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Hendrik Jürges, Johannes Siegrist, Einleitung in:

Hendrik Jürges, Johannes Siegrist, Matthias Stiehler (ed.)

Männer und der Übergang in die Rente, page 9 - 14

Vierter Deutscher Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8379-3023-8, ISBN online: 978-3-8379-7704-2, https://doi.org/10.30820/9783837977042-9

Series: Forschung Psychosozial

Bibliographic information
9 Einleitung Hendrik Jürges & Johannes Siegrist Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 setzt sich die Stiftung Männergesundheit dafür ein, gesundheitspolitisch aktuelle Themen anhand eines Spektrums wissenschaftlicher Beiträge sowie praxisnaher Berichte einem größeren Leserkreis1 näherzubringen. Trotz der Flut aktueller Beiträge in neuen Medien stellt der auf ein Thema konzentrierte, vielseitige Aspekte beleuchtende Ansatz eines in Druck vorliegenden Sammelbandes nach wie vor eine kaum zu ersetzende Bereicherung dar. Dies wird auch im vorliegenden vierten Männergesundheitsbericht besonders deutlich. Er befasst sich mit gesundheitsrelevanten Aspekten einer besonders wichtigen Lebensphase, den Jahren vor und nach der Berentung. In dem etwa zwei Jahrzehnte umfassenden Zeitraum vor und nach dem gesetzlich definierten Renteneintrittsalter werden weitreichende und tiefgreifende Erfahrungen gemacht und Entscheidungen getroffen. Sie beziehen sich auf Zeitpunkt und Modalitäten des Ausscheidens aus dem Berufsleben und die Gestaltung der nachberuflichen Lebensphase. Warum ist diese Phase für Männer mit besonderen Risiken und Herausforderungen verbunden? Was ist 1 Der Verzicht auf konsequente gendersensible  Schreibweise in diesem Band ist nur der Praktikabilität geschuldet. Wo es nicht aus dem Kontext anders hervorgeht, sind stets Frauen, Männer und Diverse gemeint. über gesundheitliche Gefährdungen und ihre Hintergründe bekannt? Welche Faktoren des Rentendaseins wirken sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus? Antworten auf diese Fragen werden anhand eigener Forschungsergebnisse von einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Ökonomie, Medizin, Soziologie und Psychologie gegeben. Die vorgestellten Erkenntnisse machen zugleich den weiteren gesundheits- und gesellschaftspolitisch wichtigen Gestaltungsbedarf deutlich. In den kommenden 15 Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre das Renteneintrittsalter erreichen und die Zahl der Renteneintritte damit einen Höhepunkt. In zehn Jahren werden in Deutschland voraussichtlich mehr als 20 Millionen über 65-jährige Menschen leben. Die Chancen für ein aktives und gesundes »drittes Lebensalter« können und sollen weiter verbessert werden, auch mithilfe von Erkenntnissen aus der Forschung. Der Band gliedert sich in drei Hauptteile, gefolgt von einer Auswahl kurz dargestellter Modellprojekte zur Gesundheitsförderung sowie einem zusammenfassenden Ausblick. Im ersten Teil wird die gesundheitliche Lage von Männern im Altersbereich zwischen Mitte 50 und Mitte 70 behandelt. Theo Klotz gibt einen knappen Überblick über die in dieser Lebensphase be- 10 Hendrik Jürges & Johannes Siegrist sonders häufigen Volkskrankheiten und ihre geschlechtsspezifische Verteilung. Da manche dieser Krankheiten gemeinsame, auch verhaltensgebundene Risikofaktoren aufweisen, kommt der Prävention eine besondere Bedeutung zu. Der Beitrag vertieft das Problem häufiger Krebserkrankungen bei älteren Männern und gibt Hinweise auf Erfolg versprechende Maßnahmen von Früherkennung, Behandlung und Prävention. Der Frage, ob Männer im Alter heute im Durchschnitt gesünder sind als in früheren Jahrzehnten, gehen Sieg fried Geyer und Stefanie Sperlich anhand eigener Auswertungen von Krankenkassendaten nach. Ihre Ergebnisse zeigen, dass dies in gewissem Umfang für den Herzinfarkt und den Lungenkrebs gilt, weil sie zu einem späteren Zeitpunkt im Lebenslauf erstmals auftreten und weil auch ihre Häufigkeit tendenziell abnimmt. Das Gegenteil ist jedoch bei Diabetes der Fall. Von einer ausgeprägten und einheitlichen »Kompression« der Krankheitslast bei älteren Männern kann somit gegenwärtig nicht gesprochen werden. Psychische Krankheiten stellen in dieser Lebensphase eine besondere Herausforderung dar. Anne- Maria Möller-Leimkühler belegt dies mit besonderem Bezug auf depressive Störungen. Sie spielen eine dominante Rolle bei Fehlzeiten und Frühberentung, sind aber auch bei über 65-jährigen Männern mit etwa 25  Prozent eine ernstzunehmende Gefährdung. Besonders beunruhigend ist der hohe Anteil unbehandelter Depressionen in dieser Altersgruppe und damit auch ein erhöhtes Suizidrisiko. Im