Hermann Boventer, Der Journalist in Platons Höhle. Zur Kritik des Konstruktivismus in:

ComSoc Communicatio Socialis, page 157 - 167

ComSoc, Volume 25 (1992), Issue 2, ISSN: 0010-3497, ISSN online: 0010-3497, https://doi.org/10.5771/0010-3497-1992-2-157

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Der Journalist in Platons Höhle Zur Kritik des Konstruktivismus von Hermann Boventer Wie eine Erleuchtung scheint es über die Kommunikationswissenschaft gekommen zu sein, daß man so unwissenschaftlichen Normen wie "Wahrheit" und "Objektivität" im Journalismus endlich den Garaus machen kann. Eine neue Theorie macht's möglich. Naiv ist es, fürderhin so zu tun, als gäbe es "richtig" und Jalsch" im Journalismus. Die Umwelt, die der Journalist wahrnimmt, ist seine "Erfindung" ... Den Schlüssel zu dieser Wende liefert die Theorie des Radikalen Konstruktivismus. Es geht um eine Erkenntnistheorie, die neuerdings mit ihrer Grundannahme von der "erfundenen Wirklichkeit" an die Phänomene des Journalismus herangetragen wird. Diese Phänomene lösen sich, was ihren Realitätsgehalt betrifft, buchstäblich in Nichts auf, in Trug und Schein, wenn behauptet wird, daß nicht die Echtheit (Wahrheit) von berichteten Ereignissen wichtig sei, sondern deren (subjektiver) Augenschein. Jeder Objektivitäts- und Wahrheitsanspruch, der seine Kriterien von außerhalb des Systems Journalismus bezieht, erledigt sich damit von selbst. Irritierend an dieser "Entdeckung" ist, daß sie mit dem Anspruch einer "kopernikanischen Wende" auftritt und wenig Kenntnis davon nimmt, daß das Unbehagen gegenüber einem unreflektierten Objektivitäts- und Erkenntnisanspruch die ganze Philosophiegeschichte seit den Vorsokratikern durchzieht. Der sog. gesunde Menschenverstand greift bis heute in seinem (naiven) Realismus immer wieder auf das Modell zurück, Erkennen müsse ein Abbilden, Kopieren oder gar Fotografieren sein. Mit dieser Abbildlehre kommt man sich "realistisch" und "objektiv" vor. Die Unmittelbarkeit dessen, was die Sinne wahrnehmen, wird mit echter Erkenntnis gleichgesetzt. Aber Platons Einsicht in die durchgängige Differenziertheil des Seins in Urbildliches (Idee) und Abbildliches (Schein) hat dann diesem naiven Wahrheitsbegriff ein für allemal einen Riegel vorgeschoben. Der platonische Ansatz besagt, daß das Subjekt seinen Erkenn~nisge genstand als ein Abbild seiner selbst erstellt. Es ist der Geist des Menschen, nach dessen Maß letztlich erst ein Ordnungszusammenhang im bloß Vielheitlichen entsteht. Höhlengleichnis Platon läßt den Sokrates sprechen: Denke dir die Menschen als Gefangene, welche in einer Höhle unter der Erde angekettet sitzen, so daß sie weder aufstehen noch ihren Kopf wenden können, sondern genötigt sind, unverwandt Dr. phil. H. Boventer ist freier Publizist und Lehrbeauftragter an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Unlversität Bonn. 157 Communicatio Socialis 25 (1992), Nr. 2: 157–167 Quelle: www.communicatio-socialis.de auf die vor ihnen sich ausbreitende Höhlenwand zu blicken. Denke dir, daß hinter dem Rücken dieser Gefangenen ein Licht brennt und daß zwischen dem Licht und dem Rücken der Gefangenen allerlei Gegenstände vorüberziehen: So werden die Gefangenen weder das Licht in ihrem Rücken noch die hinter ihnen vorüberziehenden Gegenstände, noch sich selbst sehen, sondern von alledem nur die Schattenbilder auf der vor ihnen ausgebreiteten Wandfläche erblicken und diese für wirkliche Dinge halten. Aus dieser mißlichen Lage wird nun einer der Gefangenen von seinen Fesseln befreit und gezwungen, sich umzudrehen und in das von oben hereinströmende Licht zu blicken. Die ungewohnte Helligkeit bereitet ihm große Schmerzen, und er ist nicht in der Lage, die Dinge zu erkennen. Er hält zunächst daran fest, daß, was er als Gefangener gesehen hat, wirklicher ist als das, was er jetzt wahrnimmt. Nun wird er nach oben geschleppt ans Licht der Sonne. Anfangs sieht er die Schatten, danach die Bilder der Menschen und der anderen Dinge, und erst zuletzt ist er fähig, die Sonne selbst zu erkennen. So wird der in der Scheinwirklichkeit Gefangene zur Freiheit der Wirklichkeit geführt. Der Journalist in Platons Höhle, das ist das Thema Jahrtausende bevor die Wissenschaft imstande war, das Gehirn des Menschen als Sitz des Denkens (Wirklichkeitskonstruktion) in seine neurologischen und evolutionsbiologischen Bestandteile zu zerlegen. Journalisten entwickeln und beachten für die "Ereigniswahrnehmung" grundlegende kognitive Schemata, die ihr berufliches Handeln steuern und die dabei zu leistenden Wirklichkeitskonstruktionen in besonderem Maße prägen. Neu und sehr alt sind solche Erkenntnisse, und das nimmt ihnen doch viel von der Aufgeregtheit, mit der sie uns heute