Das Ferenc Mádl Forschungsinstitut für Rechtsvergleichung in:

OER Osteuropa Recht, page 300 - 301

OER, Volume 66 (2020), Issue 2, ISSN: 0030-6444, ISSN online: 0030-6444, https://doi.org/10.5771/0030-6444-2020-2-300

Browse Volumes and Issues: OER Osteuropa Recht

Bibliographic information
AUS DER FORSCHUNG Das Ferenc Mádl Forschungsinstitut für Rechtsvergleichung Das Ferenc Mádl Forschungsinstitut für Rechtsvergleichung (im Weiteren: Institut) wurde durch die ungarische Regierung mit der Reg.VO Nr. 95/2019 (IV. 25.) als zen‐ trale Haushaltsinstitution unter der Aufsicht des Justizministers gegründet. Das Insti‐ tut nahm seine Arbeit am 1. Juni 2019 auf. Während die Infrastruktur und die wissen‐ schaftlichen Datenbanken des Instituts ausgebaut und Leiter und Forscher ernannt wurden, hat das Institut bereits im Gründungsjahr rechtsvergleichende Forschungen auf Antrag der Regierung in fünfzehn, vor allem öffentlich-rechtlichen und privat‐ rechtlichen Themen durchgeführt. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Instituts beruht auf zwei Säulen: Die eine Säu‐ le bilden die rechtsvergleichenden Grundlagenforschungen für die Regierung (typi‐ scherweise für Ministerien), vor allem in der Phase der Vorbereitung von Rechtsvor‐ schriften. Diese Forschungsarbeiten sind vertrauliche, entscheidungsunterstützende Analysen über die Regelungsmethoden und Rechtsanwendungsmöglichkeiten ande‐ rer, vor allem europäischer Staaten, sowie über die unterschiedlichen in der For‐ schung vertretenen Meinungen und Thesen in den unterschiedlichen erforschten Rechtsgebieten. Die andere wesentliche Aufgabe des Instituts besteht darin, ein – auch für die Re‐ gierung verwendbares – selbständiges wissenschaftliches Profil auszubilden. Bedeu‐ tende Mittel dieses zu erarbeitenden Profils sind die Veröffentlichung der Forschungs‐ ergebnisse und die Organisation internationaler wissenschaftlicher Konferenzen bzw. die Teilnahme der Forscher des Instituts an solchen Veranstaltungen. Die wichtigsten Themenbereiche des wissenschaftlichen Profils sind gemäß dem Forschungsplan die Folgenden: (a) Besonderheiten der nationalen Rechtssysteme, (b) rechtliche Rahmen des staatlichen Vermögens und der öffentlichen Finanzen, (c) Rechtsschutz der beson‐ ders sensiblen sozialen Gruppen, (d) rechtswissenschaftliche Antworten auf moderne technologische und Sicherheitsherausforderungen. Das oben genannte Forschungs‐ profil wird – unter anderem – mithilfe unserer neugegründeten, englischsprachigen Zeitschrift bzw. durch die Veröffentlichung eigener Werke der Forscher des Instituts sichtbar gemacht. All diese Aufgaben werden auf der Grundlage eines vom Justizmi‐ nister genehmigten Jahresarbeitsprogramms durchgeführt. Das Institut verdankt seinen Namen dem international anerkannten Privatrechtler Professor Ferenc MÁDL. Professor Mádl war zwischen 2000 und 2005 Präsident der Republik Ungarn. Die als Regierungsbeamten tätigen Mitarbeiter des Instituts sind Hochschullehrer und Forscher sowie ehemalige Rechtsexperten von Ministerien. Die Hälfte der etwas mehr als dreißig Forscher verfügt über einen akademischen Grad und hat neben ihrer Forschungsarbeit im Institut auch eine Universitätsaffiliation (typi‐ scherweise an einer juristischen Fakultät). Die Tätigkeit des Direktors wird durch einen Honorarpräsidenten unterstützt, der vor allem durch seine wissenschaftliche Anerkennung und sein Netzwerk der Arbeit OER 2/2020, DOI: 10.5771/0030-6444-2020-2-300 des Instituts behilflich sein kann. Der erste Honorarpräsident des Instituts war Prof. Dr. János Martonyi, ehemaliger Außenminister von Ungarn sowie Professor auf dem Gebiet des internationalen Privatrechts. Nach seinem Rücktritt übernahm seinen Pos‐ ten im Januar 2020 der Verfassungsrechtler Prof. Dr. László Trócsányi, ehemaliger Justizminister Ungarns und ehem. Verfassungsrichter, MEP. Leiter des Instituts ist Dr. habil. János Ede Szilágyi, Agrarrechtler und Experte für Umweltschutzrecht. Sein Stellvertreter ist Dr. Gábor F. Tóth, ehem. Diplomat (zuletzt Generalkonsul in Berlin) und Regierungsexperte. Die wissenschaftliche Forschungstätigkeit des Instituts er‐ folgt wird durch die Hauptabteilungen, die den wesentlichen Rechtsgebieten – öffent‐ liches Recht, Privatrecht, Völkerrecht und Recht der Europäischen Union – entspre‐ chend organisiert sind. Das wissenschaftliche Netzwerkmanagement sowie die orga‐ nisatorischen Aufgaben im Bereich eigener Veranstaltungen gehören zum Aufgaben‐ bereich einer selbstständigen Abteilung des Instituts. Die internationalen Beziehungen des Instituts beruhen teils auf eigenen internatio‐ nalen wissenschaftlichen Netzwerken der bediensteten Forscher; die Erweiterung die‐ ses Netzwerks, i. e. die Errichtung langfristiger internationaler institutioneller Verbin‐ dungen gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Instituts. In diesem Rahmen werden besonders die wissenschaftlichen und akademischen Verbindungen mit den V4 und anderen EU-Staaten mit Ländern in der Karpaten-Region sowie der osteuropäischen Länder priorisiert. Die zum kontinentalen Rechtsgebiet, insbesondere zur deutsch-ös‐ terreichischen Rechtskultur gehörenden Staaten sind von grundlegender Bedeutung für das Institut, vor allem wegen der Übereinstimmungen der Rechtsinstrumente, in Erwartung der Umsetzungsmöglichkeiten der guten und auch in der Praxis wirksamen Lösungen. AUS DER FORSCHUNG 301

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Osteuropa Recht behandelt Gegenwartsfragen der Rechtssysteme und Rechtswissenschaft im östlichen Europa sowie deren völkerrechtliche Einbindung. Im Fokus stehen die ost-, ostmittel- und südosteuropäischen Staaten sowie der Kaukasus und Zentralasien. Die Zeitschrift dokumentiert und analysiert Gesetzgebung, Rechtsprechung und rechtswissenschaftliche Debatten in den einzelnen Staaten der Region und leistet einen Beitrag zum internationalen Rechtsvergleich. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und ist peer-reviewed. Publikationssprachen sind Deutsch und Englisch. Osteuropa Recht wurde 1954 von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V. gegründet.