Beitrag wird auf die Dringlichkeit einer verbesserten Frühdiagnostik dieser Erkrankung speziell bei Männern hingewiesen. Mit der vorzeitigen Sterblichkeit befasst sich der Beitrag von Doris Bardehle. Anhand von Daten der Mortalitätsstatistik wird für den Zeitraum 2010 bis 2017 gezeigt, dass die vorzeitige Sterblichkeit der Männer etwas stärker als bei Frauen sinkt, wenn auch auf höherem Niveau. Zusätzlich wird die Sterblichkeit jeweils 10 Jahre vor und nach der Berentung untersucht. Trotz tendenziell positiver Entwicklung kann das von der Regierung angestrebte gesundheitspolitische Ziel der Senkung vorzeitiger Sterblichkeit bis zum Jahr 2030 nicht erreicht werden. Die Autorin verweist auf erfolgreiche diesbezügliche Strategien in einigen anderen Ländern und zeigt damit einen spezifischen Handlungsbedarf für Deutschland auf. Nach wie vor bestehen auch in Deutschland ausgeprägte soziale Ungleichheiten der Morbidität und Mortalität, die bei Männern deutlicher als bei Frauen ins Gewicht fallen. Das von Kathleen Pöge angeführte Autorenteam aus dem Robert Koch-Institut bestätigt diesen Trend eindrucksvoll mit neuen, bisher nicht publizierten Daten aus der Studie »Gesundheit in Deutschland«. Höhere Krankheitshäufigkeiten bei sozial schlechter gestellten Männern im Alter zwischen 55 und 74 Jahren zeigen sich bei koronaren Herzkrankheiten und Typ-II Diabetes, und bei Depressionen ist das soziale Gefälle besonders im Erwerbsalter sehr ausgeprägt. Die um Sozialindikatoren ergänzte Gesundheitsberichterstattung bildet eine wichtige Voraussetzung für bedarfsgerechte präventive und interventive Maßnahmen mit dem Ziel, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern. Der erste Teil des Bandes endet mit einem Bericht zur Zahngesundheit von Männern im Alter zwischen 65 und 74  Jahren, dessen Daten der Studie »Mundgesundheit in Deutschland« aus dem Jahr 2014 entstammen. Die von Rainer Jordan vorgestellten Befunde bestätigen auch für die häufigen Probleme 11 Einleitung Karies und Parodontitis den erwähnten sozialen Gradienten, weisen aber darauf hin, dass im Vergleich zu früheren Jahren Anzeichen einer Verschiebung des Zahnkrankheitsgeschehens in das höhere Lebensalter bestehen. Im zweiten Teil des Buches steht die gesundheitliche Lage arbeitender Personen in den letzten 10 Jahren der Erwerbskarriere im Zentrum. Hans-Martin Hasselhorn untersucht anhand neuer Daten der von ihm geleiteten liDA-Studie den Zusammenhang zwischen selbst eingeschätzter Gesundheit und der Absicht bzw. dem Plan, frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu wollen. In dieser umfangreichen Population der 53- bis 59-Jährigen bestätigt sich interessanterweise der Trend zwischen schlechter eingeschätzter Gesundheit und früherem geplantem Ausstieg sowohl für Männern wie auch für Frauen. Eine daran anschließende, präventivmedizinisch wichtige Frage nach Teilnahme an Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung wird von Jean-Baptiste du Prel und Daniela Borchart, ebenfalls anhand von Daten aus der liDA- Studie, beantwortet. Demnach sind Männer in dieser vulnerablen Altersphase trotz ihres teilweise schlechteren Gesundheitszustandes weniger bereit als Frauen, an diesen Aktivitäten teilzunehmen. Der Beitrag analysiert einige der zugrundeliegenden Motive und erörtert Ansätze zur Optimierung von Gesundheitsverhalten. Dass psychosoziale Arbeitsbelastungen im höheren Erwerbsalter die Gesundheit beeinträchtigen können, ist inzwischen gut belegt. Es fehlen jedoch Hinweise zur sozialen Ungleichverteilung dieser Belastungen. Hanno Hoven, Morten Wahrendorf und Thorsten Lunau zeigen anhand von Datenauswertungen des European Working Conditions Surveys, dass zwar einige dieser Belastungen bei Älteren im Vergleich zu Jüngeren geringer ausgeprägt sind, dass jedoch prekär und in niedrigen Positionen Beschäftigte deutlich stärker von diesen Belastungen betroffen sind. Aus diesen Resultaten ergeben sich für rentenpolitische Entscheidungen wichtige Folgerungen. Ein beachtlicher Teil älterer Beschäftigter muss die Tätigkeit aufgrund dokumentierter Erwerbsminderung vorzeitig aufgeben. Dina Frommert analysiert anhand von Informationen aus der Studie »Lebensverläufe und Altersvorsorge« die auffälligen Unterschiede zwischen diesem Kollektiv und der erwerbstätigen Vergleichsgruppe. Dabei zeigt sich vor allem, dass früh Berentete ungünstigere Erwerbsverläufe und, vor allem bei Männern sehr ausgeprägt, höhere Arbeitslosigkeitsraten aufweisen. Auch diese Ergebnisse unterstützen die Forderung nach frühzeitigen, die Gesundheit und die Arbeitsbedingungen adressierenden Präventionsmaßnahmen. Die Übergangphase von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand und die vielfältigen damit einhergehenden Veränderungen sowie die ersten Jahre als Rentner stehen im Fokus des dritten Teils dieses Buches. Die offensichtlichste Veränderung mit der Aufgabe der Erwerbstätigkeit und Eintritt in den Ruhestand betrifft den Zuwachs an verfügbarer Zeit. Hendrik Jürges zeigt anhand von Daten der Zeitverwendungsstudie des Statistischen Bundesamtes, dass das subjektive Empfinden von Zeitdruck oder Zeitmangel aufgrund der »gewonnenen« Zeit nach Renteneintritt stark nachlässt. Ein beträchtlicher Anteil der frei gewordenen Zeit wird mit unbezahlter Arbeit im Haushalt oder auch im Ehrenamt verbracht. Bemerkenswert ist, dass die Erwerbsarbeit selbst von den noch arbeitenden Befragten teils als die Aktivität des Tages bezeichnet wird, die am wenigsten Freude gemacht hat, teils 12 Hendrik Jürges & Johannes Siegrist als die Aktivität, die am meisten Freude gemacht hat. Für die letztere Gruppe könnte daher mit der Aufgabe der Arbeit als wichtiger, identitätsstiftender sozialer Rolle Lebensziel und Lebenssinn verloren gehen. Johannes Siegrist und Anne-Maria Möller-Leimkühler gehen daher der Frage nach, ob Berentung tatsächlich Merkmale eines kritischen Lebensereignisses aufweist, das mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist, und plädieren für eine nach beruflichen Vorerfahrungen differenzierende Betrachtung. Im Regelfall scheint sich der Übergang in die Altersrente eher positiv auszuwirken. Insbesondere jedoch, wenn er frühzeitig und unfreiwillig erfolgt, oder bei hoher Identifikation mit der Berufsrolle wirkt der Renteneintritt eher negativ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Felizia Hanemann zeigt anhand der deutschen Teilstichprobe der SHARE- Studie, dass 17 % der Bezieher von Renten im Alter zwischen 65 und 69 einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Im Vergleich zu anderen Gruppen sind die erwerbstätigen Rentner in einer körperlich und seelisch guten gesundheitlichen Verfassung. Es finden sich auch keine Hinweise darauf, dass die fortgesetzt Erwerbstätigen wegen wirtschaftlicher Notlagen arbeiten müssten. Auf Basis einer anderen Datenquelle, dem »Transitions and Old Age Potential (TOP)«-Survey, untersuchen Moritz Heß und Laura Naegele ebenfalls den Zusammenhang von subjektivem Gesundheitsstatus und der Erwerbstätigkeit im Ruhestand, fokussieren dabei aber auf Unterschiede nach Bildungsniveau. Dabei zeigt sich, dass Gesundheit einen deutlicheren Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, in der Rente zu arbeiten, als Bildung, und dass der Einfluss der Gesundheit Hoch- und Niedriggebildete gleichermaßen betrifft. Beide Studien zusammen zeigen, dass Maßnahmen der Kompetenzentwicklung und Gesundheitsförderung unter Einschluss betrieblicher Akteure die Beschäftigungs- und Karrieremöglichkeiten im Rentenalter unterstützen sollten. Einen Überblick über die aktuelle internationale Studienlage zur Auswirkung des Renteneintritts auf die kognitive Leistungsfähigkeit liefern Eric Bonsang und Adèle Lemoine. In den internationalen Studien zeigt sich bei hohem methodischem Aufwand ein durchaus heterogenes Bild. So findet sich bei Menschen in kognitiv stimulierenden Berufen nach Renteneintritt eher eine Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Arbeitnehmer in Berufen mit hoher körperlicher oder psychosozialer Arbeitsbelastung scheinen dagegen vom Renteneintritt in Bezug auf Gesundheit und Kognition zu profitieren. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Menschen auch im Alter die Entwicklung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit teilweise selbst beeinflussen können, woraus sich auch Potenzial für Interventionen ergibt. Produktive unbezahlte Tätigkeiten oder »aktives Altern« in Form von Angehörigenpflege, Enkelbetreuung und ehrenamtlichem Engagement stehen im Fokus des Beitrags von Alina Schmitz, Martina Brandt und Christian Deindl. Mittels Analysen des Deutschen Alterssurvey wird gezeigt, dass Frauen in fast allen betrachteten Altersgruppen zwischen 40 und 85 häufiger pflegen und betreuen, während Männer häufiger im Ehrenamt engagiert sind. Gesundheitliche Auswirkungen des aktiven Alterns sind erwartungsgemäß heterogen. Insbesondere die Angehörigenpflege wird oft als psychisch stark belastend empfunden. Weitere Analysen mit Daten der SHARE-Studie zeigen im internationalen Vergleich, dass die Geschlechterunter- 13 Einleitung schiede in der Übernahme von Aufgaben und deren gesundheitliche Auswirkungen auch vom gesellschaftlichen Kontext abhängen. Insbesondere unsere nördlichen Nachbarländer bieten zu Familie und anderen sozialen Netzwerken komplementäre soziale Dienste an, die gleichberechtigtes Engagement von Männern und Frauen und niedrigere Belastungen erlauben. Mit der gesundheitlichen Lage älterer Migranten befassen sich Stefan Gruber und Gregor Sand in einer weiteren Sonderauswertung der SHARE-Daten. Dabei zeigt sich, dass sich der als »healthy migrant effect« bekannte Gesundheitsvorteil von Migranten direkt nach Ankunft im Zielland in späteren Jahren und höherem Lebensalter in einen Nachteil verwandelt. Insbesondere Migranten aus südeuropäischen Ländern weisen eine teils deutlich schlechtere physische und psychische Gesundheit auf als Einheimische, wobei sich der Unterschied in physischer Gesundheit mit Eintritt in den Ruhestand tendenziell zu verringern scheint. Dennoch legen die Befunde nahe, dass der Gesundheit älterer Migranten auch im Versorgungsalltag mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden muss. Die positive Rolle persönlicher sozialer Netzwerke als wichtige Ressource im Übergang von der Arbeit in die Rente unterstreichen Howard Litwin und Michal Levinsky ebenfalls mit einer Sonderauswertung der SHARE-Daten. Persönliche soziale Netzwerke bieten vielfältige Arten der Unterstützung (praktische Hilfeleistungen, emotionale Zuwendung, kognitive Unterstützung und Gemeinschaft) und mindern die negativen Auswirkungen des Renteneintritts auf physische, psychische und kognitive Gesundheit. Diese Ressourcen zu pflegen und zu nutzen sollte daher stärker in den Fokus auf den Ruhestand vorbereitender gesellschaftspolitischer Maßnahmen rücken. Zusammenfassend lassen sich aus dieser differenzierten Darstellung einige allgemeine Schlussfolgerungen ziehen. Bezogen auf die gesundheitliche Lage von Männern im Alter zwischen Mitte  50 und Mitte 70 werden im zeitlichen Verlauf einige Fortschritte festgestellt (z. B. Abnahme der Frühsterblichkeit an Herz- Kreislauf-Erkrankungen). Zugleich besteht die soziale Ungleichheit weit verbreiteter, auch psychischer Störungen fort, sodass hier ein wichtiger präventiver Handlungsbedarf besteht. Die Arbeitsund Beschäftigungssituation am Ende des Berufslebens ist durch eine gewisse Polarisierung gekennzeichnet. Auf der einen Seite stehen Gruppen mit einer guten Arbeitsqualität sowie der Fähigkeit und Bereitschaft, bis zum Renteneintritt zu arbeiten, während auf der anderen Seite Gruppen mit eingeschränkter Gesundheit und/oder belastenden Arbeitsbedingungen einen hohen Bedarf haben, ihre Beschäftigung vorzeitig zu beenden. Hier sind weitere arbeits- und sozialpolitische Maßnahmen angezeigt, um dieser Polarisierung entgegenzuwirken. Der Übergang in den Ruhestand erfordert eine differenzierte Betrachtung. Für die Mehrheit der Männer überwiegen positive Aspekte des Ruhestands (fortgesetzte Arbeit, Ehrenamt, Hobbies), während Frauen teilweise durch Pflegetätigkeit belastet sind. Es gibt aber auch Gruppen, die den Wegfall des Berufs als Krise erleben und über keine Optionen für die nachberufliche Phase verfügen. Schließlich unterliegen die individuellen Erfahrungen mit der Verrentung einer großen Heterogenität, abhängig von Bildung, Berufsverlauf sowie verfügbaren sozialen Netzwerken. Auch hier zeigt sich Handlungsbedarf für spezielle Gruppen, wie dies am Beispiel älterer Migranten 14 Hendrik Jürges & Johannes Siegrist sichtbar wird. Das in diesem Band zusammengeführte Wissen liefert somit eine Vielzahl von Anregungen für konkrete Maßnahmen zur weiteren Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen. Sie beziehen sich sowohl auf spezifisch männliche Herausforderungen als auch auf solche, die alle in der Verrentung stehenden Menschen betreffen. Die am Schluss des Buches getroffene Auswahl einzelner Modellvorhaben gibt lediglich einen begrenzten Einblick in die Herausforderungen und Chancen dieser Aufgabe. Prof. Dr. Hendrik Jürges Ausgeübte Tätigkeit: Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre, insb. Gesundheitsökonomik Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Gesundheits- und Bildungsökonomik Adresse: Bergische Universität Wuppertal, Rainer-Gruenter-Str. 21 (FN), 42119 Wuppertal E-Mail: juerges@uni-wuppertal.de Prof. Dr. Johannes Siegrist Ausgeübte Tätigkeit: Emeritus, Seniorprofessur »Psychosoziale Arbeitsbelastungsforschung« Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Medizinsoziologische Forschung zu Arbeit, Altern und Gesundheit Adresse: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum  – Centre for Health and Society (CHS), Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf E-Mail: siegrist@uni-duesseldorf.de

Chapter Preview

Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter

References

Zusammenfassung

Bis zum Jahr 2050 wird es etwa 23 Millionen über 65-Jährige in Deutschland geben. Dadurch wird es gesellschaftlich wie individuell zunehmend notwendig, gute Voraussetzungen für das Rentenalter als Lebensphase zu schaffen. Um es bei guter Gesundheit und Lebensqualität zu verbringen, sollte bereits die Zeit vor dem Übergang zur Vorbereitung genutzt werden. Insbesondere Männer, die sich oft stark mit ihrer Berufstätigkeit identifizieren, sind gefordert, ein hohes Gesundheitspotenzial und gute soziale Bedingungen verantwortungsbewusst aufzubauen.

Der Vierte Deutsche Männergesundheitsbericht setzt bei einer fundierten Bestandsaufnahme der Situation der Männer zwischen 55 und 74 Jahren an. Aus ihr ergeben sich wichtige Themen für die Politik, für die Soziale Arbeit und für den gesellschaftlichen Diskurs insgesamt: die Situation der Erwerbsarbeit zehn Jahre vor der Berentung, die Übergangsphase sowie gesundheitsfördernde Projekte für Männer vor und nach dem Renteneintritt.

Mit Beiträgen von Doris Bardehle, Eric Bonsang, Daniela Borchart, Martina Brandt, Jennifer Burchardi, Christian Deindl, Dina Frommert, Freya Geishecker, Siegfried Geyer, Stefan Gruber, Felizia Hanemann, Hans Martin Hasselhorn, Moritz Hess, Jens Hoebel, Hanno Hoven, Rainer Jordan, Hendrik Jürges, Theo Klotz, Adèle Lemoine, Michal Levinsky, Howard Litwin, Peggy Looks, Thorsten Lunau, Ingrid Mayer-Dörfler, Anne Maria Möller-Leimkühler, Niels Michalski, Bernhard Mühlbrecht, Laura Naegele, Nikola Ornig, Kathleen Pöge, Jean-Baptist du Prel, Gregor Sand, Alina Schmitz, Johannes Siegrist, Stefanie Sperlich, Anne Starker, Matthias Stiehler und Morten Wahrendorf

Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter