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Kathrin Ackermann, Richard Traunmüller, Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten. Antwort auf die kritischen Anmerkungen von Franz Urban Pappi in:

PVS Politische Vierteljahresschrift, page 284 - 298

PVS, Volume 56 (2015), Issue 2, ISSN: 0032-3470, ISSN online: 0032-3470, https://doi.org/10.5771/0032-3470-2015-2-284

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284 PVS, 56. Jg., 2/2015, S. 284-298 Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten. Antwort auf die kritischen Anmerkungen von Franz Urban Pappi Kathrin Ackermann / Richard Traunmüller The New Relevance of Social Context for Voting Behavior. Response to Franz Urban Pappi Abstract: We respond to the critique of our article (Ackermann and Traunmüller 2014) and argue that theories of the declining importance of social-structural characteristics for voting behavior are misguided. Instead we are interested in the more substantial question of how and under what conditions they become politically salient. This theoretical perspective opens up the view for regional and temporal variation in social influence processes that is at odds with traditional views of cleavage-voting. We support our argument by demonstrating that social contexts are more important for individual voting behavior today than decades ago. We conclude by discussing several implications for the study of social context effects on political behavior. Keywords: Social context, cleavage-voting, religion and politics, multilevel models Schlagwörter: Sozialer Kontext, Cleavage-Voting, Religion und Politik, Mehrebenenmodelle 1. Einleitung Wir danken Franz Urban Pappi für seine kritischen Anmerkungen zu unserem Artikel sowie den Herausgebern der PVS für die Gelegenheit, auf diese zu antworten. Bekanntlich gilt Pappi innerhalb der deutschsprachigen Politikwissenschaft als der Ahnherr unserer politisch-soziologischen Forschungsperspektive: Bereits in den 1970er Jahren ging er in seiner Habilitationsschrift Fragen der Individualund Kontextanalysen der Wahlentscheidung nach (Pappi 1977). Aber auch in der Folge kam er immer wieder auf das Problem politisierter Sozialstrukturen zurück (Pappi 1985, 2002; Pappi u. Shikano 2002; Pappi u. Brandenburg 2008, 2010). Umso mehr freut es uns, dass er die Zeit gefunden hat, unseren Beitrag nicht nur sorgfältig zu lesen, sondern auch kritisch zu kommentieren. In unserer Arbeit sehen wir uns in der direkten Nachfolge dieser Forschungstradition, jedoch mit dem Anspruch, diese nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern durch eigene Impulse gezielt weiterzuentwickeln. Dabei leitet uns nicht die Frage, ob Wählerverhalten durch soziale Kontexte geprägt wird – dies scheint uns ganz offensichtlich – sondern vielmehr die Frage, wie, d. h. durch welche Mechanismen und unter welchen Bedingungen dies der Fall ist. Wir argumentieren, dass soziale Einflussprozesse nicht, wie weithin angenommen, einer einfachen linearen, sondern einer komplexeren und interessanteren Logik folgen. In dem hier zur Debatte stehenden Artikel hatten wir insbesondere eine alternative funktionale Form 285 Ackermann/Traunmüller | Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten des Zusammenhangs von sozialem Kontext und individuellem Wahlverhalten vorgeschlagen.1 In der Konsequenz reichen aber sowohl das theoretische Argument als auch die empirischen Befunde der kritisierten Studie sehr viel weiter. Sie widersprechen den gängigen individualisierungs- und säkularisierungstheoretischen Erzählungen von der linearen Abnahme sozial-struktureller Einflüsse auf die Wahlentscheidung und eröffnen den Blick für gegenläufige und mitunter überraschende Dynamiken. Für die Erklärung individuellen Wahlverhaltens, so unsere These, ist die Beschaffenheit des sozialen Kontextes heute sogar entscheidender denn je. Insbesondere diese Schlussfolgerung hat Pappi zu seiner Kritik angeregt. Wir werden die von ihm vorgetragenen Einwände im Folgenden zu entkräften versuchen. 2. Gibt es eine katholische Wahlnorm? Der erste Kritikpunkt Pappis zielt auf die Frage, ob die traditionelle, zwischen Katholiken und Protestanten verlaufende Spaltungslinie im Wahlverhalten inzwischen nicht durch eine neue Konfliktlinie zwischen Religiösen und Säkularen abgelöst wurde. Die beiden von Pappi gegenübergestellten und in der Wahlforschung bekannten Konfliktlinien beziehen sich auf unterschiedliche Dimensionen individueller Religiosität, die – obwohl empirisch keineswegs unkorreliert – so doch konzeptionell zu trennen sind. Während sich die konfessionelle Konfliktlinie auf die religiöse Gruppenzugehörigkeit im Sinne einer kulturellen Selbstidentifikation bezieht (Religionssoziologen sprechen von „religious belonging“), nimmt die religiös-säkulare Konfliktlinie die tatsächliche Religiosität im Sinne aktiv religiöser Verhaltensweisen und Überzeugungen in den Blick („religious behaving“ oder „religious believing“). Pappi scheint die „Ablösungsthese“ eindeutig zu bejahen und folgt damit gängigen Einschätzungen in der Wahlforschung. Obwohl diese Frage letztlich eine empirische ist – wir werden weiter unten ausführlich darauf eingehen – lohnt es sich, zunächst einige kurze konzeptionell-theoretische Überlegungen darüber anzustellen, unter welchen Bedingungen die Konfessionszugehörigkeit überhaupt als politisch relevant erachtet werden kann. Aus unserer Sicht muss folgende Minimalbedingung erfüllt sein, um die – zumindest prinzipielle – Möglichkeit einer konfessionellen Spaltungslinie im Sinne eines politisch bedeutsamen Konfessionsunterschieds anzunehmen: Es muss eine kulturelle Eigenart geben, welche Katholiken a) eindeutig von Protestanten unterscheidet und gleichzeitig auch b) eine stärkere Bindung an die inzwischen überkonfessionellen Unionsparteien nahelegt. Diese Bedingung ist eindeutig erfüllt, wie Pappi in seiner Kritik selbst anführt: Katholiken sind kollektivistischer eingestellt als die individualistischen Protestanten. Diese Tatsache tritt in jüngeren Untersuchungen zu den konfessionellen Unterschieden bezüglich sozialen Netzwerkstrukturen und Vertrauenskulturen deutlich zu Tage. In Deutschland sind Katholiken stärker in traditionelle oder familiale Netzwerke eingebunden und 1 Eine jüngere Replikationsstudie konnte einen solchen nicht-linearen Zusammenhang inzwischen auch in der Schweiz feststellen (Goldberg 2014). 286 PVS, 56. Jg., 2/2015 Forum weisen eher ein partikularistisches Vertrauen im Sinne des „amoralischen Familismus“ auf (Traunmüller 2009, 2011). Wie Pappi ganz richtig anmerkt, ist gerade auch die gegenüber Protestanten deutlich höhere Kirchgangneigung ein Ausdruck kollektivistischer Gruppenorientierung (auf diesen Punkt werden wir weiter unten noch einmal zurückkommen). Aus dem katholischen Kollektivismus lassen sich – trotz der von Pappi betonten Überkonfessionalität der CDU/CSU – zumindest zwei Grundlagen einer katholischen Wahlnorm zugunsten der Unionsparteien ableiten: erstens die bei Katholiken stärker ausgeprägte Ausrichtung an den traditionell bestehenden Strukturen und Aktivitäten der eigenen Gruppe, also die generell höhere Bindungsbereitschaft. Neben diesem strukturellen Aspekt sind mit dem katholischen Kollektivismus aber, zweitens, auch traditionelle inhaltliche Wertvorstellungen – gerade im Bereich der Familie oder der Geschlechterrollen – verknüpft, die sich am ehesten in den gesellschaftspolitischen Positionen der Unionsparteien wiederfinden. Aus beiden Aspekten katholischer Kulturidentität lässt sich eine Norm – eine durch das soziale Umfeld vermittelte Erwartung – für die elektorale Unterstützung der CDU/CSU begründen. Die aus unserer Sicht entscheidende Frage ist nun aber nicht, ob Katholiken eher der CDU/CSU zuneigen als Protestanten oder ob sie das noch tun. Was uns interessiert ist die theoretisch gehaltvollere Frage, wie oder unter welchen Bedingungen die individuelle katholische Konfessionszugehörigkeit politisch relevant und die katholische Wahlnorm aktiviert oder verstärkt wird. Aus einer solchen Perspektive ist die fundamentale Kontextabhängigkeit der politischen Relevanz religiöser Gruppenzugehörigkeit bereits anerkannt. Sie verabschiedet sich von generalisierenden linearen Ablösungs-, Abnahme- oder Verlusterzählungen und erweitert unseren theoretischen Fokus um die Möglichkeit regionaler und temporaler Variation sozial-struktureller Einflussprozesse auf das Wahlverhalten. 3. Jenseits von Kirchgang und Individualeffekten Im unmittelbaren Anschluss an die oben aufgeworfene Frage führt Pappi in seinem zweiten Kritikpunkt den individuellen Kirchgang als entscheidenden Erklärungsfaktor an, dem aus seiner Sicht nicht nur theoretisch Vorrang einzuräumen sei, sondern dessen Berücksichtigung auch empirisch sämtliche Hinweise für die Relevanz sozialer Kontexteinflüsse zum Verschwinden bringe. Es wird ihn nicht verwundern, dass wir widersprechen. Zunächst und ganz allgemein halten wir eine pauschale Priorisierung bestimmter Erklärungsfaktoren – etwa Individualmerkmale immer zuerst – für schwer begründbar. Worauf man sein theoretisches Augenmerk legt, sollte allein durch das vorliegende Erkenntnisinteresse bestimmt werden. Aber natürlich stimmen wir zu, dass in jedem Fall mögliche zu kontrollierende Größen sorgfältig in Betracht gezogen werden sollten. Im Rahmen von Kontextanalysen schließt dies gerade auch Individualmerkmale ein – etwa um etwaige Kompositionseffekte auszuschließen. Im konkret vorliegenden Fall des von Pappi angemahnten individuellen Kirchgangs sind die Dinge jedoch keineswegs so offensichtlich, wie es auf den ersten Blick scheint. 287 Ackermann/Traunmüller | Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten Wir sehen bei der Kirchgangsvariable zumindest zwei Probleme, welche beide im weiteren Sinne mit „Endogenität“ zu tun haben. Wenn man an der politischen Relevanz der Konfessionszugehörigkeit interessiert ist und – wie oben diskutiert – plausiblerweise davon ausgehen kann, dass der häufige Kirchgang selbst Ausdruck und Folge eines ausgeprägten katholischen Kollektivismus ist, handelt es sich bei Kirchgang strenggenommen um eine kausal nachgelagerte Variable, für die gerade nicht kontrolliert werden sollte. Denn selbst wenn sie in einer Analyse den Konfessionseffekt vollständig absorbieren würde, würde das keinesfalls bedeuten, die Konfessionszugehörigkeit sei politisch irrelevant – ihr Einfluss würde dann nur vollständig über die religiöse Praxis vermittelt. Schätzt man die Problematik der kausalen Anordnung ganz anders ein und geht etwa von einem identitätsverstärkenden Effekt des Kirchgangs aus, stellt sich doch die grundsätzliche Frage, ob wir es bei der Kirchgangsvariable wirklich mit einem Individualmerkmal zu tun haben oder ob diese nicht vielmehr als Proxy für die soziale Einbindung in kirchliche Netzwerke und damit letztlich ebenfalls in einen sozialen Kontext zu verstehen ist. Im Grunde plädiert Pappi für eine enge Kontextdefinition, während unser Artikel eine weitere geografische Kontextdefinition zugrunde legt. Der Vorzug einer engen Definition liegt in der unmittelbareren Nähe zum Individuum und seinen Handlungsentscheidungen. Doch im selben Zug handelt man sich genau dadurch erhebliche Selektionsprobleme ein. In weiter gefassten Kontexten sind Individuen hingegen auch exogenen Einflüssen ausgesetzt, welche sie nicht bewusst wählen können. Selektionseffekte können dadurch eher, aber natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Tatsächlich ist das die kontextanalytische Problematik, die uns selbst am allermeisten Kopfzerbrechen bereitet. Wir werden weiter unten nochmals darauf zurückkommen. Als Zwischenfazit wollen wir aber zunächst festhalten, dass wir keine theoretischen Vorzüge des individuellen Kirchgangs gegenüber dem weiter gefassten sozialstrukturellen Kontextmerkmal des Katholikenanteils erkennen können. Noch weniger können wir erkennen, warum ersterer letzteres in Frage stellen sollte. Um unserer Argumentation empirisch Nachdruck zu verleihen, wenden wir uns ebenfalls der Datenanalyse zu und gehen dabei in drei Schritten vor. Erstens werfen wir einen genaueren Blick auf unsere ursprünglich in Ackermann und Traunmüller (2014) berichteten Resultate. Zweitens übernehmen wir Pappis vorgeschlagene Modellspezifikation und testen diese an unserem Datenmaterial für die fünf Bundestagswahlen von 1994 bis 2009. Im dritten Schritt konditionieren wir unsere Ergebnisse sogar noch umfassender auf individuellen Kirchgang als von Pappi vorgeschlagen und unterwerfen sie damit einem noch strengeren Test. In Tabelle 1 berichten wir zunächst unsere im Artikel (Tabelle 4, S. 52) präsentierten Originalergebnisse, wobei wir nun zur Einsicht auch die Koeffizienten der Kontrollvariablen offenlegen. Im Rahmen der Robustheitsanalyse hatten wir selbstverständlich neben anderen potenziell relevanten Größen bereits auch für den individuellen Kirchgang kontrolliert (S. 50), die Koeffizienten jedoch im Diens- 288 PVS, 56. Jg., 2/2015 Forum te der Übersichtlichkeit nicht ausgewiesen.2 Drei Dinge scheinen uns berichtenswert. Erstens, und da hat Pappi natürlich recht, erweist sich der Kirchgang als bedeutsame Variable in der Wahlentscheidung für die CDU/CSU. Für die fünf betrachteten Zeitpunkte zwischen 1994 und 2009 liegen die hochsignifikanten Logit-Koeffizienten relativ stabil zwischen .69 und .77. Wer also nahezu wöchentlich in die Kirche geht, hat eine um rund 19 Prozentpunkte (.77/4=.1925) höhere Wahrscheinlichkeit, für die Unionsparteien zu stimmen, als jemand, der die Kirche seltener oder nie besucht. Zweitens, und da hat Pappi unrecht, bleibt aber unabhängig vom Grad der individuellen religiösen Praxis zu allen Zeitpunkten ein signifikanter Konfessionsunterschied im Wahlverhalten bestehen, wobei die Logit-Koeffizienten zwischen .29 und .42 liegen. Um zu beurteilen, inwieweit individueller Kirchgang ein stärkerer Prädiktor als die individuelle Konfessionszugehörigkeit ist, gilt es aber zu beachten, dass diese Koeffizienten den Konfessionsunterschied für die unrealistische Konstellation wiedergeben, in der alle Kontextmerkmale (Katholikenanteil, BIP pro Kopf und Urbanisierungsgrad) den Wert null annehmen. Löst man dieses Interpretationsproblem durch einfaches Zentrieren der Kontextvariablen, erhält man den entsprechenden Koeffizienten in einem westdeutschen Durchschnittskreis. Für 1994 lag dieser bei .62 und für 2009 bei .60. Damit haben – ceteris paribus – Katholiken eine um rund 15 Prozentpunkte (.60/4=.15) höhere Wahrscheinlichkeit, die CDU/CSU zu wählen als Protestanten. Das sind Größenordnungen, die dem Effekt des individuellen Kirchgangs weit weniger dramatisch nachstehen, als die „Ablösungsthese“ nahelegt. Aufmerksamen Lesern wird in Tabelle 1 freilich sofort auffallen, dass der Effekt der individuellen Konfessionszugehörigkeit im Beobachtungszeitraum abnahm. Ein solcher Befund dient weiten Teilen der Wahlforschung als Hinweis für die abnehmende Bedeutung des katholischen Sozialmilieus. Doch genau diese Schlussfolgerung halten wir für vorschnell und falsch. Denn wir können die Rolle des Sozialmilieus aus dem Individualmerkmal der Konfessionszugehörigkeit schlicht nicht ablesen, sondern müssen stattdessen das soziale Umfeld der Befragten in den Blick nehmen. Dies führt uns zu der dritten und aus unserer Sicht wichtigsten empirischen Feststellung. Der Interaktionsterm der individuellen Konfessionszugehörigkeit mit dem Katholikenanteil im sozialen Kontext bleibt signifikant. Ganz unabhängig vom individuellen Kirchgang hängt die Frage, ob die religiöse Gruppenzugehörigkeit politische Folgen im Sinne einer Wahlentscheidung für die CDU/CSU nach sich zieht, von der konfessionellen Zusammensetzung des sozialen Kontexts ab. Dieser quadratische soziale Kontexteinfluss ist in jüngeren Bundestagswahlen grö- ßer als in früheren: 1.23 bzw. -.94 für die Bundestagswahl 2009 gegenüber 1.04 2 Der Kirchgang wird als dichotome Variable gemessen. Als Kirchgänger (Kirchgang = 1) werden hierbei diejenigen Befragten gewertet, die angeben, „jeden Sonntag“ oder „fast jeden Sonntag“ in die Kirche zu gehen. Dies sind über den betrachteten Zeitraum zwischen 11 und 15 Prozent der Befragten in Westdeutschland. Unter die Referenzgruppe (Kirchgang = 0) fallen all diejenigen Befragten, die „ab und zu“, „einmal im Jahr“, „seltener“ oder „nie“ in die Kirche gehen. 289 Ackermann/Traunmüller | Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten bzw -.92 im Wahljahr 1994. Mit anderen Worten: Das soziale Umfeld ist für die politische Relevanz der Konfession heute bedeutender als noch in den 90er Jahren. Jenseits seiner einfachen Rolle als Kontrollvariable schlägt Pappi in seiner Kritik vor, den individuellen Kirchgang als katholischen Identifikationsverstärker zu betrachten. Dies wird, Pappi folgend, am besten durch einen Interaktionsterm zwischen individueller Konfessionszugehörigkeit und Kirchgang modelliert. Wir haben diese alternative Modellspezifikation mit unseren Daten geschätzt und stellen die Befunde in Tabelle 2 dar. Es ist richtig, dass der individuelle Kirchgang die Wahlneigung von Katholiken zugunsten der CDU/CSU verstärkt, wie an den signifikanten Interaktionstermen abzulesen ist. Wenn man von möglichen Selektionsproblemen absieht, kann man mit Pappi feststellen, dass die politische Relevanz der katholischen Identität durch den Kirchgang verstärkt wird. Gerne räumen wir auch ein, dass dieser Verstärkungseffekt von beachtlicher Größe ist. Bedeutsamer für die hier verhandelte Debatte scheinen uns aber die folgenden empirischen Beobachtungen. Der moderierende Effekt des katholischen Umfelds ist sowohl 1994 als auch 1998 verschwindend gering und nicht signifikant, was zunächst für Pappis Argumentation zu sprechen scheint. In den drei darauffolgenden Bundestagswahlen taucht dieser Kontexteffekt jedoch wieder ganz deutlich auf und ist 2009 sogar am stärksten, was für unsere Argumentation spricht. 290 PVS, 56. Jg., 2/2015 Forum Ta be lle 1: O rig in al an al ys en a us A ck er m an n u. Tr au nm ül le r 2 01 4 (T ab el le 4 ) m it be ric ht et en K on tr ol lv ar ia bl en 19 94 19 98 20 02 20 05 20 09 K on st an te -1 .7 3 (0 .0 5) -1 .8 8 (0 .0 5) -1 .5 4 (0 .0 6) -1 .5 2 (0 .0 5) -1 .4 2 (0 .0 5) G es ch le ch t (R ef .: w ei bl ic h) 0. 28 (0 .0 1) 0. 23 (0 .0 1) 0. 28 (0 .0 1) 0. 14 (0 .0 1) -0 .0 2 (0 .0 1) A lt er ( in 1 0 Ja hr es sc hr it te n) 0. 20 (0 .0 0) 0. 17 (0 .0 0) 0. 13 (0 .0 0) 0. 14 (0 .0 0) 0. 12 (0 .0 0) R ea ls ch ul e (R ef .: H au pt sc hu le ) 0. 29 (0 .0 1) 0. 30 (0 .0 1) 0. 24 (0 .0 1) 0. 31 (0 .0 1) 0. 30 (0 .0 2) A bi tu r (R ef .: H au pt sc hu le ) 0. 12 (0 .0 1) 0. 19 (0 .0 1) 0. 07 (0 .0 1) 0. 23 (0 .0 1) 0. 14 (0 .0 2) A rb ei te r -0 .1 3 (0 .0 1) -0 .1 4 (0 .0 2) -0 .0 4 (0 .0 2) -0 .1 1 (0 .0 2) -0 .0 8 (0 .0 3) G ew er ks ch af ts m it gl ie d -0 .5 6 (0 .0 1) -0 .6 4 (0 .0 1) -0 .6 1 (0 .0 1) -0 .5 4 (0 .0 1) -0 .5 2 (0 .0 2) K ir ch ga ng 0. 77 (0 .0 1) 0. 77 (0 .0 1) 0. 71 (0 .0 1) 0. 69 (0 .0 1) 0. 71 (0 .0 2) K at ho lik 0. 42 (0 .0 6) 0. 39 (0 .0 6) 0. 32 (0 .0 6) 0. 33 (0 .0 5) 0. 29 (0 .0 8) K at ho lik en an te il -0 .9 3 (0 .2 0) -0 .7 6 (0 .2 2) -0 .6 2 (0 .2 7) -0 .4 9 (0 .2 2) -0 .6 8 (0 .2 5) K at ho lik en an te il2 0. 88 (0 .2 4) 0. 83 (0 .2 6) 0. 90 (0 .3 3) 0. 55 (0 .2 8) 0. 64 (0 .3 3) K at ho lik * K at ho lik en an te il 1. 04 (0 .2 5) 0. 96 (0 .2 6) 0. 92 (0 .2 7) 1. 11 (0 .2 4) 1. 23 (0 .3 5) K at ho lik * K at ho lik en an te il2 -0 .9 2 (0 .2 8) -0 .8 3 (0 .2 9) -0 .5 8 (0 .3 2) -0 .8 5 (0 .2 9) -0 .9 4 (0 .4 3) B IP p ro K op f 0. 08 (0 .0 2) 0. 08 (0 .0 1) 0. 08 (0 .0 2) 0. 03 (0 .0 1) 0. 04 (0 .0 1) U rb an is ie ru ng sg ra d -0 .0 9 (0 .0 1) -0 .1 0 (0 .0 1) -0 .1 2 (0 .0 1) -0 .0 9 (0 .0 1) -0 .0 8 (0 .0 1) K at ho lik * B IP p ro K op f -0 .0 4 (0 .0 2) -0 .0 4 (0 .0 2) -0 .0 1 (0 .0 1) -0 .0 2 (0 .0 1) -0 .0 2 (0 .0 2) K at ho lik * U rb an is ie ru ng sg ra d 0. 01 (0 .0 1) 0. 03 (0 .0 1) 0. 01 (0 .0 1) 0. 01 (0 .0 1) 0. 03 (0 .0 1) SD K on st an te 0. 16 0. 17 0. 21 0. 17 0. 13 SD K at ho lik 0. 14 0. 14 0. 12 0. 10 0. 07 K or re la ti on -0 .5 5 -0 .6 1 -0 .3 4 -0 .4 6 -0 .3 4 N I nd iv id ue n 30 51 48 27 67 88 25 58 93 33 36 94 11 16 38 J K re is e 32 6 32 6 32 6 32 6 32 6 An m er ku ng : E ig en e Be re ch nu ng a uf B as is d es fo rs a- Bu s 1 99 5- 20 10 ; u ns ta nd ar di si er te K oe ffi zi en te n (lo gi ts ) a us lo gi st is ch en M eh re be ne nm od el le n; S ta nd ar df eh le r i n Kl am m er n . 291 Ackermann/Traunmüller | Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten Ta be lle 2 : A na ly se n zu r R ol le d es K irc hg an gs a ls Id en tifi ka tio ns ve rs tä rk er 19 94 19 98 20 02 20 05 20 09 L in ea re M od el lie ru ng K on st an te -0 .8 0 (0 .0 3) -1 .0 9 (0 .0 3) -0 .9 2 (0 .0 4) -0 .8 5 (0 .0 3) -0 .9 2 (0 .0 3) K at ho lik 0. 38 (0 .0 3) 0. 41 (0 .0 3) 0. 27 (0 .0 3) 0. 34 (0 .0 3) 0. 29 (0 .0 4) K ir ch ga ng 0. 58 (0 .0 2) 0. 58 (0 .0 2) 0. 44 (0 .0 2) 0. 59 (0 .0 2) 0. 59 (0 .0 3) K at ho lik en an te il -0 .0 7 (0 .0 6) 0. 10 (0 .0 6) 0. 08 (0 .0 8) -0 .0 6 (0 .0 7) -0 .1 4 (0 .0 7) K at ho lik * K ir ch ga ng 0. 52 (0 .0 2) 0. 46 (0 .0 2) 0. 59 (0 .0 3) 0. 37 (0 .0 2) 0. 35 (0 .0 4) K at ho lik * K at ho lik en an te il 0. 10 (0 .0 6) 0. 04 (0 .0 6) 0. 42 (0 .0 6) 0. 36 (0 .0 6) 0. 53 (0 .0 9) Q ua dr at is ch e M od el lie ru ng K on st an te -0 .6 2 (0 .0 3) -0 .8 6 (0 .0 5) -0 .8 5 (0 .0 6) -0 .7 9 (0 .0 5) -0 .7 6 (0 .0 5) K at ho lik 0. 23 (0 .0 3) 0. 20 (0 .0 5) 0. 23 (0 .0 5) 0. 26 (0 .0 5) 0. 19 (0 .0 7) K ir ch ga ng 0. 56 (0 .0 2) 0. 57 (0 .0 2) 0. 49 (0 .0 2) 0. 66 (0 .0 2) 0. 60 (0 .0 3) K at ho lik en an te il -1 .3 2 (0 .1 1) -1 .4 2 (0 .2 5) -0 .9 6 (0 .3 2) -0 .6 3 (0 .2 7) -1 .3 8 (0 .2 8) K at ho lik en an te il2 1. 47 (0 .1 2) 1. 78 (0 .2 9) 1. 53 (0 .3 9) 0. 82 (0 .3 3) 1. 65 (0 .3 6) K at ho lik * K ir ch ga ng 0. 54 (0 .0 2) 0. 47 (0 .0 2) 0. 50 (0 .0 3) 0. 33 (0 .0 2) 0. 34 (0 .0 4) K at ho lik * K at ho lik en an te il 1. 04 (0 .1 0) 1. 32 (0 .2 6) 0. 88 (0 .2 7) 0. 94 (0 .2 5) 1. 46 (0 .3 6) K at ho lik * K at ho lik en an te il2 -1 .0 9 (0 .1 1) -1 .4 6 (0 .2 8) -0 .6 4 (0 .3 1) -0 .7 7 (0 .2 9) -1 .3 4 (0 .4 3) An m er ku ng : E ig en e Be re ch nu ng a uf B as is d es fo rs a- Bu s 1 99 5- 20 10 ; u ns ta nd ar di si er te K oe ffi zi en te n (lo gi ts ) a us lo gi st is ch en M eh re be ne nm od el le n; S ta nd ar df eh le r i n Kl am m er n; K on st an te u nd V ar ia nz ko m po ne nt en n ic ht d ar ge st el lt . 292 PVS, 56. Jg., 2/2015 Forum Wenn wir uns selbst beim Wort nehmen, dann sollten wir die funktionale Form des Kontexteffekts aber nicht-linear modellieren, um den zugrundeliegenden theoretischen Mechanismus angemessener abzubilden. Diese ebenfalls in Tabelle 2 ausgeführte Modellspezifikation legt nahe, dass der Katholikenanteil im Landkreis bei allen fünf Bundestagswahlen einen signifikanten Einfluss auf die Befolgung der katholischen Wahlnorm zugunsten der Unionsparteien hatte. Wiederum zeigt sich, dass dieser Einfluss des sozialen Umfelds über Zeit zunahm. Bemerkenswert scheint uns außerdem, dass diese Zunahme – ganz gleich wie die funktionale Form des sozialen Kontexteffekts gewählt wird – zeitlich mit einer Abnahme der Effektstärke des identitätsverstärkenden Kirchgangs einhergeht. Die Koeffizienten für den quadratischen Kontexteffekt betragen 1994 1.04 bzw. -1.09 und 2009 1.46 bzw. -1.34, während der Interaktionsterm zwischen individuellem Kirchgang und Konfessionszugehörigkeit 1994 einen Koeffizienten von .54 und in 2009 von .34 aufweist. Die interessante Schlussfolgerung ist demnach, dass die katholische Wahlnorm im Zeitverlauf der letzten fünf Bundestagswahlen zunehmend weniger durch kirchliche Netzwerke, dafür aber verstärkt durch ein weiteres katholisches Kulturumfeld bestimmt wurde. Bis hierher haben wir den individuellen Kirchgang und das katholische Sozialumfeld als in ihrer politischen Wirkung unabhängig voneinander betrachtet. In einem dritten Schritt führen wir die Konditionierung durch den Kirchgang über Pappis Vorschlag noch einmal deutlich hinaus, indem wir den individuellen Kirchgang alle Prädiktoren unseres Modells moderieren lassen. Dies erfolgt ganz einfach durch die nach Kirchgang getrennte Schätzung unserer Modelle, welche in Tabelle 3 berichtet werden. Für regelmäßige Kirchgänger zeigt sich bei einer linearen Modellierung des moderierenden Kontexteffekts zunächst ein ganz ähnliches Bild wie bereits oben berichtet. In den Jahren 1994 und 1998 lässt er sich zunächst nicht feststellen. Doch für die Bundestagswahl 2002 und in den darauf folgenden Jahren nimmt die Bedeutung der konfessionellen Zusammensetzung des sozialen Umfelds für die Wahlentscheidung ganz beachtlich zu. Die Gegenüberstellung der Logit-Koeffizienten von .02 (1994) und .99 (2009) belegt dies eindrücklich. Zu unserem Bedauern zeigt sich allerdings der quadratische katholische Kontexteffekt für die aktiven Kirchgänger nicht in dem Maße konsistent, wie die von uns vorgetragene Logik konfessioneller Polarisierung nahelegt. Offenbar stellen diese religiös aktiv eingebundenen Katholiken eine Art Kerngruppe dar, welche die aus ihrer konfessionellen Identität entspringenden politischen Überzeugungen auch dann an der Wahlurne zum Ausdruck bringt, wenn die Katholiken in der überwältigenden Mehrheit und Abgrenzungsprozesse weniger relevant sind. Für Katholiken, die nicht aktiv in kirchliche Netzwerke eingebunden sind, lässt sich hingegen für jede der fünf betrachteten Bundestagswahlen ein signifikanter, nichtlinearer Interaktionseffekt zwischen individueller Konfessionszugehörigkeit und dem Katholikenanteil im Kontext nachweisen. Die auf diese Weise moderierende Wirkung des katholischen Umfeldes lässt sich also gerade für diejenigen nachweisen, für die der von Pappi als Identifikationsverstärker verstandene Kirchgang nicht greift. Wiederum zeigt sich, dass das soziale Umfeld über Zeit politisch relevanter geworden ist. Zur Bundestagswahl 1994 betrugen die Koeffizienten des 293 Ackermann/Traunmüller | Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten quadratischen Kontexteffekts noch .74 und -.75. Im Jahr 2009 lagen sie dagegen bei beeindruckenden 1.79 und -1.85. Selbst wenn man die ebenfalls deutlich gestiegenen Standardfehler berücksichtigt, drängt sich eine Schlussfolgerung auf: Für katholische Individuen, die nicht mehr in den traditionellen kirchlichen Netzwerken eingebunden sind, macht es heutzutage politisch einen umso größeren Unterschied, ob die katholische Identität durch das weitere Umfeld verstärkt wird oder nicht. 4. Neue Untersuchungsstrategien der Kontextanalyse Als letzten Punkt seiner kritischen Anmerkungen wirft Pappi die ganz generelle Frage auf, welche Untersuchungsstrategien sich eigentlich für Kontextanalysen der Wahlentscheidung eignen und „ob es immer so leicht ist, die Einflüsse räumlich definierter Kontexte […] zum Verschwinden zu bringen.“ Wir möchten an dieser Stelle noch einmal unsere zentrale Perspektive auf die soziale Kontextanalyse wiederholen und einen kleinen Ausblick auf aus unserer Sicht vielversprechende Forschungsstrategien geben. Aus der Perspektive einer neuen sozialen Kontextanalyse der Wahlentscheidung, wie wir sie hier vertreten, sollten wir uns endlich von der alten Frage verabschieden, ob Wählerverhalten durch soziale Kontexte geprägt wird. Stattdessen sollten wir uns der neuen und weitaus interessanteren Frage zuwenden, wie soziale Kontexte wirken und die Mechanismen und Bedingungen sozialer Einflüsse auf das Wahlverhalten in den Fokus nehmen. Eine solche Perspektive kann einer Strategie des „zum-Verschwinden-bringens“ nur wenig abgewinnen und lässt sich auch von der Abwesenheit eines Kontexteffekts nicht beeindrucken – handelt es sich doch lediglich um eine mögliche und völlig legitime Ausprägung der interessierenden Variable. 294 PVS, 56. Jg., 2/2015 Forum Ta be lle 3 : G et re nn te M od el le fü r K irc hg än ge r u nd N ic ht -K irc hg än ge r 19 94 19 98 20 02 20 05 20 09 K ir ch ga ng = J a L in ea re M od el lie ru ng K on st an te -0 .2 7 (0 .0 5) -0 .4 6 (0 .0 5) -0 .5 2 (0 .0 6) -0 .2 7 (0 .0 5) -0 .2 4 (0 .0 7) K at ho lik 0. 98 (0 .0 6) 0. 88 (0 .0 6) 0. 84 (0 .0 7) 0. 65 (0 .0 6) 0. 46 (0 .1 0) K at ho lik en an te il -0 .0 8 (0 .1 1) -0 .0 7 (0 .1 1) 0. 11 (0 .1 4) -0 .1 4 (0 .1 3) -0 .4 6 (0 .1 9) K at ho lik * K at ho lik en an te il 0. 02 (0 .1 3) 0. 11 (0 .1 3) 0. 38 (0 .1 6) 0. 52 (0 .1 5) 0. 99 (0 .2 3) Q ua dr at is ch e M od el lie ru ng K on st an te -0 .2 3 (0 .0 5) -0 .3 6 (0 .0 8) -0 .4 0 (0 .0 9) -0 .2 9 (0 .0 9) -0 .2 0 (0 .1 1) K at ho lik 0. 72 (0 .0 9) 0. 60 (0 .1 1) 0. 70 (0 .1 3) 0. 46 (0 .1 1) 0. 21 (0 .1 7) K at ho lik en an te il -0 .2 2 (0 .3 0) -0 .8 3 (0 .4 4) -0 .7 9 (0 .5 5) -0 .0 3 (0 .5 1) -0 .7 0 (0 .6 8) K at ho lik en an te il2 0. 14 (0 .3 6) 0. 95 (0 .5 3) 1. 15 (0 .6 8) -0 .0 9 (0 .6 5) 0. 32 (0 .9 2) K at ho lik * K at ho lik en an te il 1. 20 (0 .4 2) 1. 70 (0 .5 5) 1. 33 (0 .6 8) 1. 55 (0 .6 2) 2. 43 (0 .9 1) K at ho lik * K at ho lik en an te il2 -1 .1 6 (0 .4 5) -1 .7 9 (0 .6 1) -1 .2 0 (0 .8 0) -1 .1 6 (0 .7 4) -1 .6 8 (1 .1 2) K ir ch ga ng = N ei n L in ea re M od el lie ru ng K on st an te -0 .8 1 (0 .0 3) -1 .0 7 (0 .0 3) -1 .0 3 (0 .0 4) -0 .9 0 (0 .0 3) -0 .9 4 (0 .0 3) K at ho lik 0. 37 (0 .0 3) 0. 38 (0 .0 3) 0. 28 (0 .0 3) 0. 36 (0 .0 3) 0. 36 (0 .0 4) K at ho lik en an te il -0 .0 6 (0 .0 6) 0. 07 (0 .0 7) 0. 30 (0 .0 8) 0. 07 (0 .0 7) -0 .1 0 (0 .0 7) K at ho lik * K at ho lik en an te il 0. 13 (0 .0 6) 0. 11 (0 .0 6) 0. 42 (0 .0 6) 0. 32 (0 .0 6) 0. 38 (0 .0 9) Q ua dr at is ch e M od el lie ru ng K on st an te -0 .6 1 (0 .0 3) -0 .9 0 (0 .0 3) -0 .8 2 (0 .0 3) -0 .7 4 (0 .0 3) -0 .6 7 (0 .0 5) K at ho lik 0. 28 (0 .0 3) 0. 27 (0 .0 4) 0. 20 (0 .0 3) 0. 27 (0 .0 3) 0. 16 (0 .0 8) K at ho lik en an te il -1 .4 5 (0 .1 2) -1 .1 5 (0 .1 5) -1 .1 8 (0 .1 3) -1 .0 5 (0 .0 9) -2 .0 0 (0 .2 9) K at ho lik en an te il2 1. 63 (0 .1 4) 1. 45 (0 .1 7) 1. 84 (0 .1 6) 1. 42 (0 .1 0) 2. 48 (0 .3 7) K at ho lik * K at ho lik en an te il 0. 74 (0 .1 2) 0. 85 (0 .1 5) 0. 97 (0 .1 4) 0. 96 (0 .0 9) 1. 79 (0 .4 0) K at ho lik * K at ho lik en an te il2 -0 .7 5 (0 .1 2) -0 .8 9 (0 .1 6) -0 .6 9 (0 .1 6) -0 .8 0 (0 .1 0) -1 .8 5 (0 .4 7) An m er ku ng : e ig en e Be re ch nu ng a uf B as is d es fo rs a- Bu s 1 99 5- 20 10 ; u ns ta nd ar di si er te K oe ffi zi en te n (lo gi ts ) a us lo gi st is ch en M eh re be ne nm od el le n; S ta nd ar df eh le r i n Kl am m er n; K on st an te u nd V ar ia nz ko m po ne nt en n ic ht d ar ge st el lt . 295 Ackermann/Traunmüller | Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten Um das Potenzial dieses neuen Ansatzes anzudeuten und sich aus ihm ergebende Untersuchungsstrategien vorzustellen, möchten wir in gebotener Kürze auf weiterführende und bislang unveröffentlichte Analysen verweisen. Während sich der überwiegende Großteil der alten Kontextanalysen mit der bloßen Feststellung eines Kontexteffekts begnügt („context matters“), geht Traunmüller (2013) der theoretischen Intuition nach, dass soziale Kontexteffekte auf das Wahlverhalten prinzipiell variabel sind und zu manchen Zeiten stärker auftreten können als zu anderen. Dazu wurde wie oben auf Basis der Forsa-Daten eine einfache – in diesem Fall bislang nur lineare – Modellspezifikation mit Cross-level-Interaktion zwischen Katholikenanteil und individueller Konfession auf die über die Sonntagsfrage erhobene Wahlpräferenz (nicht Wahlentscheidung) zugunsten der CDU/CSU formuliert. Der entscheidende analytische Schritt bestand darin, dieses Querschnittsmodell in monatlichen Zeitintervallen über den Zeitraum 1995 bis 2009 zu berechnen und auf diese Weise rund 180 zeitvariable Schätzungen des sozialen Kontexteffekts zu generieren (175 um genau zu sein, da für die Monate zwischen Oktober 1998 und Februar 1999 die Konfessionszugehörigkeit nicht abgefragt wurde). In Abbildung 1 werden die geschätzten Kontexteffekte des Katholikenanteils auf die Wahlpräferenz für Katholiken im Zeitverlauf dargestellt. Wie deutlich zutage tritt, ist die Wirkung des sozialen Kontexts auf die Wahlpräferenz zugunsten der CDU/CSU keineswegs konstant, sondern variiert über Zeit. Mit anderen Worten: Der soziale Kontext spielt mal eine Rolle, mal nicht. Diese zeitliche Variation scheint darüber hinaus aber nicht rein zufällig, sondern vielmehr einer strukturierten Dynamik zu folgen. Interessanterweise ist in dieser Analyse der Einfluss des katholischen Umfelds für Katholiken um die Bundestagswahl 2002 mit einem marginalen Effekt von etwa .8 auf der Logit-Skala am größten und etwa drei bis viermal so groß wie der Effekt von .2 im Tal zwischen 1994 und 1998 oder von .25 ab dem Jahr 2007. Tatsächlich legen die Konfidenzintervalle nahe, dass sowohl zwischen 1994 und 1998 als auch nach 2007 kein signifikanter – wohlgemerkt linearer! – Kontexteffekt des Katholikenanteils auf die Wahlpräferenz katholischer Individuen bestand. Um einen Eindruck von der substanziellen Größe dieser Unterschiede zu erhalten, kann man die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit, die CDU/CSU zu präferieren, für Katholiken in einer Minderheitenposition von 20 Prozent im Landkreis mit jener für Katholiken in stark katholisch geprägten Gegenden mit einem Katholikenanteil von 80 Prozent vergleichen. Diese Differenz betrug um die Wahl 2002 rund 12.5 Prozentpunkte – was als Evidenz für eine ganz erstaunliche Wirkkraft des sozialen Umfelds gewertet werden kann. Im Gegensatz, dazu belief sich die Differenz zwischen 1994 und 1998 sowie ab 2007 lediglich auf 2.5 Prozentpunkte. 296 PVS, 56. Jg., 2/2015 Forum Abbildung 1: Die monatliche Dynamik des sozialen Kontexteffekts im Zeitverlauf, 1995-2009 Anmerkung: Ergebnisse aus 175 logistischen Mehrebenenmodellen; dargestellt sind die marginalen Effekte des Katholikenanteils auf die katholische Wahlpräferenz für CDU/CSU; Punkte bilden dabei die marginalen Effekte auf der Logit-Skala ab, vertikale Striche die dazugehörigen 95-Prozent-Konfidenzintervalle; um das dynamische Muster deutlicher zu machen, wurde zudem eine nicht-parametrische loess-Linie eingezeichnet . Quelle: Traunmüller 2013 . Vor dem Hintergrund dieser weiterführenden Analysen möchten wir abschließend drei Schlussfolgerungen für Untersuchungsstrategien der sozialen Kontextanalyse des Wahlverhaltens festhalten. Erstens scheint der Zeitpunkt der Untersuchungsperiode eine außerordentlich wichtige Größe für die Erforschung sozialer Kontexteffekte darzustellen, welche mitunter darüber entscheidet, ob sich letztere nachweisen lassen oder nicht. Mit anderen Worten können empirische Studien, welche nur einen einzigen Zeitpunkt in den Blick nehmen, signifikante oder nicht-signifikante Koeffizienten für soziale Kontexteffekte liefern und daraus substanzielle Aussagen über die Relevanz des sozialen Umfelds ableiten, obwohl eine kurze Verschiebung der Feldzeit um nur wenige Monate möglicherweise zu ganzen anderen Schlüssen geführt hätte. Den Ergebnissen bisheriger Kontextanalysen des politischen Verhaltens auf Basis einfacher Querschnitte sollten wir daher mit einer gesunden Skepsis begegnen. 297 Ackermann/Traunmüller | Zur neuen Relevanz des sozialen Kontexts für das Wahlverhalten Zweitens kann eine dynamische Perspektive und Untersuchungsstrategie ein ganz besonders heikles – und bereits oben angesprochenes – Problem sozialer Kontextanalysen entscheidend abmildern. Sie erhöht unsere Zuversicht, dass die gefundenen sozial-räumlichen Unterschiede im Wahlverhalten tatsächlich auf die Beschaffenheit des sozialen Umfeldes zurückzuführen sind und sich nicht bloß aus der Selbstselektion der Individuen ergeben – etwa derart, dass Bürger mit einer Wahlneigung zugunsten der Grünen Niederbayern den Rücken zukehren und sich dazu entschließen, in Berlin zu wohnen. Kontexteffekte, die in dynamischen Untersuchungsstragien herausgearbeitet wurden, sind „quite difficult to recast in terms of a self-selection argument: do people relocate themselves between observations in a way that produces the spurious appearance of a time-structured effect?“ (Carmines u. Huckfeldt 1998, S. 231). Schließlich hält der von uns vertretene neue Ansatz sozialer Kontextanalysen des Wahlverhaltens möglicherweise auch den Schlüssel für die von Pappi im letzten Absatz seiner Kritik aufgeworfene Frage bereit, welche Rolle der politischen Aktivierung des konfessionellen Sozialmilieus zukommt. Auch wenn wir diesbezüglich natürlich noch weit von einer Erklärung entfernt sind, halten wir es dennoch für sehr wahrscheinlich, dass der politische Einfluss des sozialen Umfelds selbst durch das politische Geschehen – etwa durch bestimmte Ereignisse oder strategisches Einwirken politischer Akteure – bestimmt wird. So verbirgt sich hinter dem in Abbildung 1 dargestellten, zur Bundestagswahl 2002 hin erfolgenden Anstieg des sozialen Kontexteffekts möglicherweise die Nominierung von Edmund Stoiber als Kanzlerkandidat der Christdemokraten. Wie Roßteutscher (2012) bemerkt, stand dieser für einen „Super-Katholizismus“, welcher das katholische Sozialmilieu in besonderem Maße mobilisierte und zugleich bei Protestanten zu einer Abkehr von den Unionsparteien führte. Fragen wie diese scheinen uns sehr vielversprechend und belegen einmal mehr den Wert einer Forschungsperspektive, die sich im Rahmen sozialer Kontextanalysen des Wahlverhaltens von Fragen des ob ab- und Fragen des wie zuwendet. Literatur Ackermann, Kathrin, und Richard Traunmüller. 2014. Jenseits von Schwerkraft und Höllenfeuer. Nicht-lineare Kontexteffekte auf den Zusammenhang von religiöser Gruppenzugehörigkeit und individuellem Wahlverhalten bei fünf Bundestagswahlen. Politische Vierteljahresschrift 55: 33-66. 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Autorenangaben Kathrin Ackermann, M.A., Institut für Politikwissenschaft, Universität Bern, Fabrikstr. 8, 3012 Bern, Schweiz, kathrin.ackermann@ipw.unibe.ch Prof. Dr. Richard Traunmüller, Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt a. M., Theodor-W.-Adorno-Platz 6, 60629 Frankfurt a. M., traunmueller@soz.uni-frankfurt.de

Abstract

We respond to the critique of our article (Ackermann and Traunmüller 2014) and argue that theories of the declining importance of social-structural characteristics for voting behavior are misguided. Instead we are interested in the more substantial question of how and under what conditions they become politically salient. This theoretical perspective opens up the view for regional and temporal variation in social influence processes that is at odds with traditional views of cleavage-voting. We support our argument by demonstrating that social contexts are more important for individual voting behavior today than decades ago. We conclude by discussing several implications for the study of social context effects on political behavior.

Zusammenfassung

Wir antworten auf die Kritik an unserem Artikel (Ackermann u. Traunmüller 2014) und argumentieren, dass Theorien über die abnehmende Bedeutung sozial-struktureller Merkmale für das Wahlverhalten fehlgeleitet sind. Stattdessen interessiert uns die gehaltvollere Frage, wie und unter welchen Bedingungen sie politisch wirksam werden. Diese Theorieperspektive öffnet den Blick für regionale und temporale Variation sozialer Einflussprozesse, welche gängigen Ansichten zum Cleavage-Voting widersprechen. Wir unterstützen unser Argument, indem wir demonstrieren, dass soziale Kontexte für das individuelle Wahlverhalten heutzutage wichtiger sind als noch vor Jahrzehnten. Abschließend diskutieren wir weiterführende Implikationen für soziale Kontextanalysen des Wahlverhaltens.

References
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Traunmüller, Richard. 2013. The Dynamic Effect of Social Context on Political Preferences in Germany. Beitrag präsentiert auf der 71th MPSA Annual Conference, 11.-13. April 2013, Chicago, IL.

Abstract

Current Rese arch Findings and Controversial Discussions from all areas and sub-areas of Political Science: Politische Vierteljahresschrift (PVS) has been published since 1960 by the executive and advisory board of the German Association for Political Science (DVPW). The journal provides space for recent research findings from all sub-areas of political science. It therefore contains papers on political theory and the history of ideas; on comparative governance and politics; the domains of policy analysis, international relations and foreign policy; on political sociology; and papers in the areas of empirical social research and methodology.

The PVS contains four categories of articles : The critical papers form the core category of the journal. In this section, are published theory-based and methodically reflected articles from all sub-areas of political science.

Within the forum section, contemporary scientific controversies are debated.

The commentaries contain scientifically well-grounded statements with reference to current issues of political developments or to the field of political science.

The review essays provide a broad overview of the international state of the art of political science, as well as current developments and relevant published literature regarding a particular research-field.

The PVS-Literatur publishes reviews of single publications from all sub-fields of the discipline of political sciences, as well as accumulative reviews presenting more than one new publication within an area of political sciences.

Every paper published in the PVS (within the categories critical papers and forum) is run through a double-blind expertise process prior to publication. Generally, two external referees examine the anonymous manuscripts. The referee reports are also made anonymous before being handed back to the authors. Additionally, the authors can be provided with references from the editorial board.

The editors rely on the collaboration of the colleagues in the scientific discipline as their referees and reviewers. Anyone interested in being a referee or reviewer is welcomed to complete and submit the PVS-reviewer-form or referee-form to the editor. Next to your name and address please indicate your field of investigative interest as well. This information will be added to the editorial database.

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Zusammenfassung

Aktuelle Fors chungsergebnisse und kontroverse Diskussionen aus allen Teilbereichen der Politikwissenschaft: Die Zeitschrift bietet Raum für neueste Forschungsergebnisse aus allen Teildisziplinen der Politikwissenschaft. Sie beinhaltet somit Beiträge aus der Politischen Theorie und Ideengeschichte, aus dem Bereich Analyse und Vergleich politischer Systeme, aus der Policy-Analyse, aus dem Bereich der Internationalen Beziehungen und der Außenpolitik, aus der empirischen Sozialforschung und Methodenlehre sowie aus der Politischen Soziologie.

Die PVS umfasst vier Kategorien von Beiträgen : Die Abhandlungen stellen den Kern der Zeitschrift dar. In dieser Rubrik werden theoriegeleitete, methodisch reflektierte Forschungsbeiträge aus allen Bereichen der Politikwissenschaft veröffentlicht. Im Forum sollen wissenschaftliche Kontroversen angestoßen oder ausgetragen werden. Die Kommentare beinhalten wissenschaftlich fundierte Stellungnahmen zu Problemen der politischen Entwicklung oder des Faches „Politikwissenschaft“. Mit den Literaturberichten wird ein breiter Überblick über den internationalen Forschungsstand, über aktuelle Entwicklungen und die hierzu erschienene Literatur in einem bestimmten Forschungsfeld gegeben.

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