im pauschalen Abschiednehmen von "Wahrheit" und "Objektivität" gegenübertreten. Auf diesem Horizont erstreckt sich thesenhaft die hier geübte Kritik am Konstruktivismus auf folgende Gesichtspunkte. Thesen 1. Nachjahrzehnten einer eher frustrierenden Medienwirkungsforschung auf empirisch-analytischer Grundlage scheint sich ein Paradigmenwechsel in der Kommunikations- und Medienwissenschaft anzubahnen. Das Wissen um journalistische Wirklichkeit und Wirklichkeitskonstruktion als ein Grundlagenwissen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dieses Wissen vom Wissen des Journalismus ist philosophiebedürftig. Philosophie und Journalismus treten in eine Beziehung. Jetzt rächt sich, so könnte man sagen, die Vernachlässigung der geisteswissenschaftlichen Komponenten in der einschlägigen Forschung. 2. Anschließend an Walter Lippmanns Hinweise auf die Zwischenwelt der Symbole und Stereotypen in Berichterstattung und öffentlicher Meinung gilt heute als allgemeines Resümee der Forschungsliteratur, daß die Massenmedien in der Regel die Wirklichkeit nicht .repräsentieren. Diese Aussage ist allerdings mit empirischen Mitteln nicht zu verifizieren. 3. Fragen nach den Folgen der Orientierung des Publikums und der Öffentlichkeit an einer offeq.sichtlich verzerrten und konstruierten Wirklichkeit 158 stellen sich mit Dringlichkeit. Dabei zeigt sich, daß Theorien der Wirklichkeitskonstruktion und Aspekte der journalistischen Narrnativität eng miteinander verbunden sind (Berufskultur und Berufsethik). 4. Der Widerspruch zwischen dem faktischen Verhalten der Medien einerseits unter den Postulaten der Objektivität und Wahrhaftigkeit und andererseits im konstruktivistischen Denkhorizont scheint nicht auflösbar zu sein. 5. Das 1990/91 ausgestrahlte ARD-Funkkolleg "Medien und Kommunikation" hat die Theorie des Radikalen Konstruktivismus zum Leitfaden seiner journalistischen Wirklichkeitslehre gemacht, ohne daß die an den Journalismus und die Journalisten ergangenen Herausforderungen in ihrer Tragweite verarbeitet wurden. Die gegenwärtige Theorienvielfalt und Orientierungsschwäche (Postmoderne) wird in Kauf genommen und für den Beachtungserfolg genutzt. 6. Die Behauptung der Konstruktivisten, daß unsere Lebenswelt heute in erheblichem Maße eine durch Medien repräsentierte, ja konstruierte Welt ist, läßt sich in ihrer partiellen Richtigkeit nicht ernsthaft bestreiten. Aber mit der Radikalisierung dieser Theorie wird die Offenheit preisgegeben und eine ideologische Einseitigkeit hingenommen. 7. Die Frage, welches Konstrukt von Medienrealität "wahr" und welches "falsch" sei, stellt Theorie und Praxis des Journalismus vor ein epistemologisches Dilemma, das auf der Grundlage der empirischen Methodologie weder geklärt noch sinnvollerweise überhaupt erörtert werden kann. 8. Die Legitimationsgründe des praktischen Journalismus und der Pressefreiheit fallen wie ein Kartenhaus in sich zusammen, wenn normative, ethische und moralische Gesichtspunkte ausgeklammert werden. Auf indirekte Weise und wohl auch gegen ihre Intention lieferten die Autoren des ARD-Funkkollegs den Beweis dafür, daß eine journalistische Berufskultur für die journalistische Praxis im demokratischen Verfassungskonsens konstituierend ist. Die Frage stellt sich, was eine Theorie taugt, die vom (politischen und kulturellen) Leben abstrahiert. Konstruktivismus im ARD-Funkkolleg Das Wissen von der journalistichen Wirklichkeitskonstruktion ist von Walter Lippmann bereits in den 20er Jahren zum Thema gemacht worden. Die moralische (berufskulturelle) Prägung des journalistischen Handeins wird von ihm eindrucksvoll belegt. Die Symbole und Stereotypen, die Walter Lippmann als "pictures in our heads" problematisierte, sind in ihrer Moralität wertbestimmt und gefühlsbeladen, "verwickelt in Zuneigung oder Abneigung, verbunden mit Furcht, Lust, starken Wünschen, Stolz, Hoffnung."1 Jede Zeitung, die den Leser erreicht, ist nach Lippmann das Ergebnis einer ganzen Serie von Selektionen, gestützt auf ein System von Stereotypen, das uns dieses sehen, das andere übersehen läßt. 159 Es kommt darauf an, sich der Symbole zu bemächtigen, die für den Augenblick das öffentliche Gefühl beherrschen und das öffentliche Meinungsklima prägen; wer darin erfolgreich ist, beherrscht in starkem Maße den Weg zur Politik. 2 Lippmann war ein humanistisch gebildeter Zeitbeobachter und einflußreicher Kommentator, der einer empirischen Kommunikationswissenschaft um Jahrzehnte vorauseilte und ihr die Themen vorgab, an denen sich ihre Untersuchungen heute noch ausrichten. Es lohnt sich, seine Schriften zu lesen und sich zu fragen, wieviel und was die empirischen Sozialforscher nach Walter Lippmann an weiterführenden Erkenntnissen zuwege gebracht haben, die über das Zählen und Messen hinausgehen. Lippmann selbst hat immer wieder auf Platons Höhlengleichnis verwiesen.5 Als allgemeines Resümee der auf das Kapitel "Medienrealität" eingehenden Forschungsliteratur, um die sich vor allem Winfried Schulz verdient gemacht hat\ können wir heute daran festhalten, daß die Massenmedien in der Regel die Wirklichkeit nicht repräsentieren. Schulz: "Die in den Medien dargebotene Wirklichkeit repräsentiert in erster Linie die Stereotype und Vorurteile der Journalisten, ihre professionellen Regeln und politischen Einstellungen, die Zwänge der Nachrichtenproduktion und die Erfordernisse medialer Darstellung."" Diese Einsicht setzt sich langsam durch, und mit dem Konstruktivismuskonzept des ARD-Funkkollegs erhält die Diskussion neue Schubkraft. Dabei stellt sich die Frage nach den Folgen der Orientierung an einer offensichtlich verzerrten und weitgehend konstruierten Medienrealität für den einzelnen Medienkonsumenten und Bürger, auch für die Öffentlichkeit und den Journalismus im ganzen, mit besonderer Dringlichkeit. Wenn Wahrheit und Objektivität der Berichterstattung zu Fiktionen erklärt werden, die für den Journalismus keine Relevanz hätten, wenn es nur noch darauf ankommt, daß der Journalist diese seine Subjektivität "ehrlich ausweise", wie uns der Konstruktivismus des Funkkollegs zu verstehen gibt, ändert sich das journalistische Selbstverständnis radikal. Eine journalistische 'Ethik wäre nicht mehr gefragt und überflüssig, ja widersprüchlich, weil der Konstruktivismus und berufsethische Postulate der Objektivität und Wahrhaftigkeit nicht auf einen Nenner zu bringen sind. Radikaler Konstruktivismus als roter Faden Im Einführungsbrief des Funkkollegs werden die Teilnehmer aufgefordert, "teilzunehmen an den faszinierenden und oft verblüffenden Entdeckungen, welche die wissenschaftliche Erkenntnis auf den Feldern der menschlichen Wahrnehmung und Verständigung und ebenso im Bereich der Massenkommunikation in jüngster Zeit gemacht hat. "6 Die Teilnehmer müßten nur bereit sein, "gewisse gewohnheitsmäßige Denkmuster in Frage stellen zu lassen", könnte es doch sein, "daß wir uns falsche Vorstellungen von dem machen, was Kommunikation ist und was Medien bewirken."7 Nach dieser starken Selbsteinschätzung stellt sich erste Skepsis ein, ob denn alle bisherige Kenntnis und Erkenntnis Makulatur sein soll. Die vielver- 160 sprechende Einladung gilt einem Denkansatz, der neben anderen seine Geltung beanspruchen kann und somit zur Nachdenklichkeit auffordert. Dabei blieb es jedoch nicht, sondern das Konzept des Radikalen Konstruktivismus bildete den roten Faden des Funkkollegs, der auch in den Einzelanalysen der Mediensysteme weiterverfolgt wurde und so alle Themen und Fragestellungen miteinander verknüpfte." Das heißt, die Theorie wurde an einer einzigen Lösung des Erkenntnisproblems festgemacht. Mit diesem monistischen Denkansatz gelten alle Fragen danach, wie wirklich und "wahr" die Wirklichkeit des Journalismus denn tatsächlich sei, als bereits entschieden und nicht mehr offen. Hirnforschung und Evolutionsbiologie Im US-Senat sind die 90er Jahre zur "Decade of the Brain"erklärt worden. Die weltweite Förderung der Neurowissenschaften sollte damit unterstrichen werden. Von einer fortgeschrittenen Gehirnforschung verspricht man sich nicht nur medizinische Hinweise, wie den zunehmenden Geistes- und Gemütskrankheiten zu begegnen ist; auch Elektronengehirne und künstliche intelligente Systeme profitieren in ihrer Weiterentwicklung von dieser Forschung. Die Gehirnforschung impliziert weitgehend, daß sich auch psychische und mentale Phänomene Mechanismen zuordnen lassen, die in und zwischen Nervenzellen ablaufen. Das uralte Leib-Seele-Problem, die Frage nach dem Verhältnis von Geist und Materie, die entwicklungsbiologischen Sichtweisen sind mit einem Male nicht mehr nur Gegenstand philosophischer Diskurse, sondern auch ein Thema der Hirnforschung. Der umstrittene Punkt ist die Reduktion psychischer Phänomene auf Prozesse in Gehirnen und Nervennetzen. Sind unsere Bilder, Gedanken und Erkenntnisse nichts anderes als materielle Hirnkonstrukte? Auf diesem Hintergrund etabliert sich eine biologische Lösung des Erkenntnisproblems, derzufolge sich alles, was gewußt werden kann, als Produkt immanenter evolutionärer Selektionsleistung erweist. Die Naturalisierung der zu erklärenden Phänomene ist die Folge. Ebenso wird das Subjekt entmündigt. Welt und Wirklichkeit bilden sich aus sich selbst, einschließlich einer sich bildenden Erkenntnis von Wirklichkeit, und gänzlich ohne Zutun eines Subjekts. Die Wirklichkeit erklärt sich aus sich selbst. Diese "Selbstreferentialität" ist Ausgangs- und Endpunkt der neurobiologischen Naturalisierung von Erkenntnistheorie, in der nicht nur die Subjektivität eliminiert wird, sondern auch das Problem der Außenwelt und ihrer Objektivität entfällt. Somit ist der Radikale Konstruktivismus ein Kind der Evolutionsbiologie, und manche glauben, damit sei das Ende einer sich über mehr als 2.000 Jahre erstreckenden Geschichte der Erkenntnistheorie erreicht. Die Wirklichkeit erscheint als eine "erfundene Wirklichkeit", und die gesamte Umwelt, wie wir sie wahrnehmen, ist dementsprechend auch unsere "Erfindung". Das vermeintlich Gefundene ist ein Erfundenes, dessen Erfinder sich des Aktes seiner Erfindung nicht bewußt ist. Er vermeint sie als etwas von ihm Unabhängiges wahrzunehmen und macht sie so zur Grundlage seines "Wissens" und daher auch seines 161 Handelns.~ Die Wissenschaft ist es, die dieses .Wissen" offeriert, und zwar in dem (alles andere als .wissenschaftlichen") Glauben und Stolz: "Der Mensch kann nur das erkennen, was er selbst gemacht hat." 10 Wirklichkeit ist eine Täuschung Über die Neurobiologie hinaus hat der Radikale Konstruktivismus Karriere zu einem Weltbild und zur Grundlegung empirischer Wissenschaften gemacht, bis hin zur Geschichts-, Literatur- und Medientheorie. Über dieses Einfallstorgelangt er denn als eine Wissenschafts- und Denkrichtung neuester Herkunft in das Funkkolleg, um zu demonstrieren, "daß und wie durch Massenmedien Wirklichkeiten konstruiert werden können, die zwar auf authentischen Ereignissen beruhen, aber deswegen keinesfalls als 'objektiv' anzusprechen sind .... Damit wird auch klar, daß nicht die Echtheit von berichteten Ereignissen, sondern nur deren Augenschein wichtig ist, das bestätigt noch einmal: Wirklichkeiten werden konstruiert und können daher indifferent gegen Wahrheiten (Faktizität) sein." 11 Der Konstruktivist erteilt auf die Frage "Leben wir eigentlich in der gleichen Welt?" die radikale Antwort: Nein. Jeder von uns lebt in seiner Welt, zusammen mit anderen. Die Vorstellung einer objektiven Wirklichkeit, von "Wahrheit" ganz zu schweigen, ist aufzugeben und weitgehend eine Täuschung. Das Subjekt konstruiert andauernd sein eigenes Bild von Wirklichkeit im Umgang und Austausch mit anderen Menschen und Medien. Heute sind es in erster Linie die Massenmedien, die jene Räume möglicher Wirklichkeitskonstruktionen erzeugen. Kurz gesagt: Journalismus ist Wirklichkeitskonstruktion. Das Erkenntnisproblem ist uralt Nun bedurfte es nicht der Theorie eines Radikalen Konstruktivismus, um die Auffassung, wir hätten es bei der Berichterstattung der Medien mit einer quasi naturwüchsig vorgegebenen Realität zu tun, als naiv zu kennzeichnen. Die Formen, in der "Informationen" kodiert sind, bergen unvermeidlich selbst ganz bestimmte Perspektiven der Wirklichkeitswahrnehmung durch ein Subjekt in sich. Wie die Grammatik einer Sprache ein Wahrnehmungsorgan ist, so bringt beispielsweise Fernsehen die Welt auf eine ihm eigentümliche Weise hervor. Es gibt den Tatsachen und Ereignissen einen Rahmen, vergrößert oder verkleinert sie. Was wirklich ist, wie es wirklich passiert, bestimmt weitgehend das Medium in seinem "Text" und Kontext. 12 Günther Anders hat bereits in den 50er Jahren die "Antiquiertheit des Menschen" in einer hermetisch geschlossenen Welt der Apparate und Medienrealitäten zum Thema gemacht. Die Frage nach der Wirklichkeit und den Wirklichkeitskonstruktionen beschäftigt ihn ganz besonders: ,Ja, die Frage, wo die Wirklichkeit aufhöre und der Schein anhebe, ist bereits falsch gestellt: denn Radio und Bildschirm und Phantomkonsum sind selbst soziale Realitäten von solcher Massivität, daß sie mit den meisten anderen Realitäten von heute den 162 Kampf aufnehmen können, daß sie, 'was wirklich ist', 'wie es wirklich passiert', selbst bestimmen. Die Kar! Kraus'schen Zeilen, in denen er bereits einen Skandal Zl,l geißeln glaubte: 'Im Anfang war die Presse, und dann erschien die Welt', sind also bereits harmlos geworden. Denn heute müßte es heißen: 'Im Anfang war die Sendung, für sie geschieht die Welt.'" n Wie bereits eingangs erwähnt, ist das Wissen von der "Verarbeitung" der Wirklichkeitsstoffe durch die menschliche Wahrnehmung und Vorstellungskraft "im Kopf" uralt. Es gibt keine Philosophie, die nicht die Frage nach der Wirklichkeit des Wissens, als Frage also nicht allein nach dem Verhältnis menschlichen Wissens zur Außenwelt, sondern als Problem der Erklärung des internen Wirklichkeitsmodus des Wissens, zu den kontinuierlichen geschichtlichen Grundproblemen menschlicher Existenz gerechnet hat: "Erkenntnis ist die ideale Form, in der die menschliche Gattung aus Gründen der Meisterung ihres Verhältnisses zur Natur und der geschichtlichen Verhältnisse zwischen den Menschen die Grundfrage ihrer Existenz, wie wahre Urteile über Sein und Seiendes möglich sind und eine h'umane Praxis begründen, in einem logisch-historischen Prozeß der Annäherung an Wahrheit zu beantworten sucht." 14 Goethe hat zur Naturwissenschaft im Jahre 1793 einige nachlesenswerte Texte verfaßt, in denen er die konstruktivistische Vorstellungskraft des Menschen anspricht: "Der Mensch erfreut sich nämlich mehr an der Vorstellung als an der Sache, oder wir müssen vielmehr sagen: der Mensch erfreut sich nur einer Sache, insofern er sich dieselbe vorstellt; sie muß in seine Sinnesart passen, und er mag seine Vorstellungsart noch so sehr reinigen, so bleibt sie doch gewöhnlich nur ein Versuch, viele Gegenstände in ein gewisses faßliches Verhältnis zu bringen, das sie, strenggenommen, untereinander nicht haben; daher die Neigung zu Hypothesen, zu Theorien, Terminologien und Systemen, die wir nicht mißbilligen können, weil sie aus der Organisation unseres Wesen notwendig entspringen." 15 Anthropologisch können wir davon ausgehen, daß der neugeborene Mensch jene Welt, in die er hineingeboren wird, eigentätig erwerben, begreifen und erfahren muß, damit sie zu seiner Welt wird, und was sich aus dieser Perspektive als Welterwerb und Erfahrungsaufbau darstellt, läßt sich sehr wohl auch als Konstruktion von (subjektiver) Wirklichkeit verstehen. Das heißt, diese Sichtweise ist komplementär zu anderen und radikalisiert den Ansatz nicht. 16 Der Pluralismus der Erkenntnistheorien, der "uralt" ist, bleibt als Hinweis auf die unausschöpfbare Komplexität der Erscheinungsweisen von Wirklichkeit erhalten. Entmoralisiemng der Medien Die Naturalisierung der Phänomene des menschlichen Wissens und Erkennens durch den Radikalen Konstruktivismus läuft auf eine biologische und materialistische Weltanschauung hinaus. Wenn am Ende die Leere des Gehirns die einzige Tatsache ist, die der Konstruktivismus gelten läßt, dann sind Geist und Seele des Menschen nur eine Fiktion und Täuschung. Auf diesem Hintergrund erscheint der ganze Journalismus als monströse Veranstaltung, die das 163 Beliebigkeitsprinzip zur obersten Norm macht. Über die Richtigkeit der eigenen Wirklichkeit und Wahrheit entscheidet jeder für sich. Es gibt keine für alle verbindlichen Normen und Überzeugungen. Was journalistische Qualität bestimmt, läßt sich folglich auch nicht festlegen, weil alle normierenden und ethischen Maßstäbe für das Handeln entfallen. Denn Realität läßt sich nicht erkennen, Kriterien der Objektivität und Zuverlässigkeit in der Berichterstattung sind Hirngespinste, von der Wissenschaft als solche entlarvt. Das wären verheerende Folgen für eine journalistische Praxis, die den Denkansatz des Radikalen Konstruktivismus uneingeschränkt - so wird er im Funkkolleg vertreten - zum Credo macht. Das Programm hat eine systematische Entmoralisierung der Medien und ihrer Handlungsträger zur Konsequenz, und da diese "Moral" nun einmal eine demokratische ist, kann man sich mit der Destruktion der eigenen Politik- und Lebensvoraussetzungen nicht einverstanden erklären. Grenze zum Unfug überschritten Das Funkkolleg wollte Verantwortlichkeit nicht ausschließen. Der einzelne müsse als verantwortlich gelten sowohl für seine individuelle Wirklichkeitskonstruktion als auch dafür, wie wir als gesellschaftliche Wesen Wirklichkeit konstruieren. 17 Wie jemand Verantwortung für etwas übernehmen soll, wenn Ereigniswirklichkeiten im Journalismus nicht als wahr oder unwahr in Bezug auf wertende Maßstäbe ausgemacht werden können, bleibt einem Nichtgläubigen schleierhaft. Die Autoren lassen Erlebniswirklichkeiten ausschließlich als "viabei" gelten, das heißt im Sinne des Überlebens möglich. "Die viable Wirklichkeitskonstruktion erlaubt es demnach dem konstruierenden System- dem Menschen beziehungsweise seinem Bewußtsein - in einer ihm grundsätzlich unzugänglichen Realität die Erhaltung seiner Existenz zu gewährleisten." 1H Hier tritt eine Art "Metaphysik" in Erscheinung, die sich ihrer Probleme entledigt, indem sie die "kognitive Nichtzugänglichkeil von Realität" konstatiert, um dann im nächsten Schritt "Verantwortlichkeit als Maßstab für menschliches Handeln" zu postulieren. 19 So kennzeichnet Siegfried Weischenberg, Mitautor des Funkkollegs, die Basisaussagen der Konstruktivisten. Rainald Merkert hat in einer Kritik des Funkkollegs "Warum so radikal?" die Frage aufgeworfen, ob hier nicht bereits die Grenze zum Unfug überschritten sei. 20 Daß diese Wissenschaft in ihrem Imponiergehabe nicht ganz frei ist von einer Sprache, die nur für Eingeweihte zu gelten scheint, ist vielfach belegt: "Zu den Grundannahmen konstruktivistischen Denkens gehört es, den Menschen, sein Gehirn und seine Gesellschaft als selbstorganisierende und selbstreferentielle Systeme zu beschreiben, das heißt als Systeme, die Ordnungen, Strukturierungen, Sinn und Bedeutung durch Bezug auf ihre eigenen Zustände und Operationen herstellen und nicht auf Dauer von außen gesteuert werden können. "21 Eigentlich wird dem Journalismus im ganzen Täuschung, Betrug und Schwindel unterlegt, wenn Siegfried Weisehenberg pauschal von den Medien behauptet, sie hätten raffinierte Methoden entwickelt, daß es letztlich nur darauf ankomme, "was vom Publikum wie von den Journalisten- für die Wirklichkeit gehalten wird." Auf 164 den Eindruck komme es an, nicht auf die Wirklichkeit. Zu denken sei an Fälle von nachgestellten Szenen in der Fernsehberichterstattung oder an Unterhaltungsprogramme als Inszenierung von .Wirklichkeit". In der .Gemengelage von Fakten und Fiktionen" handelten heute die Medienschaffenden .erfolgreich nach dem Motto: Wahr ist, was wahr wirkt- Hauptsache, es bringt den gewünschten Effekt."22 Wird damit nicht einem zynischen Journalismus das Alibi verschafft, die Realitäten und Tatsachen nach seinem Gutdünken in Szene zu setzen, damit sie • wirken", anstatt in aller Sorgfalt zu erkunden und zu beschreiben, was zu beobachten ist, im Sinne einer Berichterstattung, auf die Verlaß ist, ohne daß sie der subjektiven und .persönlichen" Komponente entbehrt? Theorie und Praxis Die Leistungen einer qualifizierten journalistischen Berufskultur vermag der Radikale Konstruktivismus als subjektivistische Erkenntnistheorie nicht zu erbringen. Die Vertreter dieser Theorie täten gut daran, die Beschränktheit des Erklärungsvermögens ihres Denkansatzes zu erkennen und diesen zu entradikalisieren. Auf die Weise nützte dieser der Schärfung des journalistischen Selbstverständnisses erheblich mehr. Dieses Urteil, mit dem ich mich voll identifizieren kann, hat jüngst der Kommunikationswissenschaftler Ulrich Saxer, Zürich, in einer Nachbeurteilung des Funkkollegkonzepts in Erwiderung eines von Siegfried Weisehenberg vorgetragenen Referats abgegeben. 23 Dieses Urteil ist uniso gewichtiger, als es von einem Vertreter der systemtheoretischen Denkschule in der Kommunikationswissenschaft stammt. Der Radikale Konstruktivismus bekennt sich in seinen wissenschaftstheoretischen Grundlegungen vielfach zur Systemtheorie, wie Niklas Luhmann sie in Deutschland entwickelt hat. Saxer meint in positiver Würdigung des Radikalen Konstruktivismus, dieser Denkansatz könne mit seinem medienkritischen Potential vor allem zur Entmythologisierung von Medienrealität und zur Sensibilisierung der Journalisten für die Eigenart ihres Tuns und ihres Produkts beitragen. Soweit er allerdings das Postulat journalistischer Objektivität verwirft, .beeinträchtigt er ein unentbehrliches Instrument demokratischer Kommunikationskultur und die Ausbildung journalistischer Kompetenz in einer sehr wichtigen Hinsicht. Er öffnet damit journalistischem Schlendrian im Umgang mit Fakten und journalistischer Rechthaberei Tür und Tor, deckt argumentativ - da es ja angeblich anders gar nicht möglich ist - die Selbstzentriertheil journalistischer Milieus auf Kosten ihrer Zuwendung zum Publikum, anerkennt journalistische Manipulation als Normalität und rechtfertigt theoretisch auch noch den durch Medien mitverursachten kollektiven Wirklichkeitsverlust in komplexen Gesellschaften. "24 Die Brücke zur Praxis und zum Leben der Menschen wird so gut wie unbegehbar, wenn die Erfahrungswerte eines vernünftigen und verantwortlichen Journalismus geopfert werden, um einer Theorie Genugtuung zu verschaffen. Der Journalismus hat seine Kultur, seine Geschichte und sein demokratisches Ethos nicht grundlos oder überflüssigerweise, sondern diese Prägungen in ihrer phänomenologischen Beschaffenheit sind konstituierende und somit un- 165 verzichtbare Merkmale. Eine pragmatische Umsetzung der konstruktivistischen Postulate und Konstruktionen in die Journalismuspraxis konnte bisher nicht überzeugend dargelegt werden. Vorteilhaft ist es sicherlich, über die Prozesse der Massenkommunikation und Medienpraxis neu nachzudenken. Aber das ist kein ausreichender Grund dafür, alle bisher geltenden Qualitätsmerkmale des praktischen Journalismus für obsolet oder "untauglich" zu halten. SeheHing hat die Frage aufgeworfen, wie zugleich "die Vorstellungen als sich richtend nach den Gegenständen, und die Gegenstände als sich richtend nach den Vorstellungen" in der Wirklichkeitslehre und Erkenntnistheorie gedacht und so Realismus und transzendentale Begründung integriert werden könnten.25 Auf die damit verbundenen Aporien wissen auch die Konstruktivisten keine ewig gültigen Antworten, und so müssen alle die Aporien dessen, was unsere Sprache seit Menschengedenken als "Wirklichkeit" kennzeichnet, aushalten. Der Journalismus ist Teil dieser Wirklichkeit mit einer ihm eigenen Philosophie und Anschauung vom Leben und der politischen Kultur. Anmerkungen: 1 Walter Lippmann, Public Opinion, (First Free Press Paperback Edition) New York 1965, Copyright 1922, 78. Vgl. zur jüngsten deutschen Neuauflage dieses amerikanischen Publizistik-Klassikers (W. Lippmann, Die Öffentliche Meinung, Bochum 1990; Bochumer Studien zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 63) die Besprechung von]. Robes, Tübingen, in der Fachzeitschrift "Publizistik", 1/1991, 119- 121. 2 Vgl. das Kapitel "Wir waren nicht Augenzeugen", in: H. Boventer, Ethik des Journalismus, Konstanz 1984, 73ff. 3 Walter Lipprnann hat wiederholt das Fehlen philosophischer Studien zum Zeitungsund Nachrichtengeschäft seiner Zeit als anormal bezeichnet. Er argumentierte bereits in den 20er Jahren gegen die Woge des Subjektivismus und für die Notwendigkeit einer "public philosophy", unter deren Dache auch die Journalismusdeutung unterzubringen sei. Zu Beginn seiner Studie zitiert er aus Platons Höhlengleichnis. V gl. Jay Newman, TheJournalist in Plato's Cave, (Rutherford) New Jersey 1989. 4 Winfried Schulz, Massenmedien und Realität. Die "ptolemäische" und die "kopernikanische" Auffassung, in: Sonderheft 30/1989 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Massenkommunikation: Theorien, Methoden, Befunde, hg. v. Max Kaase und Winfried Schulz, 135-149. Ebenso hat Hans Mathias Kepplinger sich des Themas Medienrealität angenommen, so in dem Artikel "Realität, Realitätsdarstellung und Medienwirkung", in: Jürgen Wilke (Hg.), Fortschritte der Publizistikwissenschaft, Freiburg-München 1990, 39-55. 5 Winfried Schulz, a. a. 0., 139. 6 Einführungsbrief zum Funkkolleg "Medien und Kommunikation. Konstruktionen von Wirklichkeit", hg. v. Deutschen Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen, Weinheim und Basel1990, 5. 7 Ebd., 8. 166 8 Der von Humberto R. Maturana (Erkennen. Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, Braunschweig-Wiesbaden 1985), Heinz von Foerster (Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie, Braunschweig-Wiesbaden 1985), Ernst von Glasersfeld (Wissen, Sprache und Wirklichkeit. Arbeiten zum radikalen Konstruktivismus, Braunschweig-Wiesbaden 1987) u. a. entwickelte und im deutschsprachigen Raum von Paul Watzlawik (Die erfundene Wirklichkeit, 1981; Was wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beiträge zum Konstruktivismus, 1983) zur Mode popularisierte Konstruktivismus läßt sich in der Tat auf die Formel "Die erfundene Wirklichkeit" bringen. 9 So lautet die Kernthese von Paul Watzlawik, die dem unbedarften Leser das Aha- Erlebnis vermittelt, nun endlich "aufgeklärt" zu werden und seine "Naivität" als Täuschung entlarvt zu haben. 10 Studienbrief 2 zum Funkkolleg, 49. 11 Klaus Merten, Inszenierung von Alltag. Kommunikation, Massenkommunikation, Medien, 3. Kollegstunde, in: Funkkolleg "Medien und Kommunikation. Konstruktionen von Wirklichkeit", Studienbrief 1, Weinheim und Basel1990, 81. 12 Vgl. das Kapitel "Im Sinnbezirk des Erkennensund Verstehens" in meiner "Ethik des Journalismus", Konstanz 1984, 23ff. sowie "Medien und Wirklichkeitskonstruktion", in: .Pressefreiheit ist nicht grenzenlos", Bann 1989, 21 und 53ff. 13 Günther Anders, Die Welt als Phantom und Matrize. Philosophische Betrachtungen über Rundfunk und Fernsehen, in: Die Antiquiertheit des Menschen, München 1956, 105, 191. 14 Artikel Erkenntnis/Erkenntnistheorie, in: Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften, hg. v. HansJörg Sandkühler, Harnburg 1990, 772. 15 Johann Wolfgang Goethe, Schriften zur Naturwissenschaft, hg. v. Michael Böhler, (Reclam) Stuttgart 1977, 10. 16 Vgl. die Kritik zum Funkkolleg von Rainald Merkert, .Warum so radikal?", in: Funk- Korrespondenz, 17.01.1991, 12. 17 Siegfried). Schmidt über "Ethische Aspekte konstruktivistischen Denkens", in: Studienbrief 1 zum Funkkolleg, 67f. 18 Siegfried). Schmidt, Einführungsbrief zum Funkkolleg, 34. 19 Siegfried Weischenberg, Der Konstruktivismus- eine Theorie für die Praxis? Referat auf dem Symposium des Hessischen Rundfunks .Wie wirklich ist die Wirklichkeit! oder: Was nützt der Konstruktivismus dem praktischen Journalismus, 13.12.1991 in Frankfurt. 20 Rainald Merkert, a. a. 0., 12. 21 Siegfried J. Schmidt, Einführungsbrief zum Funkkolleg, 36f. 22 Siegfried Weischenberg, Einführungsbrief zum Funkkolleg, 42. 23 Ulrich Saxer, Zur Kritik des Konstruktivismus, Referat auf dem Symposium des Hessischen Rundfunks (vgl. Anm. 19); leicht gekürzt als 'Thesen zur Kritik des Konstruktivismus' veröffentlicht in diesem Heft, S. 178-183 24 Ebd. 25 Vgl. Artikel Erkenntnis/Erkenntnistheorie, a. a. 0., 900. 167

Abstract

 

 

Zusammenfassung

Wie eine Erleuchtung scheint es über die Kommunikationswissenschaft gekommen zu sein, daß man so unwissenschaftlichen Normen wie "Wahrheit" und "Objektivität" im Journalismus endlich den Garaus machen kann. Eine neue Theorie macht's möglich. Naiv ist es, fürderhin so zu tun, als gäbe es "richtig" und Jalsch" im Journalismus. Die Umwelt, die der Journalist wahrnimmt, ist seine "Erfindung" ... Den Schlüssel zu dieser Wende liefert die Theorie des Radikalen Konstruktivismus. Es geht um eine Erkenntnistheorie, die neuerdings mit ihrer Grundannahme von der "erfundenen Wirklichkeit" an die Phänomene des Journalismus herangetragen wird. Diese Phänomene lösen sich, was ihren Realitätsgehalt betrifft, buchstäblich in Nichts auf, in Trug und Schein, wenn behauptet wird, daß nicht die Echtheit (Wahrheit) von berichteten Ereignissen wichtig sei, sondern deren (subjektiver) Augenschein. Jeder Objektivitäts- und Wahrheitsanspruch, der seine Kriterien von außerhalb des Systems Journalismus bezieht, erledigt sich damit von selbst. (...) 

References

Zusammenfassung

Communicatio Socialis ist eine medienethische Zeitschrift

  • um der wachsenden gesellschaftlichen Bedeutung von Kommunikations- und Medienethik gerecht zu werden,

  • um der Mediatisierung und Digitalisierung gesellschaftlicher Kommunikation und der Rolle des Internets eine ethische Reflexion entgegen zu setzen,

  • um den steigenden wissenschaftlichen Bemühungen in diesem Feld (Tagungen, Gründungen von Netzwerken und Fachgruppen sowie Einrichtung von Professuren) einen kommunikativen Raum zu geben,

  • um der aktuellen und gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft gerecht zu werden.