäre Reglementierungen in Lagern leben (Krause/Gato 2019; s.a. Jacobsen et al. 2014; Dryden-Peterson 2006; Grabska 2006; Campbell 2006). Letzteres ist bedeutsam, denn einige Geflüchtete bezeichneten das Leben in Lagern explizit als „hart“, was meist in einem Atemzug mit den besseren ökonomischen Umgebungen in Kampala erläutert wurde. In diesem Sinne sagte eine Frau: „life is so hard in the refugee settlement. […] The business environment is better in Kampala than in the settlement. Since I also wanted to do business where I can move around for customers, Kampala was my best option. Business can’t do well in a settlement because the people in the settlement always want free things.“12 Geflüchtete etablierten unterschiedliche Unternehmen, die vom Verkauf von Seifen und Zucker oder handgemachten Armreifen, über kleine Restaurants, Friseursalons und Boutiquen reichten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.13 Dabei ging es aber selten nur um die ‚eigenen‘ Lebensbedingungen, sondern vor allem auch um bessere Möglichkeiten für Kinder und in der Zukunft. Mit Emirbayer und Mische 9 Frau aus der DRK, EED, 14.6.2017, Kyaka II. 10 Frau aus Somalia, EED, 16.11.2016, Mengo, Kampala. 11 Frau aus der DRK, EED, 9.11.2016, Nsambya, Kampala. 12 Frau aus der DRK, EED, 9.11.2016, Nsambya, Kampala. 13 Frau aus der DRK, EED, 22.11.2016, Nsambya, Kampala.; Frau aus der DRK, FGD, 14.7.2017, Old Kampala. 212 Hannah Schmidt/Ulrike Krause gesprochen erscheint das Leben in der Stadt wie auch die Bewältigung von wirtschaftlichen Problemen somit stark geprägt von der Zukunftsorientierung, die aktuelle Lebenssituation zu verbessern und (wirtschaftliche) Stabilität zu sichern, was von sozialen Netzwerken unterstützt, ermöglicht oder erleichtert wird. Die hohen Lebenshaltungskosten sind für viele der in Lagern wohnenden Geflüchteten ein genannter Grund, nicht nach Kampala umzusiedeln. Dennoch beklagten Geflüchtete in Kyaka II trotz humanitärer Leistungen weitreichende Probleme, die mit Armut verknüpft sind. Armutsbezogene Herausforderungen erstrecken sich über die Grundbedürfnisse hinaus und führen zum Anstieg an Kriminalität,14 Früh- und Zwangsheiraten15 und häuslicher Gewalt. Eine Frau betonte: „the problems at home are mostly related to poverty. The wife and the husband can fight because they don’t have what to give children or the woman doesn’t have a dress and the husband is going to use the money for alcohol.“16 Dass Geflüchtete auch in Lagern wie Kyaka II weitreichend wirtschaftliche Probleme erfahren, steht im unmittelbaren Spannungsverhältnis zu humanitären Unterstützungsleistungen, die eigentlich zur Besserung ihrer Lage dienen sollen. In Kyaka II betreiben die meisten Geflüchteten neben kleinen Geschäften Subsistenzwirtschaft. Mit Landwirtschaft als einziger oder hauptsächlicher Einkommensquelle sind sie abhängig von Wetterkonditionen sowie der Größe und Qualität des verfügbaren Landes. Im Zuge des Anstiegs der Zahlen von Geflüchteten, die in Kyaka II angesiedelt wurden, wird jedoch das zur Verfügung stehende Land reduziert, wor- über sich Teilnehmende höchst besorgt äußerten. „You cannot get enough food with one plot. Now you cannot have the money to even pay for school. The climate now is also changing and the harvest is poor. The land has been reduced so much. We do not know how to deal with this challenge.“17 Die Reduktion der Agrarflächen ist nicht nur problematisch aufgrund geringerer Ernten, sondern auch für die weiterführenden Möglichkeiten. Denn Geflüchtete, die schon länger in Kyaka II lebten, erzählten, dass sie Startkapital für andere Einkommensstrategien aus dem Gewinn des Ernteertrages generieren konnten.18 Zudem berichteten andere, deren Landgröße kürzlich reduziert wurde, dass dies kaum noch für ihr Überleben reiche.19 Daher bedrohen Kürzungen sowohl bestehende andere Einkommensquellen als auch im Entstehen begriffene Geschäfte.20 14 Mann aus der DRK, FGD, 8.7.2017, Kyaka II; Refugee Welfare Council aus der DRK, EED, 17.11.2016, Kyaka II. 15 Mann aus der DRK, EED, 20.11.2016, Kyaka II. 16 Frau aus Ruanda, FGD, 16.11.2016, Kyaka II. 17 Refugee Welfare Council aus der DRK, FGD, 17.11.2016, Kyaka II. 18 Mann aus der DRK, EED, 16.6.2017, Kyaka II; Refugee Welfare Council aus der DRK, EED, 17.11.2016, Kyaka II. 19 Frau aus Burundi, EED, 8.7.2017, Kyaka II. 20 Frau aus der DRK, EED, 22.11.2016, Kyaka II. (Zu) Versorgende Geflüchtete? 213 Hier spiegelt sich die bereits vor mehr als einem Jahrzehnt angemerkte Kritik von Meyer (2006: 26), dass die Umsetzung einer Self-Reliance Strategy zunächst einmal erhöhte statt reduzierte Unterstützung benötige. Im Zusammenhang mit diesen Problemen steht auch die zumindest gedachte Temporarität von Aufnahmelagern. Wie zuvor dargelegt dienen sie als Übergangsräume eigentlich zur kurzfristigen Unterbringung und Unterstützung von Geflüchteten. Doch dies ist selten der Fall, weswegen die Menschen, wie das Beispiel von Kyaka II zeigt, über viele Jahre hinweg im Lager verbleiben (müssen). Während Studien auf belastende Folgen etwa der Ungewissheit verweisen (vgl. Horst/Grabska 2015), ermöglicht der langjährige Verbleib Geflüchteten in Kyaka II aber auch, eigene Handlungssphären zu schaffen (vgl. Omata 2017; Jansen 2011). Dabei beeinflusst das Spannungsverhältnis zwischen Temporarität und Permanenz ökonomische Praktiken, die sich an diese Situation anpassen. Insbesondere in Kyaka II etablierte sich etwa über Jahre hinweg ein eigenes Sparsystem und der Präsident des dortigen Vereins Savings and Credit Cooperative Organizations (SACCO)21 beschreibt: „We use a current account arrangement. You can withdraw any time. We are refugees. We do not know what happens. […] people can be resettled one day to another. So they have to get the money before they leave. It also can be the repatriation. So you cannot plan as a refugee.“22 Die liminale Situation wird von einigen Geflüchteten als Hindernis beschrieben, langfristige Investitionen zu tätigen, da diese im Falle eines erneuten Ortswechsels einen Verlust bedeuten würden. So beschrieb ein Mann, dass das Anpflanzen von Palmöl für ihn ein Risiko bedeutete, da es in den ersten drei Jahren keinen Ertrag bringe und anderweitig nutzbare Fläche blockiere. Erst nach fünf Jahren konnte er davon Ertrag erwirtschaften, was sich nun aber positiv auf seine Einkommenssituation auswirkt.23 Viele ökonomisch erfolgreichere Teilnehmende beschrieben ihre Zukunftsorientierung auch als Ressource, die sie sich durch einen längeren Prozess aneignen konnten: „The issue of knowing that I am here only temporary affects my progress. I was having that on my mind some time ago. But nowadays it doesn’t affect my choices. I can do something even for five years I can start it now and when I am going I will just leave it. […] So many people are thinking that they cannot do something permanent because anytime they will leave.“24 Das Erlangen einer solchen Zukunftsorientierung ist individuell unterschiedlich und von vielen Faktoren geprägt. Neben Faktoren wie inneren Einstellungen und Optimismus, die generell als fördernde Faktoren für Bewältigungsfähigkeiten von Geflüchteten herausgestellt werden (Hutchinson/Dorsett 2012), sind auch Kon- 21 SACCO ist eine formalisierte Institution, die in ganz Uganda von verschiedenen Personengruppen unterhalten wird und durch die Regierung gefördert wird. Die SACCO in Kyaka II ist allerdings die erste flüchtlingseigene Initiative in Uganda. 22 Mann aus der DRK, EED, 11.11.2016, Kyaka II. 23 Mann aus der DRK, EED, 16.6.2017, Kyaka II. 24 Refugee Welfare Council aus der DRK, EED, 15.6.2017, Kyaka II. 214 Hannah Schmidt/Ulrike Krause takte zu anderen Geflüchteten relevant, die durch ihre Handlungen Optionen anderer beeinflussen. Wie wir im Folgenden aufzeigen, sind die sozialen Beziehungen eine zentrale Ressource für die Menschen, während humanitäre Maßnahmen eher nachrangig erscheinen. Soziale Netzwerke als Ressource Bei näherer Betrachtung der ökonomischen Praktiken von Geflüchteten in Kampala und Kyaka II wird deutlich, dass es sich nicht ausschließlich um individuelle ökonomische Strategien zur Einkommensgenerierung handelt. Vielmehr sind die individuellen Handlungen eng mit kollektiven Praktiken und sozialen Netzwerken verknüpft, was insbesondere an zwei Dynamiken erkennbar ist: Mobilität und Gruppenbildung. Beide Strategien dienen auch der Bewältigung erlebter Restriktionen und wenden sich häufig gegen humanitäre und politische Regularien. Mobilität: Teilnehmende in Kampala betonten den Wert sozialer Unterstützungssysteme und verdeutlichten dies bereits physisch in der Wahl des Wohnortes. Während Menschen aus Burundi und der DRK insbesondere in den Stadtteilen Nsambya, Katwe, Masajja und Najjanakumbi wohnen, siedeln sich Somalier*innen primär in Kasaato oder Kakajo, Mengo Hill und Kiwa an. In diesen Orten bildeten sich eigene wirtschaftliche Infrastrukturen heraus, da Geflüchtete spezifische Supermärkte, Restaurants, Friseure o.ä. etablierten. Von zentraler Bedeutung für diese Geschäfte wie auch andere Einkommenswege waren soziale Netzwerke und kollektive Unterstützungshandlungen unter Geflüchteten meist derselben Nationalität, mit denen sie Probleme bewältigten und Zugehörigkeitsorte schafften. Der unterstützende Faktor des Kollektiven belegt etwa die Aussage einer Frau, die sich zwar oft hilflos fühlte, aber deren Freunde ihr Rückhalt gäben: „If it weren’t for my friends I don’t know where I would be.“25 Eine andere Frau betonte: „We as Somalis, we help each other. We are a Somalis community. We believe in sharing because we are a brotherhood. I share whatever I have with my friend. That little is enough to go all around. We are communal. That is why we have survived so far.“26 Mobilität ist daher gezeichnet von konkreten Interessen, die auf sozialem Zusammenhalt und kollektiver Unterstützung basieren. Vor allem im Kontext der politischen Präferenz, Geflüchtete in Lagern anzusiedeln, kann diese eigenständige Wahl des Wohnorts nach Emirbayer und Mische als komplexes Zusammenspiel zwischen dem Nachgehen eigener Interessen, dem Beibehalten und Neuausrichten städtischer Routine wie auch der Zukunftsorientierung verstanden werden, um eigene Lebenssituationen zu verbessern. Und hierfür wirken soziale Netzwerke als erleichternder oder gar grundsätzlich ermöglichender Faktor. 4.2 25 Frau aus Somalia, EED, 16.11.2016, Mengo, Kampala. 26 Frau aus Somalia, EED, 11.11.2016, Mengo, Kampala. (Zu) Versorgende Geflüchtete? 215 Auch in Kyaka II finden Umzüge in Gegenden statt, in denen Menschen bereits soziale Netzwerke vorfinden. Jedoch untersteht die Mobilität im Lager Restriktionen, da das OPM das zu bewohnende Land vergibt und ungemeldete Umzüge sanktioniert. Dennoch berichteten viele der Teilnehmenden davon, dieses erhaltene Land zu verlassen, zu vermieten oder zu verschenken, um in einem für sie wünschenswerteren Dorf zu leben.27 Vor allem Bukere (eine der neun ‚Zonen‘ in Kyaka II) als Handelszentrum, das in der Nähe des Base Camps recht zentral in Kyaka II liegt, ist oftmals Ziel solcher Umzüge, da hier kleine Geschäfte eine bessere Anbindung haben.28 Eine Frau erzählte, dass sie informell aus einem anderen Lager (Nakivale) nach Kyaka II umgezogen sei, da die in Kyaka II lebenden Kongoles*innen ihr ein Einkommen durch den Friseursalon sicherten, während sie in Nakivale aufgrund anderer Nationalitäten und Herkunftsregionen und damit einhergehender verschiedener Präferenzen für Haarschnitte keinen Erfolg gehabt habe.29 Die Orientierung an der Nachfrage zeigt sich auch im Handel mit kongolesischen Gütern, für die einige Geflüchtete regelmäßig zurück in die DRK reisten, um Schmuck, traditionelle Stoffe (Chitenge) oder Öl zu erwerben und in Kampala oder Kyaka II zu verkaufen, obwohl sie damit ihren Flüchtlingsstatus riskierten.30 Vor allem die ökonomischen Beziehungen nach Kampala wurden von den meisten Geschäftsbetreiber*innen in Kyaka II erwähnt. Dies wird auch deutlich in dem privat betriebenen Minibus, der täglich zwischen Kyaka II und Kampala zu den Marktzeiten verkehrt und regelmäßig für den Handel von Gütern genutzt wird. Daher stehen einkommensbezogene Mobilitäten nicht nur oftmals im Gegensatz zu den humanitären und nationalen Regularien, indem die meiste Bewegung ohne entsprechende Genehmigung geschieht. Zudem sind diese Mobilitäten verflochten mit sozialen Netzwerken; sie begünstigen Mobilitäten, ermöglichen das Hin- und Herreisen und verknüpfen Orte und Menschen in Beziehung zueinander. Anstatt einer eindimensionalen stringenten Logik, nach der sich Geflüchtete für einen Lebens- und Arbeitsraum etwa im Lager oder in einer Stadt entscheiden, zeigten die Mobilitäten größere Dynamiken (s.a. Krause/Gato 2019). Geflüchtete verweben durch ihre ökonomische Praktiken mehrere Orten wie auch soziale Netzwerke miteinander, etwa indem in Kyaka II lebende Personen regelmäßig für mehrere Tage bis zu einigen Monaten nach Kampala reisten, um Waren zu (ver-)kaufen oder Arbeitsaufträge zu erledigen.31 Die Arbeitssuche vor Ort wird elementar vereinfacht durch Netzwerke wie auch die dortige Unterstützung, etwa das Bereitstellen von 27 Mann aus Burundi, EED, 19.11.2016, Kyaka II; Frau aus Ruanda, FGD, 16.11.2016, Kyaka II. 28 Frau aus Burundi, EED, 14.6.2017, Kyaka II; Mann aus der DRK, EED, 17.6.2016, Kyaka II. 29 Frau aus der DRK, EED, 15.11.2016, Kyaka II. 30 Frau aus der DRK, EED, 17.6.2017, Kyaka II; Mann aus der DRK, EED, 19.6.2017, Kyaka II; Refugee Welfare Council aus der DRK, EED, 17.11.2016, Kyaka II. 31 Mann aus der DRK, EED, 24.11.2016, Kyaka II. 216 Hannah Schmidt/Ulrike Krause Schlafplätzen. In den Mobilitäten offenbart sich auch Flexibilität, indem Geflüchtete ihren Wohn- und Arbeitsort an ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten anpassen. So berichtete ein junger Mann, dass er nach einer Weile des Lebens in Kampala bewusst ins Lager gezogen sei, da er durch die höheren Lebenshaltungskosten für sich keinen Vorteil gesehen habe.32 Gruppenbildung: Im Einklang mit den sozialen Netzwerken belegen unsere Daten, dass spezifische Gruppenbildungen über lose soziale Bündnisse hinaus bedeutsam für das wirtschaftliche Leben von Geflüchteten sind. Diese Gruppen existieren in verschiedenen Formen, die von losen bis hin zu institutionalisierten Zusammenschlüssen reichen, also von nachbarschaftlicher Kooperation bis hin zu Gruppen, die als Kooperative über Verfasstheit und Führungsstruktur verfügen und teilweise als NGOs in Uganda gemeldet sind. Die wenigen Studien, die sich mit Gruppenbildungen von Geflüchteten befassen, stellen die Relevanz der kollektiven Unterstützung ebenso heraus. Betts, Omata und Bloom (2017 a) verweisen etwa auf das Unternehmer*innentum dieser Gruppen, in denen Geflüchtete Fähigkeiten erlernen sowie Innovationen und Ideen weiterentwickeln können, unabhängig von den humanitären Strukturen. Easton-Calabria (2016) betont die Bedeutung von „refugee-run organizations“ zur Unterstützung der Selbstständigkeit von Geflüchteten, kritisiert aber auch Mängel in der institutionellen Zusammenarbeit im humanitären System. Zudem erkundet Lyytinen (2017) Schutzräume von Geflüchteten und eruiert informell etablierten „communities of trust“ unter kongolesischen Geflüchteten in Kampala. Als „refugee community organisations“ unterstützen sie den Austausch und das Ausleben kultureller oder religiöser Praktiken ermöglichen, den Zusammenhalt stärken und das Bewältigen von Alltagssituationen. Auch die in unserer Forschung erkannten Gruppen dienen oftmals sowohl ökonomischer Einkommensgenerierung als auch sozialer Unterstützung, etwa wenn eine Selbsthilfegruppe für Frauen gleichzeitig über ein gemeinsam zu bestellendes Feld für Landwirtschaft verfügt. Vor allem Spargruppen sind weit verbreitet, in denen Mitglieder einen festen Betrag einzahlen und in festgelegter Reihenfolge das ganze Kapital einer Einzahlung erhalten. Dies dient wirtschaftlichen Zwecken, wie auch der gegenseitigen Hilfe in Notsituationen, etwa für das Aufkommen für „money for house rent, for school fees of my children“, wie eine Frau in Kampala erklärte.33 Die Formierung solcher Gruppen in Kyaka II und Kampala können als Ausdruck von Agency und Bewältigungsstrategien der schwierigen Lebensverhältnisse gedeutet werden. In Kampala kann neben vielzähligen kleineren Gruppenverbindungen exemplarisch auf YARID (Young African Refugees for Integral Development), verwiesen werden. YARID ist eine von kongolesischen Geflüchteten 2007 gegründete 32 Mann aus der DRK, EED, 12.11.2016, Kyaka II. 33 Frau aus der DRK, FGD, 23.6.2017, Old Kampala. (Zu) Versorgende Geflüchtete? 217 und in Uganda registrierte NGO, die das selbsterklärte Ziel verfolgt, Geflüchtete in städtischen Umfeldern „auf diversen Wegen wie durch Sport, Englischunterricht und berufliche Qualifizierung [zu unterstützen], um soziale Probleme wie ethnische Konflikte, Arbeitslosigkeit, öffentliche Gesundheit und mangelnden Zugang zu Bildung zu adressieren“.34 Daher ist die wirtschaftliche Förderung wie auch die soziale Unterstützung inhärenter Zweck dafür, dass sich Geflüchtete für ihre Organisierung entschlossen und YARID als Organisation etabliert und registriert haben. In Kyaka II ist eine ähnliche Gruppe KITAD, die ‚Kyaka Interpreters, Translators Association for Development‘, momentan im Entstehen (Katembo 2019). Der Impuls sich zusammenzufinden wurde in Kyaka II häufig in den humanitären Limitierungen begründet, sodass sich viele Gruppen gründeten, weil die Menschen die Notwendigkeit sahen, sich gegenseitig zu helfen: „One of the reasons we have these groups is the problems we encounter as refugees and yet the office here is not helping us. We decided to come together and do something that could help us as refugees. So even if we did not receive assistance from the office, as refugees, we can solve our problems.“35 Die Gruppen rekurrieren sich auch aus vergangenen Erfahrungswerten. Einige Geflüchtete beschrieben explizit, dass sie Gruppen, in denen sie in ihren Herkunftsorten Mitglied waren, im Aufnahmeland neu gründeten, da sie diese in der Vergangenheit als hilfreich erlebten. Darüber hinaus vergeben humanitäre Organisationen in Kyaka II neben individueller Förderung für ‚besonders Bedürftige‘ teils zusätzliche Förderung an Gruppen, was manche Geflüchtete als ausschlaggebende Motivation nannten, sich zusammenzufinden. Teilweise gründeten sich Gruppen mit dem expliziten Ziel, humanitäre Förderung zu erhalten, wobei sie auch nach der Absage weiterhin bestehen blieben.36 Bei näherer Betrachtung handelte es sich indes oft um Gruppen, die bereits seit Längerem existierten und nun ihr Tätigkeitsfeld um gewisse Komponenten erweitern, um humanitären Kriterien zu genügen. So haben beispielsweise bestehende Spargruppen ihr Feld um die Förderung für Ziegenzucht ergänzt.37 Daher erscheint das Aufkommen von Gruppen als Wechselspiel zwischen tradierten Praktiken, gegenwärtigen Bewältigungsstrategien und strukturellen Bedingungen der humanitären Förderung. Allerdings sind auch Anpassungsprozesse in den humanitären Maßnahmen erkennbar. Generell können humanitäre Organisationen auswählen, welche Praktiken sie in humanitären Livelihood-Projekten unterstützen. Geschäftsideen von Geflüchteten, die außerhalb der humanitär gesetzten Modelle angesiedelt sind, werden meist als unwirtschaftlich von Entscheidungsträger*innen abgewiesen. So berichteten Geflüchtete etwa, dass die Herstellung kongolesischen Öls oder der Vorschlag einer 34 Übers. d. Verf., http://www.yarid.org/. 35 Refugee Welfare Council aus der DRK, FGD, 17.11.2016, Kyaka II. 36 Refugee Welfare Council aus der DRK, EED, 17.11.2016, Kyaka II. 37 Community worker aus der DRK, EED, 19.11.2016, Kyaka II. 218 Hannah Schmidt/Ulrike Krause Entenzucht abgelehnt wurde. In beiden Fällen stellten die Gruppen eigene Kalkulationen an, berücksichtigten die Konsumpraktiken der Kongoles*innen und verblieben letztlich bei ihren Modellen. Während die erstere Gruppe sich formal als Hühnerzuchtgruppe registrierte, diese gewinnbringend verkaufte und so ihr Startkapital für die Ölproduktion erhalten konnte,38 entzog sich die Gruppe mit der Idee der Entenzucht der Förderung und suchte alternative Wege, ihren Plan zu verwirklichen.39 Inzwischen ist Entenzucht in Kyaka II ein weitverbreitetes Geschäftsmodell. Andere agrarbasierte Kooperationen haben die Idee übernommen, sodass Entenzucht nun sogar von der Organisation offiziell unterstützt wird, die dies zuvor abgewiesen hatte. Unsere empirischen Befunde verdeutlichen schließlich, dass nicht nur trotz, sondern auch wegen humanitärer, politischer und rechtlicher Gegebenheiten Geflüchtete gewisse wirtschaftliche Strategien ergreifen. Diese Strategien sind geprägt durch ungenügende humanitäre Unterstützung sowie restriktive Zugänge zu ihren formal zugestandenen Rechten. Mit den Praktiken zeigen Geflüchtete in Uganda Widerstandskräfte, indem sie sich für eigene Interessen einsetzen und über Regularien hinwegsetzen, wofür soziale Netzwerke eine zentrale Ressource sind. Es sind somit in erster Linie die eigenen Strategien und Ressourcen, die die ökonomischen Praktiken verstärken, nicht die humanitären und politischen Förderpraktiken, die ohnehin im Spannungsverhältnis mit Einschränkungen stehen. Mehr als nur Selbstversorgung: Soziale Bedeutungen wirtschaftlicher Praktiken von Geflüchteten Im Gegensatz zu den häufigen Zuschreibungen der Passivität und Hilfsbedürftigkeit belegen die hier diskutierten ökonomischen Praktiken der Menschen, dass sie in Aushandlungsprozesse eintreten und auf Ressourcen zurückgreifen, um trotz sowie über humanitäre Regularien hinaus ihr Leben eigenständig durch soziale Beziehungen, eigene Erfahrungen und Wissensbestände zu verbessern. Im Folgenden ändern wir die Perspektive: Auf Grundlage der vorherigen Analyse der Bedeutung von sozialen Netzwerken für wirtschaftliche Praktiken betrachten wir nun die Rollen solcher Praktiken für das soziale Umfeld. Im Sinne des relationalen Charakters von Agency eruieren wir, wie sich etablierte und innovative Praktiken auf Möglichkeitsfelder anderer auswirken, sodass geteilte Routinen aufrechterhalten, aber auch verworfen und an die veränderten Umstände angepasst werden. Durch ihre soziale Einbettung wirken individuelle Akteur*innen somit über ihren eigenen Nahbereich hinaus als „entrepreneurs“ (vgl. Betts et al. 2017 a). Aus unserer Forschung geht hervor, dass erfolgreiche Geflüchtete erweitern als ‚Pionier*innen‘ das Handlungsfeld für Nachkommende, indem sie Blickweisen eröffnen oder konkrete Hilfe leisten. So fungieren Geflüchtete als Versorger*innen und Entrepreneur*innen, die zu 5 38 Mann aus Ruanda, EED, 13.11.2016, Kyaka II. 39 Mann aus der DRK, FGD, 15.11.2016, Kyaka II. (Zu) Versorgende Geflüchtete? 219 elementaren Mediator*innen für das Aufrechterhalten des Flüchtlingsschutzes in Uganda werden. Geflüchtete als Expert*innen und Risikoauffänger*innen Wie zuvor diskutiert, beeinflussen soziale Netzwerke den Grad der möglichen Mobilität und wirken somit auch auf ökonomische Praktiken. Im Folgenden gehen wir vor allem auf die unterstützende Ressource sozialer Kontakte ein und zeigen, dass sich diese oftmals spontan ergeben. Dies ist umso bedeutender, da die Menschen durch die Flucht selten auf lang etablierte soziale Strukturen und Netzwerke zurückgreifen können, sondern auf neue Netzwerke und Handlungsschemata angewiesen sind. Viele der Teilnehmenden unserer Forschung beschrieben in diesem Sinne plötzliche Koalitionen oder Hilfsleistungen von oder für Personen, die sie unterstützten. Diese reichten von spontaner Hilfe wie dem Teilen einer Mahlzeit, dem Bereitstellen eines Wohnortes, oder auch Geld, bis hin zu institutionalisierten Formen der Unterstützung etwa im Rahmen lokaler NGOs von Geflüchteten. Das Ankommen in Uganda und die Zeit bis zum Erhalt des Flüchtlingsstatus wurde aufgrund vielfältiger materieller und immaterieller Unsicherheiten einhellig als „hart“ beschrieben. In Kampala beschrieben angekommene Geflüchtete ohne soziales Netz als ersten Zufluchtsort unter anderem Kirchen, andere Geflüchtete und Polizeiwachen. Viele wurden aber zunächst in ‚reception centre‘ als Erstaufnahmelagern nahe der Landesgrenze untergebracht, in denen sie zumindest einen Ort zum Schlafen und erste Unterstützungen wie Nahrung und Wasser erhalten haben. Nach Registrierung wurden sie in etablierten Lagern wie Kyaka II angesiedelt. Jedoch erzählten viele Geflüchtete, dass sie bis zum Erhalt des Status keine humanitären Leistungen erhielten, weswegen sie auf andere Hilfe, oder auf das schnelle Finden einer Arbeit angewiesen waren. „When you arrive here [in Kyaka II] you meet others, they tell you what is happening here and you discuss. The first time is hard. Before you even get the paper as asylum seeker you don’t get any assistance. […] For me it took two weeks. During those two weeks you meet people who explain you things. They tell you that here you have to take care of yourself. They tell you that you can go to other sites and work for money or food.“40 In diesem Zitat ist eindrücklich zu erkennen, wie sich die Dauer der Anwesenheit in Kyaka II auswirkt. Bereits dort lebende Geflüchtete werden zu elementaren ‚Expert*innen‘, die Wissen über die Bedingungen, Reglementierungen und Verfahren im Lager weitergeben. Die Weisheit „They have to try to learn to dig for them in order to survive“41 wurde von bereits länger dort wohnenden Geflüchteten bereitgestellt. Auch in Kampala verweisen Geflüchtete auf die Rolle von erhaltenen Informationen von anderen Geflüchteten, die die Lage in der Stadt bereits besser 5.1 40 Community worker aus Burundi, EED, 19.11.2016, Kyaka II. 41 Frau aus der DRK, EED, 9.12.2016, Kyaka II. 220 Hannah Schmidt/Ulrike Krause einschätzen konnten.42 So schilderten einige, dass sie mit Bekannten oder Familienmitgliedern, die bereits in Kampala lebten, Kontakt hielten und deswegen bereits wussten, wohin sie in Kampala gehen würden. Ein Mann betonte beispielsweise „refugees always keep in touch by phone with people at home, thus those coming know where to go“.43 Geflüchtete werden also auf vielerlei Weisen relevante Expert*innen, um das Ankommen und das Leben für andere zu erleichtern sowie wirtschaftliche Handlungsmöglichkeiten zu schaffen. Neben der Vermittlung von elementarem Wissen werden sie aber auch zu materiellen Nothelfer*innen. Da dies nicht immer altruistisch aufzufassen ist, sprechen wir hier von ‚Risikoauffänger*innen‘. Die Bewältigung der Lebensverhältnisse in Kyaka II, aber auch in Kampala wurde von vielen Teilnehmenden als „struggle“ gedeutet, in dem sich langsam durch harte Arbeit Besserung einstellte. „When I arrived here, I was suffering a lot. I was digging for people to get money, dig and harvest small, get some money and start a charcoal business. That is how I survived. It was tough.“44 Diese Linearität ist ein bedeutsames Motiv in den Erzählungen über das Leben in Kyaka II. Oftmals sind dies auch Erzählungen eines Improvisierens und Ausprobierens, indem Menschen Geschäftsideen zunächst kollabierten und erneut anfangen oder verändern mussten. Dieser immer auch zielgerichtete Kampf – nämlich für das Verbessern der Lebenssituation – stellt oftmals eine bedeutende Motivation für das Helfen dar: „Of course, if you see that they are these new refugees and they are just coming and have nothing to eat you cannot leave them go like that. Because I was passing that life also. So you give them 1 kg rice and 1 kg posho and a soap.“45 Somit übernehmen lokale soziale Netzwerke oftmals die Hilfe in Notfällen eher spontan. Darüber hinaus formieren sich institutionalisierte Unterstützungssysteme zum Beispiel in sogenannten ‚burial groups‘: „When we realized we are here and we do not have much help, when one loses a friend or member, it is difficult to get a coffin. So we decided to come together and contribute 5000 shillings so that in the event of death, it would be of help. This was successful.“46 In der Anerkennung solidarischer und spontaner Hilfe ist es indes bedeutsam, nicht in Generalisierungen zu verfallen. Denn nicht alle Geflüchteten sind Teil eines ‚natürlichen Solidarsystems‘, wie eine Frau in Kyaka II erklärte: „It is not everybody who does that. There are also people who have much but they don’t give 42 Mann aus der DRK, EED, 9.11.2016, Nsambya, Kampala. 43 Mann aus der DRK, FGD, 14.11.2016, Nsambya, Kamapla. 44 Frau aus der DRK, EED, 14.6.2017, Kyaka II. 45 Mann aus der DRK, EED, 13.11.2016, Kyaka II. 46 Mann aus der DRK, EED, 19.11.2016, Kyaka II. (Zu) Versorgende Geflüchtete? 221 anything.“47 Gleichzeitig können sich aus der Verpflichtung zu helfen, bedeutende Belastung für die ‚Helfenden‘ ergeben, insbesondere in Räumen begrenzter Ökonomie, wie Omata (2013) in einer Studie hervorhebt. Während Besitz kein Indikator für die Bereitschaft zu helfen zu sein scheint, wird beschrieben, dass sich Armut negativ auf die grundsätzlichen Möglichkeiten zu helfen auswirkt. Eine Gruppe älterer Männer in Kyaka II erzählte beispielsweise, dass sich ihre kulturelle Identität durch das Aufrechterhalten von ‚Mapendo‘ (Liebe auf Suaheli, damit verweisen sie in dem Fall auf die gegenseitige Fürsorge) auszeichnet. Doch durch fehlende Ressourcen können sie dies nicht fortfahren. In Zeiten weiter gekürzter humanitärer Maßnahmen stellt sich die Frage, wie sich die Kürzungen auf die eigenen Praktiken der Nothilfe auswirken wird, denn während unserer Forschung erschienen diese elementar für viele Geflüchtete. So erklärte eine junge Frau „I would have starved if it was not for the help from those families at the reception centre“.48 Neben der Form der bewussten Nothilfe treten Geflüchtete auch als unintendierte Helfer*innen auf. Dabei korrelieren individuelle Interessen mit den Bedürfnissen derjenigen in Not. Durch den zeitlichen Vorsprung der Helfenden, der sich oft ökonomisch bemerkbar macht, stellen sie wichtige Infrastrukturen für andere bereit, indem sie etwa Arbeit im Tausch für Nahrung anboten. Beispielsweise verfügen länger dort lebende Geflüchtete über Ackerland, das bestellt bzw. geerntet werden muss. Die eigenen ökonomischen Betätigungen wirken also unintendiert als Puffer für die Lücken, die sich durch die bürokratische Logik von Prüfungen und Bereitstellungen humanitärer Leistungen ergeben. Die technische Registrierung dauert und hinterlässt die Menschen in der Zeit der Bearbeitung mit unzureichender Unterstützung. Auch danach wird der Grad der ‚Bedürftigkeit‘ oder auch ‚Würdigkeit‘ für humanitäre Maßnahmen bürokratisch geprüft und kategorisiert, anhand externer Richtlinien, die nicht immer Realitäten entsprechen. Die Zeit bis zur Anerkennung oder auch plötzliche Notfälle danach werden nicht einbezogen. Eine weit verbreitete ökonomische Praktik von Geflüchteten offenbart die Vergabe von Krediten. Startkapital ist unabdingbar für das Gründen von (kleinen) Unternehmen und Geflüchtete unterstehen hier erhöhten Herausforderungen, da oftmals die rechtlichen Restriktionen des Gastlandes oder die unwirtliche Lage des Camps formale Kreditoptionen verhindern. Ähnlich der Erkenntnisse anderer Studien zeigt sich auch in Kyaka II und Kampala, dass Geflüchtete primär auf informelle Geldgeber*innen angewiesen sind (Jacobsen 2005; Kaiser 2006). Während dies häufig von Ladenbesitzer*innen in der Form des Anschreibens übernommen wurde, verfügen im Lager und in der Stadt etablierte Spargruppen nicht zuletzt durch explizite Schulungen der humanitären Organisationen über eine Kreditkomponente. Wie hoch die Zinsen sind unterscheidet sich, wobei sie bis zu 20% reichen und so nicht 47 Mann aus der DRK, EED, 8.11.2016, Kyaka II. 48 Frau aus Eritrea, EED, 13.11.2016, Kyaka II. 222 Hannah Schmidt/Ulrike Krause als altruistische Hilfe missverstanden werden sollten. Dennoch beschreiben viele der Teilnehmenden die Notwendigkeit von Krediten, um über Notfälle und Engpässe hinwegzukommen. Ökonomisch erfolgreichere Geflüchtete fungieren als einziger Zugang dazu, sodass sie sich zu informellen Banken innerhalb des Flüchtlingslagers entwickeln. Neben Nothilfe werden diese Kredite auch zum Ankurbeln von Geschäftsideen genutzt. Folglich ergibt sich durch individuelle ökonomische Bewältigung ein kollektives System, indem Geflüchtete Risiken und Lücken des humanitären Regimes auffangen. Dies geschieht teils intendiert durch solidarische Hilfe und die Weitergabe von Wissen, aber auch unbewusst durch individuelle ökonomische Einkommensmöglichkeiten für andere. Somit bewältigen Geflüchtete kollektiv die Umstände. Die Ironie dahinter ist jedoch, dass sie durch die Bewältigung der gegenwärtigen Situation zu elementaren Reproduzent*innen einer humanitären Strategie werden, die die Verantwortung auf Geflüchtete transferiert, ohne strukturelle Veränderungen der problematischen Strukturen zu erwirken. Die Kritik an unzureichender humanitärer Hilfe bleibt meist ohne Auswirkungen, nicht zuletzt auch weil Geflüchtete – auch für andere – in diese Lücken springen. In ihrer kollektiven Bewältigung bestätigen und reproduzieren sie in der Folge unintendiert das Fortführen der gekürzten Leistungen. Verstärkende Katalysatoren Wie eingangs dargelegt wirken ökonomische Praktiken in marktwirtschaftlicher Logik, indem sie Angebot und Nachfrage steigern. Nicht zuletzt durch ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten und die so entstehende Infrastruktur fördern und entwickeln Geflüchtete ökonomisch aktivere Umgebungen sowohl in städtischen als auch in Lagerkontexten. In Kampala ist dies insbesondere durch die eigenen Restaurants, Märkte, Boutiquen und Friseursalons sichtbar. Mit Blick auf Kyaka II erklärte eine Uganderin: „Living with the refugees has been mostly very good. It has benefitted us so much. For example the Bukere market, the refugees founded it. It was brought by the first batch of refugees. […] I think they came over here in the 1980’s and when they left, it collapsed. When the ones that are present returned, the market became functional again. It is not that the market was not operating. It was. It is just that it was not powerful. The strength of that market comes from the refugees.“49 Während humanitäre Maßnahmen positiv wirken können, ist eine solche unikausale Annahme allerdings unzureichend. So belegt die Aussage eines Mitarbeiters einer humanitären Organisation, ähnlich der Erkenntnisse von Alloush et al. (2017), dass der Wechsel von Nahrungsmittel- zu Geldausgaben als Katalysator für wirtschaftliche Praktiken von Geflüchteten gewirkt und den lokalen Markt „massiv“ erweitert hat.50 Allerdings bleiben humanitäre Maßnahmen für andere 5.2 49 Frau aus Uganda, EED, 6.12.2016, Kyaka II. 50 Mitarbeiter einer Organisation, EI, 6.12.2016, Kyaka II. (Zu) Versorgende Geflüchtete? 223 Geflüchtete nach eigenen Aussagen untergeordnet oder irrelevant, oder wirken sogar begrenzend, weswegen sie sich den Maßnahmen widersetzen, um eigene wirtschaftliche Strategien zu verfolgen. Vielmehr noch wirken die eigenen Wirtschaftsstrategien der Geflüchteten auf ihre ökonomische Umgebung. Dies ist sowohl in Kyaka II als auch in Kampala erkennbar. Denn mit ihren Praktiken eröffnen sich die Menschen Möglichkeitsräume und lukrative Strategien dienen als Inspiration. Möglichkeitsräume sind unter anderem darin erkennbar, dass Geflüchtete bei anderen Geflüchteten etwa zur Landwirtschaft oder in Friseursalons Anstellung fanden. Daher fungieren ökonomisch erfolgreiche Geflüchtete auch als Arbeitgeber*innen und verschaffen anderen ein Einkommen. Doch auch darüber hinaus offenbaren Informationen und Wissen wichtige Katalysatoren für wirtschaftliche Bemühungen. Während einige Geflüchtete berichteten, bei Erwerbsstrategien auf Vorkenntnisse aus ihren Herkunftsländern aufzubauen wie dem Schneidern oder Verkauf von Waren, war es für andere durch fehlende Ressourcen oder dem Nichtanerkennen formaler Qualifikationen nicht möglich. Geflüchtete erklärten auch, wie ihnen die besten Märkte in Kampala gezeigt51 oder Kontakte für den Verkauf von Chitenge vermittelt wurden.52 Dies lässt sich erweitern auf das Teilen von Fähigkeiten, so berichteten zwei Frauen, dass sie durch ihre Freundinnen Frisieren und Nähen gelernt hatten.53 Inspirierend wirkten primär gewinnbringende Praktiken wobei die Menschen auch (pro-)aktiv für die Teilung von Wissen, wie man Einkommen generiert, eingetreten sind. Bei der Aufnahme neuer Strategien sind oftmals Inspirationen durch soziale Kontakte relevant, wie dieser Ladenbesitzer beschrieb: „Of course you talk to others how you can live. And I was near to people with business. I asked them how they did their business and they told me you do this and that. Also before I was starting [my shop] there was a friend of mine who was a businessman. So I went to his home to see how he does his business. So he tried to teach me how to do business.“54 Doch nicht nur das bewusste Teilen von Wissen, sondern auch das eher indirekte Kopieren erfolgreicher Geschäftsmodelle ist bedeutsam. So berichtete ein Mann, der begann Bäume zu pflanzen, dass andere seinem Beispiel folgten. „They were even surprised that I went to them seeking to plant trees because other refugees had refused to do it. But now it is different because now the others are also planting. They have seen me getting some money out of the trees.“55 Die soziale Bedeutung ökonomischer Praktiken von Geflüchteten für andere wird auch deutlich in den bereits erwähnten Gruppenformationen, in denen sich 51 Mann aus der DRK, EED, 19.11.2016, Kyaka II. 52 Mann aus der DRK, EED, 16.11.2016, Kyaka II. 53 Frau (Schneiderin) aus der DRK, EED, 15.11.2016, Kyaka II; Frau (Friseurin) aus der DRK, EED, 15.11.2016, Kyaka II. 54 Mann aus der DRK, EED, 13.11.2016, Kyaka II. 55 Mann aus der DRK, EED, 11.11.2016, Kyaka II. 224 Hannah Schmidt/Ulrike Krause Geflüchtete zusammenschließen und miteinander wirtschaftlich kooperieren. Ähnlich wie Betts, Omata und Bloom (2017 a) erkennen wir auch, dass die Menschen in Gruppen soziale und ökonomische Räume ausgestalten. Daher dienen Geflüchtete selbst sprichwörtlich als ‚Katalysatoren‘ für das wirtschaftliche Umfeld. Einige dieser Kooperationen verfolgen sogar das explizite Ziel, für ein gemeinschaftliches Wohl der im Lager lebenden Menschen einzutreten. In Kyaka II fanden sich beispielsweise mehrere Gruppen zusammen, die gemeinsam Landwirtschaft betrieben und Kooperativen formten. Das Ansinnen ist hierbei, die Macht für die Preissetzung von Erträgen zu gewinnen. Auch die bereits genannte Organisation YARID in Kampala kann hier erneut exemplarisch hervorgehoben werden. Daher sind ökonomische Praktiken von Geflüchteten stark miteinander verwoben und abhängig voneinander. Besonders ist hier die Zukunftsgewandtheit, die diese Praktiken kennzeichnen. ‚Pionier*innen‘ geben relevantes Wissen weiter und Gruppen befördern soziale Begünstigungen – beides dient als Katalysator für ökonomische Praktiken anderer Geflüchteter. Vielmehr noch als die humanitären Maßnahmen dienen diese informellen Unterstützungen als zentrale Ressource und ähnlich der Nothilfe bewältigen die Menschen die Umstände individuell und wirken dabei kollektiv, indem etablierte Geschäftsideen von anderen aufgenommen werden. Fazit Nicht selten wird Ugandas Flüchtlingspolitik als Paradebeispiel für eine gute Flüchtlingspolitik dargestellt,56 doch wie wir in unserem Beitrag gezeigt haben, offenbaren die humanitären Strukturen weitreichende Begrenzungen und Probleme für Geflüchtete. Nicht zuletzt deswegen ist der Blick auf die Strategien der geflüchteten Menschen zentral, die nicht passiv auf humanitäre Leistungen warten, sondern sich eigenständig für ihre Möglichkeiten einsetzen. Von besonderer Bedeutung sind wirtschaftliche Praktiken, durch die sie ihre Lebensverhältnisse bewältigen, aber auch Zukunftschancen verbessern. Bei diesen Praktiken handelt es sich nicht nur um individuelle Bewältigungshandlungen. Unsere Analyse zeigt vielmehr, dass sich diese ökonomischen Praktiken aus diversen Ressourcen generieren. Große Bedeutung erlangen Mobilitäten sowie eigene soziale Netzwerke als wichtiger unterstützender Faktor. Darüber hinaus ermöglichen, erleichtern oder fördern soziale Komponenten nicht nur wirtschaftliche Praktiken, diese Praktiken wirken gleichwohl in die sozialen Gemeinschaften hinein, indem Geflüchtete zu Risikoauffänger*innen werden, Wissen weitergeben oder indem erfolgreiche Geschäftsideen ‚kopiert‘ und reproduziert werden. Kehrt man nun zurück zu den Überlegungen über relationale Agency, zeigt sich die ökonomische Landschaft Geflüchteter als heterogenes Umfeld. Während die jeweiligen ökonomischen Strategien der Teilnehmenden in einer individuellen Positionierung zwischen in der Vergangenheit und Gegenwart erlernten Routinen, Fähigkei- 6 56 Siehe u.a. Titz (14.8.2017) und Byaruhanga (13.5.2016). (Zu) Versorgende Geflüchtete? 225 ten und zukunftsgerichtetem Handeln verortet werden können, hängen die Praktiken stets mit konkreten Schwierigkeiten vor Ort zusammen. Geflüchtete verweisen auf vielfältige Geschichten des Scheiterns und Neuanfangens, was sie teilweise als Expert*innenwissen an andere weitergaben. Daher eröffneten sich durch die ökonomische Betätigung, Erfolg und Misserfolg Möglichkeitsräume durch und für die Menschen. Obwohl humanitäre Unterstützung als relevanter Faktor in der refugee economy herangezogen werden muss, zeigte sich, dass in Kyaka II vor allem die Kürzung negative Auswirkungen auf die Aufnahme und Weiterführung ökonomischer Praktiken hat. Zudem scheint sich die ausgegebene Hilfe weniger an den bereits etablierten Strategien der Geflüchteten zu orientieren, sondern verbleibt weiterhin in seiner agrarbasierten Ausrichtung. Diese daraus resultierenden Lücken werden – und sollen – durch andere Geflüchtete gefüllt werden. Dass Geflüchtete individuell und kollektiv für Verbesserungen eintreten, wurde somit auch lokal von Entscheidungsträger*innen im Flüchtlingsschutz wahrgenommen. Als wir beispielsweise einen Mitarbeiter in Kyaka II fragten, was mit jenen Geflüchteten passiere, die weder in die Kategorisierungen von Hilfsbedürftigkeit fielen, noch für sich selbst sorgen könnten, verwies er ohne Umschweife auf die Unterstützungsmechanismen der „Community“.57 Während der Akteur*innenstatus also individuell (im Sinne ökonomischer Subsistenz) und lokal (als Unterstützungskollektiv) von humanitären und politischen Mitarbeitenden zum Teil anerkannt wird, fehlen auf institutioneller Ebene noch Ansätze, um die Menschen auch formal als Akteur*innen im humanitären System zu behandeln und die Förderung nach ihren individuellen Bedarfen, Interessen und Kompetenzen auszurichten. Dies ist umso bedeutender, da die eigenen Bewältigungsmechanismen, jenseits der humanitären Förderung, die Implementierung der Self-Reliance Strategy tagtäglich ermöglichen. Nichtsdestotrotz belegt die soziale Verwobenheit der wirtschaftlichen Praktiken von Geflüchteten in unserer Forschung in Uganda, wie sie als Individuen und in Gruppen zu ihrem Schutz und ihrer Unterstützung eigenständig beitragen. Sie knüpfen nicht nur an humanitäre und politische Strukturen an, sondern fordern sie heraus oder überwinden sie und nutzen eigene Ressourcen. Aufgrund der Leistungen, die sie für sich selbst und andere bereitstellen und lokale Bedarfe in gewissem Maß befriedigen, erweisen sie sich letztlich sowohl als unverzichtbare Akteur*innen als auch aktive Mitgestalter*innen des humanitären Flüchtlingsschutzes – sie werden bislang jedoch nicht als ‚traditionelle‘ Akteur*innen in diesem Feld angesehen. Aus humanitärer Sicht laufen die eigenen ökonomischen Strategien und gegenseitigen Unterstützungen von und für Geflüchtete hingegen der Gefahr, als Resultat oder gar ‚Erfolg‘ der implementierten Policies durch die humanitären Akteur*innen beansprucht zu werden. Vor allem aktuelle humanitäre Policies zu Resilienz und Self-Reliance setzen verstärkt auf die eigenen Kapazitäten von Geflüchteten und 57 Mitarbeiter einer Organisation, EI, 10.7.2017, Kyaka II. 226 Hannah Schmidt/Ulrike Krause machen die Menschen in einer neoliberalen Lesart für ihre Lage, ihren Umgang mit Herausforderungen und ihre Verbesserungen der Verhältnisse verantwortlich, zumeist ohne dass die umfassenden strukturellen Probleme korrigiert werden (vgl. Easton-Calabria/Omata 2018; Krause/Schmidt 2019). Literaturverzeichnis Acocella, Ivana (2012): The Focus Groups in Social Research: Advantages and Disadvantages. Quality & Quantity 46(4): 1125-1136. Agier, Michel (2011): Managing the Undesirables. 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Abstract

This article explores economic strategies which refugees employ in restrictive environments in host countries in the Global South and focuses on the social meanings of these practices. As a result, it is not humanitarian refugee protection and assistance at the core, but instead refugees’ own practices. Our analysis is based on qualitative empirical research with a multi-method approach in Uganda and an agency perspective following Emirbayer and Mische. The article demonstrates that although humanitarian measures aim to support refugees as economic actors, the resources refugees mobilize themselves are key for the people. Social networks are crucial for individuals to adopt economic practices as well as for other refugees to assume social and economic roles. Hence, we argue that economic practices in refugee situations have the character of relational agency by being constituted and reproduced through their social interdependence.

Zusammenfassung

Wie setzen sich geflüchtete Menschen, die in restriktiven Verhältnissen in Aufnahmeländern im Globalen Süden leben, für wirtschaftliche Stabilität ein und welche sozialen Bedeutungen können ihren Praktiken beigemessen werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Beitrags und wird anhand qualitativer empirischer Forschung mit einem Mehrmethodenansatz in Uganda und einem Agency-Fokus nach Emirbayer und Mische untersucht. Der Beitrag zeigt, dass humanitäre Fördermaßnahmen in Uganda zwar auf die Unterstützung von Geflüchteten teils als wirtschaftliche Akteur*innen abzielen, aber dass die eigens mobilisierten Ressourcen von besonderer Bedeutung für die Menschen sind. Soziale Netzwerke sind ausschlaggebend sowohl für die Aufnahme ökonomischer Praktiken einzelner als auch die daraus folgende Übernahme sozialer und wirtschaftlicher Funktionen anderer Geflüchteter. Auf Grundlage dessen argumentieren wir, dass wirtschaftliche Praktiken unter Geflüchteten den Charakter relationaler Agency haben, indem sich diese durch ihre soziale Verwobenheit konstituieren und reproduzierend wirken.

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Abstract

Soziale Welt is one of the important journals within German sociology and is even read in foreign countries. It includes empirical and theoretical contributions from all areas of the subject and tries to portray the development of sociology and to give a new impetus. In addition to the quarterly published issues, there are special issues with a unified theme.

The journal "Soziale Welt" is aimed at sociologists, social scientists, and at generally interested readers.

Website: www.soziale-welt.de

Zusammenfassung

Die Soziale Welt ist eine der großen, auch im Ausland gelesenen Fachzeitschriften innerhalb der deutschen Soziologie. Sie bringt empirische und theoretische Arbeiten aus allen Bereichen des Faches und versucht auf diese Weise, die Entwicklung der Soziologie einerseits zu spiegeln und ihr andererseits auch neue Impulse zu geben. Dies geschieht neben den viermal pro Jahr erscheinenden regulären Heften auch durch die Arbeit an Sonderbänden mit einheitlicher Thematik.

Die Zeitschrift "Soziale Welt" wendet sich an Soziologen, Sozialwissenschaftler, Interessierte allgemein.

Homepage: www.soziale-welt.de