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Hendrik Jürges, 3.1 Gewonnene Zeit? in:

Hendrik Jürges, Johannes Siegrist, Matthias Stiehler (ed.)

Männer und der Übergang in die Rente, page 145 - 164

Vierter Deutscher Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8379-3023-8, ISBN online: 978-3-8379-7704-2, https://doi.org/10.30820/9783837977042-145

Series: Forschung Psychosozial

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Kapitel 3 Übergangsphase und drittes Lebensalter 147 3.1 Gewonnene Zeit? Die Zeitverwendung von Männern vor und nach Renteneintritt Hendrik Jürges Zusammenfassung Der Übergang in den Ruhestand als einer der großen Einschnitte im Leben eines Menschen bringt naturgemäß große Ver- änderungen in der Zeitverwendung mit sich. Acht Stunden oder mehr pro Tag, die bislang für Erwerbstätigkeit aufgewendet werden, müssen nun mit anderen Aktivitäten gefüllt werden. In diesem Kapitel untersuchen wir mit Daten der Zeitverwendungsstudie 2012/13 des Statistischen Bundesamtes, wie sich die Zeitverwendung von Männern im Alter zwischen 55 und 74  Jahren nach Erwerbsstatus unterscheidet. Dabei zeigt sich, dass Rentner je etwa ein Drittel der verfügbaren zusätzlichen Zeit mit unbezahlter Arbeit im Haushalt oder für Andere, mit Freizeitaktivitäten (aktive wie passive) und mit Aktivitäten im persönlichen Bereich (Schlafen, Essen) verbringen. Vertiefende Untersuchungen zeigen, dass die Erwerbstätigkeit für einen Teil der Befragten zu den Aktivitäten zählt, die besonders viel Freude bereiten, für einen anderen Teil dagegen zu den Aktivitäten, die besonders wenig Freude bereiten. Auch die unbezahlten Tätigkeiten im Haushalt erfreuen sich unabhängig vom Erwerbsstatus keiner großen Beliebtheit. Ein deutlich positiver Effekt des Renteneintritts geht von einem selbstberichteten Rückgang eines empfundenen Zeitdrucks bzw. des verminderten Wunsches aus, mehr Zeit für sich selbst oder die Familie und Freunde zu haben. Spare Time? Men’s Use of Time before and after Retirement The transition to retirement as one of the major changes in a person’s life naturally brings with it major changes in the way people spend time. Eight hours or more a day, previously spent on gainful employment, must now be filled with other activities. In this chapter, we use data from the Federal Statistical Office’s Time Use Study 2012/13 to investigate how the time used by men between the ages of 55 and 74 differs according to employment status. It shows that pensioners spend about a third of the additional time available with unpaid work in the household or for others, with leisure activities (active and passive) and with personal activities (sleeping, eating). Indepth studies show that for some of those surveyed, employment is one of the activities that are particularly enjoyable, while for others, it is one of those activities that are least enjoyable. Unpaid household chores are also not very popular, regardless of employment status. A clearly positive effect of retirement comes from a self-reported decrease in perceived time pressure or the desire to have more time for oneself or for family and friends. Einleitung Die offensichtlichste Änderung, die mit dem Eintritt in die Rente einhergeht, ist der Zuwachs an verfügbarer Zeit, d. h. Zeit, die für andere Tätigkeiten als Er- 148 Hendrik Jürges werbstätigkeit oder damit verbundene Wegezeiten zur Verfügung steht. Wer von einer Vollzeiterwerbstätigkeit in den Ruhestand wechselt, hat von einem Tag auf den anderen acht oder mehr Stunden Zeit pro Wochentag zur Verfügung. Viele auch in diesem Band untersuchte Aspekte des Eintritts in den Ruhestand haben mehr oder weniger direkt mit Zeitverwendung zu tun: Tätigkeiten in Ehrenämtern, die Betreuung von Enkeln  [1, 2], intellektuelle Stimulation  [3] oder fortgesetzte Erwerbsarbeit als Rentner  [4]. Dabei kommt der Frage, ob ehemals aktiv verbrachte Zeit nun eher passiv verbracht wird, eine große Bedeutung zu. So ist der Wechsel von aktiver zu passiver Gestaltung der Zeit oft mit nachlassender kognitiver Leistungsfähigkeit verbunden, insbesondere dann, wenn die berufliche Tätigkeit in kognitiver Hinsicht fordernd war [3]. Ziel dieses Kapitels ist die Beschreibung von Zeitverwendungsmustern von Männern in der Phase des Übergangs von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand, d. h. im Alter von 55 bis 74 Jahren. D. h. wir gehen im Wesentlichen der Frage nach, wofür Männer im Ruhestand die gewonnene Zeit verwenden, und ob sich Indizien dafür finden, dass sich durch die »gewonnene Zeit« auch die Lebensqualität verbessert. Daher werden wir auch Daten zu Wünschen und Einstellungen zu bestimmten Aktivitäten auswerten. Im Einzelnen werden wir uns mit folgenden Forschungsfragen beschäftigen: 1 Wie verbringen 55–74-jährige Männer – erwerbstätige und nicht erwerbstätige – den Tag? D. h. welche Aktivitäten werden zu welchen Tageszeiten besonders häufig ausgeführt? Welche Unterschiede gibt es zwischen Wochentagen und Wochenenden? 2 Wie viele Stunden verbringen Männer durchschnittlich an Wochentagen und Wochenenden mit welchen Aktivitäten? Gibt es Unterschiede zwischen der jüngeren Altersgruppe der 55–64-Jährigen und der älteren Altersgruppe der 65–74-Jährigen? Gibt es innerhalb der Altersgruppen Unterschiede nach Erwerbsstatus? 3 Welche Zeitverwendung macht den befragten Männern nach eigenen Angaben Freude, welche bereitet Verdruss? Diese Frage stellt sich insbesondere in Bezug auf Erwerbstätigkeit. Wird diese von arbeitenden Personen im höheren Alter eher als erfreuliche oder als unerfreuliche Form der Zeitverwendung empfunden? Macht das Ausüben von Ehren- ämtern tatsächlich Freude? 4 Empfinden erwerbstätige Ältere in stärkerem Maße Zeitdruck als nicht erwerbstätige? Wünschen Sie sich häufiger, Zeit für die Familie oder Freunde zu haben? Wie sich im Folgenden herausstellt, sind die Antworten auf die gestellten Fragen durchaus heterogen. Datenbasis In unserem Beitrag verwenden wir Daten der 3.  Zeitverwendungserhebung 2012/13 des Statistischen Bundesamtes. Zeitverwendungserhebungen in Form von Tagebüchern sind sehr aufwändig und werden daher nur selten durchgeführt. Sie erlauben sehr tiefe, detaillierte Einblicke in die Zeitverwendung der Menschen. Die beiden vorangegangenen Zeitverwendungserhebungen des Statistischen Bundesamtes wurden 1991/1992 und 2001/2002 durchgeführt. Eine in 149 3.1 Gewonnene Zeit? Teilen mit der hier vorgelegten Auswertung vergleichbare Studie wurde von Engstler et al. [5] auf Basis der Daten von 2001/2002 vorgelegt. Die Daten von 2012/13 stellen die jüngste Erhebungswelle dar und sind die für Deutschland derzeit aktuellste und detaillierteste Datenquelle zur Zeitverwendung. In Bezug auf unsere Analysen sind zwei Einschränkungen der Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse zu nennen. Erstens sind die Daten angesichts sehr schneller Entwicklungen und neuer Formen der Zeitverwendung wie Nutzung des Internets z. B. mittels Smartphones in der Freizeit wohl in Bezug auf bestimmte Aspekte des Lebens veraltet. Seit 2012/13 hat es gerade in diesem Bereich große Veränderungen des Alltags der Menschen gegeben [6]. Zweitens erlauben die Daten nur Vergleiche zwischen der Gruppe der Erwerbstätigen und der Gruppe der Rentner im Querschnitt, d. h. zu einem bestimmten Zeitpunkt. Mit anderen Worten beziehen sich unsere Vergleiche auf Männer, die zum Zeitpunkt der Erhebung entweder noch erwerbstätig oder schon im Ruhestand sind. Veränderungen im Übergang auf individueller Ebene können dagegen in den Daten nicht nachvollzogen werden. Wünschenswert wäre dagegen, die Muster der Zeitverwendung für die gleichen Personen über die Zeit hinweg, d. h. insbesondere während des Übergangs in den Ruhestand, beobachten zu können. Dafür sind allerdings Längsschnittdaten erforderlich. Mit dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) steht in Deutschland ein solcher Datensatz zur Verfügung, allerdings sind Daten zur Zeitverwendung dort bei Weitem nicht so detailliert vorhanden, wie es für die Untersuchung unserer Fragestellungen erforderlich wäre. Zusammenhang von Alter und Erwerbsbeteiligung Insgesamt stehen im hier verwendeten Auszug der Daten der 3.  Zeitverwendungserhebung Tagebücher von 1.015  Be fragten in der Gruppe der 55bis 74-jährigen Männer zur Verfügung. Davon waren zum Zeitpunkt der Erhebung 372 Männer in Vollzeit, 32 Männer in Teilzeit und 611  Männer nicht erwerbstätig. Eine separate Analyse der Teilzeitbeschäftigten erscheint aufgrund der kleinen Fallzahl als nicht zielführend, daher werden Teilzeit- und Vollzeiterwerbstätige im Folgenden zu einer Gruppe zusammengefasst, sodass Angaben für 404 Erwerbstätige vorliegen. Wie verschiedene andere Analysen in diesem Band dokumentieren, hängt der Anteil Erwerbstätiger in der betrachteten Altersgruppe naturgemäß stark vom Alter ab. Der Zusammenhang in unserem Datensatz  – in Form der Erwerbsquoten nach 5-Jahres-Altersgruppen  – ist in Tabelle  1 dargestellt. Entsprechend der Empfehlung des Statistischen Bundesamtes werden in diesem Beitrag alle Statistiken auf Basis der Zeitverwendungserhebung gewichtet ausgewiesen. In der jüngsten Altersgruppe der 55–59-jährigen liegt die Erwerbsbeteiligung noch bei über 70  Prozent. Bei den 60–64-jährigen ist sie mit 60 % immer noch vergleichsweise hoch. Nichterwerbstätige Männer unter 65 sind zu etwa einem Drittel arbeitslos. Ab Alter 65 liegt die Erwerbsbeteiligung weit unter 10 %. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung im Jahr 2012/13 lag das Eintrittsalter in die Regelaltersrente für Männer noch bei genau 65  Jahren. Bei erwerbstätigen Männern im Alter ab 65 handelt es sich daher praktisch nur um Selbstständige und Freiberufler. 150 Hendrik Jürges Tabelle 1: Beschreibung der Stichprobe. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Zeitverwendungserhebung 2012/13. Alters gruppe N (Erwerbs tätig) N (Nicht erwerbs tätig) Anteil Erwerbs tätiger (in Prozent) 55–59 223 83 72,8 60–64 161 111 59,2 65–69 10 194 4,9 70–74 10 223 4,3 Ein Vergleich der Zeitverwendungsmuster von erwerbstägigen Männern und Ruheständlern ist aufgrund des starken Zusammenhangs von Erwerbsbeteiligung und Alter zwangsläufig auch ein Vergleich der Zeitverwendungsmuster nach Alter. Beide Einflüsse überlagern sich und sind auch in einer rein deskriptiv motivierten Analyse statistisch nur schwer voneinander zu trennen. Zeitverwendungsstudien aus den USA zeigen indes, dass in der betrachteten Altersgruppe Erwerbstätigkeit eine wichtigere Determinante der Zeitverwendung ist als das chronologische Alter [7]. Hinzu kommt, dass Erwerbsbeteiligung nicht zufällig ist. Alle Unterschiede in der Zeitverwendung zwischen Erwerbstätigen und Ruheständlern können sowohl auf den Wegfall von Erwerbstätigkeitszeiten selbst als auch auf andere Merkmale, die sowohl Erwerbsbeteiligung als auch Zeitverwendung beeinflussen, zurückzuführen sein. Ein Beispiel ist die Gesundheit. Ein Ruheständler, der aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgibt, wird seltener seine gewonnene Zeit in Sport oder andere aktive Formen der Freizeitgestaltung investieren als jemand, der bei voller Gesundheit nach Erreichen des Ruhestandsalters in Rente geht  [8, 9]. Neben gesundheitlichen Einschränkungen, die Menschen unter 65 daran hindern, weiter erwerbstätig zu sein, spielen wohl auch Präferenzen für Freizeit im Gegensatz zu Arbeit eine Rolle bei der Renteneintrittsentscheidung. Die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes erlaubt es aufgrund des vergleichsweisen geringen Umfangs an Hintergrundinformationen über die Befragten nicht, zwischen den verschiedenen Einflussfaktoren zu unterscheiden. Auch das ist ein Grund, warum die Vergleiche in diesem Kapitel als nur beschreibend und nicht kausal zu interpretieren sind. Wie verbringen 55–74 jährige Männer den Tag? In der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes wurden die Befragten gebeten, an insgesamt drei Tagen, davon an zwei Wochentagen und einem Samstag oder Sonntag bzw. Feiertag, Tagebuch über ihre Aktivitäten zu führen. Dabei sollten alle körperlichen und geistigen Aktivitäten, die mindestens 10 Minuten dauerten, in ein vorgegebenes Tagebuch eingetragen werden. Die handschriftlich eingetragenen offenen Angaben wurden nachträglich in 150  Kategorien codiert. Eine gleichzeitige Darstellung der Zeitverwendung in allen 150  Kategorien ist offensichtlich sehr unübersichtlich, daher werden meist je nach Erkenntnisinteresse verschiedene, zweckmäßige Oberkategorien gebildet. Im Wesentlichen sollen hier bezahlte und nicht bezahlte Tätigkeiten, sowie eher aktive und eher passive Formen der Zeitverwendung in der Freizeit unterschieden werden. Hinzukommen noch Aktivitäten im persönlichen Bereich, wie Schlafen, Essen, Waschen und Anziehen. Dies sind im Einzelnen: 151 3.1 Gewonnene Zeit? ➣ Erwerbstätigkeit als bezahlte Tätigkeit ➣ Hausarbeit und Besorgungen einerseits und Betreuungsleistungen und ehrenamtliche Tätigkeiten andererseits als unbezahlte Tätigkeiten ➣ Bildschirmzeiten (Fernsehen, Computer, Smartphone), Lesen und Musikhören sowie andere Hobbies und Kultur als körperlich nicht aktive Freizeitbeschäftigung ➣ Körperliche Bewegung und Sport als aktive Freizeitbeschäftigung ➣ Essen, Trinken, sowie Aktivitäten im persönlichen Bereich (Waschen, Anziehen) ➣ Schlafen Tabelle  2 zeigt eine Übersicht der neun Oberkategorien mit dazugehörigen Beispieltätigkeiten. Die durchschnittliche Zeitverwendung über den Tag verteilt kann in einem sogenannten Tempogramm dargestellt werden. Dieses gibt den Anteil aller Personen wieder, die zu einer bestimmten Uhrzeit des Tages einer bestimmten Tätigkeit nachgehen. Der dargestellte durchschnittliche Tag beginnt um vier Uhr morgens und endet um vier Uhr morgens am darauffolgenden Tag. Abbildung  1 zeigt die Tempogramme für die genannten neun Hauptaktivitäten von Männern im Alter zwischen 55 und 74 Jahren, an Wochentagen und Wochenenden, getrennt nach Erwerbsstatus. Die y-Achse wurde für jede Tätigkeit separat skaliert und erlaubt auf den ersten Blick interessante Vergleiche zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen auch bei eher seltenen Tätigkeiten. Beim Vergleich zwischen verschiedenen Tätigkeiten muss man indes die unterschiedliche Skalierung berücksichtigen. Wir beginnen die Diskussion der Ergebnisse mit den Wochenenden in der unteren Hälfte der Abbildung 1. Es fällt auf, dass der durchschnittliche Tagesablauf erwerbstätiger und nicht erwerbstätiger Männer sehr ähnlich ist. Zwischen 5 und 10 % der erwerbstätigen Männer arbeiten auch am Wochenende. Daher bleibt diesen insgesamt weniger Zeit für andere Aktivitäten, und die Tempogramme der meisten Aktivitäten verlaufen leicht unterhalb derer der Nichterwerbstätigen. Die Profile der Tätigkeiten über den Tag hinweg sind jedoch bei Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen fast gleich. Grundlegende Unterschiede in den Mustern der Zeitverwendung sind nicht zu erkennen. Daher lässt sich vermuten, dass die Präferenzen bezüglich der Tabelle 2: Aktivitätenliste der Zeitverwendungserhebung 2012/2013 Oberkategorie Unterkategorien Erwerbstätigkeit Haupt- und Nebenerwerbstätigkeit, einschließlich Wegezeiten, Arbeitssuche, berufliche Qualifikation und Bildung Hausarbeit und Besorgungen Kochen, Instandhaltung, Wäschewaschen und Bügeln, Gartenarbeit, Einkaufen, einschließlich Wegezeiten Betreuung und Ehrenamt Kinderbetreuung, Pflege, Unterstützung innerhalb und außerhalb des eigenen Haushalts, ehrenamtliche Tätigkeit und Freiwilligenarbeit Bildschirmzeiten Fernsehen, Computer, Computerspiele und Smartphone Lesen und Musikhören Lesen (auch elektronisch), Radiohören, Musikhören Hobbies und Kultur Gespräche, Kino, Theater, Museen, Ausgehen, Besuche, Besuch Empfangen, künstlerische und technische Hobbies, Gesellschaftsspiele Körperliche Bewegung Spaziergänge, Joggen, Wandern, Radfahren, Ballspiele, Gymnastik, usw. Persönlicher Bereich Essen und Trinken, Waschen, Anziehen, krank im Bett Schlafen Schlafen 152 Hendrik Jürges Zeitverwendung außer Erwerbsarbeit bei Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen recht ähnlich sind. Unbezahlte Tätigkeiten wie Hausarbeiten und Besorgungen finden in beiden Gruppen (Erwerbstätige und Nichterwerbstätige) hauptsächlich am späten Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr statt, Abbildung 1: Tempogramme für neun Hauptaktivitäten von Männern im Alter zwischen 55 und 74 Jahren, an Wochentagen und Wochenenden, getrennt nach Erwerbsstatus. Die Kurven zeigen den Anteil an Befragten zu jeder Uhrzeit des Tages, der einer bestimmen Gruppe von Tätigkeiten nachgegangen ist. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Zeitverwendungserhebung 2012/13. 153 3.1 Gewonnene Zeit? wobei zu Spitzenzeiten bis zu 40 % der nichterwerbstätigen Männer und 35 % der erwerbstätigen Männer mit Hausarbeiten und Besorgungen beschäftigt sind. Auch am Nachmittag bis etwa 18  Uhr trifft dies auf noch 20 % der Männer beider Gruppen zu. Betreuung und Ehrenamt als weitere Form unbezahlter Tätigkeit spielen eine weitaus geringere Rolle. Während der Tagstunden zwischen 10 und 18 Uhr üben etwa 4 % der nichterwerbstätigen und 3 % der erwerbstätigen Männer diese Tätigkeiten aus. Quantitativ sehr bedeutsam, aber über den Tag ungleichmäßig verteilt sind Bildschirmzeiten. Zwischen 18 und 24  Uhr befinden sich stets mehr als 20 % der Männer vor Bildschirmen, zwischen 20 und 22  Uhr sogar über 60 %. Natürlich sind das hauptsächlich Zeiten, die vor dem Fernseher verbracht werden. Zwischen erwerbstätigen und nicht erwerbstätigen Männern gibt es hier nur leichte Unterschiede. Die 5  Prozentpunkte weniger, die erwerbstätige Männer zwischen 20 und 22 Uhr vor Bildschirmen verbringen, lassen sich etwa zur Hälfte durch Erwerbstätigkeit in den Abendstunden erklären. Insbesondere die Morgenstunden zwischen 8 und 12  Uhr und die Nachmittagsstunden zwischen 16 und 18 Uhr verbringen Nichterwerbstätige häufiger mit Lesen und Musikhören als Erwerbstätige. Auch für andere Hobbies und Kultur wird von Nichterwerbstätigen in den Morgenstunden mehr Zeit aufgebracht. Die Unterschiede zu den Erwerbstätigen lassen sich quantitativ aber recht gut durch deren Wochenendarbeit erklären. Bei körperlicher Bewegung hingegen zeigen sich leicht unterschiedliche Profile, wobei der zeitliche Schwerpunkt bei den Erwerbstätigen etwas später als bei Nichterwerbstätigen liegt. Über den gesamten Tag hinweg scheint sich das aber auszugleichen. Schließlich sind auch die Profile der Aktivitäten im persönlichen Bereich sowie des Schlafs in beiden Gruppen sehr ähnlich. Erwerbstätige scheinen morgens insgesamt etwas länger zu schlafen, gehen aber ungefähr zur gleichen Zeit zu Bett wie Nichterwerbstätige. Die Zeitverwendung an Wochentagen, d. h. an regulären Arbeitstagen, findet sich in der oberen Hälfte der Abbildung  1. Durch die für Erwerbsarbeit aufgewendete Zeit sind die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen naturgemäß größer als an Wochenenden. Das fängt bereits mit dem Aufstehen an. Um 7 Uhr morgens sind 38 % der erwerbstätigen Männer im Vergleich zu 73 % der nichterwerbstätigen Männer noch im Bett. Für Essen, aber auch für Waschen und Anziehen lassen sich die Nichterwerbstätigen viel mehr Zeit. Darauf deuten die größeren Anteile an Personen hin, die zu den dafür üblichen Tageszeiten morgens, mittags, nachmittags und abends diesen Beschäftigungen nachgehen. Der größte Teil der Erwerbstätigkeit fällt in die Tagstunden zwischen 8 und 16  Uhr. Hier geben zu jeder Zeit etwa 60 % der Erwerbstätigen an, zu arbeiten. Statt Erwerbsarbeit steht für viele nichterwerbstätige Männer unbezahlte Arbeit auf dem Programm. Etwa 50 % der nichterwerbstätigen Männer verbringen die Zeit von 10 bis 12  Uhr mit Hausarbeit und Besorgungen. Am Nachmittag bis etwa 18  Uhr sind es immer noch etwa 30 %. Mit Betreuung und Ehrenamt sind weitere 6 % der Nichterwerbstätigen befasst. Auch ein Teil der Erwerbstätigen ist mit unbezahlter Arbeit beschäftigt, aber die Anteile sind mit etwa 10 % (Hausarbeit und Besorgungen) und 2 % (Betreuung und Ehrenamt) deutlich geringer. Zu praktisch jeder Tageszeit außer in 154 Hendrik Jürges den späteren Abendstunden ab 22  Uhr verbringen Nichterwerbstätige häufiger Zeit vor Bildschirmen, aber auch mit Lesen und Musikhören, anderen Hobbies und Kultur sowie körperlicher Bewegung. Es sind also nicht nur rein passive Freizeitbeschäftigungen, denen mit der gewonnenen Zeit nachgegangen wird. Vielmehr teilt sich dies auf alle Bereiche auf, wobei gerade Hobbies und Kultur vom Morgen bis in den Nachmittag quantitativ bedeutsam zu sein scheinen. Beim Zu-Bett-Gehen finden sich hingegen interessanterweise keine Unterschiede, d. h. Nichterwerbstätige gehen nicht später ins Bett, etwa weil sie am nächsten Tag nicht so früh aufstehen müssten. Sie leisten sich aber häufiger einen Mittagsschlaf, wie der Verlauf der Kurve gegen 14 Uhr zeigt. Ein weiterer interessanter Vergleich kann zwischen den Tempogrammen von Nichterwerbstätigen an Wochentagen und Wochenenden vorgenommen werden, also zwischen oberer und unterer Hälfte der Abbildung 1. Legt man die Kurven übereinander (was hier aus Platzgründen nicht gezeigt wird), dann zeigt sich, dass Nichterwerbstätige insgesamt an Wochentagen mehr unbezahlten Tätigkeiten nachgehen als am Wochenende, dafür am Wochenende mehr Zeit insbesondere mit Hobbies/Kultur und körperlicher Bewegung verbringen. Zeitverwendung nach Alter und Erwerbstätigkeit Die Tempogramme zeichnen aufgrund der feinen zeitlichen Granularität gut verschiedene Arten der Zeitverwendung über den Tag hinweg nach, eignen sich aber nicht für weitere Unterteilungen nach demografischen Untergruppen. Auch um der Frage nachzugehen, inwiefern der Unterschied in der Zeitverwendung zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen durch das unterschiedliche mittlere Alter erklärt werden kann, wird nun die durchschnittliche Anzahl an Stunden pro Tag berechnet, die mit den neun verschiedenen Aktivitäten verbracht werden. Diese finden sich in Tabelle 3. Auf den ersten Blick wird deutlich, dass Unterschiede in der durchschnittlichen Zeitverwendung an Wochentagen nach Altersgruppen im Wesentlichen eine Folge der Erwerbstätigkeit bzw. Nichterwerbstätigkeit sind. Erwerbstätige Männer im Alter von 55–64 geben im Schnitt eine tägliche Arbeitszeit von 7  Stunden und 21  Minuten an. Erwerbstätige Männer im Alter von 65–74 arbeiten im Schnitt eine halbe Stunde weniger pro Tag. Nichterwerbstätige wenden 39  Minuten (im Alter 55–64) bzw. 15  Minuten (im Alter 65–74) pro Tag für Arbeit selbst oder Tätigkeiten im Zusammenhang mit Erwerbstätigkeit auf, wie etwa Arbeitsuche. Das heißt, durch Nichterwerbstätigkeit steigt die für andere Aktivitäten verfügbare Zeit um etwa sieben Stunden täglich an. Wie wird die gewonnene Zeit auf die verbleibenden Aktivitäten aufgeteilt? Nichterwerbstätige leisten an Wochentagen im Durchschnitt etwa zweieinhalb Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Erwerbstätige, insgesamt etwas weniger als fünf Stunden. Davon werden vier Stunden auf Hausarbeit und Besorgungen verwendet und etwa 40 bis 50 Minuten auf Betreuungsleistungen oder Ehrenamt. Für Freizeitaktivitäten werden von Nichterwerbstätigen etwa drei Stunden mehr aufgewandt als von Erwerbstätigen. Dies sind insgesamt pro Tag sieben Stunden im Vergleich zu vier Stunden. Von allen Freizeitaktivitäten nimmt die 155 3.1 Gewonnene Zeit? Bildschirmzeit bei Nichterwerbstätigen mit nahezu dreieinhalb Stunden den größten Raum ein. Dies sind über eine Stunde mehr als bei den Erwerbstätigen. Auch Hobbies und Kultur machen mit anderthalb bis zwei Stunden Zeitverwendung einen großen Teil des durchschnittlichen Tages aus. Mit im Schnitt etwa 20 bis 30  Minuten körperlicher Bewegung pro Tag bleibt diese Art der Zeitverwendung eher unbedeutend, entspricht aber, zumindest bei den Nichterwerbstätigen im zeitlichen Umfang den Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewe- Tabelle 3: Durchschnittliche Anzahl an Stunden:Minuten, die von Männern für jede der neun Aktivitäten aufgewendet werden, nach Wochentag, Erwerbsstatus und Alter. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Zeitverwendungserhebung 2012/13. Wochentag Erwerbstätig Nicht erwerbstätig Aktivität Alter 55–64 Alter 65–74 Alter 55–64 Alter 65–74 Erwerbstätigkeit 7:21 6:50 0:39 0:15 Unbezahlte Tätigkeit 2:14 2:20 4:54 4:38 Hausarbeit und Besorgungen 1:57 1:49 4:04 3:57 Betreuung und Ehrenamt 0:18 0:31 0:49 0:41 Freizeit 4:21 4:12 6:59 7:14 Bildschirmzeiten 2:12 1:42 3:26 3:18 Lesen und Musikhören 0:31 0:46 1:03 1:11 Hobbies und Kultur 1:18 1:35 1:56 2:06 Körperliche Bewegung 0:20 0:08 0:34 0:39 Essen, Waschen, Anziehen 2:34 3:10 3:15 3:17 Schlafen 7:30 7:28 8:14 8:36 Wochenende Erwerbstätig Nicht erwerbstätig Aktivität Alter 55–64 Alter 65–74 Alter 55–64 Alter 65–74 Erwerbstätigkeit 1:13 1:36 0:13 0:06 Unbezahlte Tätigkeit 3:04 3:26 3:17 3:11 Hausarbeit und Besorgungen 2:42 3:04 2:45 2:45 Betreuung und Ehrenamt 0:22 0:21 0:32 0:26 Freizeit 7:16 6:56 8:15 8:23 Bildschirmzeiten 3:08 2:17 3:57 3:17 Lesen und Musikhören 0:49 0:44 1:01 1:11 Hobbies und Kultur 2:40 3:22 2:34 3:13 Körperliche Bewegung 0:41 0:32 0:42 0:42 Essen, Waschen, Anziehen 3:19 3:23 3:20 3:36 Schlafen 9:08 8:40 8:56 8:45 156 Hendrik Jürges gungsförderung [10]. Allerdings sind die Zeitverwendungsdaten nicht geeignet, die Intensität der körperlichen Bewegung zuverlässig zu messen. Da auch weniger intensive Bewegungsarten wie Spazierengehen zu den körperlichen Betätigungen gezählt werden, überzeichnet die rein quantitative Betrachtung das Aktivitätsniveau relativ zu den genannten Empfehlungen. Auch für Schlafen (etwa eine dreiviertel bis eine ganze Stunde länger) und Essen, Waschen und Anziehen (ebenfalls etwa eine dreiviertel Stunde länger) verwenden die Nichterwerbstätigen pro Tag mehr Zeit als die Nichterwerbstätigen. Zusammenfassend kann man festhalten, dass die etwa sieben Stunden Zeitgewinn durch Nichterwerbstätigkeit an Wochentagen zu etwa je einem Drittel auf unbezahlte Tätigkeiten, Freizeitbeschäftigungen sowie Essen und Schlafen verwandt werden. Das Alter selbst spielt offenbar keine bedeutende Rolle bei der Prognose von Zeitverwendungsmustern. Männer im Alter von 55 bis 64 und im Alter von 65 bis 74 verhalten sich als Erwerbstätige und Nichterwerbstätige jeweils sehr ähnlich. Innerhalb jeder Altersgruppe unterscheiden sich Zeitverwendungsmuster dagegen sehr stark nach Erwerbsstatus. Bei den Beschäftigungen am Wochenende sind die Unterschiede insgesamt sehr viel kleiner. Die durchschnittlich mit Hausarbeiten und Besorgungen oder Ehrenamt und Betreuungsleistungen verbrachte Zeit unterscheidet sich kaum zwischen den vier betrachteten Gruppen. Das Gleiche gilt für das Schlafverhalten, sonstige Tätigkeiten im persönlichen Bereich (Essen, Waschen, Anziehen) und körperliche Bewegung. Der einzige systematische Unterschied (neben der Wochenendarbeit der Erwerbstätigen) scheint in den Freizeitbeschäftigungen »Bildschirmzeiten« und »Hobbies und Kultur« zu liegen. Hier ist es die ältere Gruppe der 65–74-Jährigen die an Wochenenden etwa 40 bis 50 Minuten weniger Zeit vor Bildschirmen verbringt und etwa die gleiche Zeit mehr mit Hobbies und Kultur verbringt als 55–64-Jährige. Bei detaillierter Analyse der Daten zeigt sich, dass dieser Unterschied nur teilweise durch die stärkere Nutzung von Computer/Smartphone unter den Jüngeren (im Sinne eines Kohorteneffekts) erklärt werden kann. Welche Zeitverwendung macht Freude, welche bereitet Verdruss? Neben der rein quantitativen Erhebung der Zeitverwendung enthalten die hier verwendeten Daten des Statistischen Bundesamtes auch qualitative Aussagen der Befragten, z. B. dazu, welche der Tätigkeiten am Tagebuchtag ihnen besondere Freude bereitet haben oder gerade keine Freude bereitet haben. Um ein etwas genaueres Bild der jeweiligen Tätigkeiten zu bekommen, wurden diese Daten auf Ebene der zweistellig codierten Aktivitäten ausgewertet. Dafür wurden die Aktivitäten in eine Rangfolge gebracht. Die von den meisten Befragten genannte Aktivität liegt auf Rang 1, die am zweitmeisten genannte Aktivität liegt auf Rang 2, usw. Die Ergebnisse finden sich in Tabelle 4. Beginnen wir mit den Aktivitäten, die am wenigsten Freude bereitet haben. Hier finden sich in fast allen Gruppen und an allen Tagen, d. h. unabhängig von Erwerbsstatus, Alter und Wochentag, Tätigkeiten rund um die Haushaltsführung wie »Einkaufen«, »Wohnung aufräumen« oder »Kochen und Spülen«. Bei den jüngeren Erwerbstätigen gehören 157 3.1 Gewonnene Zeit? an Wochentagen wie an Wochenenden die Erwerbsarbeit und an Wochentagen die dazugehörenden Wegezeiten zu den unbeliebtesten Aktivitäten. Damit sind bezahlte und unbezahlte Arbeit unbeliebte Tätigkeiten, die zudem noch einen großen Teil des Tages beanspruchen. Interessanterweise findet sich aber die Erwerbsarbeit auch unter denjenigen Tätigkeiten, die den (natürlich erwerbstätigen) Befragten die meiste Freude bereitet haben. Offensichtlich gibt es unter den älteren Arbeitnehmern mindestens zwei unterschiedliche Gruppen: solche, denen die Arbeit gar keinen Spaß (mehr) macht und solche, denen die Arbeit noch großen Spaß macht. Die erste Gruppe gehört vermutlich zu denjenigen, die sobald wie möglich in Rente gehen wollen oder würden, während die zweite Gruppe soweit gesundheitlich möglich bis zum Erreichen der regulären Altersgrenze oder darüber hinaus arbeitet bzw. arbeiten würde. Betrachtet man in ver- Tabelle 4: Die drei meistgenannten Tätigkeiten (Zweisteller), die nach Angaben der Befragten Freude oder keine Freude bereitet haben, nach Wochentag, Alter und Erwerbstatus. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Zeitverwendungserhebung 2012/13 Erwerbstätig Nicht erwerbstätig Rang Alter 55–64 Alter 65–74 Alter 55–64 Alter 65–74 Tätigkeiten, die an Wochentagen Freude bereitet haben 1 Körperliche Bewegung Erwerbsarbeit Besuche/Familienfeiern Körperliche Bewegung 2 Essen und Trinken Fernsehen und Video/DVD Körperliche Bewegung Gartenarbeit/mit Hund spazieren gehen 3 Erwerbsarbeit Essen und Trinken Einkaufen Besuche/Familienfeiern Tätigkeiten, die an Wochentagen keine Freude bereitet haben 1 Erwerbsarbeit Wohnung aufräumen/ reinigen Einkaufen Einkaufen 2 Einkaufen Erwerbsarbeit Wohnung aufräumen/ reinigen Wohnung aufräumen/ reinigen 3 Wegezeiten Erwerbstätigkeit Einkaufen Andere Aktivitäten Haushaltsführung Kochen, Tischdecken, Spülen Tätigkeiten, die an Wochenenden Freude bereitet haben 1 Körperliche Bewegung Unterhaltung und Kultur Besuche/Familienfeiern Besuche/Familienfeiern 2 Besuche/Familienfeiern Besuche/Familienfeiern Körperliche Bewegung Körperliche Bewegung 3 Essen und Trinken Soziale Kontakte/Teilnahme an Versammlungen Essen und Trinken Unterhaltung und Kultur Tätigkeiten, die an Wochenenden keine Freude bereitet haben 1 Wohnung aufräumen/ reinigen Andere Aktivitäten Haushaltsführung Wohnung aufräumen/ reinigen Wohnung aufräumen/ reinigen 2 Erwerbsarbeit Wohnung aufräumen/ reinigen Kochen, Tischdecken, Spülen Einkaufen 3 Einkaufen Einkaufen Einkaufen Kochen, Tischdecken, Spülen 158 Hendrik Jürges tiefenden Analysen die Angaben von Erwerbstätigen unter 65 (an Wochentagen) nach Stellung im Beruf, dann findet man recht plausible Unterschiede: 23 % der Arbeiter gaben an, dass die Erwerbstätigkeit am wenigsten Freude bereitet hat, im Vergleich zu 16 % der Selbstständigen, 14 % der Beamten und 13 % der Angestellten. Am meisten Freude bereitet hat die Erwerbstätigkeit dagegen 10 % der Beamten, 8 % der Selbstständigen, 7 % der Angestellten und nur 6 % der Arbeiter. Unterscheidet man nach Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätigkeit, dann geben 13 % der Teilzeit-, aber nur 7 % der Vollzeiterwerbstätigen an, dass ihnen die Arbeit am meisten Freunde bereitet hat. Dagegen geben nur 4 % der Teilzeit- aber 17 % der Vollzeiterwerbstätigen an, dass ihnen die Arbeit am wenigsten Freude bereitet hat. Schließlich findet man auch in Bezug auf Bildung nachvollziehbare Ergebnisse: Unter befragten Erwerbstätigen mit hoher Bildung (d.h. tertiären Bildungsabschlüssen) hat die Arbeit 10 % am meisten Freude bereitet, bei niedriger und mittlerer Bildung dagegen nur 5 %. Der Anteile an Befragten, denen die Arbeit am wenigsten Freude gemacht hat, ist mit 16 % bei hoher bzw. 17 % bei niedriger und mittlerer Bildung ähnlich hoch. Ansonsten ist das Bild in Bezug auf Freude bereitende Tätigkeiten erstaunlich homogen. Immer wieder genannt werden z. B. »Körperliche Bewegung« und »Besuche/Familienfeiern«, aber auch »Essen und Trinken« sowie »Unterhaltung und Kultur«. Nicht genannt werden dagegen, zumindest unter den drei Aktivitäten, die die meiste Freude gemacht haben, ehrenamtliche und andere unbezahlte Tätigkeiten. Dies mag überraschen, ist aber natürlich auch eine Folge davon, dass diese Tätigkeiten vergleichsweise selten ausgeübt werden. In der Betrachtung aller Befragten, also auch einschließlich derjenigen, die diese Tätigkeit nicht ausgeübt haben, fällt dann kaum auf, wenn Ehrenamtler großen Spaß an ihrer Tätigkeit haben. Beschränkt man nämlich die Stichprobe auf Personen, die mindestens eine Minute Ehrenamt geleistet haben, dann nimmt das Ehrenamt die Spitzenposition als am häufigsten genannte, Freude bringende Tätigkeit ein. Das Gleiche gilt für die Kategorie »Unterstützung für fremde Haushalte«, d. h. wer überhaupt fremde Haushalte unterstützt, dem bereitet das besondere Freude. Erwerbstätigkeit als Zeitbeschränkung Die Zeitverwendungsstudie enthält auch Angaben der Befragten dazu, ob Sie Zeitdruck verspüren oder gerne mehr Zeit für bestimmte Tätigkeiten hätten. Dazu wurden den Befragten die folgenden Aussagen vorgelegt: ➣ Ich bin darauf angewiesen, den Tag genau zu planen. ➣ Ich fühle mich häufig unter Zeitdruck. ➣ Ich kann regelmäßig ausschlafen. ➣ Ich wünsche mir mehr Zeit für mich selbst (z. B. zum Ausruhen, für persönliche Interessen). ➣ Ich wünsche mir mehr Zeit für meine Familie. ➣ Ich wünsche mir mehr Zeit für Freunde, Bekannte. Zu diesen Aussagen konnte auf einer 5-stufigen Skala von »Stimme voll und ganz zu« bis »Stimme ganz und gar nicht zu« Stellung genommen werden. Abbildung 2 zeigt den Anteil befragter Männer aller Altersgruppen zwischen 55 und 74, unterteilt nach Erwerbsstatus, die den ge- 159 3.1 Gewonnene Zeit? nannten Aussagen entweder »eher« oder »ganz und gar« zugestimmt haben. Die Ergebnisse sind eindeutig: erwerbstätige Männer fühlen sich in allen Belangen stärker unter Zeitdruck oder wünschen sich sehr viel häufiger Zeit für sich selbst, die Familie oder Freunde und Bekannte. So stimmten beispielsweise 50 % der erwerbstätigen Befragten der Aussage zu, dass sie sich mehr Zeit für sich selbst wünschen, während das nur für 17 % der nicht erwerbstätigen Befragten der Fall war. 40 % der erwerbstätigen, aber nur 13 % der nicht erwerbstätigen Befragten fühlten sich häufig unter Zeitdruck. Für sozialwissenschaftliche Erhebungen sind solche Unterschiede ungewöhnlich groß und deuten auf eine starke subjektiv empfundene zeitliche Beanspruchung hin. Andererseits kann man die Ergebnisse auch positiv deuten, denn bei fast allen Aussagen stimmten etwa die Hälfte der erwerbstätigen Befragten den Aussagen, die auf Zeitknappheit hindeuten, nicht zu. Die Wünsche der Befragten bezüglich ihrer Zeitverwendung wurden in einer weiteren Frage erfasst, bei der man angeben sollte, ob man sich für bestimmte Tätigkeiten mehr Zeit wünscht und falls ja, bis zu fünf derartige Tätigkeiten nennen. Der Anteil an Personen, die überhaupt eine Aktivität genannt haben, unterscheidet sich ähnlich wie in Abbildung  2 zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen. Während etwa 50 % der Erwerbstätigen mindestens eine Aktivität genannt haben, für die sie gerne mehr Zeit hätten, waren es unter den Nichterwerbstätigen nur etwa 20 %. Die Rangfolge der am häufigsten genannten Aktivitäten, unterteilt nach Erwerbsstatus und Altersgruppe, ist in Tabelle 5 dargestellt. Abbildung 2: Anteil an Befragten, die den genannten Aussagen bzgl. zeitlicher Einschränkungen entweder eher zugestimmt haben oder ganz und gar zugestimmt haben, nach Erwerbstätigkeit, Männer im Alter von 55 bis 74 Jahren. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Zeitverwendungserhebung 2012/13 160 Hendrik Jürges Die Ergebnisse sind erneut sehr interessant, weil sie sich gerade nicht zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen, Jüngeren und Älteren unterscheiden. So findet sich körperliche Bewegung oder Sport bei allen Gruppen an erster Stelle. Auch für Lesen, Gartenarbeit, Hobbies und Kultur würden die Befragten in allen Gruppen gerne mehr Zeit haben. Bei den Älteren kommt noch das Reisen hinzu. D. h. wenn Zeitknappheit empfunden wird, dann sind die selbstberichteten Aktivitäten, denen man gerne nachgehen würde, sehr ähnlich. Grob gesprochen handelt es sich um alle möglichen Formen von Freizeitaktivitäten ohne Bildschirmzeiten. In Anbetracht des Befundes in Tabelle 3, dass etwa die Hälfte der Freizeit vor Bildschirmen verbracht wird, stellt sich natürlich die Frage, ob die Befragten nicht durch Umschichtung von Aktivitäten innerhalb der Kategorie Freizeit ihre Wünsche teilweise erfüllten könnten. Beschränkt man die Stichprobe auf Personen, die für mindestens eine Aktivität mehr Zeit wünschen, dann findet man, dass diese im Mittel in ihrer Freizeit nur etwa 20 Minuten weniger vor Bildschirmen verbringen als die Gesamtstichprobe, also immer noch drei Stunden. Was die Befragten nun tatsächlich daran hindert, mehr Sport zu treiben oder zu lesen, bleibt offen. Fazit und Ausblick Die in diesem Kapitel zusammengefassten Befunde zur Zeitverwendung von Männern im Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand haben gezeigt, dass durch den Übergang in Rente an Wochentagen durchschnittlich etwa sieben Stunden Zeit pro Tag für andere Aktivitäten frei werden. Davon werden ca.  2,5  Stunden für zusätzliche unbezahlte Arbeit und 2,5  Stunden für zusätzliche Freizeitaktivitäten aufgewendet. Der Rest teilt sich auf den sonstigen persönlichen Bereich (Essen, Waschen, Schlafen) und fortgesetzte Erwerbsarbeit in sehr geringem mittlerem Umfang Tabelle 5: Die fünf meistgenannten Aktivitäten (Zweisteller), für die die Befragten gerne mehr Zeit hätten, nach Alter und Erwerbstatus. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Zeitverwendungserhebung 2012/13 Erwerbstätig Nicht erwerbstätig Rang Alter 55–64 Alter 65–74 Alter 55–64 Alter 65–74 1 Körperliche Bewegung Sport ohne nähere Bezeichnung Körperliche Bewegung Körperliche Bewegung 2 Sport ohne nähere Bezeichnung Technische und andere Hobbys Lesen Lesen 3 Unterhaltung und Kultur Reisen Unterhaltung und Kultur Technische und andere Hobbys 4 Gartenarbeit, Pflanzenund Tierpflege Unterhaltung und Kultur Gartenarbeit, Pflanzenund Tierpflege Reisen 5 Lesen Lesen Sport ohne nähere Bezeichnung Sport ohne nähere Bezeichnung Anteil 49% 60% 22% 21% 161 3.1 Gewonnene Zeit? auf. Der Tagesablauf unterscheidet sich zwischen Erwerbstätigen und Rentnern naturgemäß schon deshalb, weil die Erwerbstätigkeit die tagsüber dominierende Form der Zeitverwendung darstellt. Rentner bzw. Nichterwerbstätige schlafen etwas länger und sind dann aber bis in den späten Nachmittag häufig mit unbezahlten Tätigkeiten wie Hausarbeiten und Besorgungen beschäftigt. Ab etwa 20  Uhr gleichen sich dann die durchschnittlichen Tage von Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen in Bezug auf alle Aktivitäten sehr. An Wochenenden und Feiertagen ändert sich die Zeitverwendung dagegen mit dem Übergang in die Rente kaum. Die ca. eine Stunde durchschnittliche Arbeitszeit von Erwerbstätigen an Wochenenden wird im Ruhestand praktisch vollständig in Freizeit verbracht und hier praktisch nur in Bildschirmzeiten. Betrachtet man die Verteilung der Aktivitäten im Tagesablauf, dann ergeben sich an Wochenenden bei Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen fast gleiche zeitliche Muster von Schlafen, Essen, Hausarbeit oder Medienkonsum über den Tag. Weitere Evidenz dafür, dass Erwerbstätige und Rentner in der betrachteten Altersgruppe sehr ähnliche Präferenzen bezüglich Ihrer Zeitverwendung in der freien Zeit haben, finden sich in den Angaben zu den Tätigkeiten, die an Wochenenden entweder besonders viel Freude oder gar keine Freude bereitet haben. Körperliche Bewegung und Soziale Kontakte werden als positiv wahrgenommen, alle unbezahlten Tätigkeiten rund um die Haushaltsführung als belastend. Bei den Nichterwerbstätigen finden sich an Wochentagen sehr ähnliche Muster. Interessanterweise ist der Übergang in den Ruhestand aber im Mittel wie beschrieben mit mehr als zwei Stunden Zuwachs an Hausarbeit und Besorgungen verbunden. Das ist ein Indiz dafür, dass die Entlastung von Erwerbsarbeit nicht ausschließlich zu einer Entlastung von ungeliebten Tätigkeiten führt. Dafür spricht auch der Befund, dass unter den Erwerbstätigen die Erwerbsarbeit sowohl zu den drei Tätigkeiten zählt, die am häufigsten Freude bereiten als auch zu den drei Tätigkeiten, die am häufigsten keine Freude bereiten. Dass die Auswirkung des Ruhestands auf das Wohlbefinden der Ruheständler in der Tat recht heterogen sein könnte, wird schließlich durch die Selbstangaben der Befragten zu verschiedenen Aspekten wahrgenommenen Zeitdrucks bzw. Zeitmangels gestützt. Einerseits geben Erwerbstätige dreimal häufiger an, sich mehr Zeit für sich selbst oder andere Personen zu wünschen oder sich häufig unter Zeitdruck zu fühlen. Andererseits sind es auch unter den Erwerbstätigen etwas weniger als die Hälfte der Befragten, die diesbezüglichen Aussagen zustimmen. Insgesamt scheint der Übergang in den Ruhestand, die gewonnene Zeit und der damit möglicherweise verbundene Gewinn an Lebensqualität stark von individuellen Lebenslagen abhängig. So ist eine mögliche Erklärung für diese Heterogenität, der wir in diesem Beitrag nicht nachgehen konnten, die Rolle der Zeitverwendung im Familien- bzw. Paarkontext. Dieser hat aus zwei Gründen eine Bedeutung und wären eine eigene Studie wert. Zum einen wird in der Literatur oft dokumentiert, dass Paare anstreben gemeinsam in Rente zu gehen. Es lässt sich vermuten, dass dahinter der Wunsch steckt, gemeinsam die gewonnene Zeit zu verbringen, wodurch auch die Art der gewählten Aktivitäten beeinflusst werden dürfte. Zum anderen können 162 Hendrik Jürges sich mit Eintritt in den Ruhestand lange eingeübte innerfamiliale Zeitverwendungsmuster verändern [11, 12, 13], was sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit oder gar die Stabilität von Partnerschaften haben kann. Der Übergang in den Ruhestand als einer der großen Einschnitte im Leben eines Menschen bringt, wie hier dokumentiert wurde, große Veränderungen in der Zeitverwendung mit sich. Dabei kann für den Durchschnitt der befragten Männer sowohl ein Anstieg der Zeit für Aktivitäten, die mit besserer seelischer Gesundheit und besserem allgemeinem Wohlbefinden in Verbindung gebracht werden (Schlaf, Ehrenamt, Enkelbetreuung), als auch ein Anstieg der Zeit für Aktivitäten, die eher mit schlechterer seelischer Gesundheit und schlechterem Wohlbefinden assoziiert sind (Bildschirmzeiten), gefunden werden [vgl. auch 9]. Physische Aktivitäten, denen vielfältige langfristig positive Wirkungen zugeschrieben werden, erhöhen sich dagegen in kaum nennenswerter Weise. Als mögliche Maßnahmen der Sozialpolitik oder Public Health zur Verbesserung von körperlicher und seelischer Gesundheit im Rentenalter könnten Beratungsangebote dienen, die Menschen kurz vor Eintritt in den Ruhestand über förderliche und weniger förderliche Formen der Zeitverwendung informieren und zur Aufnahme oder Verstärkung der förderlichen Aktivitäten ermutigen. Für die weitere Forschung und in der Folge auch für die passgenaue Ausgestaltung von Beratungsangeboten wären allerdings Längsschnittdaten wünschenswert, mit deren Hilfe man individuelle Verläufe der Zeitverwendung messen und Zielgruppen von Fördermaßnahmen identifizieren kann. Literatur 1 Erlinghagen M. Die Beteiligung an ehrenamtlicher Arbeit und informeller Hilfe nach dem Renteneintritt. Analysen mit dem Sozio- Oekonomischen Panel (SOEP). SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research 27; 2007. 2 Schmitz A, Brandt M, Deindl C. Aktives Altern und Gesundheit in Deutschland und Europa. In: Jürges H, Siegrist J, Stiehler M (Hrsg.), Männergesundheitsbericht. Gießen: Psychosozial-Verlag; 2020. 3 Bonsang E & Lemoin A. Renteneintritt und kognitive Leistungsfähigkeit. In: Jürges H, Siegrist J, Stiehler M (Hrsg.), Männergesundheitsbericht. Gießen: Psychosozial-Verlag; 2020. 4 Hanemann, F. Was kommt nach der Arbeit? Erwerbstätigkeit im Ruhestand. In: Jürges H, Siegrist J, Stiehler M (Hrsg.), Männergesundheitsbericht. Gießen: Psychosozial-Verlag; 2020. 5 Engstler H, Nowossadeck S, Hoffmann E, Tesch-Roemer C. Die Zeitverwendung älterer Menschen. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Alltag in Deutschland – Analysen zur Zeitverwendung. Forum der Bundesstatistik. 2004;43:216–246. 6 Livingston G. Americans 60 and older are spending more time in front of their screens than a decade ago. Pew Research Center; 2019. https://pewrsr.ch/2ZlCbpn (18.02.2020). 7 Krantz-Kent R, Stewart J. How do older Americans spend their time? Monthly Labor Review. 2007;130:8–26. 8 Hurd MD, Rohwedder S.  Time-use in the older population: variation by socio-economic status and health. In: Belli RF, Stafford FP, Alwin DF (Hrsg.), Using Calendar and Diary Methodologies in Life Events Research. Thousand Oaks: Sage Publications; 2009:207–224. 9 Olds T, Burton NW, Sprod J, Maher C, Ferrar K, Brown WJ, van Uffelen J, Dumuid D. One day you’ll wake up and won’t have to go to work: The impact of changes in time use on mental health following retirement. Plos One. 2018;13(6):e0199605. 10 Rütten A, Pfeifer K (Hrsg.). Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung. FAU Erlangen-Nürnberg; 2016. 11 Stancanelli E, Van Soest A. Retirement and Time Use in Couples: A Regression Disconti- 163 3.1 Gewonnene Zeit? nuity approach. Mimeo: Université de Cergy- Pointoise; 2011. 12 Bonke J. Love and retirement – Older couples’ leisure time before and after retirement. International Journal of Time Use Research. 2015;12(1):97–114. 13 Heß M, Stich D, Hofäcker D. Auswirkungen des Renteneintritts auf die Hausarbeit. In: Giesselmann M, Golsch K, Lohmann H, Schmidt-Catran A (Hrsg.), Lebensbedingungen in Deutschland in der Längsschnittperspektive. Wiesbaden: Springer VS; 2018:49– 68. Prof. Dr. Hendrik Jürges Ausgeübte Tätigkeit: Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre, insb. Gesundheitsökonomik Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Gesundheits- und Bildungsökonomik Adresse: Bergische Universität Wuppertal, Rainer-Gruenter-Str. 21 (FN), 42119 Wuppertal E-Mail: juerges@uni-wuppertal.de

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Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter

References

Zusammenfassung

Bis zum Jahr 2050 wird es etwa 23 Millionen über 65-Jährige in Deutschland geben. Dadurch wird es gesellschaftlich wie individuell zunehmend notwendig, gute Voraussetzungen für das Rentenalter als Lebensphase zu schaffen. Um es bei guter Gesundheit und Lebensqualität zu verbringen, sollte bereits die Zeit vor dem Übergang zur Vorbereitung genutzt werden. Insbesondere Männer, die sich oft stark mit ihrer Berufstätigkeit identifizieren, sind gefordert, ein hohes Gesundheitspotenzial und gute soziale Bedingungen verantwortungsbewusst aufzubauen.

Der Vierte Deutsche Männergesundheitsbericht setzt bei einer fundierten Bestandsaufnahme der Situation der Männer zwischen 55 und 74 Jahren an. Aus ihr ergeben sich wichtige Themen für die Politik, für die Soziale Arbeit und für den gesellschaftlichen Diskurs insgesamt: die Situation der Erwerbsarbeit zehn Jahre vor der Berentung, die Übergangsphase sowie gesundheitsfördernde Projekte für Männer vor und nach dem Renteneintritt.

Mit Beiträgen von Doris Bardehle, Eric Bonsang, Daniela Borchart, Martina Brandt, Jennifer Burchardi, Christian Deindl, Dina Frommert, Freya Geishecker, Siegfried Geyer, Stefan Gruber, Felizia Hanemann, Hans Martin Hasselhorn, Moritz Hess, Jens Hoebel, Hanno Hoven, Rainer Jordan, Hendrik Jürges, Theo Klotz, Adèle Lemoine, Michal Levinsky, Howard Litwin, Peggy Looks, Thorsten Lunau, Ingrid Mayer-Dörfler, Anne Maria Möller-Leimkühler, Niels Michalski, Bernhard Mühlbrecht, Laura Naegele, Nikola Ornig, Kathleen Pöge, Jean-Baptist du Prel, Gregor Sand, Alina Schmitz, Johannes Siegrist, Stefanie Sperlich, Anne Starker, Matthias Stiehler und Morten Wahrendorf

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Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter