Reinhold Gravelmann, Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf in:

RdJB Recht der Jugend und des Bildungswesens, page 119 - 131

RdJB, Volume 68 (2020), Issue 1, ISSN: 0034-1312, ISSN online: 0034-1312, https://doi.org/10.5771/0034-1312-2020-1-119

Browse Volumes and Issues: RdJB Recht der Jugend und des Bildungswesens

Bibliographic information
Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf „Schwierige“ Kinder (über)fordern Fachkräfte und Systeme Reinhold Gravelmann Abstracts Der Beitrag befasst sich mit sogenannten „Systemsprenger*innen“. Nach einer Begriffsklärung werden Ursachen für „schwieriges Verhalten“ aufgezeigt. Insbesondere wird auf die Rolle der Fachkräfte, potentiell hilfreicher Settings und behindernder wie stützender institutioneller Rah‐ menbedingungen eingegangen. The article deals with so-called “system crashers”. After disambiguation of the term, the cau‐ ses of “difficult behavior” are shown. In particular, the role of specialists, potentially helpful settings as well as obstructing or supportive institutional frameworks are discussed. Ein aufrüttelnder Film als Basis für Fachdiskussionen Systemsprenger. Ein Film, der aufrüttelt. Er wurde im September 2019 erstmalig im Kino ge‐ zeigt und bis Ende 2019 in nur 3 Monaten von fast 600.000 Menschen angeschaut.1 Sehr viele Jugendämter, Jugendhilfeeinrichtungen und Verbände nutzten den Film als Anlass sich (erneut) mit den Erziehungshilfesystemen und die sie sprengenden Kinder/Jugendlichen auseinanderzu‐ setzen. Der mehrfach preisgekrönte Film war und ist ein guter Anlass sich dem Thema „schwierige“ Kinder und Jugendliche (erneut) zu nähern, die sogenannten Systemsprenger*in‐ nen (erneut) in den Blick zu nehmen und die unterschiedlichen Entwicklungen, Debatten und Kontroversen der letzten Jahre nachzuzeichnen sowie (erneut) Lösungsansätze zu thematisie‐ ren. Der Film „Systemsprenger“ erzählt die Geschichte eines 9 jährigen Mädchens, namens Ben‐ ni. Eine fiktive Geschichte, filmisch verdichtet, aber basierend auf jahrelangen Recherchen der Filmemacherin Finkscheidt. Zudem gab es fachliche Beratung, damit der Film nahe an der Wirklichkeit ist.2 Die Zuschauer*innen waren beeindruckt, schockiert, emotional berührt, über‐ wältigt von ihren Gefühlen. Es ist gelungen, Fachkräfte wie unbedarfte Zuschauer*innen „mit‐ zunehmen“ in die hoch problematische, emotional belastete Welt von Benni und zugleich die Grenzen des Hilfesystems aufzuzeigen. Schon in einer der ersten Szene des Films rastet sie in ihrer Wohngruppe aus. Dazu braucht es nur eine kleine Provokation. Sie schlägt um sich und lässt sich nicht beruhigen. Sie wirft schließlich einen Bobby Car mit solcher Wucht gegen ein Fenster, dass die Scheibe zerspringt. Aggressionsausbrüche z.T. heftigster Art ziehen sich durch den Film. Zugleich wird die massive Verletztheit des Kindes sehr deutlich und auch fa‐ miliäre Ursachen werden aufgezeigt. Benni gilt als schwer erziehbar und bringt die Mutter, die 1 1 Wulfsmansworld. www.wulfmansworld.com/Kinocharts/Kinocharts_2019_26_-_50 (24.1.2020). 2 Baumann, M./Gravelmann, R., Systemsprenger in der Kinder- und Jugendhilfe (Interview). Dialog Erzie‐ hungshilfe 3-2019, 3-2019 S. 7 (7). RdJB 1/2020, DOI: 10.5771/0034-1312-2020-1-119 Schule, die Jugendhilfe und die Kinder- und Jugendpsychiatrie an ihre Grenzen. Benni durch‐ läuft verschiedene Stationen der Jugendhilfe von stationären Einrichtungen, über Pflegefamili‐ en bis hin zur Psychiatrie. Eine Eins-zu-Eins-Betreuung zeigt anfänglich Erfolge, scheitert dann aber an der Nähe-Distanz-Problematik, die Benni wie der Bezugspädagoge nicht bewälti‐ gen. Der Filmemacherin gelingt es, Benni in ihrer Verzweiflung und in ihren Sehnsüchten ins‐ besondere nach ihrer Mutter, glaubwürdig erscheinen zu lassen. Das wütende, verzweifelte, traumatisierte Kind, das mitunter sehr aggressive Verhaltensweisen gegenüber anderen Kindern und Erwachsenen zeigt, ruft dennoch Sympathien und Verständnis hervor, weil das kindliche Leid, die Verzweiflung offensichtlich werden und die Filmemacherin auch die positiven, liebe‐ vollen und hoffnungsmachenden Eigenschaften herauszustellen weiß (was der Kinder- und Ju‐ gendhilfe in ihrem Arbeitsalltag nicht immer gelingt). In der Bewertung des Filmes wird in den Fachgesprächen auch einhellig hervorgehoben, dass der Film ohne Schuldzuweisungen aus‐ kommt (auch das gelingt in den Alltagskontexten den mit Systemsprenger*innen befassten Ak‐ teuren längst nicht immer). Letztlich wird im Film eine Auslandsunterbringung als Lösung ins Auge gefasst. Auslandsmaßnahmen oder Geschlossene Unterbringungen als Ultima Ratio sind auch in der Kinder- und Jugendhilfe für einige Systemsprenger (oft verzweifelte) Wege, die immer wieder beschritten und immer wieder kritisch diskutiert werden.3 Unzulängliche Etikettierungen – Das Problem der Zuschreibung und Beschreibung Systemsprengende Kinder/Jugendliche sind als gesellschaftlich relevantes Thema keineswegs neu. Sie beschäftigten die Gesellschaft und ihre Institutionen schon seit mindestens 300 Jah‐ ren.4 Die Kinder/Jugendlichen zeigen ein Verhalten, welches von den Familien nicht mitgetra‐ gen/ausgehalten wird (wobei Eltern selbst oft ursächlich für „schwierige“ Verhaltensweisen sind) und das zudem von den gesellschaftlich gesetzten Normen und Werten stark abweicht. Die Kinder/Jugendlichen können oder wollen den von den in der Gesellschaft verankerten (Er‐ ziehungs- und Sozialisations-) Institutionen geforderten Verhaltensweisen nicht entsprechen. Sie weichen somit von der vorherrschenden Konformität ab – i.d.R. in massiver Form. Aber wer verbirgt sich hinter dem Label „systemsprengende Kinder/Jugendliche“? Die Fachwelt ist sich einig: Es gibt weder einen Begriff, der diese Kinder/Jugendlichen zu‐ treffend und nicht-stigmatisierend beschreibt, noch eine genaue Vorstellung von dem, was die‐ se Kinder/Jugendlichen ausmacht. Je nach historischem Kontext variiert das Bild, ebenso nach wissenschaftlicher Perspektive, die eingenommen wird und je nachdem, wer aus welchen Mo‐ 2 3 In Bezug auf Auslandsmaßnahmen z.B. Sanders, K., Das Geschäft mit den Erziehungshilfen für Jugendli‐ che. www.deutschlandfunk.de/unter-generalverdacht-das-geschaeft-mit-den.724.de.html?dram:article_id=3 26254 (24.1.2020); Bock, H./Chlebosch, M.-C./Wohlsperger, C., Fall „Maramures“: Auslandsprojekte sind umstritten (13.10.2019). www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Fall-Maramures-Auslandsprojekte-sind-u mstritten,auslandsprojekte100.html (24.1.2020). Positiv zu Auslandsmaßnahmen äußert sich Klawe, W., Verläufe und Wirkfaktoren Individualpädagogischer Maßnahmen. Eine explorativ-rekonstruktive Studie, 2010. www.hiip-hamburg.de/Daten/verluw.pdf (24.1.2020). Im Kontext Geschlossene Unterbringung u.a., Permien, H., Erziehung zur Freiheit durch Freiheitsentzug? DJI 2010; AGJ, 2015, Freiheitsentziehende Maßnahmen im aktuellen Diskurs. Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung oder Schrapper, C., Geschlossene Unterbringung. Empirische Befunde statt Bauchgefühl. Dialog Erziehungshil‐ fe, 1-2014, S. 47 oder das Aktionsbündnis-gegen-Geschlossene Unterbringung. www.geschlossene-unterbri ngung.de. 4 Witte, M. D., Nicht (mehr) erreichbar und tragbar? – Die Arbeit mit „schwierigen“ Jugendlichen im Span‐ nungsfeld von Ausgrenzung und Integration. Dialog Erziehungshilfe, 3-2011, S. 31 (32). 120 Reinhold Gravelmann tiven mit welchem beruflichen Hintergrund gefragt wird, definiert die Kinder/Jugendlichen an‐ ders. Eine Vielzahl von Begriffen, zumeist in Anführungsstrichen gesetzt, findet Verwendung: sie sind „schwierig“‚ „verhaltensauffällig“, „verhaltensgestört“ (es gibt auch Lehrstühle für Verhaltensgestörtenpädagogik an den Universitäten), als „emotional-sozial-auffällig“‚ „schwer erziehbar“ oder „nicht-erziehbar“, „erziehungsresistent“, als „Grenzgänger“ oder „Hoch-Risi‐ ko-Klientel“. Sie leben auf der Straße, sind Schulverweigerer*innen und/oder Intensivtäter*in‐ nen, zeigen sich aggressiv bis gewalttätig, konsumieren Drogen. Auch prostituierende Kinder und Jugendliche zählen zu den Jugendlichen, die als „schwierig“ etikettiert werden.5 Sie ge‐ fährden sich und/oder andere. Die Problemlagen sind unterschiedlich, aber es verbindet diese Kinder/Jugendlichen, dass sie von ihren Familiensystemen wie von den gesellschaftlichen Un‐ terstützungssystemen als kaum noch oder nicht mehr erreichbar angesehen werden und Eltern, Einrichtungen wie Fachkräfte an ihre Grenzen bringen. Oft mit der Folge, dass die Kinder/ Jugendlichen als „nicht (mehr)tragbar“ gelten und eine „Nicht-Zuständigkeitserklärung“ und ein „Durchreichen“ zwischen den Institutionen stattfindet, ein „Institutionelles Aufmerksam‐ keitsdefizit“, wie Baumann es nennt.6 Der Begriff „Systemsprenger*innen“, der als Filmtitel gewählt wurde, zeigt das gegenseitige Scheitern von Jugendlichen und Erziehungshilfe, der Baumann eine große Mitverantwortung am systemsprengenden Verhalten zuweist. Er sieht den Terminus „Systemsprenger“ nicht als einen Begriff für das Kind, sondern er steht für einen wechselseitigen Prozess zwischen dem Kind und dem Hilfesystem, das Kind/der Jugendliche als Sprenger des Systems und zugleich als vom System Gesprengter.7 In einem erweiterten Begriffsverständnis, der den Fokus stärker auf das Kind richtet, spricht er von „Hoch-Risiko-Klientel“, welches sich in einer durch Brüche geprägten negativen Interaktionsspirale mit dem Hilfesystem, den Bildungsinstitutionen und der Gesellschaft befindet und diese durch als schwierig wahrgenommene Verhaltensweisen ak‐ tiv mitgestaltet.8 Aber der Begriff des „Systemsprengers“ – und da ist Peters zuzustimmen – ist aus der Sicht der Institutionen formuliert und negativ zuschreibend.9 Auch wenn Baumann in seinen Ausführungen stets auf die Verantwortung der Systeme verweist – der Begriff selber ist irritierend.10 Dr. Wolfgang Hammer (ehemaliger langjähriger Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendhil‐ fe der Hamburger Sozialbehörde)11 ist ebenso wie Peters12 (FHS Erfurt) der Überzeugung, dass es sich bei dem Begriff „schwierige Jugendliche“ im Wesentlichen um eine Zuschreibung, eine 5 vgl. u.a. Baumann, M., Kinder, die Systeme sprengen. Impulse, Zugangswege und hilfreiche Settingbedin‐ gungen für Jugendhilfe und Schule. Band 2, 2019, S. 6 (6); Peters, F., Die soziale Konstruktion der „Schwierigen“. Ein soziologischer Blick. Forum Kinder und Jugendarbeit, 3-2019, S. 4 (4); Rosenbauer, N., Nicht (mehr) erreichbar? „Schwierige“ Jugendliche im Spannungsfeld von Ausgrenzung und Integrati‐ on. Dialog Erziehungshilfe, 4-2010, S. 69 (69); Seiser, R., Umgang mit Systemsprengenden Einzelfällen. Dialog Erziehungshilfe, 3-2016, S. 39 (39); Witte (Anm. 4), S. 31. 6 Gravelmann, R., Die Systemfrage – „Schwierige“ Kinder und Jugendliche in den Systemen von Jugend‐ hilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dialog Erziehungshilfe, 3-2015, S. 41 (43). 7 Baumann (Anm. 5), S. 10. 8 Baumann (Anm. 5), S. 7. 9 Peters (Anm. 5), S. 7. 10 vgl. auch Wendelin, H., Systemsprenger – Ein Begriff und seine (Film-)Karriere. Forum Jugendhilfe, 4-2019, S. 302. 11 Hammer, W., Um jeden einzelnen Jugendlichen kämpfen. Ein Gespräch mit Wolfgang Hammer. Forum für Kinder und Jugendarbeit, 2-2015, S. 16. 12 Peters (Anm. 5), S. 4 (4 ff.). Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf 121 „soziale Konstruktion der ‚Schwierigen‘ “ 13 handelt, die dann erfolgt, wenn ein Jugendlicher diejenigen, die Einrichtungen betreiben oder Angebote zu Verfügung stellen, an ihre Grenzen bringt, und dass im Wesentlichen nicht das Verhalten des Jugendlichen „schwierig“ ist, sondern die mangelnde Offenheit des Systems. Ähnlich sieht es eine Förderschullehrerin, die zu dem Film befragt wird: „Der Begriff Systemsprenger zeigt die Schwäche, die Begrenzung eines Systems, das keinen Weg sieht, mit sehr schwierigen Kindern umzugehen. Ein System, das die‐ sen Kindern nicht bietet, was sie brauchen.“14 Damit ist der Blick (zu Recht und erfreulicher‐ weise) auf die gesellschaftlichen Systeme und ihnen inne liegende Probleme gelenkt – jedoch sehr einseitig. Umgekehrt verweisen andere Kategorisierungen wie „verhaltensauffällig“, „ver‐ haltensgestört“, „sozial-emotional-auffällig“‚ „nicht-erziehbar“ zu sehr auf den jungen Men‐ schen und nicht auf die familiären und gesellschaftlichen Systeme, die (oft) zu dem „schwieri‐ gen“ Verhalten beitragen bzw. es sogar auslösen oder verstärken. Schwierige Kinder oder schwierige Systeme?, titelte die Zeitschrift Forum für Kinder und Jugendarbeit 3-2019. Das „oder“ muss wohl durch ein „und“ ersetzt werden. Nach meinem Verständnis handelt es sich um junge Menschen, die selber erhebliche Probleme aufweisen (woher diese auch herrühren mögen) und die gleichermaßen ihrer Umwelt (Familie wie Institutionen und Gesellschaft) er‐ hebliche Probleme bereiten und sich selbst und/oder andere gefährden. Zugleich sind system‐ immanente Aspekte einzubeziehen, die Kinder/Jugendliche zu „Schwierigen“ machen oder ihre Schwierigkeiten verstärken. Nur in dieser komplexen Betrachtungsweise kann pädagogische Arbeit mit „schwierigen“ Jugendlichen beginnen. Die Pädagogin Körner, die selber jahrelang mit diesen Kindern gearbeitet hat, verwendet den Begriff der „Unbändigen“, weil in ihren Augen andere Bezeichnungen ohne Empathie und re‐ spektlos gegenüber den Kindern und Jugendlichen sind und das Leid hinter ihrem Verhalten verschleiern. Unbändigkeit ist als eine Überlebensstrategie anzuerkennen, die die Kinder/ Jugendlichen auf ihre ganz eigene Art und Weise entwickeln.15 Die Schwierigkeiten bei der Verwendung eines zutreffenden Begriffs für die gemeinten jun‐ gen Menschen lassen sich auch in diesem Beitrag nicht vermeiden. Noch komplexer und pro‐ blematischer wird die Definition, wenn auch „schwierige“ Kinder und Kleinkinder mitgedacht werden, diese werden nämlich ebenfalls verstärkt als „systemsprengend“ wahrgenommen (auch die Protagonistin des Films ist erst neun Jahre alt). Handelt es sich dabei um frühe Stig‐ matisierungen von (Klein)Kindern, die erst dazu beitragen „Problemkarrieren“ zu befördern oder ist die Aufmerksamkeit erfreulicherweise gestiegen, da man um die Bedeutung frühzeiti‐ ger Unterstützung weiß, um spätere „schwierige“ Lebensverläufe zu verhindern? Im Übrigen ist auffällig, dass im Kontext von „Systemsprengern“ suggeriert wird, es handle sich um junge Männer (s. auch beim Filmtitel Systemsprenger, obwohl es sich bei der Haupt‐ darstellerin um ein Mädchen handelt; selbst der gewählte Name „Benni“ lässt einen Jungen vermuten). In kaum einem der vielen Fachbeiträge zu Systemsprengern wird die gegenderte Form verwandt oder auf Mädchen verwiesen. Dabei gibt es einen etwa gleich hohen Anteil an „schwierigen“, systemsprengenden Mädchen.16 13 Peters (Anm. 5), S. 4. 14 Koch, A., Lehrerin an einer Berliner Förderschule. www.deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/syste msprenger-die-wut-der-verzweiflung/. 15 Krömer, F., Mit Respekt und Würde für die „Unbändigen“. Dialog Erziehungshilfe, 4-2014, S. 43 (43). 16 Baumann, M./Gravelmann, R., Systemsprenger in der Kinder- und Jugendhilfe. Dialog Erziehungshilfe, 3-2019, S. 7 (8). 122 Reinhold Gravelmann Wer wird zum Systemsprenger/zur Systemsprengerin/zum „schwierigen“ Kind/Jugendli‐ chen? Gesellschaftliche Stigmatisierungs- und Zuschreibungsprozesse Systeme (Gesellschaftssysteme oder Einrichtungen wie Schulen oder Heime) können ursäch‐ lich für herausforderndes, rebellisches, widerspenstiges Verhalten sein. So wurden beispiels‐ weise in der DDR junge Menschen, die sich nicht systemkonform verhielten, u.a. auf Grund ihres „abweichenden Verhaltens“, ihrer „Schwersterziehbarkeit“ und durch Kennzeichnung als „gefährdete“ Jugendliche in (Sonder)Heime oder den gefängnisähnlichen Jugendwerkhöfe ein‐ gewiesen. Besonders bekannt wurde Torgau als geschlossene Einrichtung.17 Auch in West‐ deutschland gab es vergleichbare Reaktionsmuster, wenn die herrschenden Normen und Werte zu sehr in Frage gestellt wurden. So wurden z.B. junge Mädchen, die aufgrund der herrschen‐ den Moral der 50/60/70er Jahre als sittlich verwahrlost galten, in (oft konfessionellen) Erzie‐ hungseinrichtungen untergebracht.18 Die Heimerziehung in dieser Zeit war durch Härte, durch Gehorsams- und Anpassungserwartungen geprägt, sanktionierende Maßnahmen, Gewalt und Missbrauch waren weit verbreitet.19 Rebellion (widerspenstiges Verhalten) oder Flucht (Ent‐ weichen aus der Einrichtung) sind somit durchaus „angemessene“ Verhaltensweisen. Beispiele, die aufzeigen, dass die Definition von „schwierigem“ Verhalten problematisch ist und system‐ sprengende Reaktionen keineswegs immer von Problemen der Jugendlichen herrühren müssen, sondern dass sogenanntes problematisches Verhalten immer auch gesellschaftlich definiert (und sanktioniert) wird. Auch heute wird oft noch mit rigiden Disziplinierungsansätzen auf systemsprengende junge Menschen reagiert. Dabei können die Verhaltensweisen durchaus ein Symptom dafür sein, dass bei den Systemen Veränderungsbedarf besteht und weniger beim Kind/Jugendlichen. Problematische Lebenslagen führen zu „schwierigem“ Verhalten Zugleich gibt es junge Menschen, die aufgrund ihrer extremen individuellen Lebenssituation mit extremen Verhaltensweisen reagieren, ohne dass gesellschaftliche Institutionen maßgeblich an problematisch verlaufenden persönlichen Entwicklungen beteiligt sind (die es aber oftmals zugleich nicht vermögen, auf die gezeigten Verhaltensweisen adäquat zu reagieren und die Ne‐ gativspirale weiter forcieren). Kinder sind angewiesen auf sichere Bindungen, auf Befriedigung existenzieller Grundbedürfnisse, auf Schutz, auf Verlässlichkeit, auf Angenommen sein, auf Geliebt-werden (...). In vielen Familien sind für Kinder diese Rahmenbedingungen gesunden 3 3.1 3.2 17 Wapler, F., Rechtsfragen der Heimerziehung in der DDR. Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums des Innern. 2012. www.fonds-heimerziehung.de/fileadmin/user_upload/dokumente/web_Wapler_Gutacht en_Jan_03.pdf (24.1.2020). 18 Lützke, A., Öffentliche Erziehung und Heimerziehung für Mädchen 1945 bis 1975 – Bilder "sittlich ver‐ wahrloster" Mädchen und junger Frauen. 2002. duepublico2.unidue.de/servlets/MCRFileNodeServlet/due publico_derivate_00011226/luetzke.pdf, S. 55. 19 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Abschlussbericht der Lenkungs‐ ausschüsse der Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ und „Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 bis 1990“, 2019. www.bmfsfj.de/blob/137722/36ce8 2cf91fd7db8dae03a854e93d99a/abschlussbericht-lenkungsausschuesse-der-fonds-heimerziehung-data.pdf (24.1.2020); sowie Dettke, J., Freistatt. In die Aufmüpfigkeit geprügelt. www.zeit.de/kultur/film/2015-06/ freistatt-film-marc-brummund (24.1.2020). Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf 123 Aufwachsens – aus verschiedensten Gründen (psychische Erkrankungen, Sucht, Überforderung [...]) – nicht gegeben, im Gegenteil erleben die Kinder unzuverlässige Erwachsene und sie er‐ fahren Gewalt, Ablehnung, Vernachlässigung, inkonsistente Erziehung mit häufigen, unbere‐ chenbaren Wechseln von Ablehnung und Liebe. Die Kinder müssen unsagbares Leid ertragen und erleben sich ohnmächtig. Urvertrauen, Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbstwert, Selbst‐ wirksamkeit – wichtige Komponenten für eine gelingende Entwicklung von Menschen –, kön‐ nen nicht erfahren bzw. entwickelt werden. Die Kinder erleiden frühkindliche schwere Trauma‐ tisierungen, ein „vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit den Gefühlen von Hilflosigkeit und schutz‐ loser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständ‐ nis bewirkt.“20 In der Traumapädagogik werden zusätzlich Deprivation, Verlust eines Eltern‐ teils, emotionale oder körperliche Vernachlässigung, emotionale Misshandlung, Zwangseinwei‐ sung, Fixierung, Herausnahme aus der Familie unter Zwang als potentiell traumatisierende Er‐ eignisse eingestuft.21 Die „verhaltensauffälligen“ Reaktionen der Kinder/Jugendlichen sind so‐ mit verzweifelte Hilfeschreie auf schwerwiegende traumatische Ereignisse, die sich etwa in un‐ kontrollierten Wut- und Gewaltausbrüchen, gestörtem Bindungsverhalten, Selbst- und Fremd‐ verletzungen u.ä.m. zeigen. Verhaltensweisen, die aus einer subjektlogischen Sicht des Kindes verständlich sind und einen Sinn ergeben (der vom Umfeld jedoch oft nicht verstanden wird). Gestaltung von pädagogischen Settings Wie können „schwierige“ Kinder/Jugendlichen bzw. Kinder/Jugendlichen mit Schwierigkeiten unterstützt werden? Einige Aspekte: Sinnhaftigkeit der Verhaltensweisen verstehen Letztlich ist grundlegende Voraussetzung erfolgreicher Arbeit ein Verstehen der jungen Men‐ schen und ihrer Handlungen als aus ihrer Sicht biografiebasiertes, sinnhaftes und subjektlogi‐ sches Handeln.22 Die „schwierigen“ Kinder „sind in einer anderen, ‚nicht-normalen‘ Wirklich‐ keit aufgewachsen, die für sie jedoch Normalität darstellt. Ihre Verhaltens- und Handlungsmus‐ ter, ihre Abwehr- und Widerstandsformen sind ihre überlebensnotwendigen Antworten auf die sie umgebenden Aufwachsbedingungen. Sie bewältigen ihre schwierige Lebenssituation mit Handlungsweisen, die von der Mehrheitsgesellschaft als ‚nicht normal‘ betrachtet werden“.23 Seiser sieht Kinder und Jugendliche, „die aufgrund ihrer schwierigen Lebensbedingungen eine innere Stärke und Überlebenslogik entwickeln, die sie in Konflikt mit der pädagogischen Logik und den Regelsystemen in der Einrichtung bringen“.24 Und Schrapper spricht von einer „not‐ 4 4.1 20 Fischer, G./Riedesser, P., Lehrbuch der Psychotraumatologie, 2009, S. 84. 21 Kappler, M., Keine Angst vor dem Trauma: Was Mitarbeitende in den Erziehungshilfen tun können, um traumatisierte Kinder und Jugendliche zu unterstützen, und was sie dazu brauchen. Evangelische Jugend‐ hilfe, 1/2017, S. 11 (12). 22 Baumann (Anm. 5), S. 55 ff. 23 Witte (Anm. 4), S. 31. 24 Seiser (Anm. 5), S. 40. 124 Reinhold Gravelmann wendigen Überlebensstrategie“.25 Die Autorin des Films beschreibt die Kinder als junge Men‐ schen, „die sich jeder Art von System widersetzen, die eine unglaubliche anarchische Kraft entwickeln und derer die Erwachsenen nicht Herr werden können, die sich nicht bändigen oder kontrollieren lassen.“26 Neben diesem „Verständnis“ (nicht im Sinne von Einverstandensein mit den Verhaltensweisen) als zentrale Grundlage für einen Beziehungsaufbau, ist eine Vermei‐ dung von Machtkämpfen geboten. Diese finden oft nur an der Oberfläche statt (z.B. Regelein‐ haltung) und Fachkräfte wie die Kinder/Jugendliche können nur verlieren. Ein weiterer Ansatz, der eigentlich gängige Praxis im pädagogischen Kontexten sein sollte, oft aber nur ein Postulat ist: Stärken- und Ressourcenorientierung. Es gilt, die Kompetenzen der jungen Menschen wahrzunehmen und an ihnen anzuknüpfen, statt sich an Problemen abzuarbeiten. Diese Heran‐ gehensweise wendet den pädagogischen Blick ins Positive und unterstützt zugleich den jungen Menschen bei der Entwicklung eines positiven Selbstbildes. Defizitorientierte Diagnosen (bei Systemsprenger*innen besonders naheliegend) verengen den Blick unzulässigerweise und sind pädagogisch zumindest fragwürdig. Sie beinhalten zudem die Gefahr, „die Haltung und den Respekt in den Hintergrund einer unpersönlichen Fach-Bewertung zu drängen, die Mut und Aktivität lähmt.“27 Rahmenbedingungen als Schutz vor Ohnmachtserfahrungen Das Kind/der Jugendliche benötigt einen „sichereren Ort“, wozu auch ein klarer Rahmen mit Regeln (aber keineswegs rigide Regeln!) gehört und es ist zugleich die notwendige Freiheit zu bieten, der den Kindern/Jugendlichen Raum für ihre Verhaltensweisen lässt. Die Rahmenge‐ bung bedeutet für das Kind/den Jugendlichen Halt und Orientierung und wird nicht als Ein‐ schränkung, sondern als hilfreiche Unterstützung wahrgenommen,28 sofern die Fachkräfte sich nicht auf Machtkämpfe um die Durchsetzung von Regeln einlassen29 und wenn das Kind/der Jugendliche die Rahmensetzungen nicht als Willkür erlebt. Wichtig ist Transparenz und Bere‐ chenbarkeit. Sendet ein Helfersystem, etwa weil es nicht gut abgestimmt zusammenarbeitet, unterschiedliche Botschaften, agiert es in den Augen des Kindes willkürlich. Willkür und Ohn‐ macht hat das Kind/der Jugendliche bereits in der familiären Lebenssituation erfahren müssen, weshalb es hoch sensibel reagiert. Wenn das Kind/der Jugendliche dann noch von Einrichtung und Einrichtung durchgereicht wird (was bei „Systemsprenger*innen die Regel ist), dann er‐ fährt es erneut Willkür und Ohnmacht. D.h. das System wiederholt das, was das Kind in sei‐ nem Herkunftssystem bereits ertragen musste. Daher sind dem Kind/dem Jugendlichen keine 4.2 25 Schrapper, C., Was tun mit den „Schwierigen“? Erklärungs- und Handlungsansätze der Kinder- und Ju‐ gendhilfe im Umgang mit „schwierigen“ Kindern und Jugendlichen, 2001. www.geschlossene-unterbring ung.de/2001/08/prof-dr-christian-schrapper-was-tun-mit-den-schwierigen-erklaerungs-und-handlungsansa etze-der-kinder-und-jugendhilfe-im-umgang-mit-schwierigen-kindern-und-jugendlichen/ (24.1.2020). 26 Meier, S., Schwererziehbare Kinder – die wahren Schicksale hinter dem Film "Systemsprenger", 29.9.2019. www.watson.de/leben/interview/816347313-systemsprenger-die-wahren-kinder-schicksale-hin ter-dem-film (24.1.2020). 27 Schmidt, E., Subjekt- und Personen-orientierte Erziehungshilfe. Eine Vision. Dialog Erziehungshilfe, 1-2013, S. 34–41 (38). 28 Gravelmann (Anm. 6), S. 43. 29 Zur Dynamik von Machtkämpfen und adäquaten pädagogischen Reaktionen s. Baumann (Anm. 5), S. 31– 54. Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf 125 Versprechungen zu machen, die nicht einhaltbar sind, und es bedarf guter Absprachen im Team/der Einrichtung. Beziehungsgestaltung – notwendige Grundbedingung „Wie ein roter Faden zieht sich [...] die Erkenntnis, dass für eine wirkungsvolle Hilfe eine Ver‐ trauensbeziehung des Kindes zu der Fachkraft unverzichtbar ist. Ihre Entwicklung erfordert – neben den Fertigkeiten der Fachkraft – auch Kontinuität in der Zuständigkeit und eine relativ hohe Intensität und Regelmäßigkeit im Kontakt [...] arbeitsteilige Systeme verringern diese Chance [...] zusätzlich und erheblich.“30 Daher sind ein konstantes Bezugssystem mit einem ausgeprägten Beziehungsangebot und das Halten dieser Beziehung durch die Bezugspersonen wie durch die Einrichtungen bei allen auftretenden Widrigkeiten enorm wichtig. Zugleich liegt in der Gestaltung eines konstanten Beziehungsangebotes eine Überforderung des Systems wie des einzelnen Erziehers/der einzelnen Erzieherin. Auch dieses Risiko mangelnder Beziehungs‐ konstanz sollte daher dem Kind/Jugendlichen ehrlich gegenüber angesprochen werden, verbun‐ den mit der Botschaft, dass dies völlig unabhängig von seinem Verhalten, etwa aufgrund eines Umzugs oder Arbeitsplatzwechsels, eintreten kann. Zugleich sollte institutionell auf potentielle Wechsel reagiert werden, indem ein Doppelbetreuungssetting durch zwei enge Bezugspersonen etabliert wird, damit personelle Veränderungen (zumindest teilweise) aufgefangen werden kön‐ nen. Kompetente Fachkräfte als bedeutender Faktor Empathie, Konstanz, Verlässlichkeit der Systeme wie der Bezugspersonen – das sind einige Schlüssel der pädagogischen Arbeit, die Erfolg versprechen. In pädagogischen Arbeitsfeldern ist eine belastbare, mit-sich-im-Reinen-befindliche, empathische und ausdauernde Persönlich‐ keit gefordert, im Kontext von „schwierigen“, systemsprengenden Kindern und Jugendlichen sind dies unabdingbare Grundvoraussetzungen. Es gibt eine Vielzahl von Verletzungen und verbalen (oder körperlichen) Attacken, die ausgehalten werden müssen. Mit „Ich-Botschaften“ kann es gelingen in einen guten Kontakt zu den Kindern/Jugendlichen zu treten, ohne allge‐ meingültige Wahrheiten für sich in Anspruch zu nehmen. Eine derartige Kommunikationsform ermöglicht es, Haltungen, Meinungen, Werte, Wahrnehmungen, Empfindungen und Erfahrun‐ gen in authentischer Art und Weise einzubringen. Hohe Bedeutung kommt auch der Wahrung des Nähe-Distanz-Verhältnisses bei gleichzeitig enger Anbindung an die Lebens- und Gefühls‐ welten der Kinder/Jugendlichen zu. Professionalität heißt dann, die Balance zwischen dem er‐ forderlichen (Mit)Gefühl zu halten zu dem oft manipulativen, impulsiven, aggressiven und scheinbar unberechenbaren Verhalten des Kindes/Jugendlichen. Krömer fasst pointiert zusam‐ men: „Die Adressat*innen von Sozialer Arbeit möchten und brauchen Menschen, die mit ihrer Haltung Halt geben, die halten, festhalten und aushalten können, die durchhalten aufgrund ihres eigenen inneren Halts, die ihre Gesundheit behalten, sich selbst und die die Menschen mit denen sie arbeiten über Wasser halten, Grenzen einhalten, sich aufrecht halten. Sie wollen, dass Betreuer*innen ‚echt‘ und ehrlich sind, Zeit haben, zuhören, mit dem Herzen sehen können 4.3 4.4 30 Wolf, K., Anmerkungen zum Abschluss – Wolf, K., in: Pierlings, J., Dokumentation Leuchtturm-Projekt PflegeKinderDienst, Landschaftsverband Rheinland, 2011, S. 7 (89). 126 Reinhold Gravelmann und vor allem, dass sie an sie glauben und hoffnungsvoll sind. Es braucht Fachkräfte, die auch wissen, von wem sie selbst gehalten werden, wenn sie dies brauchen.“31 Provozierte Abbrüche Wenn es die Kinder/die Jugendlichen darauf anlegen, „kennen (sie) die Wege aus Einrichtun‐ gen auch wieder ‚rauszufliegen‘, hebeln gekonnt Gruppen- und Jugendhilfestrukturen aus und gehen ihren Weg, der nicht unbedingt mit der Kinder- und Jugendhilfe oder Schutzanliegen kompatibel zu sein scheint.“32 Und immer wieder gibt es phasenbezogene Hilfeablehnungen durch die jungen Menschen, seien sie verbal geäußert oder durch eine Verweigerungs- oder Oppositionshaltung gezeigt. Diese werden dann oft als Anlass einer Hilfebeendigung genom‐ men. „Analog würde dies bei den ersten selbständigen Schritten eines Kleinkindes bedeuten, ihm nicht mehr die Hand zu reichen, mit dem Hinweis, es habe ja schon ein paar Schritte allei‐ ne freihändig gehen wollen.“33 Gute Rahmenbedingungen für Fachkräfte als Selbstschutz- und Erfolgsfaktor Bei den hochanspruchsvollen und herausfordernden Arbeitsbedingungen mit „schwierigen“ Kindern/Jugendlichen gilt es auch Schutzaspekte für die Fachkräfte in den Blick zu nehmen. So kann es etwa zum Aufkommen eigener Traumatisierungen durch die Arbeit mit der stark belasteten Zielgruppe kommen oder zu einem Burn-Out aufgrund der hohen Beanspruchung und der an sich selbst gerichteten (vielleicht zu hohen) Ansprüche. Deshalb sind ein Ko-Be‐ treuer*in, ein stützendes Team und eine versierte fachliche Leitung ein Schutz vor der Überfor‐ derung und ein Spiegel in Bezug auf das eigene Verhalten. Der afrikanische Spruch „Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf“ gilt bei „schwierigen“ Kindern/Jugendlichen in besonderem Maße, jedoch ohne dabei eine enge Bezugspersonenanbindung als Grundlage ge‐ lingender Pädagogik in Frage zu stellen. Jede Fachkraft benötigt zudem die Bereitschaft, sich fachlich auszutauschen und ihre Reaktio‐ nen, ihre pädagogischen Ansätze und ihre Verhaltensweisen einer kritischen Beurteilung zu un‐ terziehen. Eine hohe Kompetenz in Bezug auf Analysefähigkeiten sowie Reflexionsfähigkeiten – auch die eigene Person betreffend –, ist notwendig. Es sind unbedingt ausreichend Gelegen‐ heiten für Teamgespräche, Teamcoaching, Supervisionen und Fortbildungen seitens des Trä‐ gers vorzuhalten – was in den Arbeitskontexten mit „schwieriger“ Klientel i.d.R. auch eine Selbstverständlichkeit darstellt. Keine Erfolgsgarantie, aber die Anstrengungen lohnen sich Der gesamte Prozess erfordert Geduld – auf Seiten der Einrichtungen, der Pädagog*innen wie der Kinder/Jugendlichen. Menschen ändern sich nicht von heute auf morgen, und tiefe Verlet‐ 4.5 4.6 5 31 Krömer, F., Reflektierte Beziehungsarbeit reduziert Stigmatisierung. Forum für Kinder und Jugendarbeit, 3-2019, S. 19 (20). 32 Dreger, J., Individualpädagogische Angebote am Beispiel der Gemeinnützigen Jugendhilfe Sirius GmbH, Dialog Erziehungshilfe, 2-2017, S. 43 (43). 33 Schmidt (Anm. 27), S. 39. Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf 127 zungen heilen nicht durch kurzzeitige Wundversorgung oder Trostpflaster, sondern die jungen Menschen benötigen intensive und qualitativ hochwertige Hilfen. Bei allen Herangehensweisen muss es – trotz der Problemballungen und der anscheinend hoffnungslosen Lebenslagen –, ein Grundvertrauen in die (Selbst)Heilungskräfte der jungen Menschen geben, die mit fachlicher Unterstützung forciert (oder eben leider auch behindert) werden können. Der Autor dieses Bei‐ trags kennt eine Vielzahl von Fällen, in denen die Jugendlichen (u.a.) durch Fachkräfte mit Be‐ harrungsvermögen, engen Bindungsangeboten, durchgängiger Ressourcenorientierung sowie durch ein Schaffen von Lebensperspektiven und auch durch „glückliche Zufälle“ positive Ent‐ wicklungsverläufe erreichen konnten. Zugleich müssen Eltern wie Fachkräfte, die Gesellschaft und Geldgeber in ihren Erwartungen realistisch sein. Selbst wenn die Rahmenbedingungen gut sind, die Systeme ihre eigenen nega‐ tiven Verstrickungen in ungünstig verlaufene Entwicklungen aufarbeiten und fachlich qualifi‐ zierte Handlungsansätze etabliert sind, so muss realistischerweise gesehen werden, dass es nicht in allen Fällen gelingen kann, positive Entwicklungen anzustoßen. Und dennoch: „Jen‐ seits der Grenzen von Erziehung muss zwangsläufig wieder Erziehung kommen.“34 Was tun mit den „Schwierigen“?, fragte Schrapper schon 2001.35 Welche Praxismodelle, pä‐ dagogischen Ansätze und Angebote können möglicherweise in eine Richtung zeigen, die ver‐ hindert, dass Kinder/Jugendliche Systeme sprengen und mit denen es gelingen kann, sie dabei zu unterstützen, ein für sie befriedigendes Leben zu führen, das negative Auswirkungen für sie selber und für andere Menschen begrenzt? Evaluationsstudien haben gezeigt, dass die angebotenen Hilfeformen wie Tagesgruppen, Heimerziehung, Intensivgruppen, Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung, Individual‐ pädagogische Hilfen im In- und Ausland und geschlossene Unterbringung durchaus in der Lage sind, positive Effekte zu erzielen.36 (Auf kritische Aspekte der Konzepte und der Mes‐ sung dessen, was als Erfolg angesehen wird, kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden). Zugleich gibt es eine große Systembeharrungsmacht und systemkritische Aspekte, die dem ei‐ genen Anspruch und der ihnen gesellschaftlich zugewiesenen Aufgaben der Unterstützung der Kinder und Jugendlichen (und Familien) nicht gerecht werden – im Gegenteil sogar problema‐ tische Entwicklungsverläufe verstärken können oder die Negativspirale erst in Gang setzen. Somit scheitern viele Kinder/Jugendliche in und an den Systemen.37 Es gibt durchaus kreative Ansätze und Modelle zur Unterstützung „schwieriger“ Kinder und Jugendlicher. Ein kleiner Ausschnitt soll hier in skizzenhaft als Anregung für die Praxis vor Ort dargestellt werden. – „Bei der Aufnahme in eine Einrichtung wird der Abbruch ebenso tabuisiert wie bei der Hochzeit die Scheidung.“38 – Transparenz, eine gute Aufnahmekultur und ein offener Umgang mit u.U. erforderlichen Zuständigkeits-, Orts- oder Maßnahmewechseln ist ehrlich dem Kind/Jugendlichen gegen‐ 34 Baumann/Gravelmann (Anm. 16), S. 10. 35 Schrapper (Anm. 25), S. 2. 36 Macsenaere, M., „Systemsprenger“ in den Hilfen zur Erziehung: Welche Wirkungen werden erreicht und welche Faktoren sind hierfür verantwortlich?, Jugendhilfe 56, 3-2018, S. 310 (311). 37 Macsenaere (Anm. 36) S. 311 ff.; zu Abbrüchen in Erziehungshilfen (ABiE) siehe: Tornow, H./Ziegler, H./ Sewing, J., Abbrüche in den stationären Erziehungshilfen (Hrsg. EREV), Schriftenreihe 3-2012, 53 Jahr‐ gang. 38 Schmidt (Anm. 27), S. 35. 128 Reinhold Gravelmann über. Dabei muss aber der grundsätzliche Gedanke sein: Du wirst uns nicht wieder los! (Egal wie du dich verhältst). Mit dieser unbedingt notwendigen Haltung der (Bezugs)Fach‐ kräfte wie der Einrichtung und der zugleich gebotenen Ehrlichkeit kann das Aufeinander‐ einlassen erfolgversprechend sein. – „Es geht nicht darum, angeblich ‚gute Wechsel‘ zu erreichen, sondern Kontinuität mindes‐ tens einer stützenden Beziehung trotz Wechsel sicherzustellen.“ Aber wenn aus besonde‐ rem Grund Wechsel unumgänglich sind, sind diese durch angemessene Kontaktüberlap‐ pungen abzufedern. „Sofern für einen jungen Menschen keine private stützende Beziehung besteht oder hergestellt werden kann, wird der persönliche dauerhafte Bezug unabhängig vom Aufenthaltsort zugesichert und eingelöst“ – d.h. eine „Professionelle Patenschaft“ an‐ gestrebt.39 Auch Baumann fordert, dass der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin nicht an eine be‐ stimmte Gruppe gebunden ist, sondern durchgängig „am Jugendlichen dran bleibt“.40 Eine Vision, die bislang angesichts der komplizierten strukturellen, institutionellen, rechtlichen Rahmenbedingungen nicht/kaum umgesetzt wird. – Witte regt an, sich stärker körperorientierten Ansätzen zuzuwenden, um den Kindern/ Jugendlichen Entwicklungsimpulse zu geben und Lernprozesse anzustoßen, da das Erleben eigener Kraft, Geschicklichkeit und Schnelligkeit, oft verbunden mit Erfolgen und Aner‐ kennung, Handlungsmöglichkeiten und Bewegungsräume erschließt. Er sieht eine sozial‐ pädagogische Praxis, deren akademisch ausgebildete Fachkräfte es gewohnt sind, mit Sprache zu agieren, während „schwierige“ Kinder/Jugendliche viel mehr körperlich han‐ deln, da sie körperlich agierend Erfahrungen von Selbstwirksamkeit machen. „Mit dem Körper haben sie stets mehr erreicht, mehr erfahren als mit Worten.“41 – „Wir denken viel zu sehr in ‚entweder oder‘. Entweder Wohngruppe oder Elternhaus. Wir denken zu wenig in ‚sowohl als auch‘. Wir haben z.B. einen Fall, da lebt ein Mädchen bei ihrer Familie, wo es immer wieder sehr kracht und nicht funktioniert. Dieses Mädchen hat in einer Wohngruppe ein Zimmer, ein Bett, wo sie jederzeit hin kann, aber nicht muss. So hat sie die Entscheidungsmacht, sie erlebt keinen Zwang, man nimmt ihr nichts weg, son‐ dern gibt Hilfreiches dazu. So lebt sie einigermaßen stabil. Die Frage muss immer lauten: Wie muss eine Hilfe aussehen, damit das Kind so wenig wie möglich dagegen kämpft?“42 – Seit 2019 gibt es das Osnabrücker Bündnis für Systemsprenger, ein Zusammenschluss ver‐ schiedener freier Träger, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Schule für emotionale und soziale Entwicklung, der Inobhutnahme und des Jugendamtes. Das Bündnis soll dazu bei‐ tragen, durch Synergieeffekte, den Kindern gerechter zu werden, die Haltefähigkeit der Systeme zu stärken und zugleich die Fachkräfte zu entlasten.43 – Die Landeshauptstadt Hannover hat 2013 ein Verfahren zwischen dem kommunalen Sozi‐ aldienst und Freien Trägern in der Stadt Hannover eingeführt, um bei drohenden Hilfeab‐ brüchen und krisenhaften Fallverläufen eine Verantwortungsverschiebung zwischen den 39 Schmidt (Anm. 27), S. 40. 40 Gravelmann (Anm. 6), S. 43. 41 Witte (Anm. 4), S. 35. 42 Peters, M. in „Gespräch mit unseren Expertinnen über den Film Systemsprenger.“, 30.9.2019. www.parita et-hamburg.de/fachinformationen/details/artikel/gespraech-mit-unseren-expertinnen-ueber-den-film-syste msprenger.html (24.1.2020). 43 Was kann Jugendhilfe leisten? Filmpremiere „Systemsprenger“ mit Podiumsdiskussion in Osnabrück. www.outlaw-ggmbh.de/blog/detailansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=6075&cHash=cf62ef07f9e59296 aeecbf745b0ddcd8 (24.1.2020). Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf 129 Institutionen wie Schule, Jugendhilfe, Psychiatrie und Justiz zu verhindern. Zugleich sol‐ len ungeklärte Verfahrensabläufe in der Zusammenarbeit involvierter Fachkräfte verbessert werden. Der zentrale Leitgedanke lautet: „Kein Kind geht verloren“. „Wir müssen eine Lö‐ sung oder ein Angebot für das Kind entwickeln.“44 Hamburg verfolgt seit 2014 mit einer „Koordinierungsstelle Individuelle Hilfen“ einen ähnlichen Ansatz.45 – Einige konzeptionelle Handlungsansätze sind z.B. in der Tagung „Systemsprenger verhin‐ dern. Wie werden die Schwierigen zu den Schwierigsten“ dokumentiert.46 – Es sind des Weiteren niedrigschwellige Angebote vorzuhalten, wenn Kinder/Jugendliche den Zugang zu Institutionen noch nicht gefunden haben, kein Vertrauen in Jugendhilfein‐ stitutionen mit ihren Regeln aufbringen können oder sich aufgrund von schlechten Vorer‐ fahrungen nicht mehr auf die Unterstützung durch unterbringende Einrichtungen der Ju‐ gendhilfe einlassen können. Es gibt in Deutschland keine amtliche Statistik über Kinder/ Jugendliche, die auf der Straße leben. Es sind aber zigtausende junge Menschen, darunter einige wenige Kinder, mehr Jugendliche, vor allem aber handelt es sich um junge Erwach‐ sene im Alter von 18–27 Jahren, die auf der Straße leben.47 Auch für sie muss es Angebote geben (z.B. Werkstatt Solidarität Essen gGmbH, Strassenschule Freiburg oder die bundes‐ weit agierende Einrichtung Off-roads-kids). Die Straßensozialarbeit kann einen „freien“ Raum ohne Zwang bieten, der den Zugang zur Klientel erleichtert. Einige blinde Flecken in der Debatte/einige offene Fragestellungen Es stellen sich eine Vielzahl weiterer Fragen, die es im Umgang mit den „Schwierigen“ und den „schwierigen Systemen“ zu beantworten gilt, z.B. – Wie sind die „Besten“ für die „Schwierigsten“ zu gewinnen? – Wie kann pädagogisches Fachpersonal besser aus- und fortgebildet werden, wie kann kon‐ krete Unterstützung der Fachkräfte in Krisenfällen aussehen, welche Maßnahmen zum Selbstschutz können den Fachkräften angeboten werden? – Wie können Systemkooperationen verbessert und strukturelle Systemzwänge und -logiken durchbrochen werden? – Welche strukturellen Veränderungen sind notwendig, um „Verschiebebahnhöfe“ zu vermei‐ den und Verschiebemöglichkeiten einzugrenzen? – Wie müssten Strukturen in den Jugendhilfeeinrichtungen aussehen, die den Bedürfnissen der Kinder/Jugendlichen entsprechen? – Welche Konzeptentwürfe liegen vor und welche sind am vielversprechendsten? – Wie lässt sich der Spagat zwischen (zeitweilig vielleicht notwendiger und sinnvoller) Se‐ paration einerseits und der grundsätzlich gebotenen Integration in „normale“ Settings, Gruppen und Institutionen andererseits gut bewältigen? 6 44 Seiser (Anm. 5), S. 40. 45 Koordinierungsstelle Individuelle Hilfen. www.paritaet-hamburg.de/verband/einrichtungen-und-projekte/k oordinierungsstelle-individuelle-hilfen.html (24.1.2020). 46 Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.), Systemsprenger verhindern. Wie werden die Schwierigen zu den Schwierigsten? Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe 103, 2015. file:///C:/Users/Reinhold/AppD ata/Local/Temp/DJS00079.pdf (24.1.2020). 47 Reißig, B./Beierle, S., 37.000 junge Menschen ohne Zuhause, Neue Caritas, 1/2018. www.caritas.de/neuecaritas/heftarchiv/jahrgang2018/ausgabe-01-2018 (24.1.2020). 130 Reinhold Gravelmann – Wie sind (Ab)Brüche zu vermeiden und wie ist ein stabiles Bindungsangebot für die Kin‐ der/Jugendlichen herstellbar? – Wie kann mehr Partizipation – als ein zentraler Wirkfaktor – auch und gerade im Kontext von „systemsprengenden“ Kindern/Jugendlichen ermöglicht werden? – Welche geeigneten Beschwerdeoptionen gibt es für die Kinder und Jugendlichen bzw. wie kann deren Zugänglichkeit verbessert werden? – Wie können Eltern oder Bezugssysteme, Freunde etc. sinnvoll einbezogen werden? – Wie kann es gelingen, Steuerungsprozesse etwa bei der Auswahl des Hilfesettings oder bei Übergängen zu optimieren? – Wie können Pflegefamilien als eine Alternative zur stationären Heimunterbringung (besse‐ re) Unterstützung erfahren? – Wie kann die Kooperation zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und der Kinder- und Ju‐ gendpsychiatrie verbessert werden? – Welche schulischen und beruflichen Perspektiven können erschlossen werden? (Der Autor selber hat ausgesprochen positive Erfahrungen damit gemacht, „schwierige“ Jugendliche in Betriebe zu integrieren). – Wie müssen spezifische Settings für Jungen und für Mädchen, für Jugendliche wie für jün‐ gere Kinder aussehen? Eine Facette, die in den Fachbeiträgen wenig Beachtung findet. – Wie kann es gelingen, einem gesellschaftlichen Klima standzuhalten, in dem oft nach re‐ pressiven, wegsperrenden Reaktionen auf „schwierige“ Kinder/Jugendliche verlangt wird? Wie kann zugleich Opferschutz aussehen? – Welche rechtlichen Hürden, etwa im Arbeitszeitrecht oder in Versicherungsfragen, er‐ schweren Konzeptentwicklungen für neue Modelle für „schwierige“ junge Menschen/ junge Menschen mit Schwierigkeiten? – Sind die Möglichkeiten, die das SGB VIII hinlänglich oder besteht Handlungsbedarf (etwa in punkto Heimaufsicht und Beschwerdemöglichkeiten bei Auslandsmaßnahmen)? – Wie (....) Die Analysen und Fragestellungen dieses Beitrags sind vom Grundsatz her keineswegs neu, müssen jedoch immer wieder auf die Agenda gesetzt werden, um zu einem unterstützenden Umgang mit den jungen Menschen zu finden, die Fachlichkeit auszubauen, in den medialen und gesellschaftlichen Debatten fachlich qualifiziert reagieren zu können und um an den Schwachstellen der Systeme Verbesserungen herbeizuführen. Der Film „Systemsprenger“ hat einen (erneuten) Anstoß für einen fachlichen Diskurs gegeben, es gilt – vor allem im Interesse der Kinder/Jugendlichen – für die aufgeworfenen Fragen auch nach dem Abflauen des Hypes um den filmischen „Systemsprenger“ weiterhin intensiv nach Antworten für diejenigen zu su‐ chen, die als sogenannte Systemsprenger*innen ihr Leben in einer harten Realität leben (müs‐ sen). Verf.: Reinhold Gravelmann, Referent beim AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. sowie freiberuflicher Referent, Georgstraße 29, 30159 Hannover E-Mail: referent-gravelmann@web.de Systemsprenger – Ein Film rüttelt auf 131

Abstract

The article deals with so-called “system crashers”. After disambiguation of the term, the causes of “difficult behavior” are shown. In particular, the role of specialists, potentially helpful settings as well as obstructing or supportive institutional frameworks are discussed.

Zusammenfassung

Der Beitrag befasst sich mit sogenannten „Systemsprenger*innen“. Nach einer Begriffsklärung werden Ursachen für „schwieriges Verhalten“ aufgezeigt. Insbesondere wird auf die Rolle der Fachkräfte, potentiell hilfreicher Settings und behindernder wie stützender institutioneller Rahmenbedingungen eingegangen.

References

Zusammenfassung

„Recht der Jugend und des Bildungswesens – RdJB“ ist die Fachzeitschrift für Fragen des Rechts und der Verwaltung im Bereich der Schule, der beruflichen Bildung und der Jugendhilfe.

RdJB versteht sich als Forum für den Meinungsaustausch und die gegenseitige Information von Wissenschaftler/inne/n und Praktiker/inne/n.

RdJB ist interdisziplinär und offen für erziehungs-, sozial- und rechtswissenschaftliche Beiträge zu bildungspolitischen Fragen.

RdJB richtet sich an Jurist/inn/en, Pädagog/inn/en, Lehrer/innen und Erzieher/innen.