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Jean-Baptist du Prel, Daniela Borchart, 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich in:

Hendrik Jürges, Johannes Siegrist, Matthias Stiehler (ed.)

Männer und der Übergang in die Rente, page 107 - 122

Vierter Deutscher Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8379-3023-8, ISBN online: 978-3-8379-7704-2, https://doi.org/10.30820/9783837977042-107

Series: Forschung Psychosozial

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107 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich Jean-Baptist du Prel & Daniela Borchart Zusammenfassung Mit dem Präventionsgesetz von 2015 gewinnen Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zunehmend an Bedeutung. Als eine vulnerable Zielgruppe rückt dabei die wachsende ältere Arbeitnehmerschaft  – hier insbesondere Männer  – in den Fokus der betrieblichen Präventionsarbeit. Denn neben dem Risikofaktor »Alter« kommt bei Männern erschwerend hinzu, dass sie im Geschlechtervergleich ohnehin eine höhere Morbidität und geringere Lebenserwartung haben. Nach internationalen Studien nehmen sie zudem Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention seltener in Anspruch. Dieser Beitrag untersucht erstmals für Deutschland das Gesundheitsverhalten, die Inanspruchnahme von Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen und deren Teilnahmehemmnisse in Betrieben und die Motivation, etwas am Gesundheitsverhalten zu ändern, bei männlichen im Vergleich zu weiblichen älteren Beschäftigten. Datengrundlage sind Befragungsergebnisse von 3.347 sozialversicherten Beschäftigten der Jahrgänge 1959 und 1965 der lidA (leben in der Arbeit)-Studie von 2018. Neben dem höheren Anteil Übergewichtiger in allen Bildungsschichten und einer geringeren Motivation zur Verhaltensänderung in der mittleren Schicht, fand sich bei allen sozialversicherten männlichen älteren Arbeitnehmern hierzulande übereinstimmend mit internationalen Untersuchungsergebnissen eine geringere Teilnahme an betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen. Sehr häufig wurden neben zeitlichen Engpässen als Teilnahmebarriere genannt, dass die angebotenen betrieblichen Gesundheitsförderungsund Präventionsmaßnahmen an dem Bedarf der Zielgruppe vorbeigehen. Weitergehende Studien müssen klären, wie bedarfsgerechte betriebliche Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen für diese Zielgruppe zukünftig aussehen sollen. Gender Comparison in Workplace Health Promotion and Prevention among Elderly Employees In Germany, health promotion and prevention programmes have gained in impor tance, thanks to the National Prevention Act of 2015. A vulnerable target group coming to the fore of occupational prevention is the increasing proportion of older workers, especially men. Even without the risk factor »age«, men have a higher morbidity and a lower life expectancy than women do. Furthermore, international studies have found that men participate less often in health promotion and prevention programmes. For the first time in Germany, this study investigates health be haviour, utilisation of workplace health promotion and prevention programmes and its barriers, as well as the motivation of older male workers to change their own future health behaviour, compared to fe males. The data are survey results of 3.347 socially se cured employees born in 1959 or 1965, gained from the third wave of the lidA (leben 108 Jean-Baptist du Prel & Daniela Borchart in der Arbeit)-study in 2018. Besides an overall higher percentage of obesity, and a lower motivation to change health behaviour in the middle educational level, all socially secured older male workers in this country participate less often in workplace health promotion and prevention programmes in line with international studies. As a major participation barrier, besides time constraints, it was found that currently offered health promotion and prevention programmes do not meet the needs of this target group. Further studies should clarify how appropriate health promotion and prevention programmes for this target group should look like in the future. Einleitung Durch das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz sollen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen für alle Altersgruppen und viele verschiedene Lebensbereiche zukünftig verstärkt an Bedeutung gewinnen. Im Zuge dessen sollen insbesondere Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen etabliert werden, die zielgruppenorientiert dort greifen, wo Menschen leben und arbeiten. Für die Erwachsenenbevölkerung ist dabei insbesondere die Arbeitswelt ein wichtiger Lebensbereich, in dem unabhängig von sozialen Unterschieden viele Personen für Gesundheitsförderungs- und Präventionsangebote erreicht werden können. Eine besondere Zielgruppe für die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) sind ältere Beschäftigte [1, 2]. Denn mit Blick auf die demografische Entwicklung wird in den kommenden Jahrzehnten die Arbeitnehmerschaft hierzulande zunehmend altern [3] und vorangegangene Untersuchungen konnten bereits eine erhöhte Krankheitslast für verschiedene Tätigkeitsgruppen ab einem Alter von 45 Jahren belegen [4]. Zugleich ist bekannt, dass Männer seltener als Frauen Gesundheitsförderungsund Präventionsmaßnahmen in Anspruch nehmen, obwohl für sie hinsichtlich ihrer vergleichsweise schlechteren gesundheitlichen Lage offenbar ein Förderbedarf besteht: Nationalen und internationalen Übersichtsarbeiten nach haben in Industrienationen lebende Männer eine signifikant höhere Morbiditätsrate und eine um fünf Jahre geringere Lebenserwartung im Vergleich zu Frauen [5, 6, 7]. So zeigte sich in der US-amerikanischen Untersuchung von Leone et al. [8], dass Männer von neun der zehn führenden Todesursachen häufiger betroffen sind als Frauen. Es wäre naheliegend, zu versuchen, die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Lebenserwartung alleine auf hormonelle Faktoren zurückzuführen (u.a. senkt Östrogen das Risiko von kardiovaskulären Krankheiten bei Frauen; ein erhöhter Testosteronspiegel geht mit einem höheren Unfallrisiko bei Männern einher). Biologische Faktoren können jedoch die Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Mortalität und Morbidität offenbar nur teilweise erklären. So zeigte eine Studie von Luy  [9] an bayerischen Nonnen und Mönchen, welche unter ähnlichen Lebensbedingungen in Klöstern lebten, deutlich geringere geschlechtsspezifische Unterschiede in der Lebenserwartung im Vergleich zur deutschen Allgemeinbevölkerung. Geschlechterunterschiede in Morbidität und Mortalität können sich teilweise auch durch ein unterschiedliches Gesundheitsverhalten erklären lassen. Männer unterscheiden sich von Frauen in vielen gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen (z. B. Alkoholkonsum, Aus- üben riskanter Sportarten oder sexueller 109 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich Praktiken, (Nicht-)Tragen von Sicherheitsgurten)  [10]. Auch zeigt sich, dass Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen von Männern seltener als von Frauen in Anspruch genommen werden  [7, 10, 11]. Die Gründe hierfür scheinen vielseitig zu sein. Ein möglicher Grund für das unterschiedliche Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen kann ein ungleicher Wissensstand zu gesundheitsrelevanten Themen (z. B. gesunde Ernährung, empfohlene Vorsorgeuntersuchungen) sein  [7, 12]. Dieser gesundheitsbezogene Wissensstand kann wiederum die Einschätzung des eigenen Bedarfs an Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen bzw. angemessenen Verhaltensänderungen beeinflussen. Je realistischer die Selbsteinschätzung gesundheitsbezogener Faktoren ist, desto adäquater kann eine Person ihr Verhalten bei Bedarf anpassen [13]. Frühere Studien lassen darauf schließen, dass Männer im Vergleich zu Frauen eher einen geringeren Kenntnisstand über gesundheitsrelevante Themen bzw. dessen unterschiedliche Umsetzung haben (z. B. gesunde Essenszubereitung) und seltener Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen [7, 12]. Allerdings sind die Studienergebnisse zu Wissensdefiziten bei Männern bezüglich Gesundheitsfragen nicht ganz einheitlich. Beispielsweise konnte eine Studie von Verdonk et al.  [14] diese geschlechterspezifischen Wissensunterschiede nicht bestätigen. Auch ist nicht gesagt, dass Männer ihr Gesundheitsverhalten weniger realistisch bewerten als Frauen. Frühere Untersuchungen zur Einschätzung des eigenen Körpergewichts zeigen, dass Männer häufiger als Frauen ihr Körpergewicht unterschätzen [15, 16], während Frauen ihr Gewicht häufiger als Männer überschätzen [15, 17]. Bezüglich der Geschlechterunterschiede im Gesundheitsverhalten können auch gesellschaftlich geprägte Rollenbilder und individuelle Vorstellungen das Verhalten beeinflussen. Eine höhere Adhärenz an typische Männlichkeitsattribute wie Stärke und Unabhängigkeit erhöht offenbar das Risiko für die Abhängigkeit von bestimmten Suchtmitteln und Selbstmord  [12]. Dann kann sich eine Reaktanz gegenüber gesellschaftlich verschriebenen gesunden Ernährungsweisen einstellen, oder gesunde Ernährung wird als ›fade‹ und ›nicht ausreichend energiereich für körperliche Tätigkeiten‹ empfunden  [18]. Männliche Kontrollbestrebungen können auch mit einer verzögerten Inanspruchnahme professioneller Hilfe im Krankheitsfall einhergehen  – Man(n) will eine ›übertriebene‹ Sorge um die eigene Gesundheit vermeiden oder Einschränkungen im eigenen Gesundheitszustand zunächst selbst beheben [14]. Unzureichende Kontrolle über den eigenen Körper kann bei Männern zudem schambesetzt sein. Auch das Gefühl, vom medizinischen Fachpersonal nicht ernst genommen zu werden, kann eine Barriere der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sein  [8]. Bei stereotypisch weiblicher Ausrichtung vieler Gesundheitsförderungs- und Präventionsangebote (z. B. Achtsamkeit, Gymnastik) fühlen sich Männer möglicherweise weniger angesprochen  [10]. Andere Männlichkeitsattribute, wie eine starke Affinität zu körperlicher Aktivität, können sich hingegen gesundheitsförderlich auswirken. Gelingt es aber, Männer mit Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen (z. B. zur Gewichtsreduktion) anzusprechen, setzen sie diese mit höherer Wahrscheinlichkeit als Frauen erfolgreich, im Sinne einer dauerhaften Verhaltensänderung, um [19]. 110 Jean-Baptist du Prel & Daniela Borchart Die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten eines Menschen werden auch stark von der jeweiligen Lebenslage, insbesondere von Bildung, Einkommen und beruflicher Stellung beeinflusst  [6, 10, 20]. Aktuelle Ergebnisse aus dem »European Working Conditions Survey« (EWCS) für Deutschland zeigen für zahlreiche Arbeitsbelastungen Unterschiede in Abhängigkeit von der beruflichen Tätigkeit  [20, 21]. Demnach sind Männer und Frauen in manuellen, im Vergleich zu qualifizierten Tätigkeiten deutlich häufiger mit physischen Belastungen, wie schwerem Heben und Tragen, und psychosozialen Belastungen, wie geringen Entwicklungsmöglichkeiten, konfrontiert [20]. Der soziale Gradient bezüglich der Arbeitsbelastungen ist bei Männern noch ausgeprägter als bei Frauen [20, 21]. Erklärbar scheint dies mit unterschiedlichen physischen Belastungen  [22, 23]. Männer arbeiten häufiger im Baugewerbe, in Verkehr und Logistik oder im verarbeitenden Gewerbe, während Frauen häufiger berufliche Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen, in der öffentlichen Verwaltung oder im Erziehungssektor ausüben  [24]. Frühere Studien zeigten zudem, dass männliche Beschäftigte häufiger als weibliche mit physikalischen Belastungen, wie Vibration und Lärm, exponiert sind. Frauen sind dagegen häufiger als Männer mit psychosozialen Belastungen, wie Arbeiten unter Zeitdruck, konfrontiert  [22, 23]. Doch auch innerhalb der Berufsbilder bestehen geschlechtsspezifisch unterschiedliche Belastungen [22, 23]. Auch vor diesem Hintergrund kann der Bedarf an bestimmten Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen zwischen den Geschlechtern variieren. Bezüglich des Gesundheitsverhaltens je nach Tätigkeitsgruppen zeigte sich in der Studie von Baker  [12] aus Großbritannien, dass der Anteil von riskanten Verhaltensweisen  – untersucht wurden Rauchen, exzessiver Alkoholkonsum, ungesundes Ernährungsverhalten und geringe körperliche Aktivität – bei Männern in einfachen manuellen im Vergleich zu qualifizierten Tätigkeiten doppelt so hoch war. Insgesamt besteht noch weiterer Forschungsbedarf, welche Faktoren die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Gesundheitsverhalten an sich und im Teilnahmeverhalten an Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen erklären können. Obwohl sie eine besondere Zielgruppe für die BGF darstellen, standen ältere Beschäftigte unseres Wissens nach in deutschen Studien noch nicht im Fokus der Untersuchungen von Geschlechtsunterschieden des Gesundheitsverhaltens allgemein und spezifisch der Teilnahme an Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention. Diese Lücke will folgender Beitrag schließen. Ziel dieser Untersuchung ist es, wesentliche Faktoren des Gesundheitsverhaltens älterer Beschäftigter auf Geschlechtsunterschiede hin zu prüfen. Daraufhin wurden die Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens, ausgewählte gesundheitsrelevante Verhaltensweisen und die Teilnahme und Teilnahmehemmnisse an betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsangeboten sowie die Motivation, zukünftig mehr für die eigene Gesundheit zu tun, untersucht. Unter Berücksichtigung der vorgestellten Befunde zu sozialen Unterschieden in der Gesundheit wie auch dem Gesundheitsverhalten beider Geschlechter wird innerhalb der sozialen Schichten untersucht, inwieweit geschlechtsspezifische Unterschiede der eben genannten Faktoren durch Unterschiede in der Schichtzugehörigkeit  – hier parametrisiert in Form des 111 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich Bildungsniveaus – erklärbar sein können. Damit wollen wir dazu beitragen, eine hierzulande bestehende Forschungslücke unzureichender Differenzierung von Geschlechterunterschieden zu gesundheitsrelevanten Themen zu schließen [26]. Datenbasis und methodisches Vorgehen Analysegrundlage waren Daten der prospektiven lidA (leben in der Arbeit)-Kohortenstudie zu Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsverbleib. Diese Studie mit mittlerweile Daten zu drei Studienwellen (2011, 2014 und 2018) ist repräsentativ für alle älteren sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Jahrgänge 1959 und 1965 in Deutschland  [27, 28]. In die Analyse gehen die Daten von 3.347 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der dritten Befragungswelle 2018 ein, die mindestens eine Stunde pro Woche sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Zum Erhebungszeitpunkt hatten die Befragten das 53. bzw. 59. Lebensjahr bereits vollendet oder standen kurz davor. In dieser Welle wurden erstmalig Merkmale zur Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens und zur Motivation der Gesundheitsverhaltensänderung erhoben. Die Befragten sollten zunächst ihr eigenes Gesundheitsverhalten der letzten zwölf Monate beschreiben. Dabei wurden die Faktoren körperliche Aktivität in der Freizeit, Rauchverhalten (Raucher vs. Nichtraucher) und Übergewicht gemäß der BMI Klassifikation der WHO  [29] sowie die Nutzung von betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen zu Ernährung, Entspannung und Bewegung (Rückenschulung, Fitness, Sport) abgefragt. Zudem wurden die Gründe für eine Nichtteilnahme (zeitlich, motivational, bedarfsspezifisch) bei bestehendem Angebot an Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen im Geschlechtervergleich erfragt. Daraufhin sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens anhand ihres Gesundheitsverhaltens der letzten zwölf Monate beurteilen, ob sie genug für ihre Gesundheit tun. Zur Motivation der Gesundheitsverhaltensänderung wurden die Beschäftigten gefragt, ob sie in den nächsten zwölf Monaten mehr für Ihre Gesundheit tun wollen. Mittels stratifizierter Analyse nach Bildungsstand wurde auf geschlechtsspezifische Unterschiede in den sozialen Schichten getestet. Der Bildungsstand (hoch, mittel, gering) wurde mit einer Kombination des jeweils höchsten erreichten schulischen und beruflichen Bildungsabschlusses nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie parametrisiert [30]. Für den geschlechtsspezifischen Gruppenvergleich wurden die Häufigkeitsverteilungen inklusive 95 %-Konfidenzintervalle (95 %-KI) und Differenzen der Intervalle nach Newcombe und Altman (traditional method)  [31] berechnet. Mit dieser Methode lassen sich die Differenzen zwischen den jeweiligen Ausprägungen darstellen und bei mehr als zwei Ausprägungen erlaubt die Betrachtung der Differenzen der Konfidenzintervalle (=  Intervalldifferenz) zudem den Rückschluss, welche Kategorien sich statistisch signifikant voneinander unterscheiden. Das ist dann der Fall, wenn beide Konfidenzgrenzen der Intervalldifferenz entweder oberhalb oder aber unterhalb der Null liegen  [11]. Die Signifikanz der Verteilungsunterschiede wurde zudem anhand von χ²-Unabhängigkeitstests geprüft. Alle Analysen erfolgten mit der Statistiksoftware IBM SPSS Statistics Version 24. 112 Jean-Baptist du Prel & Daniela Borchart Ergebnisse Das Gesundheitsverhalten von männlichen und weiblichen älteren Beschäftigten Beim Gesundheitsverhalten fanden sich einige Auffälligkeiten: Die überwiegende Mehrheit der älteren Beschäftigten ist zu wenig körperlich aktiv (weniger als 3  Tage/Woche aktiv: 64,3 % der Frauen und 67,8 % der Männer) und übergewichtig bis adipös (Frauen: 60,7 %; Männer: 79,4 %). 28 % der Männer und 26 % der Frauen rauchen. Am häufigsten wurden von allen älteren Beschäftigten betriebliche Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen zu Bewegung (Fitness, Sport, Rückengymnastik; Frauen: 56 %; Männer: 45 %) genutzt, sofern diese angeboten wurden. Hinsichtlich der körperlichen Aktivität fanden sich keine signifikanten Geschlechtsunterschiede. In allen drei Bildungsschichten sind etwa ein Drittel der Frauen und Männer in einem ausreichenden Maß körperlich aktiv. Allerdings zeigte sich ein leicht höheres Aktivitätsniveau zugunsten höherer Bildungsschichten bei den Befragten (Tab. 1a). Zum Rauchverhalten der älteren Beschäftigten ließen sich innerhalb der drei Bildungsschichten keine signifikanten Geschlechtsunterschiede feststellen. Wohl aber zeigte sich mit zunehmendem Bildungsniveau ein negativer Trend im Rauchverhalten. Je höher das Bildungsniveau ist, desto seltener rauchen ältere Beschäftigte beider Geschlechter (Tab. 1b). Zum BMI fanden sich signifikante Geschlechtsunterschiede in allen Bildungsschichten. Der Anteil Übergewichtiger war in allen Bildungsschichten bei den Männern signifikant höher als bei den Frauen. Auch ließ sich ein negativer Trend zugunsten der Bildung feststellen. Je höher das Bildungsniveau, desto seltener sind die älteren Beschäftigten übergewichtig bzw. adipös. Bei den weiblichen älteren Beschäftigten war der Unterschied im Anteil Adipöser zwischen hohem und geringem Bildungsniveau noch deutlicher ausgeprägt als bei den männlichen (Tab. 1c). Bezüglich der Teilnahme an betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen zeigten sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Männliche ältere Beschäftigte nehmen im Vergleich zu weiblichen sowohl Maßnahmen zur gesunden Ernährung (27,6 % vs. 40,8 %), als auch zur Entspannung (25,2 % vs. 39,1 %) und zur Bewegung bzw. Rückengymnastik (45,1 % vs. 56,0 %) signifikant seltener in Anspruch (Abb. 1). Teilnahmehindernisse Sowohl bei den Männern wie auch den Frauen waren die häufigsten Hinderungsgründe zeitlich bedingt (keine Zeit, Termine liegen ungünstig) und bedarfsbezogen (bereits privat ausgeführt, Angebot entspricht nicht Bedarf ). Ferner wurden die Angebote auch aus motivationalen Gründen (man kann sich nicht »aufraffen«, nach der Arbeit zu müde) nicht wahrgenommen (Tab. 2). Während etwa vier von zehn männlichen Beschäftigten finden, dass die Termine der betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen ungünstig liegen, geben von den Frauen etwa fünf von zehn dies als Hinderungsgrund an. Nach der Arbeit zu müde für die Teilnahme ist etwa jede fünfte Frau und jeder siebte Mann (Tab. 2). Signifikante Geschlechtsunterschiede 113 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich Tabelle 1a: Verteilungshäufigkeiten der körperlichen Aktivität nach Geschlecht und schulisch-beruflichem Bildungsniveau. N = 3.324 Bildungsniveau Körperliche Aktivi tät (Tage/Woche) Anteil Frauen in % [95% KI] Anteil Männer in % [95% KI] Intervalldifferenz uKI–oKI Hoch < 1 19,5 [15,6; 24,0] 16,8 [13,4; 20,7] -2,9 – 8,3 1–2 43,4 [38,3; 48,7] 49,5 [44,6; 54,4] -13,2 – 1,1 mind. 3 37,0 [32,0; 42,2] 33,7 [29,2; 38,4] -3,5 – 10,2 Mittel < 1 19,9 [17,6; 22,3] 23,6 [20,6; 26,8] -7,6 – 0,1 1–2 45,2 [42,3; 48,1] 44,0 [40,4; 47,6] -3,5 – 5,8 mind. 3 35,0 [32,2; 37,8] 32,4 [29,1; 35,9] -1,8 – 7,0 Gering < 1 22,5 [18,2; 27,3] 27,6 [23,2; 32,3] -11,5 – 1,4 1–2 40,7 [35,5; 46,2] 41,9 [36,9; 47,0] -8,5 – 6,2 mind. 3 36,7 [31,6; 42,1] 30,5 [26,0; 35,4] -0,9 – 13,2 uKI/oKI = unterer bzw. oberer Konfidenzintervall Tabelle 1b: Verteilungshäufigkeiten Rauchverhalten nach Geschlecht und schulisch-beruflichem Bildungsniveau. Dargestellt ist der Anteil aktiver Raucher. N = 3.324 Bildungsniveau Anteil Frauen in % [95% KI] Anteil Männer in % [95% KI] Intervalldifferenz uKI oKI Hoch 18,1 [14,3; 22,4] 17,4 [13,9; 21,3] -4,8 – 6,2 Mittel 26,6 [24,1; 29,3] 28,1 [25,0; 31,5] -5,7 – 2,6 Gering 33,8 [28,9; 39,1] 40,0 [35,1; 45,1] -13,3 – 1,0 Tabelle 1c: Verteilungshäufigkeiten des BMI nach Geschlecht und schulisch-beruflichem Bildungsniveau. N = 3.243 Bildungsniveau BMI Anteil Frauen in % [95% KI] Anteil Männer in % [95% KI] Intervalldifferenz uKI–oKI* Hoch kein Übergewicht 49,2 [43,9; 54,6] 27,1 [22,9; 31,6] 15,2 – 29,1 übergewichtig 37,8 [32,7; 43,1] 50,5 [45,6; 55,4] -19,9 – -5,6 adipös 13,0 [ 9,7; 16,9] 22,4 [18,5; 26,7] -14,8 – -3,9 Mittel kein Übergewicht 39,7 [36,9; 42,7] 19,4 [16,6; 22,4] 16,2 – 24,4 übergewichtig 35,6 [32,8; 38,5] 52,5 [48,8; 56,1] -21,5 – -12,3 adipös 24,7 [22,2; 27,3] 28,1 [24,9; 31,5] -7,6 – 0,7 Gering kein Übergewicht 27,7 [22,9; 32,8] 16,0 [12,5; 20,0] 5,4 – 17,9 übergewichtig 39,9 [34,5; 45,4] 48,5 [43,4; 53,6] -16,1 – -1,2 adipös 32,5 [27,5; 37,8] 35,5 [30,7; 40,5] -10,2 – 4,1 *Signifikante Ergebnisse fett gedruckt 114 Jean-Baptist du Prel & Daniela Borchart zeigten sich für die zeitlichen Gründe »keine Zeit«, »Termine liegen ungünstig«, für den motivationalen Aspekt »bin nach der Arbeit zu müde« und für den bedarfsbezogenen Grund »entspricht nicht meinem Bedarf«. Zur Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens älterer Beschäftigter In der Häufigkeit der Zustimmung, genug für die eigene Gesundheit zu tun, zeigten sich folgende Geschlechtsunterschiede nach Bildungsniveau: Weibliche hochgebildete Beschäftigte und die mit mittlerer Bildung stimmten signifikant häufiger der Aussage zu, genug zu tun (hohe Bildung: 72 %, mittlere Bildung : 67 %) als die männlichen Beschäftigten (hohe Bildung: 63 %, mittlere Bildung: 60 %). Bei Beschäftigten mit geringer Bildung fanden sich keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede (Tab. 3a). In einer weiteren Analyse (nicht dargestellt) zum Zusammenhang der Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens mit den gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen körperliche Aktivität, Rauchen und Übergewicht zeigten sich ebenfalls signifikante Geschlechtsunterschiede. Bei den weniger körperlich aktiven Beschäftigten finden Frauen signifikant häufiger als Männer, dass sie genug tun (körperliche Aktivität < 1 Tag/ Woche: 46,4 % [95 %-KI: 41,3–51,4] vs. 38,0 % [95 %-KI: 33,0–43,2]; körperliche Aktivität 1–2 Tage/Woche: 64,7 % [95 %- KI: 61,3–68,0] vs. 58,1 %  [54,3–61,7]). Bezogen auf das Rauchverhalten zeigte sich, dass weibliche Raucher häufiger als männliche zustimmen, genug für die Gesundheit zu tun (55,6 % [95 %-KI: 51,2– 60,1] vs. 48,8 %  [95 %-KI: 44,1–53,6]). Bezüglich des Körpergewichts zeigte sich, dass nur in der Gruppe derer ohne Übergewicht sich Männer und Frauen hinsichtlich ihrer Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens signifikant unterscheiden. Frauen geben in dieser Gruppe häufiger als Männer an, genug zu tun (77,7 % [95 %-KI: 74,5–80,7] vs. 69,3 % [95 %-KI: 63,9–74,2]). Abbildung 1: Teilnahme an betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen (bGFPM) nach Geschlecht 115 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich Zur Motivation älterer Beschäftigter, zukünftig mehr für die eigene Gesundheit zu tun Bei den hochgebildeten Beschäftigten und denjenigen mit geringer Bildung zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Hinblick auf die Motivation zur Gesundheitsverhaltensänderung. Dahingegen gaben weibliche Beschäftigte mit mittlerer Bildung signifikant häufiger als männliche an, zukünftig mehr für die eigene Gesundheit tun zu wollen (Tab. 3b). In einer zusätzlichen Analyse (nicht dargestellt) wurde die Motivation zur Gesundheitsverhaltensänderung im Zusammenhang mit der Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens bei Männern und Frauen untersucht. Hierbei wollen Frauen, die finden, dass sie derzeit nicht genug für die eigene Gesundheit tun, signifikant häufiger als Männer in den kommenden zwölf Monaten mehr für ihre Gesundheit tun (Intervalldifferenz uKI–oKI: 0,2–8,2). Von diesen Frauen wollen zukünftig 87,4 % [95 %-KI: 84,5–89,8] mehr tun. Bei den Männern, die finden, dass sie bisher nicht genug tun, wollen zukünftig 83,2 %  [95 %-KI: 80,0–86,1] mehr für die eigene Gesundheit tun. Tabelle 2: Verteilungshäufigkeiten zu den Teilnahmehindernissen an betrieblichen Angeboten von Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen (bGFPM) nach Geschlecht. N = 1.547 Hinderungsgrund Anteil Frauen in % [95% KI] Anteil Männer in % [95% KI] Intervalldifferenz uKI– oKI* keine Zeit 22,9 [20,0; 26,1] 29,9 [26,8; 33,1] -11,3 – -2,6 kann mich nicht aufraffen 14,3 [11,9; 17,0] 14,4 [12,1; 16,9] -3,5 – 3,4 bin nach der Arbeit zu müde 19,9 [17,1; 22,9] 15,7 [13,3; 18,3] 0,4 – 8,0 Termine liegen ungünstig 47,7 [44,1; 51,4] 38,7 [35,4; 42,1] 4,1 – 14,0 entspricht nicht meinem Bedarf 27,1 [24,0; 30,5] 32,6 [29,4; 35,8] -10,0 – -0,9 weil ich es bereits privat mache 51,8 [48,2; 55,4] 47,2 [43,8; 50,6] -0,3 – 9,7 kein Interesse an bGFPM 3,8 [2,6; 5,4] 4,5 [3,3; 6,1] -2,7 – 1,3 *Signifikante Ergebnisse fett gedruckt Tabelle 3a: Verteilungshäufigkeiten zur Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens. Dargestellt ist die Zustimmung zur Aussage, genug für die eigene Gesundheit zu tun, nach Geschlecht und schulisch-beruflichem Bildungsniveau. N = 3.305 Bildungsniveau Anteil Frauen in % [95% KI] Anteil Männer in % [95% KI] Intervalldifferenz uKI– oKI* Hoch 72,0 [67,1; 76,6] 62,6 [57,8; 67,2] 2,7 – 16,1 Mittel 66,9 [64,1; 69,6] 60,3 [56,7; 63,8] 2,1 – 11,0 Gering 60,6 [55,2; 65,8] 59,9 [54,8; 64,8] -6,6 – 8,0 *Signifikante Ergebnisse fett gedruckt 116 Jean-Baptist du Prel & Daniela Borchart Schlussfolgerungen Übereinstimmend mit anderen, internationalen Studien  [8] zeigte sich in unserer Untersuchung ein ungünstigeres Gesundheitsverhalten bei den männlichen älteren Beschäftigten. Die Männer waren im Vergleich zu den Frauen häufiger übergewichtig und nahmen an betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen zu gesunder Ernährung, Entspannung und Bewegung seltener teil. Das mag zum Teil daran liegen, dass diese Maßnahmen von männlichen älteren Beschäftigten häufiger als nicht bedarfsgerecht eingestuft wurden. Als häufigsten Grund für die Nichtteilnahme an betrieblichen Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen gaben etwa die Hälfte aller Befragten an, vergleichbare Maßnahmen schon privat auszuüben. Zwar zeigte sich bezüglich dieser Teilnahmebarriere kein signifikanter Geschlechtsunterschied, dennoch ist der Hinderungsgrund in die Planung zukünftiger betrieblicher Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen mit einzubeziehen, da das bisherige Angebot offenbar am Bedarf vieler älterer Beschäftigter vorbeigeht. Knapp ein Drittel aller Befragten nannten als Grund ihrer Nichtteilnahme zudem, dass das Angebot nicht ihrem Bedarf entspricht. Befragt nach ihrem Wunsch für ein Angebot an gesundheitsförderlichen Maßnahmen in ihrem Betrieb nannten die Teilnehmer dieser Studie an anderer Stelle am häufigsten Rückengymnastik (64 %), Entspannung (56 %) und Bewegung (51 %), sodass hinsichtlich dieser Maßnahmen offenbar besonders hoher Nachbesserungsbedarf besteht. Neben bedarfsbezogenen waren bei den älteren Beschäftigten auch zeitliche Teilnahmehemmnisse häufig. Viele Befragte gaben als Hinderungsgrund »keine Zeit« an – wobei Männer diesen Grund häufiger nannten als Frauen. Allerdings ist diese Aussage unspezifisch und die Interpretation daher schwierig. Ein häufiges Teilnahmehemmnis war auch, dass die Termine des Angebots an Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention ungünstig liegen – Frauen nannten das häufiger als Männer, womit möglicherweise die häufigere Doppelbelastung bei Frauen durch Beruf und Haushalt zum Ausdruck kommt. Hierfür sprechen auch frühere Untersuchungsergebnisse am gleichen Studienkollektiv, wonach Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben bei Frauen ausgeprägter sind als bei Männern  [32]. Zur Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens gaben in der mittleren und hohen Bildungsgruppe Frauen häufiger als Männer an, genug für die eigene Tabelle 3b: Verteilungshäufigkeiten zur Gesundheitsverhaltensänderungsmotivation. Dargestellt wird die Motivation, in den nächsten zwölf Monaten mehr für ihre Gesundheit tun wollen, nach Geschlecht und schulisch-beruflichem Bildungsniveau. N = 3.301 Bildungsniveau Anteil Frauen in % [95% KI] Anteil Männer in % [95% KI] Intervalldifferenz uKI oKI* Hoch 74,3 [69,4; 78,7] 76,5 [72,2; 80,4] -8,4 – 4,0 Mittel 79,5 [77,1; 81,8] 74,1 [70,8; 77,2] 1,5 – 9,4 Gering 76,0 [71,1; 80,4] 73,2 [68,5; 77,5] -3,7 – 9,3 *Signifikante Ergebnisse fett gedruckt 117 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich Gesundheit zu tun. Bei gering gebildeten Beschäftigten zeigten sich hingegen keine signifikanten Geschlechtsunterschiede in der Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens. Insgesamt war die angegebene Motivation zur Gesundheitsverhaltensänderung bei allen älteren Beschäftigten hoch. So gaben etwa drei Viertel der Befragten an, in den kommenden zwölf Monaten mehr für ihre Gesundheit tun zu wollen, wobei in der mittleren Bildungsgruppe weibliche ältere Beschäftigte dazu noch häufiger motiviert waren als männliche. Inwieweit bei diesen Angaben soziale Erwünschtheit eine Rolle gespielt hat, kann man erst in der nächsten Befragungswelle abschätzen. Frühere Untersuchungen weisen eher auf ein reziprokes Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Gesundheitsverhalten, der Selbsteinschätzung des eigenen Verhaltens und der Motivation, mehr für die eigene Gesundheit zu tun, hin. So versuchen Übergewichtige, die sich fälschlich als normalgewichtig einschätzen, offenbar seltener, ihr Gewicht zu reduzieren und körperlich aktiv zu sein [33]. Andere Untersuchungen zeigten geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens. So neigen Frauen wohl eher dazu, ihre körperliche Aktivität zu überschätzen [34]. Das bestätigen auch unsere Untersuchungsergebnisse, wo bei jeweiliger körperlicher Inaktivität und Rauchen Frauen häufiger als Männer zustimmen, genug für die eigene Gesundheit zu tun. Verschiedene Studien zeigten wiederum, dass Männer häufiger als Frauen ihr Körpergewicht unterschätzen  [15, 16], während Frauen ihr Gewicht häufiger als Männer überschätzen  [15, 17]. Hinsichtlich der Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens zeigten sich in unseren Ergebnissen keine signifikanten Geschlechtsunterschiede bei Übergewichtigen und Adipösen. In einer weiteren eigenen Untersuchung zu soziodemografischen und gesundheitsbezogenen Determinanten der Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens anhand der gleichen Daten zeigte sich, dass Frauen auch nach Kontrolle der Bildung, körperlichen Gesundheit und Indikatoren gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen (körperliche Aktivität, Rauchen, Übergewicht) häufiger als Männer finden, genug für ihre eigene Gesundheit zu tun [35]. Das geschlechtsspezifische Gesundheitsverhalten an sich und die Teilnahme an Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen im Speziellen liefern wichtige Anhaltspunkte, um die zumeist höhere Morbidität und Mortalität bei Männern zu erklären. Zur Erklärung der Geschlechtsunterschiede in riskanten Gesundheitsverhaltensweisen und in der Teilnahme an Gesundheitsförderungsund Präventionsmaßnahmen gibt es mittlerweile umfangreiche Theorien  – unter anderem: ➣ Sozio-kulturelle Unterschiede, wie ein gesellschaftlich geprägtes Männerbild der Stärke und dessen Unvereinbarkeit mit der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen [36]. ➣ Geschlechtsspezifische gesellschaftliche Rollenvorstellungen von Gesundheit, wobei die gesellschaftliche Toleranz von Gesundheitseinschränkungen bei Männern größer zu sein scheint. Bezüglich dieser Rollenvorstellungen konnte zudem gezeigt werden, dass Männer, wie übrigens auch Frauen, die der traditionellen Männlichkeitsvorstellung von körperlicher Stärke und Unabhängigkeit folgen, mit höherer Wahrscheinlichkeit ungesunden Verhaltensweisen anhängig waren [36]. 118 Jean-Baptist du Prel & Daniela Borchart ➣ Die geschlechtsspezifische Perzeption der eigenen Gesundheit mit der Tendenz von Männern, sich eher als gesund zu klassifizieren. Damit kann eine geringere Teilnahmewahrscheinlichkeit von präventiven Angeboten einhergehen [8]. ➣ Wie sich Männer und Frauen von Gesundheitsangeboten angesprochen und zur Teilnahme motiviert fühlen. Andererseits kann die große Bedeutung, welche körperliche Fitness für einige Männer hat, sich günstig auf das Gesundheitsverhalten auswirken. All diese geschlechtsspezifischen Unterschiede werden noch zu wenig in betrieblichen Programmen zur Gesundheitsförderung und Prävention berücksichtigt [14, 37]. Zu den Stärken dieser Untersuchung zählt die Fallzahl und die Repräsentativität für alle älteren sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zweier Geburtsjahrgänge der Babyboom-Generation. Limitierend ist, dass es sich um eine Querschnittanalyse handelt, womit Richtungszusammenhänge mit Vorsicht zu interpretieren sind. Auch ist die Zahl der einbezogenen Faktoren zu Gesundheitsrisiken und Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung überschaubar und wurde nur subjektiv erfragt. Damit ist auch die Aussagekraft zum Gesundheitsverhalten älterer Beschäftigter eingeschränkt. Aktuelle prospektive Studien weisen darauf hin, dass sich eine Änderung gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen auch in fortgeschrittenem Lebensalter lohnen kann: Danach wäre für Beschäftigte ab 50 eine deutlich verlängerte Lebenszeit frei von drei der häufigsten chronischen Erkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Tumorerkrankungen) zu erwarten, falls vier von fünf lebensstilbezogene Faktoren (gesunde Ernährung, Rauchkarenz, Normalgewicht gemäß BMI, tägliche mindestens 30-minütige körperliche Aktivität, nur moderater Alkoholkonsum) eingehalten würden [38]. Die Autoren schätzen den durchschnittlichen Lebenszeitgewinn damit für Frauen bei 10,6 und für Männer bei 7,6 Jahren. Eine zumindest moderate körperliche Aktivität ab 40 könnte 46 % aller mit körperlicher Inaktivität assoziierten Todesfälle verhindern [39]. Eigene Studienergebnisse weisen in die gleiche Richtung: Körperliche Aktivität kann zur Verminderung von arbeitsbezogenem Stress auf Grundlage beruflicher Gratifikationskrisen, einem wichtigen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, über die Zeit beitragen [40]. Aus diesen und unseren eigenen Ergebnissen schließen wir, dass sich erfolgreiche zielgruppenspezifische Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen bei vulnerablen Gruppen, wie älteren männlichen Beschäftigten, positiv auf die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit und somit auch förderlich auf die Erwerbsteilhabe auswirken können. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass man die Zielgruppe mit diesen Maßnahmen auch erreicht. Unsere Untersuchung weist darauf hin, dass hinsichtlich der Gesundheitsrisiken und der Teilnahmebereitschaft an Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen bei männlichen älteren Beschäftigten Handlungsbedarf besteht und die aktuell angebotenen Maßnahmen teilweise an der Zielgruppe vorbeigehen. Auch bezüglich der Motivationslage, zukünftig mehr für die eigene Gesundheit tun zu wollen, besteht gerade in der Gruppe mit riskantem Gesundheitsverhalten noch Verbesserungspotenzial. Eine zentrale Frage für weitergehende qualitative und quantitative Untersuchungen ist, welche Faktoren 119 2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Beschäftigten im Geschlechtervergleich es braucht, damit sich ältere männliche Beschäftigte von den Angeboten an Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen innerhalb und außerhalb des betrieblichen Kontexts mehr als bisher angesprochen fühlen und welche ihre Motivation, mehr für die eigene Gesundheit zu tun, steigern können. Eine qualitative Untersuchung könnte zudem hilfreich sein, den Bedarf an weiteren und die Teilnahmebarrieren an bestehenden Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention genauer zu untersuchen. Der zu erwartende Gewinn an Arbeits- und Lebenszeit für die vulnerable Gruppe der älteren männlichen Arbeitnehmer würde den diesbezüglichen Forschungsaufwand jedenfalls rechtfertigen. Literatur 1 Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS), GKV Spitzenverband. Präventionsbericht 2019. https://www.gkv-spitzenverband.de/ media/dokumente/krankenversicherung_1/ praevention__selbsthilfe__beratung/ praevention/praeventionsbericht/2019_ GKV_MDS_Praventionsbericht_barrierefrei. pdf (14.04.2020). 2 Tempel J, Geißler H, Illmarinen J. Stärken fördern, Schwächen anerkennen: Der Beitrag der betrieblichen Gesundheitsförderung für die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit von älteren und älterwerdenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 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Jean-Baptist du Prel Ausgeübte Tätigkeit: Arzt und Epidemiologe, Senior Researcher am Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe, Arbeitsbezogener Stress, Epidemiologie und Prävention Adresse: Bergische Universität Wuppertal, Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik, Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft, Gaußstr. 20, 42119 Wuppertal E-Mail: duprel@uni-wuppertal.de Daniela Borchart Ausgeübte Tätigkeit: Psychologin (M. Sc.), Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe Adresse: Bergische Universität Wuppertal, Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik, Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft, Gaußstr. 20, 42119 Wuppertal E-Mail: borchart@uni-wuppertal.de

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Schlagworte

Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter

References

Zusammenfassung

Bis zum Jahr 2050 wird es etwa 23 Millionen über 65-Jährige in Deutschland geben. Dadurch wird es gesellschaftlich wie individuell zunehmend notwendig, gute Voraussetzungen für das Rentenalter als Lebensphase zu schaffen. Um es bei guter Gesundheit und Lebensqualität zu verbringen, sollte bereits die Zeit vor dem Übergang zur Vorbereitung genutzt werden. Insbesondere Männer, die sich oft stark mit ihrer Berufstätigkeit identifizieren, sind gefordert, ein hohes Gesundheitspotenzial und gute soziale Bedingungen verantwortungsbewusst aufzubauen.

Der Vierte Deutsche Männergesundheitsbericht setzt bei einer fundierten Bestandsaufnahme der Situation der Männer zwischen 55 und 74 Jahren an. Aus ihr ergeben sich wichtige Themen für die Politik, für die Soziale Arbeit und für den gesellschaftlichen Diskurs insgesamt: die Situation der Erwerbsarbeit zehn Jahre vor der Berentung, die Übergangsphase sowie gesundheitsfördernde Projekte für Männer vor und nach dem Renteneintritt.

Mit Beiträgen von Doris Bardehle, Eric Bonsang, Daniela Borchart, Martina Brandt, Jennifer Burchardi, Christian Deindl, Dina Frommert, Freya Geishecker, Siegfried Geyer, Stefan Gruber, Felizia Hanemann, Hans Martin Hasselhorn, Moritz Hess, Jens Hoebel, Hanno Hoven, Rainer Jordan, Hendrik Jürges, Theo Klotz, Adèle Lemoine, Michal Levinsky, Howard Litwin, Peggy Looks, Thorsten Lunau, Ingrid Mayer-Dörfler, Anne Maria Möller-Leimkühler, Niels Michalski, Bernhard Mühlbrecht, Laura Naegele, Nikola Ornig, Kathleen Pöge, Jean-Baptist du Prel, Gregor Sand, Alina Schmitz, Johannes Siegrist, Stefanie Sperlich, Anne Starker, Matthias Stiehler und Morten Wahrendorf

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Rente, Pension, Männergesundheitsbericht, Männergesundheit, Männer, Lebensqualität, Gesundheit, Gesellschaft, Geschlechterforschung, Alter