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Róbert Dobrovodský, Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht in:

OER Osteuropa Recht, page 104 - 128

OER, Volume 66 (2020), Issue 1, ISSN: 0030-6444, ISSN online: 0030-6444, https://doi.org/10.5771/0030-6444-2020-1-104

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Róbert Dobrovodský* Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht Abstract Consumer Protection under Slovakian Civil Law This article raises questions about the protection of the weaker party in the Slovak civil law, and emphasizes the most significant legislative steps aimed at strengthening the social function of civil law rules in the Slovak Republic. The author analyses the national and European rules, and describes each instrument adopted by the national Slovak legislator during the last fifteen years. A good example of the instrument of the protection of the weaker party was the enshrinement of usury in 2014. This step can be considered as one of the most significant legislative steps aimed at strengthening the social function of civil law rules in the Slovak Republic. The enshrinement was not only motivated by the protection of the party in consumer relationships. Einführung Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht entwickelte sich aufgrund verschiedener rechtspolitischer Motive und Überlegungen. Die Rechtsentwicklung ging in zwei Wegen. Ein Weg richtete sich nach Ratifizierung des Assoziierungsab‐ kommens durch die Slowakische Republik, worin sie sich verpflichtet hat, einen wirksamen Verbraucherschutz zu garantieren, um das ordnungsgemäße Funktionieren der Marktwirtschaft zu gewährleisten (vgl. Teil 3). Der zweite Weg waren meistens die nationalen rechtspolitischen Motive, die aus konkreten Skandalen bzw. krassen Fällen von Missbrauch der Schwächeren resultierten (vgl. Teil 2). Nationale Lösungen Im zweiten Teil dieses Beitrages möchten wir die nationalen Lösungen des Gesetzge‐ bers auf dem Gebiet der Schutz des Schwächeren vorstellen. Diese Lösungen beruhen nicht auf der Umsetzung von EU-Verbraucherschutzrichtlinien (vgl. Teil 3), sondern I. II. * Róbert Dobrovodský, LL.M. (Tübingen), Ass.-Prof. Dr. jur., Juristische Fakultät, Universi‐ tät Trnava, Slowakei. Dieser Aufsatz stellt einen Beitrag zum Projekt der Agentur APVV (Slovak Research and Development Agency) Nummer APVV-17-0562 „Abschluss von Verträgen mittels elektronischer Plattformen“ dar. / Príspevok bol vypracovaný v rámci riešenia projektu APVV-17-0562 s názvom „Zmluvy uzatvárané prostredníctvom elektro‐ nických platforiem. OER 1/2020, DOI: 10.5771/0030-6444-2020-1-104 auf nationalen Initiativen, die über das Niveau der EU-Verbraucherschutzrichtlinien hinausgehen1. Einführung des Wuchers ins ZGB und Motive des Gesetzgebers Der Tatbestand des Wuchers (slow. úžera) wurde in dem slowakischen Zivilgesetz‐ buch erst im Jahr 2014 durch das Gesetz Nr. 106/2014 Slg. vom 1. April 2014 ein‐ geführt. Das Gesetz trat am 1. Juni 2014 in Kraft. Die Einführung erfolgte unter gro‐ ßem politischem Druck und Kritik an den Gerichten, die in wucherähnlichen Fällen Sittenwidrigkeitsregeln2 nicht angewandt hatten.3 Die Abgeordneten des Parlaments, die den Vorschlag vorbereitet hatten, beschrie‐ ben die finanzielle Lage und die Probleme in der Gesellschaft ganz konkret: Weil die Banken und die Abzahlungsverkäufer immer mehr Verbraucher zu Kreditdarlehen und zu Abzahlungskäufen lockten, gerieten immer mehr Verbraucher in hohe Ver‐ schuldung.4 Mit der Zeit etablierte sich eine von der staatlichen Kontrolle freie Kleinkreditwirtschaft mit dem Resultat, dass parallel hierzu die Verschuldung der Bevölkerung rasch anstieg.5 Budjač stellt fest, dass im Jahre 2013 in der Folge der Kleinkreditwirtschaft mehr als 2 880 000 Einwohner von oft nicht angemessenen und widerrechtlichen Exekutionen (Zwangsvollstreckungen) betroffen sind.6 Die vielfach künstlich hergestellte Vielfalt des Angebots schloss für den Normalverbraucher aus, relevante Informationen auszusondern und Vergleiche anzustellen. Der Normalver‐ braucher konnte seine Bedürfnisse nicht eindeutig erfassen und dementsprechend pla‐ nend vorgehen. Ihm genügte seine Fähigkeit nicht mehr, die notwendigen Konsum‐ 1. 1 Vgl. auch Dobrovodský, R., Integration of rules with social function into the general part of the Civil Code: chapter 2 In: Social function of private law and its proliferation by applying the principles of European private law. – Praha : Leges, 2019. S. 47–79. 2 Vgl. Seite 1 der Erläuterung zum Vorschlag, Drucksache 850, verfügbar: https://www.nrsr. sk/web/Default.aspx?sid=zakony/cpt&ZakZborID=13&CisObdobia=6&ID=850. 3 Vgl. Irsák, S., Dobré mravy v záväzkoch na poskytnutie peňažného plnenia a pri ich zabez‐ pečení (vo svetle českej, rakúskej a nemeckej judikatúry) (Die guten Sitten in schuldrechtli‐ chen Verhältnissen über Geldforderungen und deren Sicherheiten – im Lichte von tsche‐ chischen, österreichischen und deutschen Rechtsprechung). Bulletin slovenskej advokácie, 2008, č. 7; vgl. auch:. Irsák, S., Dobré mravy a súčasná slovenská právna prax (Die guten Sitten und gegenwärtige Rechtsprechung). Bulletin slovenskej advokácie, 2010, č. 1 – 2; Straka, P. Spotrebiteľské právo je o dobrých mravoch. (Das Verbraucherschutzrecht betrifft die guten Sitten) Poistné rozhľady, 2009, č. 5, S. 9. 4 Dazu näher: Budjač, M., Stav presadzovania dobrých mravov v spoločnosti so zreteľom na spotrebiteľské záväzkové vzťahy a ochranu spotrebiteľa (Der Stand der Umsetzung der guten Sitten in der Gesellschaft mit Rücksicht auf die verbraucherschuldrechtlichen Verhältnisse und den Verbraucherschutz) in: Jurčová, M. – Dobrovodský, R. – Nevolná, Z. – Štefanko, J. (ed.): Liber amicorum Ján Lazar. Pocta profesorovi Jánovi Lazarovi k 80. narodeninám (Festschrift für Prof. Jan Lazar zum 80. Geburtstag). Veda. Trnava 2014. S. 143. 5 Vgl. Rychtárik, Š., Finančné aktíva a pasíva slovenských domácností (Finanziellen Aktiven und Passiven der slowakischen Haushalten), in: Biatec č. 2/2012. Bratislava 2012. http://w ww.nbs.sk/_img/Documents/_PUBLIK_NBS_FSR/Biatec/Rok2012/2-2012/01_biatec12-2 _rychtarik.pdf. 6 Budjač, S. 143. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 105 entscheidungen zu treffen. Das Verhalten des individuellen Verbrauchers war also von einer begrenzten Rationalität charakterisiert und in der Regel von einer beschränk‐ ten Rechenkapazität bestimmt. Der Verbraucher stand nun den neuen oder differen‐ zierten Konsumchancen einfach ohne Information gegenüber7. Viele Anbieter der Kleinkreditwirtschaft zogen aus der Situation der unvernünftigen, unselbstständigen, unverantwortlichen und nicht urteilsfähigen Bürger (Verbraucher) Vorteile. Mit der nunmehr weitgehend unübersichtlichen Vielzahl von Kreditprodukten und der schwa‐ chen Kontrolle seitens der Finanzaufsicht erhielten die Anbieter die Chance, die Un‐ wissenheit des Verbrauchers auszunutzen.8 Systematische Einordnung des Wuchers Da der slowakische Gesetzgeber den Wuchertatbestand systematisch direkt nach § 39 ZGB als Sonderfall der Sittenwidrigkeit einordnete, verdrängt § 39 a ZGB grundsätz‐ lich die Regelung des § 39 ZGB. Sind die Voraussetzungen von § 39 a ZGB erfüllt, so ist das Rechtsgeschäft nichtig, ohne dass es eines Rückgriffs auf § 39 ZGB bedarf. Der Wuchertatbestand Im Wuchertatbestand muss ein Rechtsgeschäft vorliegen, durch das jemand sich oder einem anderen (slow. inému) (Dritten) für eine Leistung als Gegenleistung Vermö‐ gensvorteile versprechen oder gewähren lässt. Wucher in Sinne von § 39 a ZGB erfor‐ dert ein auffälliges Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung. Dies setzt Verträ‐ ge voraus, die auf einen Leistungsaustausch gerichtet sind. Da § 39 a ZGB auf alle Verträge anwendbar sein kann, die einen Leistungsaustausch (slow. plnenie) zum Ge‐ genstand haben, ist deren Rechtsnatur für die Anwendung dieser Vorschrift unerheb‐ lich. Nicht erfasst vom Wuchertatbestand werden dagegen unentgeltliche Geschäfte wie z. B. eine Schenkung. Der Gesetzgeber unterscheidet im Text der Erläuterung zum Vorschlag9 zwischen objektiven Merkmalen und subjektiven Merkmalen des Tatbestandes. Was das objektive Merkmal betrifft, muss zwischen den beiderseitigen Leistun‐ gen ein auffälliges Missverhältnis (slow. hrubý nepomer) bestehen. Ob ein Missver‐ hältnis zwischen Leistung und Gegenleistung auffällig ist, muss anhand einer Ge‐ samtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls festgestellt werden. Beträgt der verein‐ 2. 3. 7 Vgl. Jurčová, M., Slovak law of obligations and social norms: In: Social function of private law and its proliferation by applying the principles of European private law. – Praha: Leges, 2019.S. 80–111. 8 Vgl. Dobrovodský, R., Rechtsschutz des Verbrauchers (Eigentümers) vor Folgen der Libera‐ lisierungs-und Deregulierungsschritte. Erfahrungsbericht aus der Slowakei. In: Eigentum und Rechtssicherheit: Wandel des Eigentumsbegriffs. – Tbilisi: Staatliche Ivane-Javakhishvili- Universität, 2016. – ISBN 978–9941–13–585–9. – S. 150–165. 9 Vgl. S. 9. der Erläuterung zum Vorschlag, Drucksache 850, verfügbar: https://www.nrsr.sk/ web/Default.aspx?sid=zakony/cpt&ZakZborID=13&CisObdobia=6&ID=850. 106 Róbert Dobrovodský barte Zins etwa das Doppelte des Marktzinses, so wird ein auffälliges Missverhältnis zu bejahen sein.10 Neben dem objektiven Missverhältnis des § 39 a ZGB müssen subjektive Ele‐ mente aufseiten des Bewucherten vorliegen: Leichtsinn (slow. ľahkomyseľnosť), Zwangslage (slow. tieseň), Reife des Verstandes (slow. rozumovú vyspelosť), Unerfah‐ renheit (slow. neskúsenosť), Gemütsaufregung (slow. rozrušenie) oder die Unfähig‐ keit, die Schulden zu tilgen (slow. neschopnosť plniť záväzky). Da der Anwendungs‐ bereich des Wuchers nicht uferlos auszudehnen ist, ist die Aufzählung in § 39 a ZGB unserer Meinung nach taxativ. Die Willensschwäche muss ausgenutzt werden (slow. zneužije). Das kann nach Er‐ läuterung zum Vorschlag des Gesetzes nicht nur vorsätzlich erfolgen. Nicht erfor‐ derlich ist für § 39 a ZGB hingegen eine besondere Absicht der Ausbeutung oder Ge‐ winnerzielung. Es genügt, wenn dem Wucherer das Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung fahrlässig nicht bekannt ist.11 Es war ein guter Zugang seitens des Ge‐ setzgebers, durch das bloße Fahrlässigkeitskriterium dem Bewucherten den Nachweis des Vorsatzes des Wucherers zu ersparen. Rechtsfolgen des Wuchers Wucherische Verträge sind nichtig. Unserer Meinung nach sind die Verträge nicht stets insgesamt nichtig, sondern bezüglich der wucherischen Entgeltvereinbarung gel‐ tungserhaltend zu reduzieren. Die Bestimmung des § 41 ZGB über Teilnichtigkeit un‐ terstützt diesen Zugang. Höchstgrenze für Entgelte im Verbraucherkredite und Darlehen für Verbraucher Durch das Gesetz Nr. 106/2014 Slg. vom 1. April 2014 wurde auch die Höchstgrenze für Entgelte im Verbraucherkredite und Darlehen für Verbraucher eingeführt. Laut § 53 Abs. 6 des ZGB darf das Entgelt für Nutzung des Geldes nicht die in der Sonder‐ vorschrift festgelegte Höchstgrenze überschreiten. Die Sondervorschrift ist die Regie‐ rungsverordnung (Durchführungsverordnung) Nr. 87/1995 Slg.12. So regelt die Durchführungsverordnung in § 1 a Abs. 1 die Höchstgrenze als das Doppelte des durchschnittlichen effektiven Jahreszinses auf dem Finanzmarkt in der Slowakei. 4. 5. 10 Vgl. Mészáros, P., Poskytovanie pôžičky spotrebiteľovi v minulosti a v súčasnosti (Kredit‐ vergabe an Verbraucher in der Vergangenheit und in der Gegenwart) In Novotná, M./ Jurčová, M. (ed).: Súkromné právo v európskej perspektíve (Privatrecht in europäischer Perspektive), Typi Universitatis Tyrnaviensis, Trnava 2011, S. 95–107. 11 Vgl. S. 15. der Erläuterung zum Vorschlag, Drucksache 850, verfügbar: https://www.nrsr.s k/web/Default.aspx?sid=zakony/cpt&ZakZborID=13&CisObdobia=6&ID=850. 12 Nariadenie vlády Slovenskej republiky č. 87/1995 Z. z., ktorým sa vykonávajú niektoré ustanovenia Občianskeho zákonníka. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 107 Mindestgröße der Schriften Durch das Gesetz Nr. 106/2014 Slg. vom 1. April 2014 würde auch die Mindestgröße der Schriften im Verbrauchervertrag (zum Verbrauchervertrag näher vgl. Teil 3.4) festgelegt. Gemäß § 53 c ZGB gilt, dass die Bestimmungen (Vertragsbedingungen) des Verbrauchervertrags sowie die Bestimmungen der Allgemeinen Geschäftsbedin‐ gungen oder sonstiger Vertragsdokumente nicht kleiner sein dürfen als die in der Durchführungsverordnung festgestellte Größe. Die Durchführungsverordnung regelt in § 1 c die 1,9 Millimeter als Mindestgröße. Die Entwicklung des Verbraucherschutzrechts in der Slowakei In der Slowakei brachte die Ratifizierung des Assoziierungsabkommens die Pflicht, die Maßnahmen zur Angleichung von Standards vor allem im Bereich des Verbrau‐ cherschutzes umzusetzen. Damit der Gesetzgeber die aus der Assoziierungsabkom‐ men entstandenen Pflichten erfüllen kann, mussten ganz grundlegende Änderungen im Privatrecht durchgeführt werden: Es gab eine umfangreiche Novellierung des Zi‐ vilgesetzbuches (das Gesetz Nr. 509/1991) (im Folgenden nur „ZGB“) und die Verab‐ schiedung des neuen Handelsgesetzbuches (Gesetz Nr. 513/1991), die schon zwei Jahre nach der „Wende“ im Jahr 198913 in Kraft traten. Die Novelle erweiterte vor allem den sachlichen Bereich des ZGB auf die persönlichen und die Vermögensbezie‐ hungen, ohne Rücksicht darauf, in welcher Sphäre des gesellschaftlichen Lebens sich diese befanden oder zwischen welchen Subjekten sie entstanden sind. Die Novelle ging von solchen Prinzipien aus wie Privatautonomie, Vertragsfreiheit, den guten Sit‐ ten u. a. Im Einklang mit der Verfassung wurde der einheitliche und allgemeine Be‐ griff des Eigentumsrechts in das Zivilrecht eingeführt.14 Die grundlegende Funktion der Verträge wurde gestärkt, und damit sollte die Privatautonomie bzw. die Vertrags‐ freiheit die rechtliche Grundlage des wirtschaftlichen Wettbewerbs und ein Grundele‐ ment der marktwirtschaftlichen Ordnung sein. Man spricht von einem Grundpfeiler der Privatrechtsordnung, der seinen Ausdruck in der Bestimmung des § 2 Abs. 3 ZGB findet. Die Rechtssubjekte können also grundsätzlich frei nach ihrem Willen Verträge schließen. Als weitere Bestandteile der Privatautonomie zählt das Schrifttum die Ge‐ staltungs- und Inhaltsfreiheit, Formfreiheit und den Schutz der Schwächeren.15 6. III. 13 Gábriš, T., Vznik slovenskej štátnosti v rokoch 1939 a 1993 (The establishment of the Slovak statehood in 1939 and 1993) In: Na ceste k slovenskej štátnosti. – Bratislava : Ministerstvo vnútra SR, 2018. – ISBN 978–80–969971–6–9. – S. 372–387. 14 Lazar, J., Über die Entwicklung des slowakischen Privatrechts, in: Zeitschrift für europäi‐ sches Privatrecht, Jahr 2013, N. 3, S. 804. 15 Vgl. Lazar, J., Občianske právo hmotné (Lehrbuch des Zivilrechts). Záväzkové právo. I. zväzok. Iuris Libri. Bratislava 2018, s. 15, s. 18; Vgl auch rechtshistorische Entwicklung: Csach, K., Láclavíková, M., Das ABGB und das slowakische Zivilrecht. In: 200 Jahre ABGB – Ausstrahlungen. – Wien : Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, 2011. – ISBN 978–3–214–17786–7. – S. 157–168; Barancová, H., Weaker party protection in labour law In: 11. Dies Luby Iurisprudentiae. – Frankfurt am Main : Peter Lang, 2014. – ISBN 978–3– 631–64743–1. – S. 167–187. 108 Róbert Dobrovodský Weg der Sondergesetze In der Realität ist nicht jeder wirtschaftlich und sozial tatsächlich gleichberechtigt. Nur wenige vor allem Verbraucher sind materiell in der Lage, ihre Freiheiten der Pri‐ vatautonomie zu nutzen. Zum Schutz der Verbraucher vor einer Benachteiligung sieht das slowakische Privatrecht die Einschränkungen der Privatautonomie vor.16 Nach der Umsetzung von EU-Verbraucherschutzrichtlinien in der Slowakei wurden zahlreiche verbraucherschützende Vorschriften im ZGB und Sondergesetzen beschlossen. Neben dem Handelsrecht als Sonderprivatrecht für Kaufleute und dem Arbeitsrecht17 als Sonderprivatrecht der Tätigkeit in persönlicher Abhängigkeit schuf der slowakische Gesetzgeber eine Vielzahl von Gesetzen als Sonderprivatrecht für Verbraucher. Die Umsetzung von EU-Verbraucherschutzrichtlinien in der Slowakei Die EU-Richtlinien wurden teilweise in Sondergesetzen, im ZGB und im allgemeinen Verbraucherschutzgesetz umgesetzt. Als erste Richtlinie wurde die Richtlinie Nr. 85/374/EWG zur Angleichung der Rechts- und der Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Haftung bei fehlerhaften Produkten umgesetzt. Dies wurde in Form eines Sondergesetzes Nr. 294/1999 Slg. über die Produkthaftung umgesetzt.18 In das Sondergesetz Nr. 634/1992 Slg. über den Verbraucherschutz, das als eine öf‐ fentlich-rechtliche Rahmenvorschrift angesehen wird, wurden teilweise die EU-Richt‐ linie 92/59/EWG über die Sicherheit der Produkte und vorübergehend auch die EU- Richtlinie 93/13/EWG über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen aufge‐ nommen. Die Regelung der Richtlinie 93/13/EWG über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen wurde später aus dem Verbraucherschutzgesetz herausgenom‐ men und zusammen mit anderen Richtlinien in das geltende ZGB eingegliedert.19 Das Sondergesetz Nr. 634/1992 Slg. über den Verbraucherschutz wurde durch das Gesetz Nr. 250/2007 Slg. über den Verbraucherschutz ersetzt. Dadurch wurde auch die EU- Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken umgesetzt.20 Die EU-Richt‐ linie 85/577/EWG über den Verbraucherschutz bei außerhalb von Geschäftsräumen 1. 2. 16 Nevolná, Z., Ochrana slabšej strany v obchodnoprávnych vzťahoch ako jeden z prostriedkov posilňovania sociálnej funkcie súkromného práva (Protection of the weaker party in com‐ mercial relations as one of the means of strengthening the social function of private law) In: Fontes iuris. – Kraków: Spolok Slovákov v Poľsku – Towarzystwo Słowaków w Polsce, 2017. – ISBN 978–83–8111–016–7. – S. 159–167. 17 Vgl. Barancová, H., Reform des Arbeitsrechts in der Slowakischen Republik, in: Zeitschrift für ausländisches und internationales Arbeits-und Sozialrecht (ZIAS). – ISSN 0930–861X. – Jahrg. 27, Heft 1 (2013), S. 50–69. 18 Vgl. Dulak, A., Zodpovednosť za škodu spôsobenú vadným výrobkom (Haftung für den durch ein fehlerhaftes Produkt verursachten Schaden), Bratislava 2002 VOPFUK, S. 20 ff. 19 Problematisiert durch: Jurčová, M., Novotná, M., Šedý alebo čierny, to je otázka (Grey or black – that is the question, in: Právo, obchod, ekonomika. – Košice: Šafárika, 2016. – ISBN 978–80–8152–443–1. – ISSN 2453–921X. – S. 286–294. 20 Vgl. Jurčová, M., Unfair commercial practices und unfair contract terms in the Slovak Republic and their reflection in the Slovak case law, In: Societas et iurisprudentia. – ISSN 1339–5467. – online; Roč. 5, č. 1 (2017), s. 38–63; vgl. auch: K. Csach/M. Jurčová, Unfair Contract Terms Protection in Slovakia, OER 1/2020, S. 163 ff. (in diesem Heft). Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 109 geschlossenen Verträgen und die EU-Richtlinie 97/7/EG über den Verbraucherschutz bei Vertragsabschlüssen im Fernabsatz wurden in dem Sondergesetz (außerhalb vom ZGB) Nr. 108/2000 Slg. über den Verbraucherschutz bei Haustürgeschäften und Fern‐ absatzverkauf umgesetzt. Die beiden Richtlinien wurden mittlerweile bereits durch Richtlinie 2011/83/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 über die Rechte der Verbraucher abgeschafft. Daher wurde auch das Gesetz Nr. 108/2000 Slg. ersetzt durch das neue Gesetz Nr. 102/2014 Slg. über den Verbrau‐ cherschutz beim Verkauf von Waren und der Erbringung von Dienstleistungen auf‐ grund Fernabsatzverträgen und aufgrund von Fernabsatzverträgen außerhalb von Ge‐ schäftsräumen geschlossenen Verträgen. Zivilgesetzbuch als Zentralnorm des slowakischen Verbraucherrechts Der Gesetzgeber ging vor allem in der Zeit der Entstehung des Zivilgesetzbuches von der Gleichheit aller Rechtssubjekte aus, welche formal mit gleichen Möglichkeiten ausgestattet sind. Hierin sah der Gesetzgeber die Gewähr für ihre selbstbestimmte Teilnahme am Rechtsverkehr. Vor allem nach der „Wende“ im Jahr 1989 hat sich je‐ doch die Erkenntnis durchgesetzt, dass trotz der formalen Gleichheit die Gefahr be‐ steht, dass sich materiell nicht Selbst-, sondern Fremdbestimmung verwirklicht, weil die Rechtssubjekte aufgrund bestimmter Umstände ihre Freiheit tatsächlich in unter‐ schiedlichem Maße wahrnehmen können. Als typische Gefahrenlage hat der Gesetz‐ geber vor allem Verbrauchergeschäfte (Verbraucherverträge) ausgemacht. Zur Siche‐ rung der materiellen Selbstbestimmung hat der Gesetzgeber in diesem Bereich vor al‐ lem auf Grundlage europarechtlicher Vorgaben die Verbraucherschutzvorschriften er‐ lassen. Grundlegende Bedeutung hatte die einmalige Umsetzung von drei EU-Richtli‐ nien in das ZGB im Jahre 2004. Es handelt sich dabei um die folgenden Richtlinien: 93/13/EWG über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen, 94/47/EG zum Schutz der Erwerber im Hinblick auf bestimmte Aspekte von Verträgen über den Er‐ werb von Teilzeitnutzungsrechten und 1999/44/EG zu bestimmten Aspekten des Ver‐ brauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter. Abgesehen von der inhalt‐ lichen Seite bestehen in der Lehre erhebliche Einwände hinsichtlich der systemati‐ schen Eingliederung dieser EU-Richtlinien in das geltende Zivilgesetzbuch. Beson‐ ders umstritten war die Eingliederung der Verbraucherverträge, einschließlich der Timesharing-Verträge in den Allgemeinen Teil des ZGB.21 Das Zivilgesetzbuch dient als Zentralnorm des slowakischen Verbraucherrechts.22 Es definiert den Verbraucher‐ vertrag. 3. 21 Vgl. Jakubeková-Dulaková, D., K novele Občianskeho zákonníka o spotrebiteľských zm‐ luvách (Zur Novelle des ZGB der Verbraucherverträge) Justičná revue Nr. 8–9, 2004, S. 907 f. 22 Vgl. Maslák, M., Ochrana spotrebiteľa z európskeho pohľadu (Verbraucherschutz aus europäischer Sicht) In: Evropské soukromé právo v čase a prostoru. – Brno : Masarykova univerzita, 2018. – S. 76–95. 110 Róbert Dobrovodský Verbrauchervertrag Es handelt sich um einen Vertrag zwischen einem Unternehmer und einem Verbrau‐ cher, d. h. um einen Vertrag zwischen einer in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbstständigen beruflichen Tätigkeit handelnden Person und einer natürlichen Per‐ son, die ein Rechtsgeschäft zu Zwecken abschließt, die überwiegend weder ihrer ge‐ werblichen noch ihrer selbstständigen beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kön‐ nen. Ein Verbrauchervertrag i. S. d. § 52 Abs. 1 ZGB ist jeder Vertrag ohne Rücksicht auf seine Rechtsform, sofern eine Vertragspartei ein Verbraucher und die andere ein Lieferant ist. Vor der Novelle des ZGB durch das Gesetz Nr. 379/2008 Slg. vom 23. September 2008 wurde der Verbrauchervertrag durch § 52 Abs. 1 ZGB noch wie folgt definiert: Der Verbrauchervertrag ist ein Kauf-, Werk- oder ein anderer Vertrag, der im achten Buch dieses Gesetzes geregelt ist. Die gerade erwähnte Novellierung hat diese Begrenzung des sachlichen Anwendungsbereichs des Verbraucherschutzes in den privatrechtlichen Beziehungen abgeschafft. Umstritten war bis dahin, ob sich der sachliche Anwendungsbereich des Verbrauchervertrags auch auf atypische Verträ‐ ge oder auf Verträge im Anwendungsbereich des slowakischen HGB erstreckt. Der in § 52 Abs. 4 ZGB niedergelegte Verbraucherbegriff will nicht nur nationale Regeln vereinheitlichen, sondern auch europäische Vorgaben erfüllen.23 Konzeptionell knüpft § 52 Abs. 4 an die Privatheit ökonomischen Handelns an.24 Der rollenbezogene Aus‐ gangspunkt verweist auf die strukturelle Unterlegenheit des Verbrauchers. Der Zweck des Rechtsgeschäfts ist an die Privatheit der natürlichen Person als Verbraucher ge‐ knüpft.25 Die Bestimmungen des ZGB dienen als rechtliche Grundlage für die ge‐ richtliche Inhaltskontrolle von Verbraucherverträgen, wobei die Bestimmungen über unlautere Geschäftspraktiken gegenüber Verbrauchern im Gesetz Nr. 250/2007 Slg. über den Verbraucherschutz geregelt sind.26 Die Klauseln in den Verbraucherver‐ trägen sind von der gerichtlichen Inhaltskontrolle ausgenommen, wenn die Vertrags‐ bedingungen im Einzelnen ausgehandelt worden sind.27 Nach dem Gesetz hatte der Verbraucher die Möglichkeit, auf den Inhalt der Vertragsbedingungen Einfluss neh‐ men. Zugunsten von Verbrauchern wird die widerlegbare Vermutung über die fehlen‐ de Möglichkeit der Einflussnahme auf den Inhalt der Vertragsbedingungen geregelt.28 Die Vertragsbedingungen in den Verbraucherverträgen unterliegen einer Inhaltskon‐ 4. 23 Vgl. Csach, K., Štandardné zmluvy [1. vyd.]. – Plzeň : Vydavatelství a nakladatelství Aleš Čeněk, 2009. ISBN 978–80–7380–199–1. 24 Jurčová, M., in: Lazar, J. a kol.: Občianske právo hmotné (Lehrbuch des Zivilrechts). Záväzkové právo. II. zväzok. Iuris Libri. Bratislava 2018, S. 53. 25 Budjač, M., Spotrebiteľská zmluva (Verbrauchervertrag): § 54, in Občiansky zákonník (Praha; C.H. Beck; 2015). 26 Zur Regelung über unlautere Geschäftspraktiken gegenüber Verbrauchern vgl. Schrifttum von Jurčová: Jurčová, M., The protection of fairness of commercial practices and contract terms under Slovak law In: The influence of the European legislation on national legal systems in the field of consumer protection. – Milano: Wolters Kluwer Italia, CEDAM, 2017. S. 111– 130; Jurčová, M.: Unfair commercial practices und unfair contract terms in the Slovak Republic and their reflection in the Slovak case law In: Societas et iurisprudentia. – ISSN 1339–5467. – online; Roč. 5, č. 1 (2017), s. 38–63. 27 § 53 Abs. 2 ZGB. 28 § 53 Abs. 3 ZGB. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 111 trolle mit dem Ziel einer Überprüfung ihrer inhaltlichen Angemessenheit.29 Ausge‐ nommen von der gerichtlichen Inhaltskontrolle sind die Klauseln über die Bestim‐ mung der Hauptleistung oder die Preisregelung.30 § 53 Abs. 12 des ZGB bestimmt, dass bei der Beurteilung der unangemessenen Benachteiligung auch die den Vertrags‐ abschluss begleitenden Umstände zu berücksichtigen sind. Verbraucherschutz bei besonderen Vertriebsformen Nach dem Grundsatz pacta sunt servanda (Verträge sind zu halten) in slowakischem Zivilrecht31 besteht nach Vertragsabschluss grundsätzlich keine Möglichkeit, sich ein‐ seitig wieder vom Vertrag zu lösen.32 Etwas anderes gilt nur dann, wenn besondere Gründe vorliegen oder sich eine Partei den Rücktritt vorbehalten hat. Für Verträge zwischen Unternehmern und Verbrauchern enthalten das ZGB und Sondergesetze ver‐ schiedene Vorschriften, nach denen sich der Verbraucher durch Rücktritt vom Vertrag lösen kann. Ein solches Rücktrittsrecht besteht zum einen im Zusammenhang mit be‐ sonderen Vertriebsformen, bei denen der Verbraucher in erhöhtem Maße schutzwür‐ dig ist. Zu den besonderen Vertriebsformen gehören nach dem Gesetz Nr. 102/2014 Slg. über den Verbraucherschutz beim Verkauf von Waren und der Erbringung von Dienstleistungen aufgrund Fernabsatzverträgen und aufgrund Fernabsatzverträgen au‐ ßerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen (weiterhin „Fernabsatz- und Haustürgesetz“) die Haustür- und Fernabsatzgeschäfte (vgl. Kap. 7). Die Gemeinsam‐ keit dieser Vertriebsformen besteht darin, dass die Verträge auf unübliche Weise, unter unüblichen Umständen oder an einem unüblichen Ort abgeschlossen oder angebahnt werden. Weiterhin bezieht sich der Verbraucherschutz auf einzelne Vertragstypen, z. B. den Teilzeit-Wohnrechtevertrag (vgl. Kap. 8), den Verbrauchsgüterkaufvertrag (vgl. Kap. 9) oder auf bestimmte Kreditverträge (vgl. Kap. 10). Haustür- und Fernabsatzgeschäfte Außerhalb von Geschäftsräumen geschlossene Verträge sind Verträge, die bei gleich‐ zeitiger körperlicher Anwesenheit des Verbrauchers und des Unternehmers an einem Ort geschlossen werden, der kein Geschäftsraum des Unternehmers ist;33 für die der Verbraucher unter den in Nummer 1 genannten Umständen ein Angebot abgegeben hat;34 die in den Geschäftsräumen des Unternehmers oder durch Fernkommunikati‐ onsmittel geschlossen werden, bei denen der Verbraucher jedoch unmittelbar zuvor außerhalb der Geschäftsräume des Unternehmers bei gleichzeitiger körperlicher An‐ wesenheit des Verbrauchers und des Unternehmers persönlich und individuell ange‐ 5. a) 29 § 53 Abs. 1 erster Satz ZGB. 30 § 53 Abs. 1 zweiter Satz ZGB. 31 § 48 Abs. 1 ZGB. 32 Vgl. K. Gešková, Zásady európskeho súkromného práva (Grundsätze des europäischen Privatrechts), 1. vyd. Praha: Leges, 2019. 33 Vgl. § 2 Abs. 2 Lit. a) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 34 Vgl. § 2 Abs. 2 Lit. b) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 112 Róbert Dobrovodský sprochen wurde;35 oder die auf einem Ausflug geschlossen werden, der von dem Un‐ ternehmer oder mit seiner Hilfe organisiert wurde, um beim Verbraucher für den Ver‐ kauf von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen zu werben und mit ihm entsprechende Verträge abzuschließen.36 Die Geschäftsräume sind definiert im Gesetz37 als unbewegliche Gewerberäume, in denen der Unternehmer seine Tätigkeit dauerhaft ausübt, und bewegliche Gewerbe‐ räume, in denen der Unternehmer seine Tätigkeit für gewöhnlich ausübt. Gewerberäu‐ me, in denen die Person, die im Namen oder Auftrag des Unternehmers handelt, ihre Tätigkeit dauerhaft oder für gewöhnlich ausübt, stehen Räumen des Unternehmers gleich. Fernabsatzverträge sind Verträge, bei denen der Unternehmer oder eine in seinem Namen oder Auftrag handelnde Person und der Verbraucher für die Vertragsverhand‐ lungen und den Vertragsschluss ausschließlich Fernkommunikationsmittel verwen‐ den, es sei denn, dass der Vertragsschluss nicht im Rahmen eines für den Fernabsatz organisierten Vertriebs- oder Dienstleistungssystems erfolgt. Fernkommunikations‐ mittel sind alle Kommunikationsmittel, die zur Anbahnung oder zum Abschluss eines Vertrags eingesetzt werden können, ohne dass die Vertragsparteien gleichzeitig kör‐ perlich anwesend sind. Das Gesetz zählt beispielhaft folgende Mittel auf: E-Mails, Webseite, Telefon.38 Rücktrittsrecht Zum Rücktritt berechtigt ist der jeweils als Verbraucher beteiligte Vertragspartner, so‐ fern die Voraussetzungen nach § 7 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes für die Ein‐ räumung des Rücktrittsrechts erfüllt sind. Die Übertragung des Rücktrittsrechts kann nach den allgemeinen Regelungen nur zusammen mit der Forderung des Verbrauchers erfolgen, weil es sich hierbei um ein unselbstständiges Gestaltungsrecht handelt. Rücktrittserklärung des Verbrauchers Als einseitiges Gestaltungsrecht des Verbrauchers ist der Rücktritt durch zugangsbe‐ dürftige Willenserklärung gegenüber dem Unternehmer auszuüben.39 Die Erklärung kann auch durch einen Vertreter erfolgen.40 Inhaltlich muss die Erklärung den Willen des Verbrauchers erkennen lassen, sich von der vertraglichen Bindung zu lösen. Die ausdrückliche Verwendung des Begriffs „Rücktritt“ ist nicht erforderlich41 und es be‐ b) c) 35 Vgl. § 2 Abs. 2 Lit. c) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 36 Vgl. § 2 Abs. 2 lit. d) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 37 Vgl. § 2 Abs. 6 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 38 Vgl. § 2 Abs. 1 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 39 Dobrovodský, R., in: Števček, M. a kol.: Občiansky zákonník. Komentár k § 45: Dôjdenie prejavu vôle. (Kommentar zum ZGB. Zugang von Willenserklärung) Praha: 2. Vydanie. C.H. Beck, 2019. 40 Jurčová, M., in: Števček, M. a kol.: Občiansky zákonník. Komentár k § 22: Zastúpenie. (Kommentar zum ZGB. Stellvertretung) Praha: 2. Vydanie. C.H. Beck, 2019. 41 Vgl. § 8 Abs. 1 erster Satz des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 113 steht auch keine Begründungspflicht des Verbrauchers.42 Der Rücktritt muss den be‐ troffenen Vertrag und die Identität der rücktretenden Person erkennen lassen. Der Rücktritt ist an eine bestimmte Form gebunden: Die Erklärung muss in Papierform oder in anderweitig dauerhaft verkörperter Form abgegeben.43 Im Falle von mündlich abgeschlossenen Verträgen kann der Rücktritt in beliebiger Form erfolgen.44 Der Unternehmer kann dem Verbraucher die Möglichkeit einräumen, das Muster‐ rücktrittsformular nach Anlage 3 zum Fernabsatz- und Haustürgesetz auszufüllen und zu übermitteln.45 Ermöglicht der Unternehmer dem Verbraucher, die Rücktrittserklärung auf der Webseite des Unternehmers auszufüllen und zu übermitteln, muss der Unternehmer dem Verbraucher den Zugang des Rücktrittes unverzüglich auf einem dauerhaften Da‐ tenträger bestätigen.46 In diesem Fall muss der Unternehmer aus Beweisgründen dem Verbraucher den Zugang der Rücktrittserklärung unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger, etwa per E-Mail, die der Verbraucher speichern oder ausdrucken kann, bestätigen. Nicht ausreichend ist die Bestätigung des Unternehmers auf seiner Inter‐ netseite, denn insoweit besteht die Einwirkungsmöglichkeit des Unternehmers fort. Die Ausübung des Rücktrittsrechts und der Zugang der Erklärung beim Unterneh‐ mer sind im Streitfall vom Verbraucher zu beweisen.47 Dabei kann er sich, wenn die Absendung feststeht oder bewiesen ist, hinsichtlich des Zugangs auf den Beweis des ersten Anscheins berufen. Es empfiehlt sich gleichwohl aus Beweisgründen die Über‐ sendung per Einschreiben mit Rückschein. Für die Fristwahrung genügt die rechtzeiti‐ ge Absendung.48 Dauer und Beginn der Rücktrittsfrist Die Rücktrittsfrist beträgt nach § 7 Abs. 1 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes für al‐ le vom Fernabsatz- und Haustürgesetz erfassten Rücktrittsrechte grundsätzlich ein‐ heitlich 14 Tage. Die Rücktrittsfrist beginnt mit dem Vertragsschluss, soweit nichts anderes bestimmt ist. Bei einem Verbrauchsgüterkauf beginnt die Rücktrittsfrist, sobald der Verbraucher oder ein von ihm benannter Dritter, der nicht Frachtführer ist, die Waren erhalten hat.49 Anders als beim Zugang von Willenserklärungen (§ 45 Abs. 1 ZGB) kommt es mit Blick auf die verbraucherschützende Zielsetzung darauf an, dass der Verbraucher die Ware tatsächlich erhalten hat, sodass etwa ein Zugang durch Einwurf in den Briefkasten während einer mehrtägigen Abwesenheit des Verbrauchers die Frist nicht in Gang setzt. Denn der slowakische Gesetzgeber hat den in der Verbraucherrechte‐ richtlinie verwendeten Begriff des „physischen“ Besitzes zwar nicht übernommen, d) 42 Vgl. § 7 Abs. 1 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 43 Vgl. § 8 Abs. 1 erster Satz des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 44 Vgl. § 8 Abs. 1 zweiter Satz des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 45 Vgl. § 8 Abs. 1 zweiter Satz des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 46 Vgl. § 8 Abs. 4 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 47 Vgl. § 8 Abs. 6 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 48 Vgl. § 8 Abs. 2 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 49 Vgl. § 7 Abs. 1 und Abs. 4 lit a) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 114 Róbert Dobrovodský immerhin aber in den Erwägungen miteinbezogen und damit zu erkennen gegeben, dass ein rechtlicher Zugang nicht ausreichen soll. Im Falle, dass der Verbraucher mehrere Waren im Rahmen einer einheitlichen Be‐ stellung bestellt hat und die Waren getrennt geliefert werden, beginnt die Rücktritts‐ frist, sobald der Verbraucher oder ein von ihm benannter Dritter, der nicht Frachtfüh‐ rer ist, die letzte Ware erhalten hat.50 Ist nach verständiger Würdigung trotz des ein‐ heitlichen Bestellvorgangs davon auszugehen, dass mehrere getrennte Kaufverträge vorliegen, etwa weil es an einem erkennbaren Zusammenhang zwischen den verschie‐ denen Waren fehlt, ist die Rücktrittsfrist für jeden Kaufvertrag getrennt zu ermitteln. Im Falle, dass dem Verbraucher die Ware in mehreren Teilsendungen oder Stü‐ cken geliefert wird, beginnt die Rücktrittsfrist, sobald der Verbraucher oder ein vom Verbraucher benannter Dritter, der nicht Frachtführer ist, die letzte Teilsendung oder das letzte Stück erhalten hat.51 Die vierzehntägige Frist ist nach § 122 Abs. 1 Satz 1 ZGB zu berechnen. Sie endet mit dem Ablauf des vierzehnten Tages, beginnend mit dem Folgetag des Tages, an welchem die letzte für den Fristbeginn erforderliche Voraussetzung erfüllt wird.52 Rechtsfolgen des Rücktritts Verbraucher und Unternehmer müssen die empfangenen Leistungen nicht sofort, son‐ dern spätestens nach 14 Tagen einander zurückstellen. Abweichend vom ZGB gilt da‐ her, dass die empfangenen Leistungen spätestens nach 14 Tagen zurückzustellen sind.53 Vom Unternehmer gelieferte Waren und sonstige dem Verbraucher überlassene Vermögensgegenstände sind vom Verbraucher im Fall des Rücktritts grundsätzlich in Natur zurückzugewähren.54 Soweit die Waren postpaketversandfähig sind, hat der Verbraucher sie auch im Falle des Rücktritts zurückzusenden. Soweit die Ware nicht postversandfähig ist, bedarf es der Übergabe an ein Logistikunternehmen, es sei denn, der Unternehmer hat angeboten, die Waren abzuholen, sodass insoweit ein Rücknah‐ meverlangen des Verbrauchers genügt.55 Es handelt sich um eine Schickschuld, bei der der Verbraucher die Rücksendung schuldet, während der Unternehmer die Gefahr des zufälligen Untergangs oder zufälliger Verschlechterung trägt. Leistungsort ist der Wohnsitz oder gewöhnliche Aufenthaltsort des Verbrauchers als Schuldner. Der Ver‐ braucher ist verpflichtet, die zurückzusendende Ware angemessen zu verpacken, wo‐ e) 50 Vgl. § 7 Abs. 1 und Abs. 4 lit b) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 51 Vgl. § 7 Abs. 1 und Abs. 4 lit c) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 52 Novotná, M., in: Lazar, J. a kol.: Občianske parvo hmotné (Lehrbuch des Zivilrechts). Všeobecná časť. I. zväzok. Iuris Libri. Bratislava 2018, S. 211; vgl. auch: Trojčáková, V., Vyporiadanie medzi stranami po odstúpení od zmluvy: K Návrhu právnej úpravy reštitúcie: In: Jednotný systém nesplnenia a prostriedkov nápravy: Návrh koncepcie a pravidiel (usta‐ novení) budúcej právnej úpravy. – Praha: Leges, 2018, S. 125–135. 53 Vgl. § 10 Abs. 1 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 54 Vgl. Mészáros, P., Odstúpenie od zmluvy ako prostriedok nápravy (Rücktritt vom Vertrag als Rechtbehelf) In: Jednotný systém nesplnenia a prostriedkov nápravy: Návrh koncepcie a pravidiel (ustanovení) budúcej právnej úpravy. – Praha: Leges, 2018, S. 98–103. 55 Vgl. § 9 Abs. 4 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 115 bei er die Originalverpackung nicht verwenden muss. Der Verbraucher hat die Kosten der Rücksendung nicht zu tragen, wenn die gelieferte Ware nicht der bestellten Ware entspricht. Die Falschlieferung ist vom Unternehmer auf seine Kosten zurückzuneh‐ men. Der Ausnahme sind auch solche Fälle zu unterstellen, in denen die gelieferte Ware Mängel aufweist und dem Verbraucher daher ein Anspruch auf Nacherfüllung oder ein Rücktrittsrecht zusteht. Der Unternehmer muss auch etwaige Zahlungen des Verbrauchers für die Liefe‐ rung zurückgewähren.56 Dies gilt nicht, soweit dem Verbraucher zusätzliche Kosten entstanden sind, weil er sich für eine andere Art der Lieferung als die vom Unterneh‐ mer angebotene günstigste Standardlieferung entschieden hat.57 Für die Rückzahlung muss der Unternehmer dasselbe Zahlungsmittel verwenden, das der Verbraucher bei der Zahlung verwendet hat.58 Entsprechend Art. 13 Abs. 1 S. 2 der Verbraucherrechterichtlinie hat der Unternehmer die Rückzahlung sämtlicher vom Verbraucher erhaltener Zahlungen unter Verwendung desselben Zahlungsmittels, welches der Verbraucher verwendet hat, vorzunehmen. Dies gilt nicht, wenn die Par‐ teien zuvor ausdrücklich etwas anderes vereinbart haben und dem Verbraucher da‐ durch keine Mehrkosten entstehen. Damit scheidet die Hingabe eines Gutscheins aus, es sein denn, dies hatte der Verbraucher ausdrücklich akzeptiert oder bereits die ur‐ sprüngliche Transaktion mittels Einlösen eines Gutscheins durchgeführt. Bei einem Verbrauchsgüterkauf kann der Unternehmer die Rückzahlung verwei‐ gern, bis er die Waren zurückerhalten hat oder der Verbraucher den Nachweis erbracht hat, dass er die Waren abgesandt hat. Dies gilt nicht, wenn der Unternehmer angebo‐ ten hat, die Waren abzuholen.59 Der Verbraucher trägt die unmittelbaren Kosten der Rücksendung der Waren, wenn der Unternehmer den Verbraucher von dieser Pflicht unterrichtet hat.60 Bei au‐ ßerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen, bei denen die Waren zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses zur Wohnung des Verbrauchers geliefert worden sind, ist der Unternehmer verpflichtet, die Waren auf eigene Kosten abzuholen, wenn die Waren so beschaffen sind, dass sie nicht per Post zurückgesandt werden können.61 Der Verbraucher hat Wertersatz für einen Wertverlust der Ware zu leisten, wenn der Wertverlust auf einen Umgang mit den Waren zurückzuführen ist, der zur Prüfung der Beschaffenheit, der Eigenschaften und der Funktionsweise der Waren nicht not‐ wendig war.62 Dies gilt aber nicht, wenn der Unternehmer den Verbraucher über sein Rücktrittsrecht unterrichtet hat.63 56 Vgl. § 9 Abs. 1 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 57 Vgl. § 9 Abs. 3 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 58 Vgl. § 9 Abs. 2 erster Satz des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 59 Vgl. § 9 Abs. 5 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 60 Vgl. § 10 Abs. 3 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 61 Vgl. § 9 Abs. 4 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 62 Vgl. § 10 Abs. 4 erster Satz des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 63 Vgl. § 10 Abs. 4 zweiter Satz des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 116 Róbert Dobrovodský Ausschluss des Rücktrittsrechts Das Rücktrittsrecht besteht nicht in einer Reihe von Fällen, die in § 7 Abs. 6 des Fern‐ absatz- und Haustürgesetzes ausgezählt sind. Es handelt sich um Verträge, in denen die Rückabwicklung für den Unternehmer unzumutbar wäre, insbesondere ein erheb‐ liches Missbrauchspotenzial für Verbraucher eröffnen würde. Es handelt sich um fol‐ gende Tatbestände: ● Kundenspezifikation, persönlicher Zuschnitt: Verträge zur Lieferung von Waren, die nicht vorgefertigt sind und für deren Herstellung eine individuelle Auswahl oder Bestimmung durch den Verbraucher maßgeblich ist oder die eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse des Verbrauchers zugeschnitten sind,64 ● Schwankungen auf dem Finanzmarkt: Verträge zu Finanzdienstleistungen, deren Preis von Schwankungen auf dem Finanzmarkt abhängt, auf die der Unternehmer keinen Einfluss hat und die innerhalb der Rücktrittsfrist auftreten können;65 ● Verderblichkeit: Verträge zur Lieferung von Waren, die schnell verderben kön‐ nen;66 ● Versiegelte Waren: Verträge zur Lieferung versiegelter Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, wenn ihre Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde;67 ● Untrennbare Vermischung mit anderen Gütern: Verträge zur Lieferung von Waren, wenn diese nach der Lieferung aufgrund ihrer Beschaffenheit untrennbar mit an‐ deren Gütern vermischt wurden;68 ● Zeitungen, Zeitschriften, Illustrierte: Verträge zur Lieferung von Zeitungen, Zeit‐ schriften oder Illustrierten mit Ausnahme von Abonnement-Verträgen.69 Informationspflichten, Belehrungspflichten und Bestätigungspflichten bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und Fernabsatzverträgen Bei Verträgen, die außerhalb von Geschäftsräumen oder im Fernabsatz geschlossen worden sind, beginnt die vierzehntägige Rücktrittsfrist erst mit der Erfüllung be‐ stimmter Informationspflichten durch den Unternehmer. Entsprechend den Vorgaben nach § 3 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes ist der Unternehmer verpflichtet, den Verbraucher vor Abgabe seiner auf Abschluss des Vertrags gerichteten Erklärung über die Bedingungen, die Fristen und das Verfahren für die Ausübung des Rücktrittsrechts und das Muster für das Rücktrittsformular in Anlage 2 zum Fernabsatz- und Haustür‐ gesetz zu belehren. Der Unternehmer ist nach § 3 Abs. 1 des Fernabsatz- und Haustür‐ gesetzes verpflichtet, die Informationen in klarer und verständlicher Weise dem Ver‐ braucher vor Abgabe von dessen Vertragserklärung zur Verfügung zu stellen. Die Be‐ f) g) 64 Vgl. § 7 Abs. 6 lit. c) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 65 Vgl. § 7 Abs. 6 lit. b) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 66 Vgl. § 7 Abs. 6 lit. d) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 67 Vgl. § 7 Abs. 6 lit. e) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 68 Vgl. § 7 Abs. 6 lit. f) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 69 Vgl. § 7 Abs. 6 lit. j) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 117 stimmungen des § 3 Abs. 1 und Abs. 2 enthalten zur Form der Information, die auch die entsprechenden Belehrungen enthalten muss, detaillierte Angaben. Der Unternehmer ist nach § 3 Abs. 1 verpflichtet, dem Verbraucher z. B. folgende Informationen zur Verfügung zu stellen: ● die wesentlichen Eigenschaften der Waren oder Dienstleistungen in dem für das Kommunikationsmittel und für die Waren und Dienstleistungen angemessenen Umfang;70 ● seine Identität, beispielsweise seinen Handelsnamen sowie die Anschrift des Ortes und die Identität des Unternehmers, in dessen Auftrag er handelt;71 ● seine Telefonnummer und gegebenenfalls seine Telefaxnummer und E-Mail- Adresse sowie gegebenenfalls die Anschrift und die Identität des Unternehmers, in dessen Auftrag er handelt, falls diese vorhanden sind;72 ● den Gesamtpreis der Waren oder Dienstleistungen einschließlich aller Steuern und Abgaben, oder in den Fällen, in denen der Preis aufgrund der Beschaffenheit der Waren oder Dienstleistungen vernünftigerweise nicht im Voraus berechnet werden kann, die Art der Preisberechnung sowie gegebenenfalls alle zusätzlichen Fracht-, Liefer- oder Versandkosten und alle sonstigen Kosten, oder in den Fällen, in de‐ nen diese Kosten vernünftigerweise nicht im Voraus berechnet werden können, die Tatsache, dass solche zusätzlichen Kosten anfallen können;73 ● Informationen über die Bedingungen, die Fristen und das Verfahren für die Aus‐ übung des Rücktrittsrechts nach § 7 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes sowie das Musterrücktrittsformular.74 Bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen ist der Unternehmer verpflichtet, dem Verbraucher eine Abschrift eines Vertragsdokuments alsbald auf Pa‐ pier zur Verfügung zu stellen75, das von den Vertragsschließenden so unterzeichnet wurde, dass ihre Identität erkennbar ist oder eine Bestätigung des Vertrags, in der der Vertragsinhalt wiedergegeben ist. Teilzeit-Wohnrechtevertrag Die Timesharing-RL 2008/122/EG76 wurde in das slowakische Recht durch das Ge‐ setz Nr. 161/2011 Slg. vom 17. Mai 2011 über den Verbraucherschutz bei Anbieten 6. 70 Vgl. § 3 Abs. 1 lit. a) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 71 Vgl. § 3 Abs. 1 lit. b) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 72 Vgl. § 3 Abs. 1 lit. c) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 73 Vgl. § 3 Abs. 1 lit. e) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 74 Vgl. § 3 Abs. 1 lit. h) des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 75 Vgl. § 6 Abs. 1 des Fernabsatz- und Haustürgesetzes. 76 Richtlinie 2008/122/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Januar 2009 über den Schutz der Verbraucher im Hinblick auf bestimmte Aspekte von Teilzeitnutzungs‐ verträgen, Verträgen über langfristige Urlaubsprodukte sowie Wiederverkaufs- und Tausch‐ verträgen, ABl 2009, L 33/10. 118 Róbert Dobrovodský ausgewählter Urlaubsprodukte77 (in der Folge nur „UpG“)78 umgesetzt. Auf Verträge, die vor dem 1. Juli 2011 abgeschlossen wurden, sind die §§ 55 bis 60 des ZGB in der bis zu diesem Tag geltenden Fassung anzuwenden.79 Schon vor der gesetzlichen Re‐ gelung hat die slowakische und tschechische Rechtswissenschaft eine Antwort auf die Frage nach der systematischen Einordnung des Timesharings im Privatrecht ge‐ sucht80. Durch Schaffung eines neuen Sondergesetzes für das Timesharing hat der Ge‐ setzgeber zumindest vorübergehend die Diskussion beendet. Zwar waren sich alle Vertreter der Zivilrechtslehre darüber einig, dass die Regeln betreffend das Timesha‐ ring nicht in einem Sondergesetz, sondern im ZGB umgesetzt werden sollten, doch herrschte keine Einigkeit in der Frage, ob das Timesharing im Allgemeinen Teil oder im Besonderen Teil des Schuldrechts zu regeln sei. Da der Inhalt des Timesharings nach dem Konzept der Timesharing-RL 2008/122/EG weit zu verstehen ist, befürwor‐ teten Melzer und Tomančákova eine Eingliederung des Timesharings im Allgemeinen Teil des ZGB. Dagegen vertraten Vojčík und Selucká eine Gegenmeinung und be‐ trachteten Timesharing als ein der Miete ähnliches Institut; sie waren daher für eine Regelung des Timesharings als Sondertypus des Mietvertrages.81 Dessen ungeachtet hat sich der Gesetzgeber nunmehr für die Schaffung eines Sondergesetzes entschie‐ den. Persönlicher Anwendungsbereich des UpG Das UpG regelt sowohl den sachlichen als auch den persönlichen Anwendungsbe‐ reich.82 Es legt die Rechte des Verbrauchers und die Pflichten des Gewerbetreibenden i. Z. m. dem Anbieten von ausgewählten Urlaubsprodukten fest. Das UpG sieht dabei keine eigene Definition des Gewerbetreibenden (Unternehmers) vor, sondern ver‐ weist auf die Legaldefinition des Verkäufers im Rahmen des Verbraucherschutzgeset‐ zes.83 Gemäß dieser Bestimmung sind eine natürliche oder juristische Person, die für die Zwecke ihrer gewerblichen, geschäftlichen, handwerklichen oder beruflichen Tä‐ tigkeit handelt, sowie jede Person, die im Namen oder im Auftrag eines Gewerbetrei‐ benden handelt, als Verkäufer anzusehen. Da nach dem Verbraucherschutzgesetz Ver‐ a) 77 Zákon č. 161/2011 Z.z. zo 17. mája 2011 o ochrane spotrebiteľa pri poskytovaní niektorých služieb cestovného ruchu a o zmene a doplnení niektorých zákonov. 78 Dieses neue Gesetz wurde in der Gesetzessammlung am 24. 01. 2011 veröffentlicht und trat zum 1.7.2011 in Kraft. 79 Die Bestimmungen des ZGB, durch welche die Richtlinie 94/47/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Oktober 1994 zum Schutz der Erwerber im Hinblick auf bestimmte Aspekte von Verträgen über den Erwerb von Teilzeitnutzungsrechten an Immo‐ bilien, ABl 1994, L 280/83, umgesetzt wurde, sind zum 1. Juli 2011 aufgehoben worden. 80 Vgl. Jurčová, M., Vybrané otázky implementácie smernice o balíkoch cestovných služieb a spojených cestovných službách (Selected questions on the implementation of directive on package travel and linked travel arrangements) In: Zásady európskeho súkromného práva v aplikačnej praxi. Spotrebiteľský kódex: áno či nie?. – Praha : Leges, 2018, S. 96–110. 81 Vojčík, Spotrebiteľská zmluva (ochrana spotrebiteľa), Bulletin slovenskej advokácie 12/2008, S 16; Selucká, Ochrana spotřebitele v navrhovaném občanském zákoníku, Právní rozhledy, 17. ročník, 10/2009, S 365. 82 § 1 Abs. 1 UpG. 83 § 2 lit. b) Gesetz Nr. 250/2007 Slg. vom 9. Mai 2007. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 119 braucher sowohl natürliche als auch juristische Personen sein können,84 was nicht im Einklang mit der Verbraucherdefinition der Timesharing-RL 2008/122/EG steht,85 normierte der Gesetzgeber unter Verzicht auf eine Bezugnahme auf das Verbraucher‐ schutzgesetz im UpG eine eigenständige Definition des Verbrauchers. Danach gilt als Verbraucher jede natürliche Person, welche Dienstleistungen für den eigenen Bedarf oder für den Bedarf von Angehörigen seines Haushalts einkauft und nutzt.86 Sachlicher Anwendungsbereich des UpG Für den sachlichen Anwendungsbereich des UpG ist die Bestimmung des § 4 UpG grundlegend. Danach werden im Bereich der ausgewählten Urlaubsprodukte vier Ty‐ pen von Verträgen unterschieden. Es handelt sich dabei um folgende Vertragstypen: ● der Teilzeit-Wohnrechtevertrag (Teilzeit-Wohnrechte zur Nutzung von Unter‐ kunftseinrichtungen),87 ● der Vertrag über ein langfristiges Urlaubsprodukt,88 ● der Tauschsystemvertrag,89 ● der Vermittlungsvertrag über einen Weiterverkauf.90 Ein Teilzeit-Wohnrechtevertrag ist ein Vertrag, aufgrund dessen ein Verkäufer einem Verbraucher gegen Zahlung eines Gesamtpreises das Recht verschafft oder zu ver‐ schaffen verspricht, für die Dauer von mehr als einem Jahr ein oder mehrere Wohnge‐ bäude (Unterkunftseinrichtungen) zu Übernachtungszwecken nutzen zu dürfen.91 Der Begriff „Unterkunftseinrichtung“ ist in einem weiten Sinn zu verstehen, da das UpG nicht nur Gebäude und Räumlichkeiten, in welchen dem Verbraucher kurzfristig Un‐ terkunft gewährt wird, sondern auch Nutzflächen in diesen Begriff einbezieht.92 Eine Unterkunftseinrichtung liegt überdies bei einer beweglichen, als Übernachtungsunter‐ kunft vorgesehenen Sache vor. Dies entspricht den Vorgaben der Timesharing- RL 2008/122/EG, da sich diese nicht auf Wohnrechte an unbeweglichen Sachen be‐ schränkt, sondern sich auch auf bewegliche Übernachtungsunterkünfte erstreckt. So‐ mit sind nunmehr auch Nutzungsrechte an Hausbooten, Wohnmobilen, an Kabinen auf Kreuzfahrtschiffen und dergleichen mehr erfasst.93 Ein Vertrag über ein langfristiges Urlaubsprodukt ist ein Vertrag, durch den ein Verkäufer einem Verbraucher den Erwerb von Preisnachlässen oder sonstigen Ver‐ günstigungen in Bezug auf eine Unterkunft verspricht. Ein Vertrag über ein langfristi‐ b) 84 § 2 lit. a) Gesetz Nr. 250/2007 Slg. vom 9. Mai 2007. 85 Art 2 lit. f Timesharing-RL 2008/122/EG. 86 § 2 lit. a) UpG. 87 Zmluva o časovo vymedzenom užívaní ubytovacích zariadení. 88 Zmluva o poskytovaní dlhodobých rekreačných služieb. 89 Zmluva o účasti vo výmennom systéme. 90 Zmluva o sprostredkovaní ďalšieho predaja. 91 § 4 Abs. 1 UpG. 92 § 2 lit. d) UpG. 93 Proposal, COM(2007) 303, S 9: final contracts for accommodation in canal boats, caravans or cruise-ships (http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2007:0303: FIN:EN:PDF). 120 Róbert Dobrovodský ges Urlaubsprodukt ist für die Dauer von mehr als einem Jahr abzuschließen.94 Diese Bestimmung dient der Umsetzung von Art. 2 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 Timesharing- RL 2008/122/EG. Sie erfasst beispielsweise die Mitgliedschaft in Reise-Rabatt- Klubs, die gegen Entgelt für einen bestimmten Zeitraum den Zugriff auf besonders günstige Reiseangebote ermöglichen. Wie aus Art. 2 Abs. 1 lit. b Timesharing- RL 2008/122/EG sowie EG Timesharing-RL 2008/122/EG abzuleiten ist, fallen aller‐ dings keine Verträge in den Anwendungsbereich dieser Vorschrift, bei denen die Möglichkeit des Erwerbs von Vergünstigungen keinen Hauptzweck darstellt. So sind beispielsweise herkömmliche Treueprogramme für Hotelkunden in aller Regel nicht von dieser Bestimmung erfasst. Ein Tauschsystemvertrag ist ein Vertrag, aufgrund dessen sich ein Unternehmer von einem Verbraucher ein Entgelt für die Teilnahme des Verbrauchers an einem Tauschsystem versprechen lässt.95 Das UpG definiert ein Tauschsystem als System,96 bei welchem dem Verbraucher eine Gelegenheit zum Ab‐ schluss eines Vertrags oder zur Vermittlung eines Vertrags eröffnet wird, durch den einzelne Rechte des Verbrauchers aus einem Teilzeitwohnrechtevertrag oder aus einem Vertrag über ein langfristiges Urlaubsprodukt getauscht oder auf andere Weise erworben oder veräußert werden sollen. Ein Tauschsystemvertrag liegt z. B. vor, wenn der Verbraucher gegen Entgelt Zugang zu einem Tauschpool erhält, der ihn zur Nutzung einer Übernachtungsunterkunft oder einer anderen Leistung berechtigt, wenn der Verbraucher im Gegenzug dafür die vorübergehende Nutzung seines eigenen Teil‐ zeitwohnrechts durch einen Dritten ermöglicht. Dieser Dritte muss nicht identisch mit demjenigen sein, dessen Leistung der Verbraucher seinerseits nutzt. Ein Vermittlungs‐ vertrag über einen Weiterverkauf liegt bei einem Vertrag vor, durch den sich ein Un‐ ternehmer von einem Verbraucher ein Entgelt für den Nachweis einer Gelegenheit zum Abschluss eines Vertrags oder für die Vermittlung eines Vertrags versprechen lässt, durch den die Rechte des Verbrauchers aus einem Teilzeitwohnrechtevertrag oder einem Vertrag über ein langfristiges Urlaubsprodukt von einem Dritten erworben oder veräußert werden sollen.97 Die subsidiäre Anwendung von ZGB und Verbraucherschutzgesetz auf das UpG Die Bestimmung des § 1 Abs. 2 UpG sieht eine subsidiäre Anwendung von speziellen Rechtsvorschriften, insbesondere des ZGB und des Verbraucherschutzgesetzes, vor. Eine subsidiäre Anwendung dieser Vorschriften ist für einen umfassenden Verbrau‐ cherschutz im Bereich der Urlaubsprodukte und des Tourismus besonders wichtig, da das UpG nur spezielle Fragen des Verbraucherschutzes regelt. Das Verbraucher‐ schutzgesetz, durch welches die RL über unlautere Geschäftspraktiken RL 2005/29/EG98 in slowakisches Recht umgesetzt wurde, und welches einen Dreic) 94 § 4 Abs. 2 UpG. 95 § 4 Abs. 3 UpG. 96 § 2 lit. b) UpG. 97 § 4 Abs. 4 UpG. 98 Richtlinie 2005/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Mai 2005 über unlautere Geschäftspraktiken im binnenmarktinternen Geschäftsverkehr zwischen Unterneh‐ men und Verbrauchern und zur Änderung der Richtlinie 84/450/EWG des Rates, der Richt‐ Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 121 Stufen-Test der Unlauterkeit von Geschäftspraktiken eingeführt hat, bildet den allge‐ meinen Rahmen für die Beurteilung von irreführenden, aggressiven oder sonst unlau‐ teren Geschäftspraktiken im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrau‐ chern. Das UpG wiederum sieht im Hinblick auf bestimmte Arten von Produkten und Geschäftspraktiken i. Z. m. Teilzeitnutzungsrechten, langfristigen Urlaubsprodukten, Wiederverkauf und Tausch detaillierte und spezifischere Bestimmungen über Infor‐ mationsanforderungen und im Hinblick auf Verkaufsveranstaltungen vor. Die im UpG definierten touristischen Leistungen sind als Dienstleistungen im Sin‐ ne des Verbraucherschutzgesetzes zu qualifizieren,99 und deswegen gilt z. B. das Ver‐ bot einer Bündelung des Verkaufes von Dienstleistungen mit anderen Produkten oder mit anderen Dienstleistungen100 auch für die vom UpG erfassten touristischen Leis‐ tungen. Die allgemeinen Bestimmungen über Reklamationen101 finden ebenfalls An‐ wendung auf touristische Leistungen im Sinne des UpG. Allerdings ist die Anwen‐ dung von bestimmten Regelungen des Verbraucherschutzgesetzes wegen dessen Sub‐ sidiarität ausgeschlossen, da das UpG insoweit Sonderregelungen beinhaltet. Ein gu‐ tes Beispiel dafür ist die Pflicht des Verkäufers bzw. Dienstleisters, dem Käufer eine Bestätigung über die Erbringung von Dienstleistungen und Waren mit bestimmten Angaben102 auszustellen, da diese Angaben mit den vom UpG vorgeschriebenen An‐ gaben zum Vertragsinhalt übereinstimmen. Darüber hinaus wird die Anwendbarkeit der Bestimmung des Verbraucherschutzgesetzes über die allgemeinen Informations‐ pflichten des Verkäufers gegenüber dem Käufer (Verbraucher) über die Eigenschaften (Natur) des Dienstes103 durch die besonderen Bestimmungen des UpG ausgeschlos‐ sen. Merkmale des Vertrags (Form, Inhalt, Entgeltlichkeit, Mindestvertragsdauer und Vertragssprache) Die gemeinsamen Merkmale aller vier Vertragstypen sind die Entgeltlichkeit und die Schriftform. Im slowakischen Privatrecht können grundsätzlich alle Rechtsgeschäfte formfrei vorgenommen werden, es sei denn, das Gesetz schreibt eine bestimmte Form vor, oder die Formbedürftigkeit beruht auf Parteivereinbarung.104 Zur Wahrung der d) linien 97/7/EG, 98/27/EG und 2002/65/EG des Europäischen Parlaments und des Rates sowie der Verordnung (EG) Nr. 2006/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates (Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken), ABl 2005, L 149/22. 99 § 2 lit. i) Gesetz Nr. 250/2007 Slg. vom 9. Mai 2007. 100 § 4 Abs. 3 Gesetz Nr. 250/2007 Slg. vom 9. Mai 2007. 101 § 18 Gesetz Nr. 250/2007 Slg. vom 9. Mai 2007. 102 Gemäß § 16 Gesetz Nr. 250/2007 Slg. vom 9. Mai 2007 soll die Bestätigung folgenden Angaben beinhalten: a) Name und Anschrift des Verkäufers, b) Anschrift des Betriebs, c) Datum des Verkaufs, d) Name und Menge des Produkts oder der Dienstleistung, e) Preis einer bestimmten Ware oder Dienstleistung und der Gesamtpreis, die der Verbraucher dem Verkäufer geleistet hat. 103 § 11 Abs. 1 Gesetz Nr. 250/2007 Slg. vom 9. Mai 2007. 104 § 40 Abs. 1 ZGB. 122 Róbert Dobrovodský Schriftform als wesentliches Merkmal eines Rechtsgeschäftes105 muss eine Urkunde erstellt und vom Aussteller eigenhändig durch Namenszeichnung unterschrieben wer‐ den.106 Diese allgemeinen Anforderungen im slowakischen Recht an die (Schrift-)Form eines Rechtsgeschäftes entsprechen jenen der Timesharing- RL 2008/122/EG.107 Die gesetzlich vorgeschriebene Schriftform kann durch eine elektronische Form ersetzt werden, wobei die gewählte elektronische Form die Fest‐ stellung des Inhalts des Rechtsgeschäfts und der Identität der das Rechtsgeschäft aus‐ führenden Person ermöglichen muss.108 Die Nichtbeachtung der gesetzlichen Form führt zur Nichtigkeit des Rechtsgeschäfts.109 Das UpG schreibt vor, dass der Verkäu‐ fer verpflichtet ist, bei Vertragsabschluss dem Verbraucher eine schriftliche Ausferti‐ gung des Vertrages in Papierform oder auf einem dem Verbraucher einfach zugängli‐ chen dauerhaften Datenträger zu übergeben.110 Ein dauerhafter Datenträger im Sinne des UpG ist jedes Medium, das die Speicherung von Informationen ermöglicht, bei dem die gespeicherten Informationen auf geeignete Art in Zukunft für Zwecke der In‐ formation abrufbar bleiben, und das die unveränderte Wiedergabe der gespeicherten Informationen ermöglicht.111 Benutzt der Unternehmer einen anderen Datenträger als Papier, so muss er darauf achten, dass dieser allgemein zugänglich ist. Stellt er bei‐ spielsweise eine CD-ROM mit Textdateien zur Verfügung, müssen diese ein Dateifor‐ mat aufweisen, welches von handelsüblichen Computern mit den üblichen Program‐ men geöffnet, gelesen und wiedergegeben werden kann. Ohne eine solche allgemeine Zugänglichkeit liegt kein „zur Verfügung stellen“ im Sinne des § 4 Abs. 5 UpG vor. Zu den dauerhaften Datenträgern, welche die oben genannten Merkmale erfüllen, ge‐ hören insbesondere Disketten, CD-ROMs, DVDs und die Festplatte des Computers des Verbrauchers, auf der die elektronische Post gespeichert wird.112 Jeder Vertrag ist in der Amtssprache der Slowakei113 oder in der vom Verbraucher gewählten Amtssprache des Mitgliedstaats der EU,114 in dem der Verbraucher seinen Hauptwohnsitz oder Nebenwohnsitz hat, abzufassen. Ist der Verbraucher Angehöriger eines anderen Mitgliedstaats, so kann er an Stelle der Sprache seines Wohnsitzstaats auch die oder eine der Amtssprachen des Staats, dem er angehört, wählen.115 Hin‐ sichtlich der Vertragssprache gilt eine Besonderheit für den Teilzeit-Wohnrechtever‐ 105 Dulak in Lazar a kol., Občianske právo hmotné, 1. Diel (Iura edition 2010, Bratislava), S 133. 106 § 40 Abs. 3 Halbsatz 1 ZGB. 107 Allerdings muss der Vertrag nach Art 5 Abs 3 lit. a Timesharing-RL 2008/122/EG die Unterschrift aller Parteien aufweisen. 108 § 40 Abs. 4 ZGB. 109 § 40 Abs. 1 ZGB. 110 § 4 Abs. 5 S 2 UpG. 111 § 2 lit. c) UpG. 112 Siehe EG 20 Richtlinie 2002/65/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. September 2002 über den Fernabsatz von Finanzdienstleistungen an Verbraucher und zur Änderung der Richtlinie 90/619/EWG des Rates und der Richtlinien 97/7/EG und 98/27/EG, ABl 2002, L 271/16. 113 Gemäß Gesetz Nr. 270/1995 Slg. über die Amtssprache der Slowakischen Republik. 114 Verordnung Nr. 1 zur Regelung der Sprachenfrage für die Europäische Wirtschaftsgemein‐ schaft, ABl 1958, 17/385). 115 § 4 Abs. 5 S. 2 iVm § 3 Abs. 3 UpG. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 123 trag: Der Verkäufer ist nämlich verpflichtet, eine beglaubigte Übersetzung des Ver‐ trags in eine Amtssprache des Staates beizufügen, in dem sich das Wohngebäude be‐ findet.116 In die Vertragsdokumente sind aufzunehmen:117 ● Name, Familienname, Geburtsdatum und Wohnsitz des Verbrauchers, ● Handelsname (Firma), Adresse des Sitzes, Identifikationsnummer (IČO) und Rechtsform für den Fall, dass der Verkäufer eine juristische Person ist, ● Handelsname (Firma), Adresse der Unternehmung und Identifikationsnummer (IČO) für den Fall, dass der Verkäufer eine natürliche Person ist, ● Datum und Ort des Vertragsabschlusses. ● Außer den oben angeführten inhaltlichen Bestandteilen des Vertrages muss dieser auch die in § 3 Abs. 1 UpG geregelten vorvertraglichen Informationen beinhalten. ● Wie schon im Zusammenhang der Teilzeitnutzungsverträge und der Verträge über ein langfristiges Urlaubsprodukt ausgeführt, ist eine Mindestvertragsdauer von mehr als einem Jahr vorzusehen. ● Der Verbraucherschutzmechanismus des UpG beruht auf drei Säulen: ● Informations- und Belehrungspflichten des Verkäufers, ● Rücktrittsrecht des Verbrauchers, ● spezifische Schutzmaßnahmen. Der Verkäufer hat den Verbraucher rechtzeitig vor Vertragsabschluss unentgeltlich, klar und verständlich mittels wahrheitsgemäß ausgefüllter Formblätter entsprechend den Mustern in den Anhängen 1 bis 4 zum UpG zu informieren.118 Benutzt der Unter‐ nehmer einen anderen Datenträger als Papier, so muss er darauf achten, dass dieser allgemein zugänglich ist.119 Die Einhaltung der Schriftform ist erforderlich, weil die Pflicht zur Verwendung der Formblätter eine Benutzung von Schriftzeichen bedingt. Stellt der Verkäufer beispielsweise eine CD-ROM mit Textdateien zur Verfügung, müssen diese ein Dateiformat aufweisen, welches von handelsüblichen Computern mit den üblichen Programmen geöffnet, gelesen und wiedergegeben werden kann. Ohne eine solche allgemeine Zugänglichkeit liegt kein „zur Verfügung stellen“ im Sinne von § 3 Abs. 2 UpG vor. Dass die Einzelheiten der Pflichtangaben nicht direkt im UpG, sondern in seinen Anhängen 1 bis 4 geregelt sind, dient der Übersichtlich‐ keit und verhindert, dass das UpG an dieser Stelle mit einer umfangreichen Detailre‐ gelung belastet wird. Die oben genannten Informationen sollen in der Amtssprache der Slowakei oder in der vom Verbraucher gewählten Amtssprache des Mitgliedstaats der EU, in dem der Verbraucher seinen Hauptwohnsitz oder Nebenwohnsitz hat, zur Verfügung gestellt werden.120 In jeder Werbung für Verträge im Sinne des UpG ist an‐ zugeben, dass vorvertragliche Informationen erhältlich sind, und wo diese angefor‐ dert werden können.121 Der Unternehmer hat bei der Einladung zu Werbe- oder Ver‐ kaufsveranstaltungen deutlich auf den gewerblichen Charakter der Veranstaltung hin‐ 116 § 5 Abs. 1 UpG. 117 § 4 Abs. 6 UpG. 118 § 3 Abs. 1 UpG. 119 § 3 Abs. 2 UpG. 120 § 3 Abs. 3 UpG. 121 § 3 Abs. 4 UpG. 124 Róbert Dobrovodský zuweisen.122 Mit dieser Pflicht hat der Gesetzgeber die verbreitete Praxis unterbun‐ den, Teilzeitwohnrechte und ähnliche Produkte auf festartigen Veranstaltungen zu vermarkten, bei denen der Verbraucher bewusst in eine entspannte, unkritische Stim‐ mung versetzt wird. Dem Verbraucher sind auf solchen Veranstaltungen die vorver‐ traglichen Informationen jederzeit zugänglich zu machen.123 Die Pflicht, auf Veran‐ staltungen jederzeit die entsprechenden Informationsmaterialien zugänglich zu ma‐ chen, stellt sicher, dass sich der Verbraucher an Ort und Stelle mit den Informationen beschäftigen kann, sobald er es wünscht. Der Unternehmer muss den Verbraucher vor Vertragsabschluss ausdrücklich auf das Rücktrittsrecht einschließlich der Frist für die Erklärung des Rücktritts sowie auf das Anzahlungsverbot nach § 7 Abs. 1 UpG hinweisen. Diese Informationspflicht ist durch Art 5 Abs. 4 i.V.m. Anhang V Timesharing-RL 2008/122/EG vorgegeben. Kommt der Unternehmer dieser Belehrungspflicht nicht nach, verschiebt sich der Be‐ ginn der Rücktrittsfrist. Dem Verbraucher steht bei einem Vertrag im Sinne des UpG ein Rücktrittsrecht nach § 6 UpG zu. Der Verbraucher hat im Falle des Rücktritts kei‐ ne Kosten zu tragen.124 Die Rücktrittsfrist beginnt mit dem Zeitpunkt des Vertragsab‐ schlusses oder des Abschlusses eines Vorvertrags. Erhält der Verbraucher die Ver‐ tragsurkunde oder die Abschrift des Vertrags erst nach Vertragsabschluss, beginnt die Rücktrittsfrist mit dem Zeitpunkt des Erhalts der Urkunde. Sind dem Verbraucher die vorvertraglichen Informationen im entsprechenden Formblatt vor Vertragsabschluss nicht, nicht vollständig oder nicht in der vorgeschriebenen Sprache überlassen wor‐ den, so beginnt die Rücktrittsfrist erst mit dem vollständigen Erhalt der vorvertragli‐ chen Informationen und des Formblatts in der vorgeschriebenen Sprache. Die Rück‐ trittsfrist erlischt unabhängig davon spätestens drei Monate und 14 Kalendertage nach dem genannten Zeitpunkt.125Das UpG regelt ein Anzahlungsverbot. Der Unternehmer darf Zahlungen des Verbrauchers vor Ablauf der Rücktrittsfrist nicht fordern oder an‐ nehmen.126 Verbrauchsgüterkaufvertrag Die allgemeinen Fragen des Kaufrechts sind in den §§ 588 bis 600 ZGB geregelt. Diese Vorschriften beziehen sich unmittelbar auf den Kauf von Sachen. Sind an dem Vertrag auf einer oder beiden Seiten Kaufleute im Sinne des § 2 HGB beteiligt, sind die §§ 409 ff. HGB, speziell die besonderen Vorschriften zum Handelskauf zu beach‐ ten, die den besonderen Bedürfnissen des Handelsverkehrs Rechnung tragen.127 Der Gesetzgeber hat Sonderregeln für den Verbrauchsgüterkauf (slow.: spotrebi‐ teľská kúpna zmluva) normiert (§§ 612 bis 627 ZGB) geschaffen. Diese Bestimmun‐ 7. 122 § 3 Abs. 5 S 2 UpG. 123 § 3 Abs. 5 S 1 UpG. 124 § 6 Abs. 6 UpG. 125 § 6 Abs. 4 UpG. 126 § 7 UpG. 127 Nevolná, Z., Osobitné ustanovenia o niektorých obchodných záväzkových vzťahoch : In: Obchodné právo. – Plzeň : Vydavatelství a nakladatelství Aleš Čeněk, 2018. – ISBN 978–80–7380–731–3. – S. 263–332. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 125 gen beruhen auf der Verbrauchsgüterkaufrichtlinie. Gemäß § 612 ZGB gehört zu den Verbraucherverträgen nicht nur Kaufvertrag und Werkvertrag, sondern jeder Vertrag, den der Lieferant mit dem Verbraucher abschließt, ohne Rücksicht auf seine rechtli‐ che Form. Diese Verbrauchsgüterkaufrichtlinie sieht einen Mindeststandard von Ansprüchen des Verbrauchers wegen nicht vertragsgemäßer Lieferung durch den Verkäufer und besondere Pflichten bei der Abgabe von Garantien vor. Die Bestimmungen von §§ 612 bis 627 ZGB enthalten Sondervorschriften für den Verbrauchsgüterkauf. Die‐ ser liegt vor, wenn ein Verbraucher (§ 52 Abs. 4 ZGB) von einem Unternehmer (§ 52 Abs. 3 ZGB) eine bewegliche Sache kauft. Der sachliche Anwendungsbereich bezieht sich auf bewegliche Sachen (Waren). Bei Kaufverträgen über Grundstücke oder sons‐ tige Gegenstände wird der Verbraucher nicht geschützt. Bei einem Kaufvertrag zwi‐ schen einem Unternehmer und einem Verbraucher sind in §§ 612 bis 627 ZGB die wesentlichen Elemente der Verbrauchsgüterkaufrichtlinie also die grundlegenden Pflichten der Vertragsparteien, Mängelgewährleistung, Gefahrübergang und Garantien regelt.128 Slowakische Sonderregelung der Beweislastumkehr und Prozess der Reklamation Der Verbraucher, der nach Gefahrübergang Mängel129 feststellt, hat häufig Probleme zu beweisen, dass die Sache bereits im Zeitpunkt des Gefahrübergangs mangelhaft war. Nach einem allgemeinen Grundsatz hat jeder die anspruchsbegründenden Tatsa‐ chen zu beweisen. Artikel 5 Absatz 3 der Verbrauchsgüterkaufrichtlinie besagt, dass „bis zum Beweis des Gegenteils vermutet wird, dass Vertragswidrigkeiten, die binnen sechs Monaten nach der Lieferung des Gutes offenbar werden, bereits zum Zeitpunkt der Lieferung bestanden, es sei denn, diese Vermutung ist mit der Art des Gutes oder der Art der Vertragswidrigkeit unvereinbar.“ Diese Bestimmung wurde fast wortwört‐ lich im § 508 Absatz 2 ZGB umgesetzt. Es handelt sich hier um eine widerlegbare rechtliche Vermutung, die Mängel betrifft, die erst nach der Übergabe auftreten. Der Mangel wird aber laut dieser Vermutungsregel im Zeitpunkt der Übergabe vermutet, wenn er innerhalb von sechs Monaten nach der Übergabe hervorkommt. § 508 ist aber die Bestimmung der Allgemeinen Mängelhaftung §§ 499 bis 510 ZGB. Diese Bestim‐ mung gilt für den gesamten Bereich des slowakischen Schuldrechtes, d. h. im slowa‐ kischen Zivilrecht wurde diese Vermutungsregel in das allgemeine Gewährleistungs‐ recht aufgenommen, was von manchen Autoren130 kritisiert wird. Warum der Gesetz‐ geber den Artikel 5 Absatz 3 der Richtlinie als Bestimmung im allgemeinen Gewähr‐ 128 Vgl. Hlušák, M., Následky vadného plnenia (Leistungsstörungsrecht) In: Jednotný systém nesplnenia a prostriedkov nápravy: Návrh koncepcie a pravidiel (ustanovení) budúcej právnej úpravy. – Praha : Leges, 2018. – ISBN 978–80–7502–327–8. – S. 45–52. 129 § 619 Abs. 1 ZGB. 130 Csach, K., Edili by sa divili – vplyv smernice 1999/44/ES na úpravu zodpovednosti za vady v členských štátoch EÚ (How the aedile would wonder – the impact of directive 1999/44/ES on the liability law of some EU member states) In: Míľniky práva v stredoeurópskom priestore 2007. – Bratislava : Univerzita Komenského, Právnická fakulta, 2007. – ISBN 978–80–7160–250–7. – S. 215–225. 126 Róbert Dobrovodský leistungsrecht umgesetzt hat, ist nicht klar. Die Bestimmung des § 508 Absatz 2 regelt das Regime der Nicht-Verbraucherverträge. Was aber die Beweislastumkehr für den Verbrauchsgüterkauf betrifft, gelten neben dem ZGB auch die Regelungen des Gesetzes Nr. 250/2007 Slg. über den Verbraucher‐ schutz. Das Verbraucherschutzgesetz als öffentlich-rechtliches Gesetz regelt im § 18 den Prozess der Reklamation. Die Bestimmungen des § 18 Abs. 6 und Abs. 7 unter‐ scheiden im Gang der Reklamation je nachdem, ob die Mängelrüge in den ersten 12 Monaten nach dem Kauf des Produktes oder erst später erfolgt. Der slowakische Gesetzgeber teilt die Gewährleistungsfrist in zwei Abschnitte: 1. Wenn der Verbraucher die Reklamation innerhalb der ersten 12 Monate ab Kauf geltend macht, so kann der Verkäufer die Reklamation nur dann abweisen, wenn er eine fachmännische Beurteilung eingeholt hat. Unabhängig vom Ergebnis die‐ ser Beurteilung darf vom Verbraucher kein Aufwandersatz für die Beurteilung oder für andere mit der fachmännischen Beurteilung zusammenhängenden Kosten verlangt werden. 2. Falls der Verbraucher die Reklamation nach 12 Monaten ab dem Kauf geltend macht und der Verkäufer diese abweist, so ist die Person, die mit der Erledigung dieser Reklamation befasst war, verpflichtet, dem Verbraucher ein Dokument über die Reklamation auszustellen und hier anzuführen, an wen sich der Verbraucher bezüglich einer fachmännischen Beurteilung der mangelhaften Ware wenden kann. Falls das Produkt zur fachmännischen Beurteilung versendet wird, so trägt die unmittelbaren sowie die damit zusammenhängenden Kosten – ohne Rücksicht auf das Ergebnis dieser Beurteilung – der Verkäufer. Im Falle, dass der Verbrau‐ cher durch die fachmännische Beurteilung nachweist, dass die Mängelrüge be‐ rechtigt war, kann er die Reklamation beim Verkäufer wiederholen; während der Zeit, in der das Produkt beurteilt wird, läuft die Gewährleistungsfrist nicht. Der Verkäufer ist verpflichtet, dem Konsumenten innerhalb von 14 Tagen ab der noch‐ maligen Reklamation alle Kosten für die fachmännische Beurteilung zu ersetzen, sowie auch alle mit dieser Beurteilung zusammenhängenden zweckmäßigen Kos‐ ten. Die nochmals geltend gemachte Reklamation darf nicht abgewiesen werden. Kreditverträge Gelddarlehen (slow. zmluva o pôžičke) sind in den §§ 657 und 658 ZGB geregelt. Die‐ se Bestimmungen sind relativ kurz und befassen sich nur mit den Hauptpflichten der Parteien des Darlehensvertrages. Die EU-Richtlinie 87/102/EWG über die Anglei‐ chung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Ver‐ braucherkredit in der Fassung der EU-Richtlinie 90/88/EGW und die EU-Richtlinie 98/7/EG wurden mit Sondergesetz Nr. 258/2001 Slg. über die Verbraucherkredite um‐ gesetzt. Nach Aufhebung der Richtlinie 87/102/EWG durch Richtlinie 2008/48/EG über Verbraucherkreditverträge wurde das Sondergesetz Nr. 258/2001 Slg. über die 8. Der Schutz des Schwächeren im slowakischen Zivilrecht 127 Verbraucherkredite durch das Gesetz Nr. 129/2010 Slg. über Verbraucherkredite und Kredite und Darlehen für Verbraucher ersetzt.131 Die Bestimmungen des Gesetzes Nr. 129/2010 Slg. enthalten besondere Regelun‐ gen zum Verbraucherdarlehensvertrag. Ein Verbraucherdarlehensvertrag liegt dann vor, wenn es sich aufseiten des Darlehensgebers um einen Unternehmer (§ 2) und auf‐ seiten des Darlehensnehmers um einen Verbraucher (§ 2) handelt. Ziel dieses Geset‐ zes ist der zwingende Schutz des Verbrauchers. Diese Schutzvorschriften beziehen sich dabei nur auf den (Geld-) Darlehensvertrag (slow.: peňažné prostriedky), nicht auf den Sachdarlehensvertrag.132 In bestimmten Fällen ist die Anwendbarkeit des Ge‐ setzes ganz oder teilweise ausgeschlossen, z. B. bei Bagatellkrediten bis zu 100 €133 und bei Arbeitgeberkrediten mit niedrigeren als den marktüblichen Zinssätzen.134 131 Vgl. Mészáros, P., Poskytovanie pôžičky spotrebiteľovi v minulosti a v súčasnosti (Kre‐ ditvergabe an Verbraucher in der Vergangenheit und in der Gegenwart) In: Novotná, M./ Jurčová, M. (ed.), Súkromné právo v európskej perspektíve (Privatrecht in europäischer Perspektive), Typi Universitatis Tyrnaviensis, Trnava 2011, S. 95–107. 132 § 2 lit. d) des Gesetzes Nr. 129/2010 Slg. 133 § 1 Abs. 3 lit. f) des Gesetzes Nr. 129/2010 Slg. 134 § 1 Abs. 3 lit. f) des Gesetzes Nr. 129/2010 Slg. 128 Róbert Dobrovodský

Abstract

This article raises questions about the protection of the weaker party in the Slovak civil law, and emphasizes the most significant legislative steps aimed at strengthening the social function of civil law rules in the Slovak Republic. The author analyses the national and European rules, and describes each instrument adopted by the national Slovak legislator during the last fifteen years. A good example of the instrument of the protection of the weaker party was the enshrinement of usury in 2014. This step can be considered as one of the most significant legislative steps aimed at strengthening the social function of civil law rules in the Slovak Republic. The enshrinement was not only motivated by the protection of the party in consumer relationships.

References

Zusammenfassung

Osteuropa Recht behandelt Gegenwartsfragen der Rechtssysteme und Rechtswissenschaft im östlichen Europa sowie deren völkerrechtliche Einbindung. Im Fokus stehen die ost-, ostmittel- und südosteuropäischen Staaten sowie der Kaukasus und Zentralasien. Die Zeitschrift dokumentiert und analysiert Gesetzgebung, Rechtsprechung und rechtswissenschaftliche Debatten in den einzelnen Staaten der Region und leistet einen Beitrag zum internationalen Rechtsvergleich. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und ist peer-reviewed. Publikationssprachen sind Deutsch und Englisch. Osteuropa Recht wurde 1954 von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V. gegründet.