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Anne-Maria Möller-Leimkühler, 1.3 Psychische Gesundheit und psychische Störungen von Männern im mittleren und höheren Lebensalter in:

Hendrik Jürges, Johannes Siegrist, Matthias Stiehler (Ed.)

Männer und der Übergang in die Rente, page 45 - 56

Vierter Deutscher Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8379-3023-8, ISBN online: 978-3-8379-7704-2, https://doi.org/10.30820/9783837977042-45

Series: Forschung Psychosozial

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45 1.3 Psychische Gesundheit und psychische Störungen von Männern im mittleren und höheren Lebensalter Anne-Maria Möller-Leimkühler Zusammenfassung Das mittlere (40–65  Jahre) und das höhere (65–75  Jahre) Lebensalter sind kritische Übergangsphasen, von denen letzteres insbesondere für Männer durch das Ende des Erwerbslebens geprägt ist. Mit diesen Übergangsphasen gehen Alternsprozesse, Anpassungserfordernisse und mögliche Krisen einher. Außerdem kommt es zu einer Zunahme körperlicher und psychischer Beeinträchtigungen und Krankheitsrisiken, welche nur in einem komplexen Zusammenhang von Bewältigungsstilen und Faktoren der sozialen Lage verstanden werden können. In diesem Kapitel werden Aspekte des Alterns, der globalen Lebenszufriedenheit und der psychischen Gesundheit von Männern im mittleren und höheren Lebensalter sowie die Prävalenz psychischer Störungen thematisiert. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die Depression gelegt, eine der häufigsten und kostenintensivsten psychischen Störungen. Bereits im mittleren Alter sind psychische Störungen der Hauptgrund für Fehlzeiten am Arbeitsplatz und Frühberentungen, zunehmend auch bei männlichen Arbeitnehmern. Im höheren Lebensalter leiden 25 % der über 65-Jährigen unter Depressionen, wobei ein großer Anteil der Betroffenen unbehandelt bleibt. Ursachen und Folgen dieser Unterbehandlung werden diskutiert. Unerkannte Depressionen und der überproportionale Anstieg der Suizidrate bei Männern im Alter sind ein relevantes Public Health Problem und erfordern – nicht zuletzt wegen der zunehmenden Lebenserwartung von Männern  – größere Aufmerksamkeit in Öffentlichkeit, Politik und Gesundheitsversorgung. Mental Health and Mental Disorders Among Middle-Aged and Older Men Middle (40–60 years) and older age (65–75 years) are critical transition periods, while older age is shaped by retirement from work especially for men. These transition periods are associated with processes of aging, need for adaptation and psychological distress. Furthermore, somatic and mental impairments and health risks may occur, which can best be understood in the context of coping and environment. This chapter deals with aspects of aging, global life satisfaction, mental health and prevalence of mental disorders of middle-aged and older men. A main issue is depression, because depression is one of the most prevalent and cost-intensive mental disorders. Already in middle age depression is a prominent reason for disability and early retirement, increasingly also among male employees. With respect to older age, 25 % of those over 65  years are suffering from depression and many remain untreated. We discuss reasons and consequences of this undertreatment. Unrecognized depression and disproportionally increasing suicide rates in elderly men are relevant public health problems and require much more attention in public, politics and health care. These problems will be aggravated by the growing life expectancy. 46 Anne-Maria Möller-Leimkühler Alternsprozesse von Männern Altern als Kränkung Das gesellschaftliche Vorurteil, dass Männer im Unterschied zu Frauen nicht altern, sondern interessanter werden, hat einen wissenschaftlich belegbaren Kern. Danach altern Männer deutlich später als Frauen, unabhängig von ihrer kürzeren Lebenserwartung, und sind im Alter häufig fitter und gesünder als gleichaltrige Frauen  [1]. Dennoch holt die physiologische Realität des Alterns unweigerlich auch Männer ein. Bereits im mittleren Alter müssen Einbußen hinsichtlich männlicher Jugendideale von körperlicher Kraft, Ausdauer und sexueller Potenz verarbeitet werden. Hinzu kommen Leistungseinschränkungen, Konzentrationsstörungen, Gelenkund Gliederschmerzen, Rückenschmerzen, Herz- und Magenbeschwerden. Parallel zu den körperlichen Veränderungen ist der alternde Mann mit entwicklungspsychologischen Herausforderungen konfrontiert: mit der Stagnation der beruflichen Entwicklung, dem Auszug der Kinder, mit einer dadurch bedingten Veränderung der Partnerschaft, dem Gebrechlichwerden und Tod der Eltern und dem Tod Gleichaltriger [2]. Studien belegen, dass die Orientierung an traditionellen Männlichkeitsidealen das Altern erschwert. Diese ist nach wie vor  – trotz Flexibilisierung der männlichen Geschlechtsrolle  – ein relevantes Element der männlichen Identität, die sich klassischerweise im Erwerbsleben beweisen muss [3]. Mit dem (antizipierten) Ende der Erwerbstätigkeit ist also ein einschneidender Status- und patriarchaler Machtverlust verbunden, der nicht durch einen anderen, gleichwertigen Status im Alter ersetzt werden kann. Zwar fallen bisherige Altersbilder für Männer weit positiver aus als für Frauen, können aber in ihrer Abwertung durchaus subtil sein. Ein Beispiel: Im Bergbau werden aufgegebene Stollen und nicht mehr benutzte Strecken oder auch ausgeräumte Abbaue als »alter Mann« (auch Altermann oder toter Mann) bezeichnet. Je stärker Männer sich über ihre Erwerbstätigkeit (Allein- oder Hauptverdiener) und körperliche Leistungsfähigkeit definieren, desto eher erleben sie das zunehmende Alter als unwiederbringlichen Statusverlust: Männlichkeitsnormen können nicht mehr uneingeschränkt erfüllt oder kompensiert werden, körperliche Abbauprozesse können bestenfalls aufgehalten werden, die Entberuflichung bedeutet soziale Degradierung und kann in die soziale Isolation führen, und schließlich droht ein Leben als »Minderheit« in einer Umwelt, die von Frauen dominiert wird. Die Folgen des eindimensional konstruierten Männlichkeitsbildes werden im Alternsprozess deutlich: eine mangelnde Flexibilität aufgrund einseitiger Ausrichtung auf die Berufsrolle, weniger Interessens- und Identifikationsobjekte jenseits der Berufsrolle, meist nur berufsbezogene, kleine Netzwerke, die nicht tragfähig sind sowie ein instrumentelles Gesundheitskonzept mit mangelnder Selbstfürsorge. Eng gefasste traditionelle Maskulinitätsnormen sind einerseits mit mangelnder Expressivität und emotionaler Kontrolle, andererseits mit externalisierenden Konfliktverarbeitungsstrategien assoziiert und können funktionale Adaptationsstrategien im Verlauf des Älterwerdens erschweren [4], da diese Normen Schwäche, Krankheit, Altern und Tod ausblenden. Altern wird entsprechend als zunehmende Hilflosigkeit, Kränkung des Selbstwertgefühls und Männlichkeitsverlust erlebt [5]. 47 1.3 Psychische Gesundheit und psychische Störungen von Männern im mittleren und höheren Lebensalter Andropause, Wechseljahre des Mannes oder Midlife-Crisis? Ab dem 40. Lebensjahr vermindert sich bei Männern im Zuge des Alterns die Testosteronproduktion. Im Unterschied zur Menopause der Frauen ist dies ein sehr langsamer Prozess, der etwa 1 % pro Jahr ausmacht und einer hohen interindividuellen Varianz unterworfen ist. Die Bezeichnung »Andropause« in Analogie zur Menopause erscheint darüber hinaus fragwürdig, da die Reproduktionsfähigkeit des Mannes damit nicht beendet ist, wie der Trend zur späten Vaterschaft belegt. Einer Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zufolge waren 2013 6 % aller »Neuväter« in Deutschland 45  Jahre oder älter. Im Vergleich zu 1995 waren dies fast drei Mal so viele, wobei die Tendenz weiter steigt [6]. Die Beschwerden bei sinkendem Testosteronspiegel können zwar den weiblichen Wechseljahresbeschwerden ähnlich sein (verminderte Leistungsfähigkeit, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Depressivität, Unzufriedenheit, Reizbarkeit, Erektionsstörungen, Mangel an Energie, Gewichtszunahme), sind aber relativ unabhängig vom Testosteronspiegel, abgesehen von Erektionsstörungen  [7]. Aber auch diese können auftreten, wenn kein Hormonmangel vorliegt, und auf Versagensangst oder Leistungsdruck zurückgeführt werden. Andererseits ist ein Testosteronmangel nicht immer mit Symptomen assoziiert. Eine Generalisierung der sogenannten »Wechseljahre« des Mannes über einen mehr oder weniger willkürlich gesetzten Grenzwert hat wenig wissenschaftliche Evidenz und mag eher der Erschließung neuer Märkte als der Gesundheit der Männer dienen, die nur sehr selten an einem Testosteronmangelsyndrom (partielles Androgendefizit des alternden Mannes PADAM) leiden. Da der Testosteronspiegel allein – abgesehen von der Gruppe der chronisch kranken, übergewichtigen oder sehr alten Männer  – weder krank noch glücklich macht, kann davon ausgegangen werden, dass hinter den genannten männlichen Beschwerden psychosoziale Konflikte liegen, die typisch sind für die Umbruchphase in der Lebensmitte und allgemein als »Midlife-Crisis« bezeichnet werden  [8]. In der Populärkultur wird die Midlife-Crisis vornehmlich Männern zugeschrieben, die diese  –klischeehaft  – durch den neuen roten Sportwagen, die deutlich jüngere Freundin oder die plötzliche Scheidung zu »bewältigen« versuchen. Lebenszufriedenheit im Altersverlauf Übereinstimmend mit dem Begriff der Midlife-Crisis zeigt ein Blick auf die internationale Forschung zur altersabhängigen allgemeinen Lebenszufriedenheit überwiegend einen U-förmigen Verlauf, mit hoher Zufriedenheit in jungen Jahren, einem Abfall in mittleren Jahren und einem erneuten Anstieg ab dem 50.  Lebensjahr, der beide Geschlechter betrifft [9]. Diese U-Förmigkeit kann hinsichtlich des Minimums altersmäßig variieren (von unter 40 Jahren bis weit über 50 Jahre). Geschlechtsspezifische Analysen deuten darauf hin, dass die U-Kurve bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen, indem nämlich der Zufriedenheitsabfall bei Männern deutlicher ausfällt, in einem früheren Alter einsetzt und sich der Aufwärtstrend ab dem 48 Anne-Maria Möller-Leimkühler 70. Lebensjahr nicht mehr steigert [10]. Mit wenigen Ausnahmen berichten Frauen weltweit von einer etwas höheren Lebenszufriedenheit, unabhängig von ihren objektiv schlechteren Ressourcen hinsichtlich Einkommen, Bildung oder Erwerbstätigkeit  [11]. Ein solches Zufriedenheitsparadox findet sich tendenziell auch noch im höheren Alter, wo ein schlechterer Gesundheitszustand eine ebenfalls geringere Lebenszufriedenheit erwarten lassen würde. Nach Ergebnissen des Deutschen Alterssurveys bleibt diese jedoch relativ stabil, insbesondere bei Männern, während bei Frauen sich die vergleichsweise höhere Lebenszufriedenheit ab Mitte 60 stärker reduziert als bei Männern [12]. Als mögliche Gründe dafür können seitens der Männer eine bessere funktionale Gesundheit, ein geringeres Risiko sowohl für Verwitwung als auch für Altersarmut angenommen werden. Auch im Hinblick auf die subjektive Gesundheit, die sich in Altersstudien als Bewertung des eigenen Gesundheitszustands sogar als ein wichtigerer Indikator für Mortalität und Lebenserwartung erwiesen hat als der objektiv fassbare Gesundheitszustand, ist eine Diskrepanz zwischen beiden Maßen feststellbar, die mit steigendem Alter ebenfalls ansteigt. Ab einem Alter von 60  Jahren verschwindet der in jüngeren Lebensjahren vorliegende G e s c h l e c h t e r un t e r schied der subjektiven Gesundheit  [13]. Das sogenannte Wohlbefindensparadox reduziert sich erst in sehr hohem Alter. Psychische Gesundheit Psychische Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von psychischen Störungen. Die WHO definiert psychische Gesundheit als »Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen«  [14]. Darüber hinaus verweist das WHO- Statement »Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit« auf den engen Zusammenhang zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit, der mit zunehmendem Alter noch an Bedeutung gewinnt. Repräsentative Daten zur selbstbeurteilten psychischen Gesundheit von Männern und Frauen in Deutschland  [15] belegen anhand des Mental Health Inventory 5 eine insgesamt schlechtere psychische Befindlichkeit von Frauen, die vom 45. bis über das 65.  Lebensjahr hinaus kontinuierlich weiter absinkt (von 43,5 % mit beeinträchtigter und unterdurchschnittlicher psychischer Gesundheit auf 46,9 %). Im Unterschied dazu gibt es bei den Männern keinen zeitlichen Trend, Abbildung 1: Durchschnittliche Lebenszufriedenheit nach Alter und Geschlecht [32] 49 1.3 Psychische Gesundheit und psychische Störungen von Männern im mittleren und höheren Lebensalter ihr Anteil bleibt entsprechend bei 32,5 % stabil. Die subjektive Einschätzung der psychischen Gesundheit geht bei beiden Geschlechtern signifikant mit der subjektiven Einschätzung der somatischen Gesundheit einher, wobei sich diese Assoziation mit zunehmendem Alter verstärkt. Als Einflussfaktoren erweisen sich Bildungsgrad, wahrgenommene soziale Unterstützung, und bei den Erwerbstätigen unter 65 Jahren Arbeitsbedingungen, die als gesundheitsgefährdend eingeschätzt werden. Letztere haben einen stärkeren Effekt auf die psychische Gesundheit von Männern. Wird nach psychischen Belastungen gefragt  [16], resultieren Ergebnisse, die in die gleiche Richtung weisen: Im Vergleich zu Frauen ist ein signifikant geringerer Anteil der Männer nach eigenen Angaben psychisch belastet (8 % vs. 13 %, »mindestens 14 Tage innerhalb der letzten vier Wochen wegen des seelischen Befindens beeinträchtigt«). Die höchste Prävalenz psychischer Belastungen findet sich bei Männern in der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen (10 %), während sich ab dem 65. Lebensjahr beide Geschlechter deutlich weniger psychisch belastet fühlen. Der Befund, dass Männer konsistent und über die Lebensspanne hinweg geringere psychische und körperliche Beschwerden angeben als Frauen und professionelle Hilfe wie Vorsorgeuntersuchungen weniger in Anspruch nehmen, steht in einigem Widerspruch zur erhöhten Morbidität und vorzeitigen Mortalität von Männern im mittleren und höheren Alter. »Women get sicker, men die quicker«  – diese Formel bezeichnet ein Gender-Paradox, dessen Hintergründe komplex sind. Bisher ist ungeklärt, ob sie Ausdruck einer androzentrischen Erwünschtheit sind und damit Artefakte, Folge sozialer Ungleichheit zwischen Männern und Frauen oder Folge geschlechtsspezifischer Lebensstile, Hormonausstattungen oder Erkrankungen (chronisch bei Frauen vs. akut bei Männern). Hinsichtlich der Verteilungsmuster psychischer Störungen lässt sich diese Frage möglicherweise im Ansatz beantworten. Psychische Störungen: Fokus Depression Psychische Störungen sind komplexe, multifaktoriell bedingte Erkrankungen, von denen etwa jeder dritte erwachsene Deutsche im Laufe eines Jahres betroffen ist  [17]. Sie gehören zu den häufigsten, kosten- und folgenintensivsten Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Angsterkrankungen. Seit den 1990er Jahren nehmen psychisch bedingte Fehlzeiten am Arbeitsplatz in auffälliger Weise zu. Da die Prävalenz psychischer Störungen in der Allgemeinbevölkerung seit Dekaden stabil geblieben ist, ist diese Entwicklung eher auf eine bessere Depressionsdiagnostik und eine gewisse Enttabuisierung psychischer Probleme am Arbeitsplatz zurückzuführen. Während der Anteil körperlicher Erkrankungen als Ursache für Fehlzeiten kontinuierlich zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der Fehltage mit der Diagnose Depression (oder Anpassungsstörung) nach Angaben der DAK seit 1997 mehr als verdreifacht, wobei diese mit zunehmendem Alter ebenfalls ansteigen, und zwar bei beiden Geschlechtern  [18]. Andere Krankenkassendaten bestätigen diesen Trend. Inzwischen geht ebenfalls fast jede zweite Frühberentung auf Depressionen zurück. Entgegen des historisch überlieferten Geschlechterstereotyps, dass Frauen im Unterschied zu Männern das psychisch 50 Anne-Maria Möller-Leimkühler kränkere Geschlecht seien, ist die Lebenszeitprävalenz psychischer Störungen von Frauen nur wenig höher als die von Männern, wobei sich jedoch erhebliche Unterschiede bei den häufigsten psychischen Erkrankungen zeigen. Frauen sind von internalisierenden Störungen wie Depressionen (ausgenommen bipolare Depression), Angst- und Essstörungen sowie somatoformen Störungen etwa doppelt so häufig betroffen als Männer. Der Anteil der Männer überwiegt dagegen bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie bei externalisierenden Störungen wie der dissozialen Persönlichkeits- und Impulskontrollstörung [zusf. 19]. Aufgrund der überragenden Public- Health-Relevanz der Depression sowie der Tatsache, dass eine Depression die häufigste psychische Erkrankung im Alter ist (im hohen Alter kommt die Demenz dazu), soll der Fokus in diesem Kapitel auf Depressionen und ihren Besonderheiten bei Männern sowie Besonderheiten im Alter gelegt werden. Systematische Unterdiagnostizierung von Depression bei Männern und mögliche Gründe Laut zahlreicher epidemiologischer Befunde weisen Männer im Vergleich zu Frauen nur eine halb so hohe Depressionsprävalenz auf (Beispiel: 12 Monatsprävalenz 4,8 % vs. 10,6 % [17]). Angesichts der Tatsache, dass eine (nicht erkannte) Depression der Hauptgrund für Suizide ist, deren Rate bei Männern dreimal höher ist als bei Frauen, wird die etablierte Erkenntnis zur geschlechtsspezifischen Depressionsprävalenz in den letzten Jahren zunehmend infrage gestellt. Möglicherweise ist die geringere Depressionsprävalenz bei Männern ein Artefakt, das sowohl durch die mangelnde Inanspruchnahme professioneller Hilfe als auch durch einen Genderbias in der üblichen Depressionsdiagnostik zustande kommt. Diese weist eine deutliche Ausrichtung auf »weibliche« Symptome auf, die als prototypisch gelten (orientiert an ICD 10, DSM 5), aber von Männern seltener berichtet werden, da offenbar die männlichen Erfahrungen von Depression nicht (ausreichend) berücksichtigt werden. Damit fällt ein Teil der Männer durch das diagnostische Raster. Wie neuere Studien zur Depression bei Männern zeigen, können sich prototypische Depressionssymptome hinter depressionsuntypischen Verhaltensmustern wie gesteigerter Aggressivität, Irritabilität, Hyperaktivität, antisozialem Verhalten oder Sucht- und Risikoverhalten verbergen (»männliche Depression«) und deshalb häufig weder rechtzeitig erkannt noch behandelt werden. Befunde aus quantitativen und qualitativen Studien bestätigen, dass, je stärker die Orientierung an traditionellen Maskulinitätsnormen, desto ausgeprägter diese externalisierende (Abwehr-)Symptomatik, die offensichtlich die männliche Identität schützen und Stigmatisierung vermeiden soll. Werden solche externalisierenden Symptome zusätzlich zu den prototypischen Symptomen erfasst, reduziert sich der Prävalenzunterschied zwischen den Geschlechtern signifikant [20]. Um depressionsgefährdete Männer besser identifizieren zu können, ist ein gendersensitives Depressions-Screening (GSDS) von der Autorin entwickelt und evaluiert worden, das sich für den routinemäßigen Einsatz z. B. in Hausarztpraxen und der betrieblichen Gesundheitsförderung eignet [21]. Die Altersabhängigkeit »männlicher« Symptomatik bei Depressionen ist bisher nicht systematisch untersucht worden. Es 51 1.3 Psychische Gesundheit und psychische Störungen von Männern im mittleren und höheren Lebensalter liegen jedoch Hinweise darauf vor, dass nicht nur junge Männer, sondern auch Männer im mittleren und höheren Alter solche Symptome berichten [22]. Besonderheiten der Depression im Alter Daten zur Prävalenz der Depression im Alter sind insgesamt inkonsistent. Einerseits finden sich im Vergleich zum jüngeren Erwachsenenalter kaum Unterschiede im mittleren und höheren Alter, so gibt etwa die Berliner Altersstudie für krankheitswertige depressive Störungen einen Anteil von 26,9 % an (ab einem Alter von 70 Jahren), der mit Ergebnissen anderer Bevölkerungsstudien vergleichbar sein soll [23]. Andererseits ist nach repräsentativen Daten des RKI  [24] die Depressionsprävalenz im Alter zwischen 50 und 69 Jahren bei Männern und Frauen am höchsten, um im höheren Lebensalter wieder abzufallen, was ebenfalls im Einklang mit anderen Studien steht [25]. Insgesamt ist das Bild von der Depressionshäufigkeit im Alter verwirrend. Offenbar ist die Bedeutung von Alterseffekten auf die Prävalenz und ihren Einflussfaktoren noch relativ unklar, wobei neben der unterschiedlichen Stichprobenauswahl der Einsatz unterschiedlicher Diagnoseinstrumente eine entscheidende Rolle spielen dürfte. Eine Besonderheit der Depression im Alter liegt darin, dass sie schwer zu diagnostizieren ist, da sie oftmals nicht die erforderlichen Kriterien nach ICD  10 oder DSM  5 erfüllt, trotzdem aber als sogenannte unterschwellige oder subsyndromale Depression eine starke subjektive Beeinträchtigung darstellt und sich zur klinischen Depression entwickeln kann. Depressive Symptome werden sowohl von den Betroffenen als auch von Medizinern oftmals als typische Alterserscheinungen missinterpretiert, normalisiert und daher als solche nicht erkannt. Da depressive Symptome häufig von somatischen Symptomen überlagert werden, insbesondere bei älteren Männern, stehen körperliche Beschwerden bei einer Konsultation im Vordergrund. Von der Verknüpfung depressiver mit somatischen Symptomen ist ein weiteres schwerwiegendes Problem zu unterscheiden: die Komorbidität von Depression mit körperlichen Erkrankungen, Abbildung 2: Diagnostizierte Depression nach Alter und Geschlecht [33] 52 Anne-Maria Möller-Leimkühler insbesondere kardiovaskulären Erkrankungen und metabolischen Störungen, die ebenfalls nicht ausreichend erkannt werden und den Krankheitsverlauf erheblich verschlechtern [26]. Hinsichtlich der medizinischen Versorgung kommt den Hausärzten eine Schlüsselrolle zu, da sie etwa 80 % ihrer an Depression erkrankten Patientinnen und Patienten selber behandeln. Aktuelle Studien belegen eine nach wie vor relevante Unterbehandlung bei mindestens der Hälfte der Patientinnen und Patienten sowohl in Bezug auf antidepressive Medikation als auch auf die Überweisung in psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung [27, 28]. Eine besondere Risikogruppe sind ältere Männer [29]. Aus dieser Unterversorgung resultiert sowohl eine mehrfach erhöhte nicht-suizidale Mortalität als auch ein erhöhtes Suizidrisiko. Suizide im mittleren und höheren Alter In der Psychiatrie und Suizidforschung sind psychische Erkrankungen, vor allem Depressionen, als Hauptrisiko für suizidales Handeln nachgewiesen. Die Suizidrate für depressiv Erkrankte ist mehr als 30-mal höher als die der Allgemeinbevölkerung. Suizide sind ein männliches Phänomen, etwa drei Viertel aller Suizide werden von Männern begangen. Im Jugendalter sind Suizide die häufigste Todesursache, ab dem mittleren Alter nimmt die Suizidrate von Männern, die insgesamt etwa dreimal höher ist als die der Frauen, noch einmal disproportional zu. Seit den 1980er Jahren sinkt die Gesamtzahl der Suizide in Deutschland, dennoch bewegt sie sich weiter auf einem hohen Niveau (zwischen 9.000 und 10.000 pro Jahr) bei einem durchschnittlichen Lebensalter von 57 Jahren. Im Jahr 2017 lag die Suizidrate insgesamt bei 11,2 Suiziden je 100.000 Einwohner. Wurden bei den 50bis 55-jährigen Männern noch 20,9  Suizide (Frauen 8,4) gezählt, stieg die Anzahl der Suizide bei den 75- bis 80-Jährigen auf 33,8 (Frauen 9,7) und bei den 80- bis 85-Jährigen auf 49,7 (Frauen 9,2). So sehr die männliche Suizidrate im Alter steigt, so wenig öffentliche Aufmerksamkeit und wissenschaftliches Interesse hat diese seit Jahrzehnten bekannte Entwicklung hervorgerufen. Ursachen dafür könnten der geringe ökonomische »Nutzen« älterer Männer sein, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, oder die Tatsache, dass bedingt durch das höhere Lebensalter beim Suizid weniger Lebensjahre verloren gehen. Der Gendergap bei vollendeten Suiziden reflektiert seitens der Männer nicht zuletzt dominante Maskulinitätsnormen, die  – unabhängig vom Altern  – Erfolg und Leistung, autonome Problemlösung, emotionale Kontrolle und Unabhängigkeit vorschreiben  [30]. Schwer zu ertragen sind bei dieser Orientierung Gefühle des Versagens, der Schwäche, der Wertund Hilflosigkeit, die mit dem Erleben einer Depression, einer schweren Erkrankung oder schwerwiegender Verlustereignisse wie Trennung, Verwitwung oder dem Ende des Erwerbslebens einhergehen können. »Frauen suchen Hilfe, Männer sterben.« Diese Formel sagt viel über unterschiedliches suizidales Verhalten aus. Im Unterschied zu Frauen, die für ihre Suizidversuche weiche Methoden wählen, weniger um ihrem Leben ein Ende zu setzen als vielmehr ein ernstzunehmendes Hilfesignal auszusenden, wählen Männer härtere Methoden, um ihren stärker aus- 53 1.3 Psychische Gesundheit und psychische Störungen von Männern im mittleren und höheren Lebensalter geprägten Todeswunsch tatsächlich »erfolgreich« realisieren zu können [31]. Ein Suizid erscheint als der einzige Ausweg aus einer subjektiv unerträglichen Situation, die für nicht veränderbar gehalten wird. So kann der Suizid aus der Sicht der Betroffenen als eine letzte rationale Entscheidung und als Möglichkeit empfunden werden, die Kontrolle über das Leben wiederzuerlangen und damit das Leiden zu beenden. Suizidmotive im Alter sind vor allem der Verlust des Lebenspartners, Einsamkeit, Kontrollverlust, Sich-nichtgebraucht-Fühlen, Angst vor Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit. Schlussfolgerungen Ebenso wie körperliche Erkrankungen – neben anlagebedingten Faktoren  – auf wenige Faktoren eines gesundheitsgefährdenden Lebensstils zurückgeführt werden können, gilt dies auch für eine mangelnde psychische Gesundheit bzw. für psychische Erkrankungen: ein geringes Bildungsniveau, ein niedriger sozio- ökonomischer Status, eine mangelnde soziale Integration, chronischer Stress am Arbeitsplatz und ein durch traditionelle Männlichkeitsnormen geprägtes Gesundheitsverhalten können als Hauptrisikofaktoren genannt werden (auf die jedoch aus Platzgründen an dieser Stelle nicht immer näher eingegangen werden konnte). Diese Risikofaktoren sind prinzipiell modifizierbar, sowohl individuell als auch gesellschaftlich. Die Weichen für ein erfolgreiches und gesundes Altern werden bereits im mittleren Alter gestellt. Das mittlere Lebensalter ist insbesondere für Männer eine vulnerable Phase, in der Ziele und Werte neu definiert werden müssen. Neben einer altersangepassten Modifizierung des Männerbildes erscheint die Entwicklung von Sinn- und Interessenstrukturen jenseits der Erwerbsrolle sowie die Pflege per- Abbildung 3: Suizide nach Alter und Geschlecht in Deutschland 2017 [34] 54 Anne-Maria Möller-Leimkühler sönlicher Freundschaften entscheidend, um neben der zentralen Bedeutung der Erwerbsarbeit und Partnerschaft weitere tragfähige Schutzfaktoren und Ressourcen aufzubauen, die Alternsprozesse und Verlustereignisse abpuffern können. Im Hinblick auf Depression und Suizid ist eine rechtzeitige Identifizierung von depressionsgefährdeten Männern in der Primärversorgung ein wichtiger Schritt. Dabei sollten verstärkt externalisierende Verhaltens- und Abwehrmuster von Männern berücksichtigt werden, die klassische Depressionssymptome maskieren können. Literatur 1 Graves BM, Strand M, Lindsay AR. A reassessment of sexual dimorphism in human senescence: theory, evidence, and causation. 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Anne-Maria Möller- Leimkühler Ausgeübte Tätigkeit: APL Professorin Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Sozialwissenschaftliche Forschung in der Psychiatrie, Gender Forschung Adresse: Klinikum der Universität München, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Nußbaumstr.  7, 80336  München E-Mail: Anne-Maria.Moeller-Leimkuehler@med.uni-muenchen.de

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Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter

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Zusammenfassung

Bis zum Jahr 2050 wird es etwa 23 Millionen über 65-Jährige in Deutschland geben. Dadurch wird es gesellschaftlich wie individuell zunehmend notwendig, gute Voraussetzungen für das Rentenalter als Lebensphase zu schaffen. Um es bei guter Gesundheit und Lebensqualität zu verbringen, sollte bereits die Zeit vor dem Übergang zur Vorbereitung genutzt werden. Insbesondere Männer, die sich oft stark mit ihrer Berufstätigkeit identifizieren, sind gefordert, ein hohes Gesundheitspotenzial und gute soziale Bedingungen verantwortungsbewusst aufzubauen.

Der Vierte Deutsche Männergesundheitsbericht setzt bei einer fundierten Bestandsaufnahme der Situation der Männer zwischen 55 und 74 Jahren an. Aus ihr ergeben sich wichtige Themen für die Politik, für die Soziale Arbeit und für den gesellschaftlichen Diskurs insgesamt: die Situation der Erwerbsarbeit zehn Jahre vor der Berentung, die Übergangsphase sowie gesundheitsfördernde Projekte für Männer vor und nach dem Renteneintritt.

Mit Beiträgen von Doris Bardehle, Eric Bonsang, Daniela Borchart, Martina Brandt, Jennifer Burchardi, Christian Deindl, Dina Frommert, Freya Geishecker, Siegfried Geyer, Stefan Gruber, Felizia Hanemann, Hans Martin Hasselhorn, Moritz Hess, Jens Hoebel, Hanno Hoven, Rainer Jordan, Hendrik Jürges, Theo Klotz, Adèle Lemoine, Michal Levinsky, Howard Litwin, Peggy Looks, Thorsten Lunau, Ingrid Mayer-Dörfler, Anne Maria Möller-Leimkühler, Niels Michalski, Bernhard Mühlbrecht, Laura Naegele, Nikola Ornig, Kathleen Pöge, Jean-Baptist du Prel, Gregor Sand, Alina Schmitz, Johannes Siegrist, Stefanie Sperlich, Anne Starker, Matthias Stiehler und Morten Wahrendorf

Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter