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Matthias Stiehler, Fazit für Gesellschaft und Politik in:

Hendrik Jürges, Johannes Siegrist, Matthias Stiehler (ed.)

Männer und der Übergang in die Rente, page 285 - 292

Vierter Deutscher Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8379-3023-8, ISBN online: 978-3-8379-7704-2, https://doi.org/10.30820/9783837977042-285

Series: Forschung Psychosozial

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Kapitel 5 Fazit 287 Fazit für Gesellschaft und Politik Matthias Stiehler Der vorliegende Männergesundheitsbericht fokussiert den Übergang in die Rente. Ausgangspunkt war die These, dass dieser Übergang für Männer aufgrund ihrer meist starken Berufsorientierung eine besondere Herausforderung darstellt und dabei auch spezifische Gesundheitsrisiken beinhaltet. Sein Ziel ist es, die Risiken zu beschreiben und zur Grundlage gesellschaftlichen und politischen Handelns zu machen, damit die wachsende Zahl der älteren Menschen möglichst noch viele Jahre bei guter Gesundheit und Lebensqualität lebt. Das dem Bericht zugrundeliegende Gesundheitsverständnis orientiert sich dabei an der Definition der WHO als »Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen«. Vor dem Renteneintritt Der Übergang in die Rente beginnt bereits Jahre zuvor. Er umfasst neben den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auch die individuelle Vorwegnahme dieser Statuspassage und besteht aus der Abklärung der finanziellen Situation, der gesundheitlichen Entwicklung im natürlichen Alterungsprozess und in der Auseinandersetzung mit den Wünschen und Befürchtungen hinsichtlich des »dritten Lebensalters«. Viele Männer wünschen sich, vorzeitig in den Ruhestand zu wechseln. Viele Männer streben an, nicht erst zum regulären Zeitpunkt in Rente zu gehen. Bei der heutigen Generation der »Babyboomer« tragen sich gar 90 % mit dem Gedanken, vorzeitig in den Ruhestand zu wechseln. Dabei spielt die individuelle Erwerbsperspektive für die letzten Jahre bis zum Renteneintritt eine wesentliche Rolle. Auffällig ist dabei, dass sich trotz besserer Gesundheitsdaten und der Verringerung der vorzeitigen Sterblichkeit das subjektive Gesundheitsempfinden und die gesundheitsbezogene Lebensqualität in der Gruppe der 55–65-Jährigen in den vergangenen zwanzig Jahren nicht verbessert hat. Eine mögliche Ursache hierfür ist, dass die Gestaltung der letzten Arbeitsjahre oftmals durch die Arbeitgeber nicht ausreichend in den Blick genommen wird. Arbeitgeber sollten die Gestaltung der letzten Arbeitsjahre stärker in den Blick nehmen. Gerade, wenn die Arbeitgeber anstreben, die älteren Fachkräfte bis zum regulären Renteneintritt oder darüber hinaus zu halten, bedarf es einer besonderen Aufmerksamkeit für die Qualität der Arbeit. Eventuell müssen ungünstige Arbeits- 288 Matthias Stiehler stressbelastungen und körperlich schwere Arbeit abgebaut, zugleich aber sollten die besonderen Erfahrungen der älteren Arbeitnehmer genutzt werden. Der zentrale Faktor ist die Wertschätzung, die ältere Arbeitnehmer und ihren spezifischen Ressourcen entgegengebracht wird. Wenn es für Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur noch darum geht, die letzten Arbeitsjahre »herumzubekommen«, lässt sich daraus keine Motivation schöpfen, bis zum regulären Renteneintritt und darüber hinaus zu arbeiten. Dies gilt in besonderer Weise für ältere Männer niedriger beruflicher Klassen, die besonders unter hoher Arbeitsstressbelastung leiden. Gesundheitsförderung und Prävention sollte Männer mit niedrigem Sozialstatus auch in Hinblick auf die Gesundheit im Ruhestand besonders im Blick haben. In dieser Gruppe treten auch häufiger Krankheiten auf, die für eine vorzeitige Sterblichkeit verantwortlich sind: Koronare Herzerkrankungen, Typ-2 Diabetes und Arthrose. Diese Erkrankungen haben ihre Ursache im Risikoverhalten und in psychosozialen Faktoren wie dem Arbeitsumfeld, was sich jeweils bei niedrigerem Sozialstatus durchschnittlich ungünstiger gestaltet. Gesundheitsförderung und Prävention sollte Männer mit niedrigem Sozialstatus daher besonders im Blick haben. Ältere Erwerbstätige werden in unserer Gesellschaft gebraucht. Soziale Ungerechtigkeiten über die Koppelung der Rente an das frühere Einkommen und über erlernte Lebensweisen setzen sich auch nach der Erwerbsarbeit fort. Darüber hinaus ist die Politik gefordert, die Flexibilisierung des Renteneintritts, aber auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten zu fördern und weitere finanzielle Anreize für ein längeres Arbeitsleben (Besteuerung, Rentenbezüge) zu schaffen, wenn die Lebensarbeitszeit im Durchschnitt erhöht werden soll. Die Wertschätzung besteht dabei auch darin, den älteren Arbeitnehmern zu vermitteln, dass ihnen eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft zukommt. Seminare, die auf den Ruhestand vorbereiten, sind eine gute Hilfe. Wie wir zeigen konnten, sind auch Seminare in Vorbereitung auf den Übergang in die Rente Zeichen der Wertschätzung durch den Arbeitgeber und die Gesellschaft. Sie können individuelle Wege aufzeigen, den Übergang in die Rente bewusst und selbstbestimmt zu gehen, und sollten schon Jahre vor dem Zeitpunkt des Renteneintritts angeboten werden. Ein besonderes Problem stellen die Menschen dar, die einer Erwerbsminderung unterliegen. Früher waren davon stärker Männer aufgrund ihrer körperlich schweren Arbeit betroffen. Heute sind es mehr Frauen mit psychischen Problemen. Allerdings sind zunehmend auch Männer von psychischen Erkrankungen betroffen. Erwerbsminderung stellt ein erhöhtes Armutsrisiko dar, da die betroffenen Menschen oft überdurchschnittlich häufig arbeitslos und selten in der Lage waren, neben der gesetzlichen Rente zusätzliche Rentenansprüche zu erwerben. Dem Armutsrisiko im Rentenalter bei vorheriger Erwerbsminderung ist in der Politik besondere Aufmerksamkeit zu widmen. 289 4.6 Fazit für Gesellschaft und Politik Da Betriebsrenten und private Vorsorge zunehmend als grundlegende Bestandteile der finanziellen Absicherung im Rentenalter gesehen werden, trifft diese Lücke Menschen mit Erwerbsminderung besonders stark. Die Politik ist aufgefordert, Strukturen zu schaffen und zu fördern, damit Erwerbsminderungen möglichst befristet bleiben und die Teilhabe am Arbeitsmarkt wiederhergestellt wird. Im Rahmen der Gesundheitsförderung steht das betriebliche Gesundheitsmanagement besonders im Fokus, damit Risiken der Erwerbsminderung möglichst rechtzeitig entgegengewirkt wird. Der Übergang Der Übergang in die Rente ist für Männer aufgrund ihrer stärkeren Berufsorientierung meist einschneidender als für Frauen. Der Übergang in die Rente wird für Männer eher als einschneidend beschrieben, da sie in der Regel ihr Leben stärker am Beruf ausgerichtet haben als Frauen. Männer sind dadurch zwar sozial oft bessergestellt, aber der Übergang in die Rente erfordert eine größere Anpassungsleistung. Das kann sogar dazu führen, dass die Partnerinnen stärker unter der Berentung des Partners leiden als unter der eigenen. Es gilt: Je positiver die eigene Arbeit gesehen wird, desto gravierender ist der Wechsel in den Ruhestand. Während für Hochqualifizierte der Wegfall der Arbeit daher oftmals als Verlust empfunden wird, bedeutet die Berentung für Geringqualifizierte häufiger eine Erleichterung. Neben dem Wegfall der Erwerbsarbeit können weitere Faktoren den Übergang in die Rente erschweren. Dazu können finanzielle Nöte (zum Beispiel Umzug in eine kleinere Wohnung) oder das Zerbrechen der Partnerschaft in der neuen Lebenssituation zählen. Jedoch gilt, dass es sich hierbei um keine generellen Gefährdungen handelt. Der Übergang in die Rente gestaltet sich sehr individuell. Entscheidend scheint jedoch die nachberufliche Perspektive zu sein. Wie gestalten sich die außerberuflichen Aktivitäten, das Sozialverhalten und das präventive Verhalten? Und liegen beispielsweise chronische oder psychische Erkrankungen vor? Doch trotz der Anforderung, vor die Männer – wie auch Frauen – bei der Bewältigung des Übergangs in die Rente gestellt werden, geben die vorliegenden Studien kein eindeutiges Bild, ob er sich insgesamt eher negativ oder positiv auf die Gesundheit auswirkt. Der Übergang in die Rente stellt kein generelles Risiko dar, aber ist für jeden Menschen eine individuelle Herausforderung. Zwar wird unter anderem festgestellt, dass insbesondere bei sozial bessergestellten Männern die kognitive Leistungsfähigkeit zu Rentenbeginn nachlässt. Jedoch gleicht sich das mit der Zeit wieder aus. Der oft angeführte »Rententod« ist jedenfalls kein gesellschaftliches Phänomen. Das subjektive Gesundheitsempfinden und die gesundheitsbezogene Lebensqualität verändern sich gerade in dieser Zeit positiv. Als Ursache lässt sich die Entlastung durch den Wegfall der Berufstätigkeit und eine freiere Zeiteinteilung sehen. Dennoch gilt es, auf bestehende individuelle Risiken zu achten. Der Ruhestand ist eine Chance durch die gewonnene Freiheit. Er erfordert aber mehr Selbststrukturierung. 290 Matthias Stiehler Schauen wir auf die Zeiteinteilung beim Übergang in die Rente, stellt sie sich ähnlich dar wie bei den erwerbstätigen Männern, allerdings werden nun die Pflichten vorrangig in die Vormittagsstunden verschoben. Das sich erhöhende Zeitbudget wird zuvörderst für Hausarbeit und Besorgungen, Medienkonsum und Schlaf verwendet. Insgesamt aber bewerten erwerbstätige und nicht erwerbstätige Männer ähnliche Tätigkeiten mit Freude. Allerdings zählen ehrenamtliche, unbezahlte Tätigkeiten zumeist nicht dazu. Dies kann sich als Schwierigkeit erweisen, Männer jenseits bezahlter Arbeit für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Insgesamt jedoch gilt, dass der Ruhestand als Chance für mehr individuelle Zeitverwendung gesehen und geschätzt wird  – gerade nach einem durchstrukturierten und oftmals fremdbestimmten Arbeitsleben. Aber zugleich ist wichtig, dass diese Freiheit genutzt und sinnvoll für sich gestaltet wird. Das hängt auch von den individuellen Fähigkeiten zur Selbststrukturierung der eigenen Zeit ab. Als wesentliche Ressource, den Übergang in die Rente positiv zu gestalten, ist die Lebensgestaltung bereits vor Renteneintritt zu sehen. Eine über Jahre praktizierte einseitige Berufsorientierung erschwert den Übergang, wenn die Erwerbsarbeit wegfällt. Ein mit vielfältigen Interessen gestalteter Alltag bereits während des Arbeitslebens (Partnerschaft, Familie, Freundschaften, Hobbys, Ehrenamt) ermöglicht hingegen einen positiven Übergang, nach dem Motto: »Wie Du vor der Rente lebst, so wirst du in der Rente zurechtkommen.« Die Hilfen, die Männern dabei zur Verfügung gestellt werden können, sind Beratungs- und Seminarangebote, die unter anderem die Wichtigkeit sozialer Kontakte auch in der Zeit des Ruhestands vermitteln. Die Gestaltung des Ruhestands Die Gestaltung des Ruhestands als einer eigenständigen Lebenszeit, die nicht durch das Warten auf das Lebensende geprägt ist, ist ein wesentliches Merkmal der gegenwärtigen Zeit. Sie ist Herausforderung und Chance zugleich und bedarf in den allermeisten Fällen aktiver Entscheidungen: Wie soll die dritte Lebenszeit aussehen? Was erwarte ich von ihr? Was gibt ihr Sinn? Entsprechend der grundsätzlichen Möglichkeiten und der individuellen Bedürfnisse und Begrenzungen sind die Formen, wie Männer (und Frauen) ihren Ruhestand gestalten, sehr verschieden. Erwerbsarbeit im Ruhestand dient der sozialen Anerkennung, der Aufrechterhaltung von Netzwerken und der Weitergabe von Wissen. Erwerbstätige Rentner sind eine stark wachsende Gruppe, die sich in den vergangenen zehn Jahren etwa verdoppelt hat. Fast jeder fünfte Ruheständler geht einer bezahlten Arbeit nach. Dabei geht es sowohl ums Arbeiten-Müssen als auch ums Arbeiten-Wollen. Das Arbeiten-Müssen ist der sozialen Situation geschuldet und dient der Abwehr finanziell prekärer Situationen. Es betrifft daher vor allem sozial schlechter gestellte Gruppen. Doch gerade bei dieser Gruppe sind die gesundheitlichen Beschwerden im Durchschnitt größer, was wiederum einer Erwerbstätigkeit entgegenstehen kann. Das Arbeiten-Wollen hingegen dient der aktiven Gestaltung des Ruhestandes und zielt auf die Weitergabe von Wissen, die Aufrechterhaltung von Netzwerken und auf soziale Anerkennung ab. Entsprechend werden die subjektive Gesundheit und die Lebensqualität von einer großen 291 4.6 Fazit für Gesellschaft und Politik Mehrheit erwerbstätiger Rentner positiv bewertet. Natürlich setzt die Erwerbstätigkeit ein gewisses Maß an Gesundheit und eine positive Haltung der Rentner gegenüber aktiver Arbeit voraus. Aber die Arbeit wirkt ihrerseits eben auch protektiv. Sehr oft geschieht sie in der Absicht, einer sinnhaften Tätigkeit nachzugehen. Betreuungsaufgaben sind sinnstiftende und gesundheitsfördernde Aktivitäten, wenn sie nicht überlastend sind. Über die bezahlte Erwerbsarbeit hinausgehend sind Rentnerinnen und Rentner auch in anderen Bereichen aktiv. Zwar wird die innerfamiliäre Pflegearbeit immer noch zu zwei Dritteln von Frauen durchgeführt. Aber der Anteil der pflegenden Männer steigt kontinuierlich. Auch für die Enkel sind die Großeltern wichtige Bezugspersonen. Ihre Bedeutung geht über die alleinige Entlastung der Familien ihrer Kinder hinaus und enthält eine generative Sinnhaftigkeit. Aufgrund der Berufsorientierung vieler Männer wird die Enkelbetreuung vor der Rente deutlich stärker von Frauen übernommen. Ab der Rente aber holen die Großväter immer mehr auf. Zwar sinkt die Enkelbetreuung bei Großeltern ab dem 70. Lebensjahr zunehmend, was einerseits mit nachlassender Kraft und Gesundheit zu tun haben mag, andererseits aber auch mit dem Älterwerden der Enkel. Jedoch sind in diesem Lebensalter die Großväter durchschnittlich sogar aktiver. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Betreuungsaufgaben  – sowohl in der Pflege als auch in der Enkelbetreuung – zwar bis zu einem gewissen Maß gesundheitsfördernd, aber über diesem Maß hinaus auch belastend sein können. Wenn die Chance der freien Gestaltung des Ruhestandes einem Übermaß an neuen Pflichten geopfert wird, kippt der positive Effekt. Es bedarf mehr altersgemäßer und männerspezifischer Angebote für ehrenamtliches Engagement. Internationale Studien haben gezeigt, dass die Zufriedenheit mit den Betreuungsaufgaben dann gegeben ist, wenn es komplementäre und damit auch entlastende öffentliche Angebote gibt. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten werden immer mehr von Männern wahrgenommen. Sie zählen zu den sozialen Aktivitäten, die ein Leben im Ruhestand bereichern und die Lebenszufriedenheit stärken. Jedoch fällt auch auf, dass die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Männer im Ruhestand eher abnehmen. Das mag daran liegen, dass sie sich zuvor in Bereichen engagiert haben, in denen sie mit zunehmendem Alter nicht mehr aktiv sein können, beispielsweise in der freiwilligen Feuerwehr. Aber gerade deswegen ist es notwendig, altersgemäße und männerspezifische Angebote zu entwickeln, die die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement von Männern auffangen. Es ist fraglich, ob sich die Gesellschaft weiterhin leisten kann, dieses Potenzial zu übergehen. Psychische Erkrankungen von älteren Männern sollten ernstgenommen und nicht als Alterserscheinungen abgewehrt werden. Ein zentrales Problem für Männer ist, dass sie Altern oftmals als Kränkung erleben, wenn ihre physische Leistungsfähigkeit abnimmt. Die Depressionsprävalenz in der Altersspanne um den Renteneintritt ist am höchsten. Auch die 292 Matthias Stiehler Suizidrate nimmt bei Männern mit dem Alter kontinuierlich zu. Zugleich aber werden Depressionen auch bei älteren Männern immer noch zu selten diagnostiziert. Depressive Symptome werden bei ihnen häufig als scheinbar normale Alterserscheinungen abgewehrt. Damit setzt sich auch im Alter fort, was für die gesamte Lebensspanne gilt: Ein Mann ist erst dann krank, wenn er eine körperliche Erkrankung hat. Für Ärzte erfordert das eine erhöhte Aufmerksamkeit für psychische Erkrankungen. Männer sind dann besser durch gesundheitsfördernde Projekte erreichbar, wenn sie sich aktiv beteiligen können und nicht nur Adressaten fürsorglicher Hilfe sind. Für präventives Handeln ergeben sich aus dem Gesagten wichtige Handlungsfelder. Da ein gut funktionierendes Netzwerk negative Auswirkungen des Ruhestandes ausgleichen kann, muss neben allgemeinen präventiven Maßnahmen (Bewegung ) das zentrale Augenmerk in der Förderung des sozialen Netzwerks liegen. Europäische Studien haben gezeigt, dass die Größe der Netzwerke bei berufstätigen Männern und Ruheständlern gar nicht so verschieden ist. Aber ihre Diversität und die Zufriedenheit mit ihnen ist bei den Erwerbstätigen deutlich größer. Gesundheitsfördernde Projekte haben daher die Aufgabe, in der Netzwerkförderung die Geschlechtsspezifik besonders in den Blick zu nehmen. Männer müssen explizit angesprochen und bereits in der konzeptionellen Arbeit mitbedacht werden. Dabei gibt es keine pauschalen Rezepte. Die Wege erfordern Akzeptanz der Vielfalt und konkrete Adressierung. Männer sind dann viel stärker erreichbar, wenn sie sich aktiv beteiligen können und nicht nur Adressaten fürsorglicher Hilfe sind. Es geht um Wertschätzung ihrer Erfahrungen und Fähigkeiten. Dr. Matthias Stiehler Ausgeübte Tätigkeit: Leiter des Sachgebiets Sexuelle Gesundheit im Gesundheitsamt Dresden, Vorsitzender des Dresdner Instituts für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft e. V. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Sexuelle Gesundheit, sozialwissenschaftliche Aspekte der Männergesundheit, Paarberatung/Paartherapie Adresse: Dresdner Institut für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft e. V., Tiergartenstr. 58 a, 01219 Dresden E-Mail: matthias.stiehler@dieg.org

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Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter

References

Zusammenfassung

Bis zum Jahr 2050 wird es etwa 23 Millionen über 65-Jährige in Deutschland geben. Dadurch wird es gesellschaftlich wie individuell zunehmend notwendig, gute Voraussetzungen für das Rentenalter als Lebensphase zu schaffen. Um es bei guter Gesundheit und Lebensqualität zu verbringen, sollte bereits die Zeit vor dem Übergang zur Vorbereitung genutzt werden. Insbesondere Männer, die sich oft stark mit ihrer Berufstätigkeit identifizieren, sind gefordert, ein hohes Gesundheitspotenzial und gute soziale Bedingungen verantwortungsbewusst aufzubauen.

Der Vierte Deutsche Männergesundheitsbericht setzt bei einer fundierten Bestandsaufnahme der Situation der Männer zwischen 55 und 74 Jahren an. Aus ihr ergeben sich wichtige Themen für die Politik, für die Soziale Arbeit und für den gesellschaftlichen Diskurs insgesamt: die Situation der Erwerbsarbeit zehn Jahre vor der Berentung, die Übergangsphase sowie gesundheitsfördernde Projekte für Männer vor und nach dem Renteneintritt.

Mit Beiträgen von Doris Bardehle, Eric Bonsang, Daniela Borchart, Martina Brandt, Jennifer Burchardi, Christian Deindl, Dina Frommert, Freya Geishecker, Siegfried Geyer, Stefan Gruber, Felizia Hanemann, Hans Martin Hasselhorn, Moritz Hess, Jens Hoebel, Hanno Hoven, Rainer Jordan, Hendrik Jürges, Theo Klotz, Adèle Lemoine, Michal Levinsky, Howard Litwin, Peggy Looks, Thorsten Lunau, Ingrid Mayer-Dörfler, Anne Maria Möller-Leimkühler, Niels Michalski, Bernhard Mühlbrecht, Laura Naegele, Nikola Ornig, Kathleen Pöge, Jean-Baptist du Prel, Gregor Sand, Alina Schmitz, Johannes Siegrist, Stefanie Sperlich, Anne Starker, Matthias Stiehler und Morten Wahrendorf

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Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter