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Hans Martin Hasselhorn, 2.1 Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern und Frauen im höheren Erwerbsalter in:

Hendrik Jürges, Johannes Siegrist, Matthias Stiehler (ed.)

Männer und der Übergang in die Rente, page 91 - 106

Vierter Deutscher Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8379-3023-8, ISBN online: 978-3-8379-7704-2, https://doi.org/10.30820/9783837977042-91

Series: Forschung Psychosozial

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Kapitel 2 Erwerbsarbeit – die Situation 10 Jahre vor der Berentung 93 2.1 Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern und Frauen im höheren Erwerbsalter Hans Martin Hasselhorn Zusammenfassung In Zeiten verlängerter Erwerbsbiografien erhält die Gesundheit der Babyboomergeneration vermehrt öffentliche und betriebliche Aufmerksamkeit, denn dem Gesundheitszustand wird oft eine entscheidende Rolle für den Ruhestandsübergang eingeräumt. In der Tat wollen Erwerbstätige mit schlechter Gesundheit eher früher aus dem Erwerbsleben aussteigen als Personen mit guter Gesundheit. Doch gilt dieser Zusammenhang zwischen der eigenen Gesundheit und der eigenen »Erwerbsperspektive« für Männer und Frauen gleichermaßen? Dies wird anhand von längsschnittlichen Befragungsdaten von 2.853 53- bzw. 59-jährigen (2018) sozialversichert beschäftigten Teilnehmenden der repräsentativen deutschen lidA-Kohortenstudie (www. lida-studie.de) untersucht. Die Analysen zeigen, dass in der Tat ältere Beschäftigte mit schlechter selbst berichteter Gesundheit früher aus dem Erwerbsleben aussteigen wollen, planen und können als ihre Kolleginnen und Kollegen mit guter Gesundheit. Allerdings sind beim Zusammenhang der Gesundheit mit der subjektiven Erwerbsperspektive (hier: länger arbeiten wollen, planen und können) keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen festzustellen. Folglich lassen sich daraus auch keine geschlechtsspezifischen Herangehensweisen an die Förderung der Erwerbsteilhabe älterer Beschäftigter ableiten. Gleichwohl sollten Betriebe, die ihre älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger im Unternehmen halten wollen, die Vielzahl an Einflussfaktoren beachten, welche mitbestimmen, wie lange man erwerbstätig sein wird. Viele von ihnen stellen sich für Männer und Frauen unterschiedlich dar und erfordern damit möglicherweise unterschiedliche Herangehensweisen vonseiten des Personalmanagements. Health and Employment Perspectives for Men and Women of Advanced Working Age In times of extended working lives, the health of the baby boomer generation is receiving increased public and organisational attention as the workers’ health is considered to be a crucial factor for the transition from work to retirement. Indeed, older workers with poor health are more likely to leave work and employment earlier than those with good health. However, is this association of health and subjective employment perspectives similar for men and for women? This report addresses this question, using longitudinal data of 2.853 53- or 59-year-old (2018) socially insured workers who participated in the representative German lidA-cohort study (www.lida-studie. de). As expected, the findings indicate that  – on average – older workers with poor health want to leave employment earlier, plan to leave earlier and are not able to work longer. However, with respect to this association of health and subjective employment perspective, no differences between men and women were found. Thus, these findings do not un- 94 Hans Martin Hasselhorn derline the need for gender-differentiated approaches when it comes to the promotion of employment participation of older workers. However, enterprises who want to retain their older workers should consider the multitude of factors contributing to the length of the working life of older workers. Many of those factors have a different impact on men than on women and may therefore require gender-differentiated approaches from human resource management. Einleitung Demografischer Wandel Die Anzahl älterer Beschäftigter in Deutschland nimmt seit Jahren rasant zu. Laut Statistischem Bundesamt waren 2018 rund 16,6 Millionen Erwerbstätige 50 Jahre alt oder älter. Sie machten damit 40 % aller Erwerbstätigen aus. Zehn Jahre zuvor waren es noch 10,9 Millionen Personen und damit 11,6 Prozentpunkte weniger gewesen. Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren immer weniger Personen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen [1]. Politik und Wirtschaft sehen es als wirksame Gegenmaßnahme an, wenn noch mehr Ältere arbeiten würden und wenn sie dies noch länger im Leben täten. Ganz im Gegensatz zu ihrer Vorgängergeneration kann die heutige Altersgruppe von 50 bis 65 Lebensjahren in Deutschland charakterisiert werden durch eine hohe Erwerbsbeteiligung. 2018 waren 77 % von ihnen erwerbstätig, während dies 20  Jahre zuvor nur knapp die Hälfte der damals gleichaltrigen Bevölkerung gewesen war  [2]. Diese vielen »älteren Beschäftigten«, die in diesem Beitrag vereinfachend als die »Babyboomer« bezeichnet werden, prägen heute maßgeblich eine Arbeitswelt mit hoher Dynamik, nicht zuletzt in Bezug auf Fragen der Arbeitsorganisation und des Arbeitsinhalts, aber auch der Trennung von beruflichem und Privatleben. Für immer mehr der erwerbstätigen Babyboomer kommen nun auch vermehrt Fragen zur eigenen Gesundheit auf. Chronische Krankheiten und Beschwerden manifestieren sich immer mehr, anhaltende Schmerzzustände und Schlafstörungen nehmen zu. Krankheitsbilder mit erheblichem Bedrohungspotenzial wie Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen treten zunehmend bei ihnen selbst oder in ihrer Umgebung auf, Todesfälle Gleichaltriger werden häufiger [3–5]. Ein weiteres, für viele der Babyboomer immer prominenter werdendes Thema ist die Frage, wie lange sie denn wohl erwerbstätig sein werden, möchten und können. Trotz der heute hohen Beschäftigungsquote besteht unter den Babyboomern in Deutschland nach wie vor eine »Kultur des Frühausstiegs«  [6, 7]. Nach Ergebnissen der lidA-Studie wollen nur die wenigsten Babyboomer in Deutschland tatsächlich bis zum Regelrentenalter erwerbstätig bleiben, nämlich bei Männern wie bei Frauen nur etwa jede/r Zehnte, und mehr als die Hälfte geben an, so früh wie möglich aus dem Erwerbsleben aussteigen zu wollen [7]. Die Gesundheit gilt als eine der einflussreichsten Determinanten der Erwerbsteilhabe, Beschäftigte mit schlechter Gesundheit steigen im Mittel eher aus dem Erwerbsleben aus, solche mit guter Gesundheit später. Dies legen zahlreiche Studien nahe [8–11]. Gleichwohl ist dies kein zwingender Automatismus, viele Menschen mit schlechter Gesundheit verbleiben im Erwerbsleben, weil sie wollen, es können und/oder weil sie es 95 2.1 Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern und Frauen im höheren Erwerbsalter müssen. Nach eigenen Hochrechnungen auf Basis der GEDA-Erhebung 2014/15 des Robert Koch-Instituts (RKI) berichteten damals fast vier von zwölf Millionen älteren Erwerbstätigen (51 bis 65 Jahre), dass sie eine schlechte (»mittelmäßig« bis »sehr schlecht«) Gesundheit hätten; fünf Jahr zuvor waren es noch 1,2 Millionen Personen weniger gewesen [12]. Die Assoziation Gesundheit–Erwerbsteilhabe ist also keineswegs eindeutig, sondern gilt in der Forschung zum Ruhestandsübergang als »somewhat more complicated« [13], worauf in der Diskussion der Ergebnisse eingegangen wird. Konzeptionell zu trennen vom realen Erwerbsausstieg ist die »subjektive Erwerbsperspektive«. Der Erwerbsausstieg einer Erwerbsperson gilt gemeinhin als ein  – oft jahrelanger  – Prozess, der von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird, wie zum Beispiel der Gesundheit. Früh in diesem Prozess steht die Sicht auf die eigene Zukunft im Erwerbsleben, die »subjektive Erwerbsperspektive«. Wir sehen sie als einen gewissen Indikator für künftige Erwerbsdauer an, aber vielmehr noch als Maß für die Erwerbsneigung, für die Nähe oder Distanz zur eigenen Erwerbstätigkeit in einer Lebensphase, in der der Ausstieg in die Rente zunehmend zur realisierbaren Option wird. In der lidA-Studie erfassen wir die subjektive Erwerbsperspektive unter anderem mit Fragen danach, bis zu welchem Alter man erwerbstätig sein möchte, es kann und bis zu welchem Alter man plant, erwerbstätig zu sein. Wenn nun für die Babyboomergeneration in Deutschland sowohl gesundheitliche Einschränkungen als auch der Erwerbsausstieg immer wichtiger werden, und wenn die Gesundheit eine Rolle dabei spielt, wie lange ältere Beschäftigte erwerbstätig sein möchten, dann ist von Interesse, ob dies bei Männern und Frauen in gleichem Maße der Fall ist. Dies soll im vorliegenden Beitrag untersucht werden. Methoden LidA-Studie Die deutsche lidA-Studie (»leben in der Arbeit«, www.lida-studie.de) untersucht Langzeiteffekte der Arbeit auf Gesundheit und Erwerbsteilhabe einer älter werdenden Erwerbsbevölkerung aus interdisziplinärer Sicht  [14]. Die Befragten sind Beschäftigte der Jahrgänge 1959 und 1965, die am Stichtag 31.12.2009 sozialversicherungspflichtig erwerbstätig waren. Die Kohortenstudie umfasst bisher drei Erhebungswellen aus den Jahren 2011 (N = 6.585), 2014 (N = 4.244) und 2018 (N = 3.586). Die Teilnehmenden werden zu Hause befragt. Alle drei lidA-Wellen sind repräsentativ für die sozialversicherungspflichtige Erwerbsbevölkerung dieser zwei Jahrgänge in Deutschland. Für den vorliegenden Beitrag wird auf Daten der zweiten und dritten Erhebungswelle (2014 bzw. 2018) zurückgegriffen. Auswahl des Samples Für die Analysen wurden Teilnehmende ausgewählt, die sowohl an Erhebungswelle 2 (2014) wie auch 3 (2018) teilgenommen haben, die zu beiden Zeitpunkten mindestens eine Wochenstunde erwerbstätig waren und die sich nicht als Rentnerinnen und Rentner bezeichneten. Damit konnten von 3.586 Teilnehmenden der Welle  3 insgesamt 2.853  Personen eingeschlossen werden. 96 Hans Martin Hasselhorn Auswahl der verwendeten Indikatoren Die subjektive Erwerbsperspektive wurde durch drei Fragen aus Erhebungswelle 3 (2018) erfasst und jeweils separat ausgewertet: ➣ Unabhängig von den gesetzlichen Regelungen zur Rente, bis zu welchem Alter würden Sie gerne arbeiten? (»Wollen«) ➣ Und was glauben Sie, bis zu welchem Alter können Sie arbeiten? (»Können«) ➣ Und mit welchem Alter planen Sie, in den Ruhestand zu gehen? (»Planen«) Im Beitrag wird der statistische Einfluss von vier Gesundheitsmaßen unterschiedlicher Qualitäten (Welle 2 und Welle 3) auf die Indikatoren der subjektiven Erwerbsperspektive (Welle 3) untersucht: ➣ Die psychische und die körperliche Gesundheit mittels der SF12-6-item- Skalen Mental Component Summary (SF12-MCS) und Physical Component Summary (SF12-PCS): Sie wurden berechnet wie von Nübling et al. beschrieben [15] und sind hinsichtlich ihrer Fragen sehr funktionsorientiert. Bei beiden Maßen aus Welle  2 wurde das jeweils untere Tertil als »schlechte Gesundheit« gewertet, diese Cut-off-Werte wurden auch für die Dichotomisierung der gleichen Skalen der Welle 3 verwendet. ➣ Um darüber hinaus die allgemeine Einschätzung der eigenen Gesundheit abzubilden, wird das bekannte Einzelitem »Wie würden Sie Ihren gegenwärtigen Gesundheitszustand beschreiben?« verwendet. Dieses Einzelitem ist Bestandteil des SF12- PCS. Die Antwortkategorien lauten: »sehr gut«, »gut«, »zufriedenstellend«, »weniger gut«, »schlecht«. Die letzten drei Kategorien wurden als »schlechte Gesundheit« gewertet. ➣ Schließlich wurden »starke körperliche Schmerzen in den letzten vier Wochen« als Gesundheits-Indikator verwendet. Auch dieses Einzelitem ist Bestandteil des SF12-PCS. Die Antwortkategorien umfassen: »immer«, »oft«, »manchmal«, »fast nie«, »nie«. Die ersten drei Kategorien wurden als »schlechte Gesundheit« gewertet. Um in dieser Untersuchung die anhaltende Gesundheitsexposition abzubilden, wurden die Teilnehmenden für jeden Gesundheitsindikator in drei Gesundheitsgruppen geteilt: ➣ zu beiden Messzeitpunkten 2014 und 2018 »gute Gesundheit«, fortan vereinfachend als »stabil gut« bezeichnet, ➣ zwischen 2014 und 2018 wechselnd: »gut  → schlecht« oder »schlecht  → gut«, fortan als »wechselnd« bezeichnet, ➣ zu beiden Messzeitpunkten »schlechte Gesundheit«, fortan vereinfachend als »stets schlecht« bezeichnet. Der Beitrag umfasst Gruppenvergleiche von Mittelwerten (T-Tests) und Verteilungen (χ2-Tests) sowie Korrelationsanalysen (Pearson Korrelationen). MANOVAs erfolgten zur gleichzeitigen Untersuchung von Unterschieden zwischen den Gesundheitsgruppen in Bezug auf die Indikatoren der Erwerbsperspektive (Wollen, Planen, Können). Hier steht die Interaktion mit Geschlecht im Fokus des Interesses. Die Analysen erfolgten mit der Statistiksoftware IBM SPSS Statistics Version 25. 97 2.1 Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern und Frauen im höheren Erwerbsalter Dinges weist in einem Beitrag zum »Wandel der Herausforderungen an Männer und Männlichkeit« (2013) darauf hin, dass »die Männer« nicht als homogene Gruppe anzusehen seien, da sich Männer u. a. stark nach sozialer Schicht unterscheiden könnten [16]. Dies dürfte gleichermaßen für die Ausprägung und Einschätzung der eigenen Gesundheit zutreffen wie auch für den in diesem Beitrag im Fokus stehenden Endpunkt, die subjektive Erwerbsperspektive  [5]. Folglich erfolgen die MANOVAs in Sensitivitätsanalysen getrennt nach Bildungsstand. Dieser wurde entsprechend der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie aus einer Kombination des höchsten erreichten schulischen sowie beruflichen Bildungsabschlusses ermittelt (hoch, mittel, gering) [18]. Ergebnisse Hängt Gesundheit mit der Erwerbsperspektive zusammen? Die diesem Beitrag zugrundeliegende Annahme, dass Gesundheit mit der subjektiven Erwerbsperspektive assoziiert sei, kann bestätigt werden. Die Korrelationskoeffizienten aller hier verwendeten Gesundheitsmaße mit Wollen, Planen und Können zeigen alle in die erwartete Richtung und die meisten erreichen Signifikanzniveau (nicht dargestellt). Systematische Geschlechterunterschiede in den Größenordnungen der Korrelationen sind aber nicht zu erkennen. Die Korrelationen sind höher a) beim Können als beim Planen oder Wollen, b) bei Gesundheitsindikatoren, die zum gleichen Erhebungszeitpunkt wie die Indikatoren der Erwerbsperspektive erhoben worden sind (nämlich 2018) und c) bei körperlicher Gesundheit und Schmerzen im Vergleich zur psychischen Gesundheit. Sie sind tendenziell am höchsten bei selbst berichteter allgemeiner Gesundheit zum Untersuchungszeitpunkt 2018. Unterscheiden sich ältere Männer und Frauen in Bezug auf ihre selbstberichtete Gesundheit? Abbildung 1 stellt die Verteilung der Gesundheitsgruppen bei den vier Gesundheitsindikatoren dar. In Bezug auf die allgemeine Gesundheit finden sich keine signifikanten Geschlechtsunterschiede bei der Verteilung über die drei Gesundheitsgruppen (χ2(2) = .93, p = .627). Dagegen sind die Geschlechterunterschiede bei den drei übrigen Maßen ausgeprägt, Männer finden sich häufiger in den Gruppen mit »stabil guter Gesundheit« und seltener in denen mit »stets schlechter Gesundheit« als Frauen (Schmerzen: χ2(2)  = 27.30, p  < .001; psychische Gesundheit: χ2(2) = 42.87, p < .001; physische Gesundheit: χ2(2) = 13.75, p = .001). Unterscheiden sich ältere Männer und Frauen in Bezug auf ihre subjektive Erwerbsperspektive? Im Mittel wollen die Männer bis 62,7 Jahre und die Frauen bis 62,5 Jahre erwerbstätig sein, sie planen, erwerbstätig zu sein bis zum Alter von 64,0 (Männer) bzw. 63,9 Jahren (Frauen, Abb. 2). Signifikant unterschiedlich zwischen Männern und Frauen ist in diesen Analysen lediglich das Alter, bis zu dem man meint, erwerbstätig sein zu können. Bei Männern liegt es mit im Mittel 65,6 Jahren deutlich über dem von Frauen (64,8 Jahre, t(2.658) = 5.32, p < .001). 98 Hans Martin Hasselhorn Ist die Assoziation von Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern anders als bei Frauen? ➣ Gesamtsample: Im Gesamtsample bestätigen die MANOVAs die obigen Befunde. Bei jedem der vier Gesundheitsindikatoren sind die Gesundheitsgruppen signifikant  – und in erwarteter Richtung  – mit Wollen, Planen und Können assoziiert, gleichzeitig ist Geschlecht lediglich mit Können signifikant assoziiert. Allerdings zeigen sich keine signifikanten Interaktionseffekte für Gesundheit und Geschlecht. Folglich unterschei- Abbildung 1: Verteilung der drei Gesundheitsgruppen »stabil gut«, »wechselnd« und »stets schlecht«, bei Frauen und Männern (Erwerbstätige der Geburtsjahrgänge 1959 bzw. 1965, N = 2.832 bis 2.852) Abbildung 2: Mittelwerte für die drei Indikatoren der subjektiven Erwerbsperspektive Wollen, Planen und Können nach Geschlecht. (Erwerbstätige der Geburtsjahrgänge 1959 bzw. 1965, N = 2.685 bis 2.802, Fehlerbalken zeigen das 95%-Konfidenzintervall des Mittelwertes an) 99 2.1 Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern und Frauen im höheren Erwerbsalter det sich die Assoziation Gesundheit– Erwerbsperspektive nicht zwischen Männern und Frauen. Von Interesse ist nun, ob beim differenzierten Blick auf die verschiedenen Bildungslevel die Befunde stabil bleiben oder nicht. ➣ Mittlerer Bildungsstand: Personen mit mittlerem Bildungsstand machen den größten Teil der lidA-Studie aus (hier: N  = 1.418–1.429). Diese Gruppe unterscheidet sich nicht vom Bild, welches zuvor für die Gesamtgruppe beschrieben worden ist. ➣ Niedriger Bildungsstand: Die Gruppe mit niedrigem Bildungsstand (N  = 492–494) weist für keinen der Gesundheitsindikatoren einen signifikanten Geschlechtsunterschied in Bezug auf Wollen, Planen und Können auf. Die jeweiligen Gesundheitsgruppen unterscheiden sich stets signifikant in Bezug auf das Alter, bis zu dem man glaubt, arbeiten zu können. Einzig bei der psychischen Gesundheit unterscheiden sich die Gesundheitsgruppen signifikant in Bezug auf alle drei Indikatoren der Erwerbsteilhabe. ➣ Hoher Bildungsstand: Auch die Gruppe mit hohem Bildungsstand (N = 581–584) weist ein charakteristisches Befundmuster auf. Wie in der Gruppe mit mittlerem Bildungsstand finden sich Geschlechterunterschiede in Bezug auf Können, bei körperlicher Gesundheit auch auf Planen (Frauen planen, früher auszusteigen). Bei allen untersuchten Gesundheitsindikatoren unterscheiden sich die Gesundheitsgruppen signifikant in Bezug auf das Arbeitenkönnen, bei der psychischen Gesundheit zusätzlich auch das -wollen und -planen. In der Gruppe derer mit hohem Bildungsstand weichen die Muster für Männer und Frauen durchaus mehr voneinander ab als in den übrigen Gruppen, allerdings wurde dies in nur einer Analyse signifikant: Bei Beschäftigten mit hohem Bildungsstatus zeigte die Interaktion zwischen Geschlecht und psychischer Gesundheit einen signifikanten multivariaten Gesamteffekt (Wilks λ = .98, p = .032). Dieser bezieht sich jedoch nur auf das Können (F(2,575) = 5.67, p = .004, Abb. 3). Abbildung 3: Assoziation von psychischer Gesundheit mit subjektiver Erwerbsperspektive nach Geschlecht, hier bei ca. 580 Erwerbstätigen im Alter von 53 bzw. 59 Jahren mit hohem Bildungsstatus. (Fehlerbalken zeigen den Standardfehler an); 2014 bis 2018, jeweils drei »Gesundheitsgruppen« »Ich … bis zum Alter von … Jahren erwerbstätig sein.« (Mittelwert) 100 Hans Martin Hasselhorn Im rechten Drittel der Abbildung  3 ist dargestellt, dass Männer, die sowohl 2014 als auch 2018 gute psychische Gesundheit aufwiesen (»stabil gut«), im Jahr 2018 im Mittel angegeben hatten, dass sie bis ca. 72,2  Jahre erwerbstätig sein können. Dieser Mittelwert gilt ebenfalls für Männer mit wechselnder Gesundheit (»wechselnd«, 2014 gut, 2018 schlecht  – oder umgekehrt). Dagegen gaben Männer mit zu beiden Messzeitpunkten schlechter Gesundheit (»stets schlecht«) im Mittel an, lediglich bis zum Alter von ca. 65,7  Jahren arbeiten zu können. Bei den Frauen weichen die Wechselnden deutlich vom Muster der Männer ab: Sie geben im Mittel an, nur bis 64,5 Jahr erwerbstätig sein zu können. Hier findet sich also ein signifikanter Interaktionseffekt für Geschlecht und Gesundheit in Bezug auf das »Können«. Diskussion In diesem Beitrag wurde für die sozialversicherungspflichtig erwerbstätige Babyboomergeneration in Deutschland gezeigt, dass bei ihr ➣ subjektive Gesundheit und subjektive Erwerbsperspektive in erwarteter Richtung miteinander korrelieren, ➣ Männer bei einigen, aber nicht allen Gesundheitsindikatoren bessere Mittelwerte aufweisen als Frauen, ➣ sich die subjektive Erwerbsperspektive von Männern und Frauen in Bezug auf das Wollen und Planen im Mittel nicht unterscheidet, dass Männer aber im Durchschnitt angeben, deutlich länger als Frauen erwerbstätig sein zu können, ➣ keine klaren Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu erkennen sind in Bezug auf die Frage, inwieweit die Gesundheit die Erwerbsperspektive beeinflusst, ➣ sich in Bezug auf die Frage, inwieweit die Gesundheit die Erwerbsperspektive beeinflusst, eher Unterschiede zwischen Bildungsgruppen andeuten. Annahme hat sich nicht bestätigt Damit hat sich die dem Beitrag zugrundeliegende Annahme nicht bestätigt. Unsere Ergebnisse zeigen nicht, dass die Gesundheit bei Männern und Frauen eine unterschiedliche Rolle bei den eigenen Vorstellungen zur künftigen Erwerbstätigkeit und zum Erwerbsaustritt spielen würde. Nur bei einer der 16 durchgeführten MANOVAs – nämlich bei der Untersuchung des Einflusses der psychischen Gesundheit auf die Erwerbsperspektive in der Personengruppe mit hohem Bildungsstatus  – wurde ein signifikanter multivariater Gesamteffekt der Interaktion zwischen Geschlecht und Gesundheit gefunden, und dort auch nur für das Können und nicht etwa für Wollen und Planen. Hier meinten Männer mit zwischen 2014 und 2018 wechselnder psychischer Gesundheit, dass sie  – im Mittel  – bis zum Alter von 67,2  Jahren erwerbstätig sein könnten, die entsprechenden Frauen dagegen bis 64,4 Jahren; bei »stabil guter« und »stets schlechter« Gesundheit lagen Männer und Frauen dagegen wieder gleichauf. Dieser Geschlechterunterschied ist nicht einfach und nur spekulativ erklärbar, zumal er sich nicht in vergleichbaren Befunden bei anderen Bildungsgruppen bzw. den Endpunkten Wollen und Planen wiederfindet. Folglich ist von keiner geschlechtsspezifischen Assoziation der Gesundheit mit der Erwerbsperspektive auszugehen. 101 2.1 Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern und Frauen im höheren Erwerbsalter Dies kann mehrere Gründe haben, die im Folgenden diskutiert werden: Zunächst könnte die Komplexität der Erwerbsperspektive Älterer den Einfluss der Gesundheit deutlich relativieren. Zudem ist die Rolle der Gesundheit in Bezug auf die Erwerbsteilhabe älterer Erwerbstätiger nicht immer eindeutig. Gründe für Erwerbsteilhabe und -ausstieg sind komplex Eine doch überraschende Erkenntnis dieser Untersuchung ist, dass sich nach unseren Befunden ältere erwerbstätige Männer und Frauen nur gering in Bezug auf ihre subjektive Erwerbperspektive unterscheiden: Die Mittelwerte für Wollen und Planen stimmten bei Männern und Frauen ziemlich überein. Lediglich beim Können lag der Mittelwert bei Männern deutlich und signifikant über dem der Frauen. Ob und wie lange Personen im höheren Erwerbsalter erwerbstätig sein wollen bzw. sind, wird nicht durch einen einzelnen Umstand bestimmt, sondern ergibt sich aus dem Zusammenwirken verschiedener Größen, und hier wären deutliche Geschlechtsunterschiede zu erwarten. Das lidA-Denkmodell zu Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe soll den Ruhestandsübergang älterer Beschäftigter in seiner Komplexität besser verstehbar machen. Es stellt die Vielzahl der Einflüsse auf die Erwerbsteilhabe Älterer in elf »Domänen« zusammen und zeigt, wie diese zusammenhängen (Abb.  4). Dabei macht es vier Merkmale des Ruhestandsübergangs deutlich: Das Merkmal Komplexität wurde bereits dargelegt: Aspekte aus verschiedenen Domänen sind beteiligt, deren Einflüsse (oft kausal) miteinander verknüpft sind. Zweitens verdeutlicht das Modell, dass der Ruhestandsübergang ein Prozess ist. Wie große Studien zeigen, werden schon früh im Leben entscheidende Weichen gestellt: Bereits der soziale Status einer Person in frühen Jahren bestimmt mit über die Berufswahl, über die langjährigen Einflüsse aus der Tätigkeit und schließlich über die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit einer Person. Zum Dritten zeigt das Modell, dass die Wege des Erwerbsausstiegs auch eine starke individuelle Komponente haben. So hängen Entstehung und Umsetzung der Entscheidung, das Erwerbsleben früher oder später zu verlassen, von den Ressourcen des Einzelnen ab (z. B. Gesundheit, Arbeitsfähigkeit), Abbildung 4: Das lidA-Denkmodell zu Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe [19, 20] 102 Hans Martin Hasselhorn seiner Lebenssituation (z. B. Lebensstandard sichern, Pflegeverpflichtungen, Erwerbsstatus des Partners) oder auch von seinem Umfeld (z. B. Erwartungen in Bezug auf Frühberentung). Diese Aspekte sind in vielfältiger, ganz persönlicher Weise kombiniert. Schließlich ist der Erwerbsausstieg ebenfalls stark geprägt durch strukturelle gesellschaftliche Rahmenbedingungen (strukturelle Komponente), beispielsweise dem gesetzlich vorgegebenen Rentenalter, Altersteilzeitregelungen oder der Verfügbarkeit ambulanter Pflegeressourcen zur Entlastung bei familiären Pflegeverpflichtungen. Bei zahlreichen dieser Faktoren unterscheiden sich ältere Männer und Frauen in Deutschland deutlich (z. B. [21]). Die Männer und Frauen dieser Untersuchung wollten im Mittel lediglich bis zum Alter von weniger als 63 Jahren erwerbstätig bleiben. Dies kann als Zeichen für die aus unserer Sicht nach wie vor bestehende »Kultur des Frühausstiegs« [6] in der Babyboomergeneration angesehen werden. Das geplante Ausstiegsalter lag mit etwa 64  Jahren bei Männern und Frauen schon etwas höher. Nach Analysen von Engstler (2018) kommt das geplante Ausstiegsalter dem realen sehr nahe, allerdings mit der hier interessanten Einschränkung, dass Frauen eher länger als geplant erwerbstätig waren als die Männer [22]. Dass die Männer in dieser Befragung im Mittel meinten, deutlich länger als Frauen erwerbstätig bleiben zu können, könnte darauf zurückzuführen sein, dass im höheren Erwerbsalter durchaus zahlreiche Frauen mit hoher körperlicher Arbeitsbelastung tätig sind (z. B. Pflege, Reinigung) und dabei auch schlechtere Gesundheitswerte aufweisen als Männer [23]. Zudem könnte der Geschlechtsunterschied beim Können auch Ausdruck einer bei Männern mit ihrem Männlichkeitsbild assoziierten Belastungsbereitschaft [16] sein. Gesundheitsmaße Die hier verwendeten Gesundheitsmaße wurden bewusst ausgewählt, weil sie zum einen Gesundheit in ihrer Breite erfassen – dies gilt für die Einzelfrage zur allgemeinen Gesundheit und die beiden SF12- Skalen – und zum anderen auch einen bekannten chronischen Gesundheitszustand umschreiben, nämlich Schmerzen. Natürlich lässt die Erhebung von Gesundheitsindikatoren zu zwei Zeitpunkten, die vier Jahre auseinanderliegen, nicht zu, von chronischer Krankheitsbelastung zu reden. Allerdings zeigen die Gesundheitsgruppen den erwarteten Trend in Bezug auf ihre Assoziation mit den Indikatoren der Erwerbsperspektive, sodass anzunehmen ist, dass sie durchaus chronische Exposition widerspiegeln, wenn auch in begrenztem Maße. Männer und Frauen unterschieden sich in dieser Studie nicht in Bezug auf die selbstberichtete allgemeine Gesundheit, dies deckt sich mit Befunden des RKI für Personen im mittleren Lebensalter [3, 4]. Die hier festgestellte niedrigere Prävalenz an Schmerzen bei Männern wird ebenfalls durch Befunde des RKI  [3] gestützt. Die günstigeren Gesundheitswerte für Männer im mittleren Lebensalter in Bezug auf die psychische (SF12-MCS) und körperliche Gesundheit (SF12-PCS) entsprechen den Ergebnissen der deutschen Validierungsstudie dieser Skalen [15, s. a. 5]. Allerdings muss eine schlechte Gesundheit nicht immer automatisch bedeuten, dass Beschäftigte früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden wollen. Allein die zunehmende Zahl älterer Erwerbstätiger mit selbst berichte- 103 2.1 Gesundheit und Erwerbsperspektive bei Männern und Frauen im höheren Erwerbsalter ter schlechter Gesundheit deutet hierauf hin. Für ein tieferes Verständnis dieser Frage haben Forscher qualitative Studien durchgeführt [24, 25]. Letztendlich können ihre Befunde so zusammengefasst werden: Sowohl gute wie auch schlechte Gesundheit kann dazu führen, dass man das Erwerbsleben vorzeitig verlässt; ebenso sind viele Personen mit schlechter Gesundheit weiterhin erwerbstätig, nämlich dann, wenn sie es können, wollen oder müssen. Inwieweit die verschiedenen gesundheitsbezogenen Ausstiegsmechanismen geschlechtsspezifisch sind, ist bisher nicht bekannt. Schlussfolgerungen Die Erwerbsmotivation der Beschäftigten kann als eine zentrale Ressource der Belegschaft eines Betriebes angesehen werden [26]. Sie dürfte in Zeiten immer knapper werdender Arbeitsangebote von steigender betrieblicher Relevanz werden. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen allerdings, dass die meisten Männer wie Frauen vorzeitig in den Ruhestand gehen wollen und dies auch planen. Wie können Betriebe dies verhindern – und ist hier bei Männern und Frauen unterschiedlich vorzugehen? Eine gute Gesundheit wird gemeinhin als ein zentraler Faktor zur Förderung der Erwerbsteilhabe Älterer angesehen, hier wird auch der betrieblichen Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle zugeschrieben [27]. Diese Studie zeigt, dass in der Tat Beschäftigte mit guter selbst berichteter Gesundheit später aus dem Erwerbsleben aussteigen wollen, planen und können als ihre Kolleginnen und Kollegen mit schlechter Gesundheit. Entgegen den Erwartungen des Autors erfolgt dies für Männer und Frauen in ähnlichem Ausmaß. Aufgrund dieser Befunde lassen sich also keine geschlechtsspezifischen Herangehensweisen an die Förderung der Erwerbsteilhabe älterer Beschäftigter ableiten. Gleichwohl sollten Betriebe, die ihre älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger im Unternehmen halten wollen, die Vielzahl an Einflussfaktoren beachten, welche mitbestimmen, wie lange man erwerbstätig sein wird. Viele von ihnen stellen sich für Männer und Frauen unterschiedlich dar und erfordern damit möglicherweise unterschiedliche Herangehensweisen vonseiten des Personalmanagements. Literatur 1 Fuchs J, Weber B. Fachkräftemangel: Inländische Personalreserven als Alternative zur Zuwanderung. IAB-Discussion Paper 7/2018. 2 Statistisches Bundesamt. Datenbank Genesis Online. https://www-genesis.destatis.de/genesis/online/data?operation=previous&levelindex=1&step=1&titel=Ergebnis&levelid=1578673255108&acceptscookies=false (10.01.2020). 3 Robert Koch-Institut. Gesundheit bei Frauen und Männern im mittleren Lebensalter. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin; 2005. 4 Robert Koch-Institut. Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie »Gesundheit in Deutschland aktuell 2009«. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin; 2011. 5 Robert Koch-Institut. Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin; 2015. doi:10.17886/rkipubl-2015–003 6 Hofäcker D. 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Hans Martin Hasselhorn Ausgeübte Tätigkeit: Facharzt für Arbeitsmedizin, Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe, Psychosoziale Arbeitsbelastung und -beanspruchung Adresse: Bergische Universität Wuppertal, Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik, Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft, Gaußstr. 20, 42119 Wuppertal E-Mail: hasselhorn@uni-wuppertal.de

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Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter

References

Zusammenfassung

Bis zum Jahr 2050 wird es etwa 23 Millionen über 65-Jährige in Deutschland geben. Dadurch wird es gesellschaftlich wie individuell zunehmend notwendig, gute Voraussetzungen für das Rentenalter als Lebensphase zu schaffen. Um es bei guter Gesundheit und Lebensqualität zu verbringen, sollte bereits die Zeit vor dem Übergang zur Vorbereitung genutzt werden. Insbesondere Männer, die sich oft stark mit ihrer Berufstätigkeit identifizieren, sind gefordert, ein hohes Gesundheitspotenzial und gute soziale Bedingungen verantwortungsbewusst aufzubauen.

Der Vierte Deutsche Männergesundheitsbericht setzt bei einer fundierten Bestandsaufnahme der Situation der Männer zwischen 55 und 74 Jahren an. Aus ihr ergeben sich wichtige Themen für die Politik, für die Soziale Arbeit und für den gesellschaftlichen Diskurs insgesamt: die Situation der Erwerbsarbeit zehn Jahre vor der Berentung, die Übergangsphase sowie gesundheitsfördernde Projekte für Männer vor und nach dem Renteneintritt.

Mit Beiträgen von Doris Bardehle, Eric Bonsang, Daniela Borchart, Martina Brandt, Jennifer Burchardi, Christian Deindl, Dina Frommert, Freya Geishecker, Siegfried Geyer, Stefan Gruber, Felizia Hanemann, Hans Martin Hasselhorn, Moritz Hess, Jens Hoebel, Hanno Hoven, Rainer Jordan, Hendrik Jürges, Theo Klotz, Adèle Lemoine, Michal Levinsky, Howard Litwin, Peggy Looks, Thorsten Lunau, Ingrid Mayer-Dörfler, Anne Maria Möller-Leimkühler, Niels Michalski, Bernhard Mühlbrecht, Laura Naegele, Nikola Ornig, Kathleen Pöge, Jean-Baptist du Prel, Gregor Sand, Alina Schmitz, Johannes Siegrist, Stefanie Sperlich, Anne Starker, Matthias Stiehler und Morten Wahrendorf

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Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter